Restebloggen (88)

31. März 2013
  1. Seltsam, dass Herrenschokolade immer so dunkel ist. Müsste die nicht eigentlich weiß … ja, schon gut, bin ja schon still.
  2. Rubber. Besser (und zugänglicher), als man erwarten würde. Das Ende ist leider sehr unbedeutend, aber ansonsten empfehle ich den Film mit Nachdruck.
  3. Wie schnell man manchmal als Troll dasteht, erstaunt mich immer wieder. Hoffentlich ziehe ich daraus die richtigen Schlüsse für den Umgang mit den Kommentatoren hier.
  4. Hat jemand Lust auf Gebunden als Hörbuch? Ich hätte da schon mal das erste Kapitel.
  5. Ich habe gerade die Ausführungen eines (spezialisierten) Juristen zu meinem Entwurf neuer AGB gelesen. Nicht nur weiß ich jetzt im Grunde nur unwesentlich mehr als vorher (nämlich, dass man zu vielen Punkten, die ich für unproblematisch hielt, derzeit befürchten muss, aber nicht sicher sein kann, dass sie einer gerichtlichen Prüfung nicht standhalten würden), ich habe jetzt außerdem Kopfschmerzen und Menschenhass. Verbraucherschutzverbände ist übrigens eine Kategorie von Organisation, bei der ich wirklich nicht wüsste, ob ich unter irgendwelchen noch denkbaren Umständen dort arbeiten würde.
  6. A propos Arbeit: Kürzlich rief bei uns eine Mitarbeiterin einer Krankenversicherung an und schlug vor, in Zukunft gegen zwei Prozent Skonto zwei Wochen früher zu zahlen. Die Dame wirkte aufrichtig verwirrt, dass wir dieses großzügige Angebot einer Vorfinanzierung für nur 52% p.a. so direkt ablehnten, und sie fragte mehrfach sehr freundlich und beinahe schon besorgt nach, ob wir uns das nicht noch mal überlegen wollten.
  7. Der EKD-Ratsvorsitzende räumte grundsätzlich ein, dass öffentlicher Protest in der Gesellschaft nötig sei. Er bezweifle aber, ob die Ruhe am Karfreitag eine Freiheitsfrage sei, für die man öffentlich eintreten und sich mit der Kirche anlegen müsse. Zu den Befürwortern dieses unsäglichen Tanzverbots fällt mir auch echt nichts mehr ein. Wie muss man denn denken? Jetzt ehrlich, was muss man denn für ein Mensch sein?

Wenn das Leben eine Folge Criminal Minds wäre

30. März 2013

Die Kamera schwebt von oben auf ein lange nicht mehr geputztes Fenster eines schlichten Bürogebäudes in einem industriell geprägten Gewerbegebiet zu.

Muriel [in nachdenklichem Tonfall, aus dem Off]: „Jean-Jacques Rousseau hat einmal gesagt: ‚Der Charakter offenbart sich nicht an großen Taten; an Kleinigkeiten zeigt sich die Natur des Menschen.'“

Durch das Fenster hindurch sehen wir drei Menschen in einem etwas zu großen Konferenzraum um einen für diesen etwas zu kleinen Tisch sitzen. Einer von ihnen ist ein recht korpulenter Mann mit einem weißen Bürstenhaarschnitt (Herr Müller) einer ist Muriel, und einer ist eine blonde Frau Mitte vierzig (Frau Gantner).

Muriel: „Wie Sie wissen, Frau Gantner, gibt es vier Arten von Rollstühlen: Pflegerollstühle, die typischerweise wegen ihrer Zusatzfunktionen recht groß und sperrig sind, Leichtgewichtrollstühle, die unsere Standardversorgung darstellen, Standardrollstühle, die wir trotz des Namens eigentlich nur selten ausliefern, und Aktivrollstühle als hochwertige Versorgung für mobilere Menschen mit Behinderung, die wir zwar gerne öfter verkaufen würden, für die uns aber das Klientel fehlt.“

Gantner: „Richtig, Herr Silberstreif. Wir handeln mit Rollstühlen.“

Müller: „Genau. Und mit Badewannenliftern. Und wenn wir mehr Aktivrollstühle ausliefern könnten, wäre das wirklich sehr vorteilhaft, denn da ist die Marge höher als bei den normalen.“

[Dramatische Musik beginnt langsam, sich aufzubauen.]

Muriel: „Wir sollten dringend über Maßnahmen reden, um…“

Die Tür öffnet sich, und eine vierte Person tritt ein, eine dunkelhaarige junge Frau (Frau Stein).

Stein: „Herr Silberstreif, das Pflegeheim Harpstorf hat angerufen.“

[Die Musik wird lauter und steuert entschlossen auf einen Höhepunkt zu.]

Gantner: „Mit diesem Pflegeheim arbeiten wir seit Jahren sehr erfolgreich zusammen.“

Muriel [Extrem-Close-up, mit entschlossen zusammengezogenen Augenbrauen]: „Worum geht es?“

Stein: „Sie haben überraschend eine Entlassung reinbekommen und brauchen ein AD-System.“ [musikalische Untermalung erreicht Höhepunkt] „Noch heute.“

Muriel [springt auf]: „Ein AD-System!“

Gantner: „Antidekubitusmatratzen und Matratzenauflagen dienen zur Druckentlastung des Gewebes. Viele Hersteller bieten unterschiedliche Systeme an. Der Auflagedruck soll dabei auf möglichst viele Quadratzentimeter verteilt werden. Grundsätzlich kann eine Antidekubitusmatratze eine regelmäßige Lagerung des Patienten nicht ersetzen!“

Muriel: „Danke Frau Gantner.“ [Stützt beide Hände auf den Tisch, blickt durchdringend zwischen seinen drei Gesprächspartnern hin und her.] „Sie wissen, was Sie zu tun haben.“ [Hebt ostentativ die linke Hand und stellt seine Armbanduhr.] „Wir haben zwei Stunden.“ [Drückt den Startknopf für den Countdown, die Kamera zoomt unter dramatischen Dam-dam-daaa auf die Anzeige.]

Die beiden Frauen eilen aus dem Raum, Muriel und Herr Müller bleiben zurück.

Müller: „Glauben Sie, wir schaffen das?“

Muriel: „Ich weiß nicht. Aber dies hier ist verdammt noch mal das beste Team auf der ganzen Welt. Wenn wir es nicht schaffen, wer dann?“

[Fade-Out, Schwarzer Bildschirm, Titel und Erkennungsmelodie]

Muriel [aus dem Off, wieder in demselben getragenen Tonfall]: „Albert Einstein sagte: ‚Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.'“

Die Kamera schwebt auf einen mit quietschenden Reifen durch die Straßen einer generischen deutschen Kleinstadt rasenden weißen Renault Trafic, in dem eng zusammengedrängt Muriel, Frau Gantner und Herr Müller sitzen. Frau Gantner fährt.

Muriel [auf die Uhr schauend]: „Wir haben noch fünfzehn Minuten.“

Gantner [Ohne ihren Blick von der Straße zu nehmen]: „Vertrauen Sie mir.“

Müller: „Viele Entlassungen werden durch die Kliniken sehr kurzfristig entschieden und müssen dann innerhalb von wenigen Stunden durch die Überleitung organisiert werden.“

Muriel [mit zusammengezogenen Augenbrauen und unheilschwangerer Stimme]: „Eine besorgniserregende Tendenz, die durch weitere Sparmaßnahmen der Kostenträger immer mehr verstärkt wird.“

Der Lieferwagen kommt mit abermals quietschenden Reifen vor dem Eingang eines Pflegeheimes zum Stehen, alle drei Insassen springen heraus. Muriel und Frau Gantner öffnen je eine eine Tür des Laderaums und ziehen unter hektischer musikalischer Untermalung eine zusammengerollte in Folie verpackte Antidekubitusmatratze daraus hervor. Muriel klemmt die Matratze unter den Arm und joggt damit in Richtung des Eingangs. Eine weiß gekleidete Pflegekraft tritt aus der automatischen Tür und begrüßt ihn ernsten Blickes.

Pflegekraft: „Sind Sie …“

Muriel [zieht ein Ausweisetui aus seiner Jacketttasche und klappt es für die Pflegekraft auf]: „Sanitätshaus. Wo ist der neue Bewohner?“

[Die Musik macht schon wieder Anstalten, dramatisch zu werden.]

Pflegekraft [stemmt die Arme in die Hüften]: „Wir haben ein Problem.“

Gantner: „Möge Gott uns allen gnädig sein!“

Müller: „Was ist los?“

[Die Musik schwillt schon wieder spannungsgeladen an.]

Pflegekraft: „Wir brauchen außerdem noch eine Toilettensitzerhöhung!“

Muriel [sich zu Frau Gantner umdrehend, die Finger bereits an seiner Armbanduhr]: „Sie wissen, was zu tun ist!“

[Fade-out, schwarzer Bildschirm, Werbung]


Ich würde echt gerne mal ein Buch von Jonas Lüscher lesen. Vielleicht.

29. März 2013

Die 2. Episode meiner Bloggdeinbuch-Teilnahme. Falls es jemanden interessiert: Von der Verlinkung ist nicht viel zu erwarten. Genau einen Klick habe ich über meine letzte Rezension gewonnen. Aber darum geht es ja nicht, und deshalb habe ich mich entschieden, noch ein weiteres Buch zu rezensieren, diesmal sogar ein richtiges. Also, naja, so ganz stimmt das nicht. Aber das wollen wir hier noch nicht vertiefen. Es ist jedenfalls ein Buch aus richtigem Papier.

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und Nimmermehr heißt jetzt Twix

27. März 2013

Ihr wisst ja, dass ich große Pläne habe. Aber ihr wisst noch nicht, dass zu denen nicht nur die Veröffentlichung von Gebunden gehört, sondern auch die der Geschichte, die früher mal Nimmermehr hieß. Während ich bei Gebunden um eure Hilfe bei der Titelfindung bat – noch mal vielen Dank an alle Teilnehmer -, wird das diesmal anders laufen. Nicht, weil die Geschichte einfach weiter Nimmermehr heißen kann – den Roman gibt es schon -, sondern weil ich selbst einen Titel gefunden habe, mit dem ich mich wohl fühle.

Heißt das, ich brauche euch jetzt gar nicht mehr? Nee, keine Sorge, ihr werdet immer der Mittelpunkt meines Lebens bleiben. Diesmal brauche ich euch, um mich für ein Cover zu entscheiden. Vier Versionen stehen zur Auswahl, und ich möchte gerne von euch wissen, welches euch am meisten ansprechen würde. Sicher ist es schwer, euch in die Position von jemandem zu versetzen, der die Geschichte noch gar nicht gelesen hat, denn ihr kennt sie ja garantiert alle schon auswendig, so begeisterte Fans seid ihr, aber wenn ihr es für die Dauer dieser Abstimmung kurz mal tun könntet, wäre ich euch enddankbar.

Was? Ob es wieder was zu gewinnen gibt? Nee. Erstens bin ich nicht Krösus – na gut, doch, aber ich bin außerdem ziemlich geizig –   und kann deshalb hier nicht fortwährend mit hochwertigem Elektronikspielzeug um mich werfen, und zweitens glaube ich, dass ihr integer genug seid, auch mitzumachen, wenn ich euch nicht mit irgendwas ködere. Ich weiß, ihr seid wahre Freunde, und eure Herzen sind groß und edel, und ihr werdet mich nicht einfach sitzen lassen, sondern abstimmen, und außerdem noch eure Verwandten und Freunde und Arbeitskollegen und sogar völlig wildfremde Menschen einfach so auf der Straße ansprechen und bitten, sich zu beteiligen, denn – ihr kennt das – jede nicht abgegebene Stimme ist eine für die Extremisten.

Zur Sache also:

1

Discordia Inc 3

2

Discordia Inc 4

3

Discordia Inc 1

4

Dank geht an Helfried Hofmann für die Gestaltung.

Eventuell nützliche Erläuterung: Die Reihenfolge hier ist natürlich rein zufällig, und da, wo die komischen Pixel sind, steht nachher natürlich mein richtiger Name. Nach der Veröffentlichung wird der auch hier kein Geheimnis mehr sein, aber bis dahin schon. Alles zu seiner Zeit.

Unter jedem der Bilder steht eine Nummer, und die braucht ihr jetzt:

Ich freue mich natürlich, wenn ihr eure Entscheidung in den Kommentaren noch näher erläutert oder sogar ein bisschen drüber diskutiert. Aber wenn nicht, ist auch gut. Hauptsache ihr stimmt ab. Extremisten und so. Ne?


Projekt 52 Bücher (10)

24. März 2013

Na logo. Lebt Frank Zander eigentlich noch? Ich habe ihn ja mal persönlich kennengelernt. War profund gruselig.

Die heutige Aufgabe lautet:

Ein Buch, das man wunderbar unter ein Tischbein schieben kann, damit der Tisch nicht mehr wackelt

und ich habe keine Ahnung, was das Fellmonster da Merkwürdiges faselt von wegen dass man das Buch nicht mögen darf, aber es ist mir auch egal, jedenfalls kommt es bei dieser Aufgabe ganz klar nur auf möglichst geringe Dicke an, denn ich habe bisher noch keinen Tisch erlebt, dessen Beine um mehr als einen Zentimeter uneben waren, was natürlich an meiner mangelnden Erfahrung mit wackelnden Tischen liegen mag aber bis auf Weiteres ist es nun mal so, deswegen kommt hier nur das dünnste Buch infrage, das ich habe, und das ist nun einmal eines, das ich sogar sehr mag, namentlich

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Es ist halt eine Komödie, und eine sehr kurze, deswegen darf man natürlich keine Wunderdinge davon erwarten. The Importance of Being Earnest bietet keine Charaktere, an die man sich lange erinnert, keinen beeindruckenden Plot, und natürlich auch keine zauberhafte Welt, in die man sich immer wiederzurückzukehren freut, aber dafür ein paar sehr schöne Bonmots wie

The old-fashioned respect for the young is fast dying out. Whatever influence I ever had over mamma, I lost at the age of three.

oder auch

I dislike arguments of any kind. They are always vulgar, and often convincing.

Es geht, in kurzen Worten, um zwei junge Männer, die jeweils eine junge Frau umwerben (Ja, gut, auch Oscar Wilde konnte trotz seiner eigenen bekanntermaßen nicht ganz heteronormativen Neigungen dem damaligen Zeitgeist nichts entgegensetzen.) sich dabei beide als Ernest ausgeben, ohne vorher zu wissen, dass diese beiden Frauen tatsächlich immer davon geträumt haben, einen eigenen Ernest zu haben, was natürlich zu gewissen Verwicklungen führt, zumal jeder von ihnen noch die Existenz gewisser Personen ersponnen hat, die in Wahrheit nicht so richtig existieren, mit der Konsequenz, dass zumindest einer von ihnen gegen Ende eingestehen muss

Gwendolen – Cecily – it is very painful for me to be forced to speak the truth. It is the first time in my life that I have ever been reduced to such a painful position, and I am really quite inexperienced in doing anything of the kind.

Sicher keine große Kunst, aber famos amüsant und schnell weggelesen, kann ich The Importance of Being Earnest jedem ohne Vorbehalte ans Herz lesen, der mit den drei Zitaten in diesem Text was anfangen konnte und ein Stündchen totzuschlagen hat. Sinnigerweise kauft man es sicherlich als ebook, da gibt es das mutmaßlich sogar umsonst bei Amazon, aber falls man es doch lieber gedruckt will, hat es eben den schlagenden Vorteil, mit seinen rund 50 Seiten prima unter einen wackelnden Tisch zu passen.


Angelic Duties (7)

23. März 2013

Here we go with a fresh chapter of our English serialized novel.

Warning: The first scene might be a little risqué, at least by my standards, so kids, if you usually read this with your parents, you might want to have a peek ahead to make sure it’s suitable for them. Otherwise, enjoy!

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Restebloggen (87)

23. März 2013

Wenn man erst mal wieder angefangen hat, will man gar nicht mehr aufhören. Und besser als Twitter ist es allemal. Aber was ist das auch für ein Vergleich? Eine alte Wurststulle, die man nach drei Jahren hinter der Heizung wiederfindet. ist besser als Twitter.

  1. See, this is them confirming what exactly they like about you: Things! You know, things. See, they’re talking about you! You have … things. That’s what they love about you, your things. Their favorite thing about you is your qualities, but a close second is your attributes.
  2. Ich habe ja nicht prinzipiell was gegen Werbung, aber die Geisteshaltung, die daraus spricht, dass ich permanent aufgefordert werde, mir irgendwas zu „sichern“, geht mir tierisch auf den Geist. Als ob irgendwer ernsthaft die Gefahr sähe, dass bald die Mobiltelefone, Laptops, Autos oder kostenlosen Gewinnspiele knapp werden.
  3. Ich war letztes Wochenende auf der Leipziger Buchmesse, weil ich dachte, ich mach ja was mit Büchern, und weil ich schon immer mal wissen wollte, was man auf so einer Buchmesse eigentlich will. Ich habs leider nicht herausgefunden.
  4. Was ich stattdessen gefunden habe, war einer dieser ADAC-Vermarkter, der auf meine Mitteilung, kein Interesse zu haben, erwiderte: „Ja, das kommt dann, wenn Sie am Straßenrand stehen und Hilfe brauchen, aber dann haben wir kein Interesse mehr.“
    Was denkt sich so ein Mensch? Glaubt der, ich drehe mich dann um und sage: „Bei meinem Barte, durch diesen Spruch sind Sie mir gerade so sympatisch geworden, ich glaube, ich trete jetzt doch bei“, oder haben dies einfach nicht mehr nötig? Aber warum bezahlen sie dann für Messestände?
  5. A propos schlechtes Marketing: „Sehr geehrter Herr Silberstreif, wie schwer es ist, Sie telefonisch zu erreichen, musste ich heute am eigenen Leib erfahren.“ Guter Einstieg, oder? Da will man doch sofort beschwingt in eine fröhliche Geschäftsbeziehung einsteigen. Ich schrieb dem Herrn zurück, dass alles nur schwierig ist, wenn man nicht weiß, wie es geht, und dass er mich doch bitte mobil anrufen soll. Ein paar Stunden später klingelte dann mein Telefon, und er meldete sich mit den Worten: „Ja, hallo, jetzt haben wirs ja. Ich habs zuerst noch mal über den Festnetzanschluss versucht, weil ich dachte, wenn Sie Mails schreiben, sind Sie ja bestimmt …“ Den Rest hab ich nicht mehr gehört, weil ich mich an meiner Schreibtischkante bewusstlos geschlagen hatte.
  6. Manche Dinge, die einem vorgesetzt werden, sind ja so evident dumm und rundum nicht satisfaktionsfähig, dass man die Schulter zuckt und sich lieber mit dem nächsten Schönen, Wahren und Guten oder doch wenigstens dem auf interessante Weise Verfehlten befasst.“ Was so anfängt, kann nur gut werden. #umuv
  7. Ein Stellvertreter (auch Vize, von lateinischvice: an Stelle, bzw. Substitut) ist eine befugte Person, die bei Abwesenheit des eigentlichen Funktionsinhabers dessen Funktion übernimmt.
    Dann muss doch folglich die römisch-katholische Kirche entweder vertreten, Jesus Christus sei abwesend und nicht in der Lage, seine eigentlich Funktion wahrzunehmen, oder der Papst sei im Wesentlichen selbst völlig nutzlos. Oder beides, das ginge natürlich auch noch.Oder wie?

Wenn einer schon „Darwinismus“ schreibt

22. März 2013

Hier kommt der Denkmaldarwinismus

titelt faz.net unter dem mal wieder selten blöden Übertitel (Oder wie nennt man die, wenn sie in klein oberhalb des eigentlichen Titels stehen?) „NRW-Haushalt mit Folgen“, als wäre ein Haushaltsbeschluss eines Parlaments üblicherweise etwas völlig Unbedeutendes ohne jegliche Konsequenzen für irgendwen.

Von nun an müssen sich Denkmäler rentieren: Wie Nordrhein-Westfalen sein bauliches Erbe missachtet

So ist das also. Wenn man Leute nicht mehr unter Gewaltandrohung zwingt, ihr Geld nicht mehr für sich selbst auszugeben, für Lebensmittel, für Kleider, für Spenden an Bedürftige, für hungernde Kinder oder (Wir wollen ja ehrlich bleiben.) für VW Touaregs und Ed-Hardy-Shirts, sondern für die Erhaltung alter Gebäude, wenn man einfach den Menschen die Wahl lässt, ob ihnen diese alten Gebäude wichtiger sind, oder die Hungersnöte in der dritten Welt, oder der VW Touareg, dann missachtet man damit sein bauliches Erbe (als wäre das irgendwie schlimm, als wäre die Missachtung von Gebäuden etwas so Unerträgliches, dass die bloße Erwähnung dieser Abscheulichkeit jede weitere Abwägung mit sowas wie Eigentumsrechten oder allgemeiner Handlungsfreiheit überflüssig macht).

„Denkmäler, die es, weil sie unrentabel sind, nicht aus eigener Kraft schaffen, haben keine Überlebenschance“, bringt Markus Harzenetter, der Landeskonservator für Westfalen-Lippe, das Problem auf den Punkt: „Das kann eine Kapelle am Wegrand oder die alte Scheune eines Bauernhofs sein.“

Wenn nicht genug Leute bereit sind, Geld für die Erhaltung einer alten Scheune auszugeben, wird diese alte Scheune nicht erhalten. Und das ist also ein Problem.

Leute, jetzt mal ehrlich: Ich weiß, dass ich mit meiner Auffassung ziemlich alleine dastehe, der Staat sei schon grundlegend als Konzept völlig daneben. Aber wir können uns doch bestimmt darauf einigen, dass Steuern den Bürgern zwangsweise weggenommen werden, und eine Einschränkung ihrer Freiheit bedeuten, und dass man deshalb nur Dinge über Steuern finanzieren sollte, die wirklich sehr, sehr, sehr überragend wichtig sind. Bei Straßen verstehe ich das zum Beispiel im Prinzip noch. Bei Sozialhilfe verstehe ich es sogar noch mehr, denn die Erhaltung von menschen ist eine überragend wichtige Angelegenheit, und ihre Missachtung ist wirklich ein Problem. Bei der Landesverteidigung leuchtet es mir ein, obwohl ich bei all diesen Dingen nicht glaube, dass sie nur mit Zwang zu finanzieren sind.

Aber die Erhaltung alter Scheunen, für deren Erhalt offenbar niemand freiwillig etwas tun will?

Echt jetzt?

Das soll rechtfertigen, Menschen Geld wegzunehmen, mit dem sie vielleicht lieber einen Französischkurs machen wollen, oder nach Wien reisen, oder eine Patenschaft für ein chilenisches Kind übernehmen, oder meinetwegen sogar eines dieser widerliche Ed-Hardy-Shirts kaufen? Ja gut, mir ist auch die Scheune lieber als das Shirt, aber diese Entscheidung steht mir doch wohl nur für mein Geld zu, nicht für das anderer Leute.

Und wenn man das nicht macht, wenn man einfach die für die Scheune bezahlen lässt, die für die Scheune bezahlen wollen, und die anderen nicht unter Gewaltandrohung zwingt, auch zu zahlen, dann ist das Darwinismus, und verwerflich, und ein Problem?

Nee. Find ich gar nicht.


Da ist die FDP mal halbwegs liberal, und dann passt mir das auch wieder nicht.

20. März 2013

Es wird euch möglicherweise überraschen, dass ich so ganz grundsatzethisch gesehen nichts gegen ein Verbot von Parteien habe.

„Hö?“ sagt ihr jetzt, „Was ist dir denn auf den Kopf gefallen? Warst du sonst nicht immer total für Meinungsfreiheit und gegen Verbote und so?“

„Eben“, sage ich.

„Wie jetzt?“ fragt … Ja, schon gut, ich hör jetzt wieder auf mit dem Quatsch und sage, was ich zu sagen habe, damit wir uns alle wieder auf unser Abendessen konzentrieren können.

Die Sache sieht so aus: Ja, ich bin dafür, dass ein jeder seine Meinung sagen darf, und ich halte körperliche Gewalt eigentlich nie für eine angemessene Reaktion auf eine Meinungsäußerung.

Eigentlich. Genau. Denn selbstverständlich gibt es schon Äußerungen, die eine physische Reaktion rechtfertigen können. Wenn jemand zum Beispiel eine geladene Waffe auf einen anderen Menschen richtet und glaubhaft ankündigt, dass er diesen nun gleich zu erschießen gedenkt, dann ist es in meinen Augen nicht grundsätzlich falsch, den mit der Waffe zu verletzen und notfalls zu töten, um den anderen zu retten. Das ist nichts Neues, denn selbstverständlich habe ich mich nie dagegen ausgesprochen, Gewalt anzuwenden, um sich selbst oder andere zu schützen. Und ich denke auch nicht, dass wir damit immer abwarten sollten, bis unser Gegenpart die Gewalt initiiert hat.

Ich weiß, dass ich mich damit auf dünnes Eis bewege, und dass die konkrete Entscheidung sehr schwierig wird, aber ich glaube andererseits nicht, dass irgendjemand mir widersprechen wird, wenn ich sage, dass Präemptivschläge nicht immer falsch sind. Ein Dissens dürfte sich eher darum drehen, wann sie gerechtfertigt sind, wie unmittelbar der zu verhindernde Übergriff bevorstehen muss, und wie sicher wir uns sein müssen, dass er wirklich kommt.

Aber wie denn nun? Die Jungs und Mädels von der NPD bedrohen doch niemanden mit einer Waffe, wie kann es da gerechtfertigt sein, ihnen ihren peinlich kleinen Verein zu verbieten?

So: Die Jungs und Mädels von der NPD streben ganz offen danach, den Gewaltapparat unseres Staates gegen andere einzusetzen, um zum Beispiel Ausländer zwangsweise zu deportieren, ihnen die Arbeit in Deutschland zu untersagen, und die Rechte von Straftätern und Verdächtigen einzuschränken. Sie kündigen offen an, dass sie das tun wollen, und arbeiten daran, sich die Mittel zur Umsetzung dieser Pläne zu beschaffen. Ich persönlich denke nicht, dass andere Menschen verpflichtet sind, dabei tatenlos zuzusehen. Ja, klar die anderen Parteien sind kaum besser und machen im Prinzip das gleiche, sie sind dabei nur ein bisschen vorsichtiger. Ja gut. Aber dadurch, dass die anderen auch unanständige Dinge tun, werden die Bestrebungen der NPD ja nicht besser.

Heißt das, dass ich das geplante Verbot befürworte? Nee.

„Aber warum denn das nun“ … Oh, pardon, ich hatte ja versprochen, damit aufzuhören.

Ich hatte ganz oben „grundsatzethisch“ geschrieben. So ganz prinzipiell habe ich nichts gegen ein Verbot von Parteien.

Ob ich im Einzelfall dafür bin, hängt zum Beispiel davon ab, was ich mir davon erwarte. Und was ich mir von einem NPD-Verbot erwarte, hat der Postillon vor Kurzem treffender zusammengefasst, als es mir jetzt so ad hoc gelänge:

Sobald die NPD verboten ist, werden alle Nazis einsehen, dass sie auf dem falschen Weg sind, und sich in vorbildliche Bürger verwandeln. Vergleichbare Erfolge konnten in der Vergangenheit etwa mit dem Verbot von Drogen erzielt werden. Seitdem Drogen illegal sind, werden sie von niemandem mehr konsumiert. Von niemandem!

Und so gesehen – glaubt mir, niemand bedauert das mehr als ich – bin ich dann in dieser einen Frage doch wieder auf der Seite von Herrn Rösler: Dummheit kann man nicht verbieten.

Und die ist hier das Problem. Die Menschen, aus denen die NPD sich zusammensetzt, sind ja nicht plötzlich weg, wenn die Partei verboten wird. Sie sehen nicht plötzlich ihre saudummen Irrtümer ein und wenden sich den anderen marginal weniger kriminellen Parteien zu, sondern sie fühlen sich in ihrer verdrehten Weltsicht noch bestätigt und gründen dann eben die DPD. Nee. Die NVU. Nee, auch nicht. Ist ja egal. Jedenfalls ist die Antwort auf Dummheit und Irrtümer nicht ein Verbot, sondern Information, und Bildung, und öffentliche Diskussion. Solange die NPD noch keine nennenswerten Teile der Bevölkerung hinter sich hat, ist die Bedrohung nicht akut genug, um ein Verbot zu rechtfertigen, und der Schaden größer als der Nutzen. Und solltes es irgendwann mal soweit sein, dass sie sie doch hat, dann ist ein Verbot nicht mehr durchsetzbar, und der Schaden aus einem Versuch wahrscheinlich noch größer.

Aber wenn es uns nicht gelingt, den stupiden Parolen dieser Leute Argumente und ein besseres Gesellschaftsmodell entgegenzusetzen, dann nützt uns das Verbot sowieso nichts, denn dann haben wir nichts, was es wert wäre, damit geschützt zu werden.


Projekt 52 Bücher (9)

19. März 2013

Nachdem ich zum letzten Thema beim besten Willen nichts zu sagen hatte, hat das Fellmonster diesmal

Regenbogen

vorgegeben.

Für militante Skeptiker wie mich läge da natürlich Richard Dawkins Der Entzauberte Regenbogen als Buch nahe, aber das ich das nicht gelesen habe und auch in Zukunft versuchen will, möglichst wenig von ihm zu lesen, weil ich auch in Zukunft auf Vorwürfe von Theisten zu ihm glaubwürdig sagen können will „Wer ist dieser Dawking, von dem du redest, und was hat er mit mir zu tun?“, deswegen käme als nächstes der Regenbogenfisch infrage, aber den hat mir schon eine andere Teilnehmerin weggenommen. Ich falle also auf ein Buch zurück, das ich eigentlich auch eher nicht gewählt hätte, weil ich hier schon mal kurz drüber gesprochen habe, aber ich denke, wenn ich diesmal einen anderen Aspekt wähle, auf den ich bisher nicht eingegangen bin, und zu dem ich sogar einen aktuellen Bezug anbieten kann, dann geht das schon irgendwie.

Ich rede natürlich von keinem anderen Buch als

Lyman Frank Baums The Wonderful Wizard of Oz.

Das ist zwar wie gesagt nicht besonders gut geschrieben, enthält aber unbestreitbar ein paar gute Gedanken, von denen meines Erachtens der Zauberer selbst mit Abstand der beste ist, und, oh Wunder, da haben wir jetzt doch wieder den Skeptikeraspekt. Denn just in den letzten Tagen hat Christina uns in den Kommentaren dieses Blogs sehr anschaulich und umfassend geschildert, wie das ist, wenn man auf den Zauberer hereinfällt und der Aufforderung gehorcht, nicht auf den Mann hinter dem Vorhang zu achten.

The Wonderful Wizard of Oz ist nun deutlich über 100 Jahre alt, und trotz seiner Bekanntheit ist es auch heute den Apologeten des Zauberers noch nicht zu dumm, voller Stolz davon zu berichten, dass er doch dem Löwen Mut gegeben habe, und dem Blechmann ein Herz, und der Vogelscheuche ein Gehirn, und dass deshalb doch nun kein vernünftiger Mensch daran zweifeln könnte, dass dieser Zauberer real sein muss, und außerdem wie sonst erklärt man sich denn die magischen Flammen, und – nein, den Mann hinter dem Vorhang bitte nicht beachten, der spielt keine Rolle, bleiben wir doch bei der Sache, ja?

Und die Lehren, die wir aus dieser Parabel ziehen können, sind natürlich nicht auf Religionen beschränkt, sondern auch auf viele andere Formen selbst gewählter Unmündigkeit, ob sie sich nun in gefühlter Abhängigkeit von einem Partner äußert, in dem abergläubischen oder einfach nur emotionalen Bedürfnis, einen Glücksbringer bei sich zu tragen, oder in der scheinbar unüberwindlichen Angst davor, etwas zu versuchen, das wir uns nicht zutrauen.

Der Löwe, die Vogelscheuche und der Blechmann hatten gewissermaßen die ganze Zeit über schon, was sie sich wünschten. Alles, was sie dafür brauchten, war eine gute Freundin, die sie darauf aufmerksam macht, und ihnen hilft, ihr Potenzial zu erkennen. Alles, was sie dafür nicht brauchten, war ein Typ in einer albernen Verkleidung, der ihnen einredet, sie wären auf ihn angewiesen, weil es ohne ihn nicht geht.