Restebloggen (85)

  1. Ich bewundere ja die Fähigkeit der Deutschen Bahn, schon wenige Minuten nach der Abfahrt eines Zuges mehr oder weniger ungefähr abzuschätzen, wie viel Verspätung er hatte.
  2. The Amazing Spider-Man gesehen. Ging. Unglaublich chauvinistischer Dreck allerdings, wenn man mal aus der Perspektive drüber nachdenkt. Ob man das öfter tun sollte, weiß ich noch nicht so genau. Jedenfalls beginnt man dann irgendwann, sich zu fragen, ob es den für die Animation zuständigen Mitarbeitern des neuen Tomb Raider wohl peinlich war, dass die Kamera in den Cut Scenes dauernd von schräg oben über Laras Schulter aufnehmen muss, oder ob man gegen sowas in der Branche schon völlig abgestumpft ist, und das nimmt einem ein bisschen den Spaß an der Sache, was aber vielleicht wiederum gut so ist, womit ich einem Ergebnis noch nicht näher bin.
  3. Bei der Gelegenheit: Nora Tschirner als Synchronstimme für Lara Croft? Unfassbar falsch.
  4. Und noch was zu The Amazing Spider-Man: Wenn ich die Musik in einem Film auch nur bewusst wahrnehme, dann läuft schon irgendwas falsch. Aber wenn ich die ganze Zeit über gar nicht mehr mitkriege, was passiert, weil ich ununterbrochen denke: „Das kann doch jetzt nicht sein. Das kann doch jetzt echt nicht sein. Das Stück gehört ja wohl mal überhaupt nicht hierher. Was hat die denn geritten, für diese Szene jetzt Til Kingdom Come zu wählen? Das passt doch gar nicht. Was ist denn … Was? Ganz andere Szene, und das Stück läuft einfach weiter, obwohl es jetzt noch weniger passt? Wie kann denn das … ist da jemand am Mischpult eingeschlafen?“
  5. Hatte ich schon bei Facebook, aber: Gibt es eigentlich irgendwo auf der Welt auch nur einen einzigen Menschen, der glaubt, dass Jugendliche irgendwie dadurch geschützt werden, dass man bestimmte Videos nur zwischen 22:00 Uhr und 06:00 Uhr auf den Ursprungsseiten oder halt den ganzen Tag auf Youtube sehen kann? Auch nur einen? Ich würde den gerne mal kennen lernen. Ist bestimmt ein interessanter Gesprächspartner.
  6. Ich höre gerade Pump Six and Other Stories von Paolo Bacigalupi. Der Mann hat nicht nur einen irre witzigen Namen, er schreibt auch gut, und die Sprecher sind fabelhaft. Einzig diese krankhaft dystopische Sicht auf die Zukunft nervt mich ja ein bisschen, weil man kaum noch irgendwo was anderes im SF-Genre zu lesen kriegt, aber darüber kann ich in diesem Fall hinwegsehen, und das will durchaus was heißen.
  7. Wenn der kleine Hunger kommt:
    Photo: Wenn der kleine Hunger kommt
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16 Responses to Restebloggen (85)

  1. Jens P sagt:

    „Bei der Gelegenheit: Nora Tschirner als Synchronstimme für Lara Croft? Unfassbar falsch.“

    Der gleiche Gedanke ging mir damals schon bei der PM durch den Kopf… Na ja. Da ist man in Deutschland ebenso abgestumpft, was charakterlich passende Synchronstimmen betrifft.

  2. Guinan sagt:

    Oh, mal wieder Restebloggen, wie schön!
    7. Lecker Pausensnack.
    Aber Vorsicht beim Bremsen, wäre doch Schade um den schönen sauberen Wagen. Mein Auto sieht innen nie so blitzblank aus.

  3. Muriel sagt:

    @Jens P: Ich meide Synchronisation sowieso, wo immer ich kann. Manchmal ist sie ja erträglich, aber man weiß es eben vorher nicht, und ich kann mich nicht an Gelegenheiten erinnern, zu denen ich bereut hätte, das Original gewählt zu haben.
    Ach, doch, eine. Hellsing sehe ich lieber in der englischen Synchronfassung als im Original. Die japanischen Sprecher sind irgendwie lahm.
    @Guinan:
    (Und nein, ich bin nicht einer dieser unerfreulichen Menschen, die jedes Mal, wenn sie einen in ihre Wohnung lassen, die aussieht, als hätten sie sie direkt aus einem Fertighauskatalog ausgeschnitten, sagen: „Oh mein Gott ist mir das peinlich, entschuldige bitte für das Chaos!“ weil einer der Kochlöffel in der makellosen Edelstahlkochlöffelhalterung ein bisschen schief steht, und die dann, wenn sie irgendwann im Laufe des Abends auf der Fensterbank irgendwo einen winzigen Wasserfleck vom Gießen entdecken, der sonst nie im Leben jemandem aufgefallen wäre, in heller Panik aufspringen und, während sie wutentbrannt mit dem Lappen darauf losgehen, in Richtung ihrer Gäste mit völlig unaufrichtigem Humor murmeln: „Naja, man kann ja nicht immer perfekt aussehen, wir wohnen halt hier, ne?“
    Gott, wie ich diese Leute hasse.)

  4. @Muriel:

    Meinst du mit Chauvinismus Nationalismus oder Sexismus?

  5. Muriel sagt:

    @ars libertaits: Ich hatte gar nicht bedacht, dass es beide Bedeutungen gibt. Letzteres.
    In diesem Film gibt es keine einzige dynamische Frauenrolle. Wenn er gezielt mit der Absicht geschrieben worden wäre, seine weiblichen Charaktere schwach dastehen zu lassen, wäre meiens Erachtens nicht viel anderes rausgekommen.
    Nicht, das das ungewöhnlich wäre für derartige Filme, aber hier kam es mir besonders extrem vor.

  6. @Murie: Kommen denn keine weiblichen Superheldinnen und Superbösewichte vor?

  7. Muriel sagt:

    @ars libertatis: Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, dann kommen in The Amazing Spider-Man genau zwei Frauen mit nennenswerten Sprechrollen vor: Tante May und Gwen Stacy. Erstere ist bekanntermaßen Peters Mutter-Ersatz und tut nichts anderes als ihn zu verstehen und Essen für ihn zuzubereiten. Gwen ist als sexuelle Partnerin interessant und hauptsächlich dafür da, von ihm gerettet zu werden. Sie leistet zwar einen gewissen Beitrag zur Rettung der Stadt, indem sie in das Labor schleicht und ein Gegenmittel synthetisiert, aber das ändert nichts daran, dass sie insgesamt extrem hilflos und passiv rüberkommt.
    Zwei Beispiele illustrieren das meines Erachtens recht gut: In einer versucht sie, Peter zu helfen, indem sie den Lizard mit irgendwas schlägt, was zwar physisch völlig ineffektiv ist, diesen aber lange genug ablenkt, dass Peter ihn austricksen kann. Dann wirft er (Peter) sie aus dem Fenster, damit sie im weiteren Kampf nicht verletzt wird.
    Und gegen Ende verspricht Peter ihrem sterbenden Vater (Wenn jemand hier meint, sich über Spoiler beschweren zu müssen, dann hagelt es Maulschellen, klar?), sie aus seinem Leben rauszulassen, um sie zu schützen, was er ihr zwar nicht sagt, sie aber errät, als er ohne Begründung erklärt, dass er nicht mehr mit ihr zusammen sein kann. Etwas später deutet er dann aber an, dass er sich womöglich irgendwann nicht mehr an sein Versprechen halten wird, und das findet sie ersichtlich doch total toll.
    Ich könnte speien.
    Ach ja, und Gwen hat auch noch eine Mutter, die zwar heimlich sehr freundlich ist, aber nicht das Rückgrat aufbringt, ihrem Ehemann zu widersprechen, wenn der mal wieder den großen Mann markiert.
    Alle anderen erwähnenswerten Rollen sind mit Männern besetzt.

  8. Muriel sagt:

    Nachtrag: „Verstehen“ meine ich hier in der Bedeutung von „Zuneigung zeigen und Rücksicht nehmen“, nicht in der eigentlichen. In der eigentlichen Bedeutung versteht Tante May gar nichts, unter anderem, weil Peter ihr nichts erzählt, um – ich würde sagen, dass du raten darfst, aber das wäre in Anbetracht des Bekanntheitsgrades der Comics im höchsten Maße albern – sie zu beschützen, was natürlich eine irre gute Idee ist, denn was schützt einen Menschen besser vor einer manifesten Gefahr als völlige Ahnungslosigkeit?

  9. Henk sagt:

    Endlich mal wieder eine Gelegenheit, saftig zu widersprechen:

    Wenn ich die Musik in einem Film auch nur bewusst wahrnehme, dann läuft schon irgendwas falsch.

    Völlig falsch! Filmmusik kann sehr präsent sein und eine wichtige Rolle spielen. Die musikalischen Motive aus „Spiel mir das Lied vom Tod“ z.B. kann man kaum überhören, und sie tun dem Film gut.

    In akuter Ermangelung eines filmischen Beispiels hier noch ein sehr schönes aus dem Hörspielgenre: Im dritten Teil von „Per Anhalter ins All“ läuft im Hintergrund Science-Fiction-typische Sphärenmusik, die man kaum wahrnimmt, bis Arthur Dent sagt: „Habt ihr bemerkt, dass der Roboter die ganze Zeit Pink Floyd gespielt hat? Was kannst du denn noch, Marvin?“ Für den Rest der Szene läuft dann die Rock’n’Roll-Nummer „I’m Down“ von den Beatles, und vorbei ist’s mit der schönen, passenden und unauffälligen Musikstimmung. Ganz, ganz großartig, und es würde im Film genau so gut funktionieren. Immer nur zurückhaltendes und am besten noch stimmungsverdoppelndes Orchestergeplärre ist wahnsinnig langweilig.

    Eat dis, bastard!

    (Den „Bastard“ nimm bitte nicht persönlich! Ich schimpfe so selten ghettohiphopmäßig auf englisch rum, und ein schönes, harmloses Schimpfwort ist mir gerade nicht eingefallen!

  10. Muriel sagt:

    @Henk: Ich habe mit diesem berechtigten Einwand gerechnet, ihn aber trotzdem nicht vorweggenommen, weil ich sowieso schon viel zu sehr dazu neige, Einwände vorwegzunehmen (Ich bin ziemlich sicher, dass mein zerklüfteter Satzbau eine dominante Rolle spielt, wenn Arbeitskollegen mich in meiner Abwesenheit parodieren, falls sie das tun, was ich nicht für unplausibel halte, wofür mir aber keine konkreten Indizien vorliegen.) und weil das hier ja kurze Beiträge sein sollen.
    Aber vielleicht hätte es geholfen, wenn ich das „Ich“ in diesem Satz irgendwie hervorgehoben hätte.
    Ich wollte damit keineswegs sagen, dass Filmmusik immer dezent im Hintergrund bleiben muss Ich wollte damit sagen, dass ich so vollständig musikbeschränkt bin, dass ich sie in aller Regel auch dann nicht wahrnehme, wenn sie es nicht tut.
    Regelmäßig sagen Leute, mit denen ich Filme gesehen habe, mir Dinge wie: „Wow, das war ein toller Soundtrack, oder?“, und ich schaue sie dann verwirrt an und frage: „Da war ein Soundtrack?“
    Es gibt sehr wenige Ausnahmen. Bei Juno ist mir die Musik positiv aufgefallen. Ist das einzige Beispiel, das mir gerade einfällt. Und in Once Upon a Time in The West ist sie auch sehr schön, aber ich vermute, dass sie mir trotzdem nicht im Gedächtnis geblieben wäre, wenn ich ihn unvoreingenommen gesehen hätte.

  11. Henk sagt:

    Du meinst, ich führe hier mit dir eine Art ausgelagertes Selbstgespräch?

    Nee, nee, schon verstanden. Obwohl Tarantino ja auch regelmäßig schöne Beispiele für recht dominanten Musikgebrauch herstellt, bei denen die Vorstellung der Möglichkeit des Überhörens der Musik meine Phantasie zum Bersten bringt. (Wie man merkt habe ich es nicht wie du mit tiefgestaffelten Gliedsätzen, mein Steckenpferd ist der Genitiv n-ten Grades…)

  12. madove sagt:

    Wow. Der Service ist exzellent; ich hatte gerade kürzlich mal suchend hier rumgeklickt und mit Bedauern festgestellt, daß das letzte Restbloggen schon wieder ein Jahr alt ist…

    2. Ich finde schwer zu formulieren, wie ungemein entspannend und wunderbar es (zumindest für mich) ist, wenn das Phänomen von Männern wahrgenommen und (kritisch) kommentiert wird. Meiner tut das neuerdings auch gelegentlich, und es nimmt mir den kompletten Stress, mich die ganze Zeit zu ärgern, aber nicht den Spaß verderben und die ewig nölende Emanze machen zu wollen, weil das ja jetzt ein netter Abend sein sollte.. Wenn er das selber merkt und äußert, bin ich dagegen problemlos in der Lage, für anderthalb Stunden davon zu abstrahieren und den Film zu genießen (falls der ansonsten das Potenzial dazu bietet).

    5. Ich hatte schon öfter den Verdacht, daß unsere Vorstellungen von interessanten Gesprächspartnern weit auseinandergehen. Beziehungsweise: Du hast einfach VIEL bessere Nerven.

    6. Oh. Empfehlungen für audiobook content sind mir immer sehr willkommen.

    7. Jaaaaaa. Hierher.

  13. Muriel sagt:

    @madove: Ich hatte das Restebloggen damals vorläufig eingestellt, weil ich das Gefühl hatte, dass es niemanden besonders interessierte. Mal sehen, ob es jetzt ganz wiederkommt.
    2.Freut mich natürlich, wenn ich dazu beitragen kann. Ich finde es übrigens einigermaßen kompliziert zu entscheiden, welche Variante mich mehr stört (also Tomb Raider oder Spider-Man). Einerseits könnte ich mir bei Spider-Man vorstellen, dass einfach niemand drüber nachgedacht hat hat und es keine explizite Entscheidung gab „Wir bauen da nur Männer in dynamische Rollen.“, wohingegen bei Tomb Raider ganz evident jemand gesagt haben muss: „Nee, nicht so, die Kamera höher, sonst kann man ihr nicht so gut in den Ausschnitt gucken.“
    Andererseits ist das wahrscheinlich naiv, weil bei so einem Film wie The Amazin Spider-Man garantiert so ziemlich jeder Aspekt des Drehbuchs und überhaupt des ganzen Films auf was weiß ich wie vielen Ebenen getestet und diskutiert und angepasst wird, dass es letzten Endes wohl doch als genauso ausgeschlossen gelten darf, dass da nicht genauso explizit die Entscheidung getroffen wurde.
    Am Ende bleibt dann eher die Frage, was mich im Ergebnis mehr stört, und da würde ich nun wiederum sagen, dass der „Frauen sind entweder aufopferungsvolle Mütter oder potentielle Liebhaber“-Sexismus von Spider-Man zwar wahrscheinlich der schädlichere ist, der „Boah, guck mal, Titten!“-Sexismus von Tomb Raider allerdings der Penetrantere und dadurch erst mal peinlichere, wenn auch angenehmer anzuschauende.
    Hm.
    (Wobei ich übrigens beide Werke ausdrücklich eher nicht empfehlen würde. Spider-Man war wie gesagt okay, kann man machen, aber man verpasst sonst auch nichts. Tomb Raider fand ich schon immer völlig uninteressant.)
    6. Dir gefiele er womöglich sogar noch besser als mir, weil Kapitalismuskritik und so. Neal Stephensons Quicksilver-Serie könnte ich übrigens auch noch befürworten. Man braucht ein bisschen Geduld, denn er hat einen recht wortreichen ausführlichen Stil, schreibt aber witzig und klug und sogar ein bisschen lehrreich.
    7. Ich fürchte, es ist nichts mehr übrig.

  14. madove sagt:

    @Muriel
    Ich mag das Restebloggen explizit. Vielleicht hab ich das früher nicht ausreichend deutlich gemacht.
    2. Ja, ich teile so in etwa Deine Überlegungen in bezug auf Schädlichkeit und Störfaktor.
    Und was die ‚Absicht‘ bei Spiderman angeht, hab ich inzwischen mehrfach gelesen, wie sich aufstrebende Hollywood-Drehbuchautoren darüber beschweren, daß ihre (moderat) fortschrittlichen Drehbücher bei Ankauf explizit genderstereotyp zurechtgehackt werden. Das mag keine Abischt sein im Sinne von ‚patriarchaler Unterdrückung‘, findet aber zumindest bewußt statt (wohl eher in der Annahme, der Markt gebe das nicht her).
    Der einzige Fall, wo ich mit einer Autorin persönlich gesprochen habe, ist eine Verwandte meines Freundes, bei der ich mich darüber gewundert habe, daß sie als ERKLÄRTE Feministin es nicht hinkriegt, ihre Vorabendserien so zu schreiben, daß sich mir NICHT ständig die Zehennägel kräuseln. Sie hat erzählt, daß sie mit explizitem Hinweis auf unagemessenes Rollenverhalten wirklich jede aufrechtere Geste ihrer weiblichen Charaktere empört weggekürzt bekommt, das ist aber in ITALIEN und insofern hoffentlich ein Extremfall.
    Hach, keine Ahnung. Ich will einfach nur, daß es aufhört…
    6. Oh, ja, ich ahnte schon – Dystopien,die Dich nerven, das klingt ganz nach meinem Geschmack 😉
    7. Ich habe vollstes Verständnis…

  15. Muriel sagt:

    @madove: 2. Wir brauchen einen Begriff für dieses Gefühl, das man hat, das ein bisschen ist wie Erschütterung und Überraschung, das aber eigentlich nichts damit zu tun hat, dass man mit einer Erkenntnis nicht gerechnet hätte, und deshalb auch Aspekte von Resignation in sich trägt. Ich glaube, ich bin nicht der einzige, der das kennt.

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