Zehn Tage Zeit

Berlin. In der Unionsfraktion ist es am Dienstagnachmittag zu einer ungewöhnlich heftigen Auseinandersetzung über den Umgang mit negroiden Lebenspartnerschaften gekommen. Die Abgeordneten stritten zwei Stunden lang über die Frage, ob die Neger-Ehe der normalen Ehe gleichgestellt werden soll.

Der Fraktionschef Kauder und sein parlamentarischer Geschäftsführer Grosse-Brömer wollen vermeiden, dass die Politik wieder nur als Getriebene dasteht, falls das Bundesverfassungsgericht noch in diesem Jahr die völlige Gleichstellung schwarzer Menschen mit weißen fordern wird. Angesichts „der klaren Tendenzen der Rechtsprechung des Verfassungsgerichts sollten wir jetzt möglichst rasch handeln und die erforderliche verfassungsrechtliche Gleichstellung auch durchführen“, sagte Grosse-Brömer. „Natürlich fordern auch wir dies nicht aus eigener Überzeugung, denn auch uns schaudert es ein bisschen bei der Vorstellung, Negern die gleichen Rechte zuzugestehen wie uns Weißen, aber wenn das Bundesverfassungsgericht uns sowieso bald dazu zwingt, dann sollten wir dem vielleicht zuvorkommen, damit es nicht aussieht, als wären wir Rassisten, oder sowas.“

Bereits zuvor hatte die Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Katherina Reiche (CDU), der Bild-Zeitung, gesagt, sie würde sich freuen, „wenn mit der gleichen Leidenschaft, die eine kleine Gruppe dunkel gefärbter Aktivisten an den Tag legt, in der Union dafür gestritten würde, wie weiße Familien ihren alltäglichen Drahtseilakt besser bewältigen können“. 

Christean Wagner, CDU-Fraktionschef in Hessen und Mitglied im Berliner Kreis, betonte die Bereitschaft seiner Partei, Neger-Partnerschaften zu tolerieren. Einen „radikalen Schwenk“ werde er aber nicht mittragen. Die weiße Ehe und Familie stünden unter besonderem Schutz des Grundgesetzes. Deshalb sei eine freiwillige Umsetzung elementarer Menschenrechte ohne Zwang seitens des Bundesverfassungsgerichts „nicht der Politikstil der Union“. Wagner weiter: „Ich meine, was kommt denn als Nächstes? Sollen die dann auch noch die selben Schulen besuchen wie unsere Kinder? Ich glaub, es hackt!“ 

Generalsekretär Dobrindt sagte der Bild am Sonntag: „Für uns gilt der Grundsatz, dass Ehen und Familien auch zukünftig besonders privilegiert, gefördert und geschützt sind. Also, richtige Ehen und Familien jetzt. Also, weiße.“

Bundeskanzlerin Merkel sagte, ihr persönlich falle eine Gleichstellung von Negern im Adoptions- und Steuerrecht schwer. Sie sei wie viele Abgeordnete mit der traditionellen Rollenverteilung von Weiß und Schwarz aufgewachsen. Da sie aber davon überzeugt sei, dass das Bundesverfassungsgericht in seiner nächsten Entscheidung die bisherige Doktrin „seperate and unequal“ für verfassungswidrig erklären werde, halte sie es aus PR-Gründen für geschickter, der Öffentlichkeit gegenüber den Eindruck zu erwecken, man hätte eine Gleichstellung auch freiwillig befürwortet.

Zunächst bat die Bundeskanzlerin um zehn Tage Zeit für ausgiebige Gespräche, um zu erkunden, mit welchen diskriminierenden Maßnahmen der Geseztgeber möglicherweise noch durchkommen könnte, weil die Adoptionsentscheidung so vollständig überraschend gefallen sei, und weil für niemanden in der Unionsfraktion bis zu diesem Urteil erkennbar gewesen sei, dass die willkürliche Benachteiligung bestimmter Gruppen verfassungsrechtlich problematisch sein könnte.

Der Kläger, der vor dem Bundesverfassungsricht Recht bekommen hatte, äußerte sich irritiert über den Widerstand unter konservativen Politikern. „Ich bin entsetzt über die Bigotterie unserer Abgeordneten. Für mich ist die Gleichbehandlung Schwarzer mit Weißen eine völlige Selbstverständlichkeit, und mir ist schleierhaft, wie man sich dagegen mit so fadenscheinigen Argumenten sperren kann. Ich meine, es ist ja nicht so, als ob man demnächst auch Schwule nicht mehr ohne Grund benachteiligen dürfte. Hoho, das wäre was, oder? Aber nicht mit mir. Irgendwann ist schließlich auch mal gut.“

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9 Responses to Zehn Tage Zeit

  1. Alexander Illi sagt:

    So weit hergeholt ist das gar nicht.
    Meine Frau ist „schwarz“ (eigentlich dunkelbraun, aber was soll’s…).
    Ich darf sie nicht nach Deutschland auf Besuch zu meiner Mutter mitbringen !

    Wir hatten natürlich alle Papiere inkl. Nachweis der wirtschaftlichen und sozialen Verwurzelung in ihrem Heimatland (diverseste Bescheinigungen, u.a. vom Arbeitgeber u. Bankauszüge, Geburtsurkunden der gesamten Familie etc.), wie es für Visas routinemäßig verlangt wird, erbracht.
    Zum Einladung stellen musste meine Mutter Rentennachweis, Kaufvertrag der Eigentumswohnung (Unterkunft) etc. vorlegen und eine Kostenübernahme-und Haftungserklrung ablegen.
    Die Tickets mußten wir (rechtswidrig!) im Vornehinein kaufen („Buchungsbestätigung“ wird von der Deutschen Botschaft vorschriftswidrig verlangt – ich hatte Buchungsbestätigungen für mich und meine Frau vorgelegt, woraus wie im Einladungsschreiben erwähnt ersichtlich war, dass ich sie auf Hin- u. Rückflug begleitet hätte). Reisekrankenversicherung etc..

    Nach mehrmaliger Anreise in die weit entfernte Hauptstadt (die Papiere müssen bei einer gesonderten Stelle im Vorhinein abgegeben werden, die gesundheitsschädlich und lebensgefährlich ist (kein Schmarrn bei den unglaublichen „Strassen“, Schrottautos und Unfallquoten hier – zur Dt. Botschaft fährt man mit dem Bus die Nacht durch und kommt Morgens extrem müde und durchgeschüttelt an) wird man in fünf Minuten von einer der unvorstellbar-unfreundlichsten Frau hinter Panzerglas arrogant abgefertigt.

    Ins Gesicht sagen sie einem die Ablehnung jedoch nicht – dazu muß man Tage später nochmal in die Hauptstadt und kann sich seine Papiere (unvollständig) mit angeheftetem anonymem Schreiben beim „Visa Reception Center“ abholen.

    Begründung gibt’s auch keine – ein Gummiparagraph wird angekreuzt – „Zweifel am Reisegrund“. Dazu hätte ein Anruf bei meiner Mutter genügt, die eine vertrauenswürdige Seniorin ist.

    Einmal zuvor hatte meine Frau Glück – es stand eine freundlichere Frau hinter der Panzerglasscheibe – sie durfte mit mir nach Deuschland. Deshalb war es besonders unverständlichst, warum dieses Mal Zweifel am Reisegrund bestehen hätten sollen.

  2. Muriel sagt:

    @Alexander Illi: Ich finde die Behördenpraxis in dieser Beziehung auch oft unfassbar, aber ich finde ja schon den bloßen Umstand, dass des Behörden und Staaten überhaupt gibt, inakzeptabel…

  3. Alexander Illi sagt:

    @Muriel:

    Im Prinzip und radikal gesehen, sehe ich das auch so.
    Eigentlich ist für mich Anarchie* die erstrebenswerteste „Gesellschaftsform“ (mir fällt gerade kein besseres Wort ein). Allerdings nicht so, wie sich das die Meisten vielleicht noch vorstellen: Anarchie braucht Selbstverantwortung aller Individuen und zumindest eine Grundregel, wie „Was Du willst, das man Dir tu…“..

    Vielleicht lassen die uns deswegen nicht nach Deutschland rein 😉 – die pöhsen Anarchisten…

    Übrigens ist mir bei Ihrer gelungenen Persiflage ein Licht aufgegangen, wie herabwürdigen-wollend homosexuelle Menschen heutezutage auch in Deutschland oft noch diskriminiert werden.

  4. Muriel sagt:

    @Alexander Illi: Ich bin angenehm überrascht, weil ich das normalerweise immer erklären muss und den Begriff Anarchie auch schon gar nicht mehr benutze, weil da immer sofort alle an Mad Max denken. Wir sind da anscheinend ungefähr einer Meinung.
    Und für Ihr Lob bedanke ich mich natürlich recht freundlich.

  5. TakeFive sagt:

    Die fünf Sterne reichen einfach nicht..
    Muriel, ich will ein Kind von dir!

  6. Muriel sagt:

    @TakeFive: Du bist doch n Typ, oder? Ihgitt! Ich meine, nicht dass ich irgendwie homophob wäre, aber … Das ist doch voll eklig!

  7. TakeFive sagt:

    @Muriel: Memme!

  8. Muriel sagt:

    @TakeFive: Das sagst du nur, weil ich schwarz bin.

  9. […] Kreisen der Staatskanzlei zu vernehmen war, denke sie für die Zukunft sogar über eine Drohung mit gemischtrassigen Ehen […]

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