Inzest ist ja auch so ein Steckenpferd von mir. Also. Naja. Also ich meine … Ihr wisst schon.

17. März 2013

Ich hatte vor einer Weile schon mal nebenbei was dazu geschrieben, und es gehört zu den Regeln unserer Gesellschaft, die mich ob ihrer schieren Existenz völlig fassungslos machen, dass wir im Ernst heute noch mündigen Menschen untersagen, miteinander Sex zu haben, und sie bestrafen, wenn sie es doch tun. Das Inzestverbot ist eine unfassbare Abscheulichkeit, die in einem aufgeklärten Rechtsstaat so wenig zu suchen hat wie Hexenverbrennungen und Jungfrauenopfer. Man mag der Meinung sein, dass seine gesamtgesellschaftliche Relevanz sich in Grenzen hält, und da ist was dran, denn die allerwenigsten von uns haben ja Interesse an sexuellen Handlungen mit nahen Verwandten, und bei denen, die das anders sehen und es einfach nicht lassen können, wage ich völlig frei von fundierter Sachkenntnis die Behauptung, dass sie trotzdem meistens von Strafverfolgung verschont bleiben, wenn sie es nicht gerade so richtig dumm anstellen.

Aber das ändert ja nichts am Prinzip. Nur weil ein Verbot eine Handlung betrifft, die ich und die überwältigende Mehrzahl meiner Mitmenschen sowieso nicht ausführen will, wird es ja nicht weniger unmenschlich für die wenigen, die davon wirklich betroffen sind.

(Ein wichtiger Hinweis, den ich trotz seiner Wichtigkeit nur einmal schreibe und den ich insbesondere die gründlich zu lesen bitte, die mir leidenschaftlich widersprechen wollen, denn ich will das nicht in den Kommentaren diskutieren müssen: Inzest ist ganz allgemein Beischlaf zwischen nahen Verwandten, wie zum Beispiel Geschwistern. Es können auch Eltern und Kinder sein. So gesehen umfasst Inzest dann technisch gesehen auch Fälle, in denen ein mündiger Täter die Unmündigkeit seines Opfers missbraucht, also zum Beispiel ein Vater sexuelle Handlungen an seiner minderjährigen Tochter vornimmt. Solche Fälle sind sowieso schon nach anderen Normen strafbar, und sie sind das aus gutem Grund unabhängig davon, ob der Täter mit dem Opfer verwandt ist oder nicht. Von solchen Fällen schreibe ich hier nicht. Mir geht es hier ausschließlich um um einvernehmliche Sexualakte zwischen mündigen Menschen. Natürlich kann eine Frau ihren Bruder vergewaltigen, und das ist dann nicht okay, und sollte wohl bestraft werden, aber nicht, weil er ihr Bruder ist. Okay? Okay.)

Ich denke, wir sind uns im Prinzip alle einig, dass es nur dann gerechtfertigt ist, anderen etwas zu verbieten, wenn die Handlung jemandem schadet. Wem schadet es, wenn zwei mündige Menschen sich entscheiden, miteinander Sex zu haben? Genau. Damit sollte die Debatte zu Ende sein. Ist sie aber nicht, wie zum Beispiel eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR, hat übrigens nichts mit der EU zu tun.) vom 12. April 2012 zeigt. Ja, ich weiß, spät dran, aber ausnahmsweise ist es nicht nur meine Schuld. Das Ding ist erst kürzlich in der NJW veröffentlicht worden.

Diese Entscheidung will ich zur Grundlage meiner Ausführungen hier machen, die ihr dennoch nicht vorrangig als Urteilskritik verstehen solltet, denn der EGMR darf ja auch nicht einfach machen, was er für richtig hält, sondern muss seinen Entscheidungen die stellenweise schon sehr missglückte EMKR (Europäische Menschenrechtskonvention) zugrunde legen. Mir geht es hier eher um die prinzipielle Frage, und darum, aufzuzeigen, wie viel Aufklärung wir als Gesellschaft noch vor uns haben. Zur Sache also:

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Restebloggen (86)

16. März 2013

Und wegen der großen Nachfrage gleich noch mal:

  1. Ob wohl irgendwann mal jemand ein DVD- oder BlueRay-Startmenü entwickelt, dessen Soundschleife nicht so aufgebaut ist, dass man schon nach einer Minute seinen Player am liebsten aus dem Fenster werfen will, und nach zwei vorher noch den Fernseher eintreten? Bin ich denn der einzige Mensch, der die Scheibe manchmal erst einlegt und sich dann noch was zu essen macht oder sonstwas vorbereitet, bevor es losgeht?
  2. Nur fürs Protokoll: Ich würde unter geeigneten Umständen für die Bild-Zeitung schreiben. Ich würde auch für eine Kirche arbeiten. Oder für die Ergo Versicherungsgruppe. Ich bin da nicht so. Aber ihr lest hier ja mit. Ihr wusstet das, oder?
  3. Katja Riemann ist mir plötzlich rund 20% sympathischer. Verstehe aber auch, wenn man das völlig anders sieht. Das liegt ja erstaunlich oft erstaunlich nah beieinander. Also, für mich. Äh. Naja.
  4. Es ist schon manchmal besorgniserregend, wie viel hammerdummen Bullshit ich bereit bin, für interessante Charaktere, gelungene Dialoge und eine brillante Inszenierung zu übersehen. Aber irgendwo gibt es eine Grenze, und dank der vierten Staffel von Breaking Bad hab ich sie gefunden. Dass der Protagonist die mit weitem Abstand uninteressanteste und unsympathischste (Gibt es da überhaupt einen Unterschied?) Figur in der Serie ist, macht die Entscheidung natürlich besonders einfach.
  5. Noch mal kurz das Thema Sexismus: Ich sehe keine angemessene Reaktion darauf, dass, wann immer bei Facebook irgendwo ein Foto einer weiblichen Person erscheint, sofort zahlreiche Kommentatoren herbeigeeilt kommen, um zu betonen, wie hübsch sie ist, deswegen belasse ich es dabei, schweigend die Augen zu verdrehen und mich betrübt abzuwenden. Aber vielleicht ist das auch schon zu viel. Vielleicht bin ich ja nur neidisch. Ich meine … Die meinen das doch nett. Ist doch nichts Schlimmes. Vielleicht sollte ich das im Gegenzug einfach bei den Männern machen. Grundsätzlich keine schlechte Idee. Aber das bring ich dann doch nicht. Nicht zuletzt, weil es bei Facebook echt nicht viele Leute gibt, denen ich was Nettes zu sagen gewillt bin.
  6. Den Postillon hat schon jeder von euch abonniert, ja?
  7. Diese Leute, die nicht verstehen, wie man denkt, wenn man immer nur mit Navigationssystem fährt. Gerade kürzlich wieder: „Können Sie mir vielleicht die Adresse mailen?“ „Ja, könnte ich, aber ist eigentlich gar nicht nötig. Sie müssen bloß von Hergrathshausen aus nach Norden die zweite Abfahrt von der A29 nehmen, Richtung Scharndorf, und dann biegen Sie bei der Baustelle auf Höhe Lemmerstraße rechts ab, fahren bis kurz vor Garbstadt und dann halt immer östlich halten.“
    Ich weiß, er meint es gut, aber ich möchte gerne seinen Kopf in die Hand nehmen und gegen irgendwas Kantiges hauen.

Angelic Duties (6)

16. März 2013

It’s taken longer, again, but it’s not all bad news. Due to some change of heart I experienced at the last minute, the next chapter is already about halfway done, so here’s to hoping you won’t have to wait very long for issue 7. Until then, enjoy.

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Restebloggen (85)

11. März 2013
  1. Ich bewundere ja die Fähigkeit der Deutschen Bahn, schon wenige Minuten nach der Abfahrt eines Zuges mehr oder weniger ungefähr abzuschätzen, wie viel Verspätung er hatte.
  2. The Amazing Spider-Man gesehen. Ging. Unglaublich chauvinistischer Dreck allerdings, wenn man mal aus der Perspektive drüber nachdenkt. Ob man das öfter tun sollte, weiß ich noch nicht so genau. Jedenfalls beginnt man dann irgendwann, sich zu fragen, ob es den für die Animation zuständigen Mitarbeitern des neuen Tomb Raider wohl peinlich war, dass die Kamera in den Cut Scenes dauernd von schräg oben über Laras Schulter aufnehmen muss, oder ob man gegen sowas in der Branche schon völlig abgestumpft ist, und das nimmt einem ein bisschen den Spaß an der Sache, was aber vielleicht wiederum gut so ist, womit ich einem Ergebnis noch nicht näher bin.
  3. Bei der Gelegenheit: Nora Tschirner als Synchronstimme für Lara Croft? Unfassbar falsch.
  4. Und noch was zu The Amazing Spider-Man: Wenn ich die Musik in einem Film auch nur bewusst wahrnehme, dann läuft schon irgendwas falsch. Aber wenn ich die ganze Zeit über gar nicht mehr mitkriege, was passiert, weil ich ununterbrochen denke: „Das kann doch jetzt nicht sein. Das kann doch jetzt echt nicht sein. Das Stück gehört ja wohl mal überhaupt nicht hierher. Was hat die denn geritten, für diese Szene jetzt Til Kingdom Come zu wählen? Das passt doch gar nicht. Was ist denn … Was? Ganz andere Szene, und das Stück läuft einfach weiter, obwohl es jetzt noch weniger passt? Wie kann denn das … ist da jemand am Mischpult eingeschlafen?“
  5. Hatte ich schon bei Facebook, aber: Gibt es eigentlich irgendwo auf der Welt auch nur einen einzigen Menschen, der glaubt, dass Jugendliche irgendwie dadurch geschützt werden, dass man bestimmte Videos nur zwischen 22:00 Uhr und 06:00 Uhr auf den Ursprungsseiten oder halt den ganzen Tag auf Youtube sehen kann? Auch nur einen? Ich würde den gerne mal kennen lernen. Ist bestimmt ein interessanter Gesprächspartner.
  6. Ich höre gerade Pump Six and Other Stories von Paolo Bacigalupi. Der Mann hat nicht nur einen irre witzigen Namen, er schreibt auch gut, und die Sprecher sind fabelhaft. Einzig diese krankhaft dystopische Sicht auf die Zukunft nervt mich ja ein bisschen, weil man kaum noch irgendwo was anderes im SF-Genre zu lesen kriegt, aber darüber kann ich in diesem Fall hinwegsehen, und das will durchaus was heißen.
  7. Wenn der kleine Hunger kommt:
    Photo: Wenn der kleine Hunger kommt

Stinkt wohl. Und wie.

8. März 2013

Hardcore Tristesse hat sich den Anspruch, sich einen Blogpost von mir zu wünschen, redlich verdient, und gewünscht hat er sich:

Hmm … schreib doch mal was über Geld. Welche Vorteile hat Geld, welche Nachteile? Brauchen wir Geld? Ist es sinnvoll? Kannst du dir eine Gesellschaft vorstellen, in der Geld nicht notwendig ist? Gäbe es ohne Geld weniger Armut und Ungleichheit? Was sind Alternativen? usw. Würde mich freuen.

Und das kommt mir einerseits sehr entgegen, weil ich sowieso schon immer mal was über Geld schreiben wollte, andererseits aber auch nicht, weil, wie ihr euch sicher denken könnt, ich das nicht deshalb unterlassen habe, weil die guten Ideen und klugen Gedanken dazu nur so aus mir heraussprudeln und deshalb sofort loslegen wollte.

Ich weiß einfach nicht, ob ich dazu irgendwas Hilfreiches zu sagen habe. Aber ihr kennt mich, sowas hält mich nicht nachhaltig auf. Zur Sache also:

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Lieber Herr Gauck,

6. März 2013

ich habe gelesen, dass Sie dem Spiegel im Hinblick auf die öffentliche Diskussion über Sexismus und das Auftreten von Herrn Brüderle gegenüber einer Journalistin gesagt haben:

Wenn so ein Tugendfuror herrscht, bin ich weniger moralisch, als man es von mir als ehemaligem Pfarrer vielleicht erwarten würde.

und da dachte ich mir, dass es Sie vielleicht freut zu hören, dass Sie sich keine Sorgen machen müssen. Ich glaube im Gegenteil, Sie haben sogar ziemlich präzise das erwartbare Niveau von Moral getroffen.

Glückwunsch.


Warum ich Blogposts nicht kommentiere

5. März 2013

Grafik


Projekt 52 Bücher (7)

3. März 2013

Na logo. Lebt Frank Zander eigentlich noch? Ich habe ihn ja mal persönlich kennengelernt. War profund gruselig.

Diesmal hat das Fellmonsterchen es mir mit der Aufgabe besonders leicht gemacht:

Du betrittst zum ersten Mal die Wohnung deines neuen Schwarms. Welches Buch sollte auf dem Couchtisch (oder natürlich wahlweise auf dem Nachttisch) rumliegen, damit du dir sicher bist “Hier bin ich richtig!”?

Pa-haa. Als müsste ich darüber auch nur nachdenken. Eins von meinen natürlich, idealerweise alle. Aber weil es ja ausdrücklich um ein Buch geht, will ich mich um diese Entscheidung nicht drücken.

Das wundervolle Bild verwende ich mit freundlicher, wenn auch in Anbetracht der Geschichte marginal skeptischer Erlaubnis von www.Fotokunst-Potthoff.de

Das wundervolle Bild verwende ich mit freundlicher, wenn auch in Anbetracht der Geschichte marginal skeptischer Erlaubnis von http://www.Fotokunst-Potthoff.de

Mein sonderbarer Onkel Simon“ sollte es sein. Warum? Naja, wir reden ja nicht von besonders ausgefeiltem Literaturgeschmack, sondern davon, woran ich erkenne, dass sie die Richtige für mich ist, oder er, weiß man ja nicht, und das erkenne ich natürlich nicht daran, dass er (oder sie) sowas Mainstreamiges, rundum Gelungenes, einfach unbestreitbar Gutes wie Bright Outlook liest, sondern daran, dass sie (oder er) sich auch für so skurrile, amateurhafte kleine Fragmente wie dieses begeistern kann. Klar, oder?

Und falls das Bestandteil der Frage sein sollte: Lieber auf dem Nachttisch.

(Bonusfrage: Welches Buch dürfte dort auf keinen Fall rumliegen?)

Da bin ich nun – das mag die eine oder andere von euch überraschen – gar nicht so. Versuchsweise darf man gerne auch den größten Schund lesen, mache ich selbst ja auch oft genug, aber glücklicherweise ist mir trotzdem eine Antwort auch auf diese Frage eingefallen: Eines dieser Bücher „Wie mache ich das Beste aus meinem iPad?“, oder wie sie alle heißen. Ich habe schon gewisse irrationale Vorbehalte gegen Leute, die überhaupt ein iPad besitzen, und wenn diese Leute dann auch noch meinen, ein gedrucktes Buch zu brauchen, das ihnen sagt, was sie mit dem Tablet anstellen sollen, dann … bin ich ziemlich sicher, dass ich mich nicht gut genug mit ihnen verstehen würde, um ihren Nachttisch zu Gesicht zu bekommen, und wenn doch, ist sonst irgendwas schief gelaufen und bedarf dringend einer Korrektur.


Winter is coming

2. März 2013

Diejenigen unter euch, die auch meine Geschichten mitlesen, haben wahrscheinlich bemerkt, dass ich zwar viel von Skeptizismus und aufgeklärter Moral und Libertarismus und Anarchie und sowas rede, in meinem innersten Herzen aber eine profunde Schwäche für Gehorsam, bedingungslose Loyalität und Autoritäten verberge.

Was das mit Wolfgang Schäuble zu tun hat, wollt ihr wissen? Na, wartet mal ab.

Wenn ich so Geschichten wie A Song of Ice and Fire lese, erwische ich mich deshalb schon manchmal dabei, dass ich Eddard Stark sympathisch finde, weil er so ehrenhaft ist, wohingegen mir der Verrat Jaime Lannisters und seines Vaters und seiner Schwester an Aerys Targaryen und Robert Baratheon durchaus unsympathisch vorkommen. Ich muss mich dann schon bewusst daran erinnern, dass Eddard Starks ehrenhafte Loyalität einem Monarchen gilt, der seine Position mit dem Schwert erworben hat, seinen Willen mit dem Schwert durchsetzt und Kritik mit dem Schwert widerlegt. Na gut, die Lannisters sind sicher keine Helden, denn sie wollen den Tyrannen ja auch nur erschlagen, um dann selbst Tyrann zu sein, aber seien wir mal ehrlich: Roberts Macht ist kein Stück legitimer als die der Lannisters, und jemanden zu belügen und zu hintergehen, der einen unter Gewaltandrohung zum Gehorsam zwingt, ist nichts Verwerfliches. Wenn ich jemandem Gehorsam schwöre, weil er sonst nicht nur mich, sondern meine ganze Familie ermordet hätte, dann kann kein vernünftiger Mensch diesen Schwur für bindend halten.

In einer solchen Situation ist es also nicht nur nicht unehrenhaft, zu lügen und zu verraten, es ist sogar moralisch geboten. Tatsächlich dürfte nach den Maßstäben eines heute lebenden Menschen, sogar derer, die nicht wie ich libertäre Spinner sind, auch Eddard Stark in gewisser Weise ein Krimineller sein, ein scheußlicher Mensch, einfach weil er ein Feudalherr ist, der seine Untertanen mit dem Schwert seinem Willen unterwirft und gleich am Anfang einen von ihnen tötet, der die Unverschämtheit hatte, aus nackter Angst vor untoten Ungeheuern um sein Leben zu rennen.

Ihr fragt euch natürlich jetzt schon die ganze Zeit: Was hat das nun alles mit Wolfgang Schäuble zu tun? Keine Sorge, das erkläre ich gleich.

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Angelic Duties (5)

1. März 2013

Since Guinan has commented on the third chapter today, it’s time to publish the fifth, or she might catch up with me. So here we go, enjoy!

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