SEX! SEX! ES GEHT UM SEX! UND BRÜSTE!

Bei Religion bin ich nur ein externer Beobachter. Ich war nie in einer religiösen Gemeinschaft involviert und fand schon im Alter von fünf Jahren die halbherzig vorgebrachte Erläuterung meiner Mutter, nach dem Tod kämen wir in den Himmel, und da wäre alles ganz toll, deswegen wäre das mit dem Tod gar nicht schlimm, kein bisschen überzeugend. (Was garantiert nicht daran lag, dass ich irgendwie besonders klug gewesen wäre, sondern einfach daran, dass sie das selbst nicht glaubte und es entsprechend wenig glaubwürdig vortrug.)

Bei einem anderen Feld irrationaler Überzeugungen, das ich hier der Einfachheit halber mit dem Sammelbegriff „Politisch Inkorrekt“ zusammenfassen will hingegen kann ich als ehedem Beteiligter mitreden. Nein, ich war nach meiner Erinnerung nie ein idiotischer Muslim-Hasser, das nicht, aber ich habe mich von meines Vaters Ansichten zu den Themen Feminismus, Genderei, Gleichberechtigung Homosexueller, Klimaveränderung, Umweltschutz, Rassismus, und so weiter, maßgeblich beeinflussen lassen und würde sagen, dass ich Jahre gebraucht habe, um mich allmählich davon zu befreien, wenn ich überzeugt wäre, dass dieser Prozess schon abgeschlossen ist. Ich darf sagen, dass ich heilfroh bin, dass ich noch nichts von Blogs wusste, als ich sechzehn war, denn so hatte ich kaum eine Chance, der Welt den Unfug mitzuteilen, den ich damals noch für richtig und vernünftig hielt. Ich sage nur Wolf Schneider.

Bei der Entwicklung hin zu meiner heutigen, für diese Themen sehr aufgeschlossenen Haltung haben mir vorrangig ihre Gegner eine große Hilfe geleistet, denn sogar zu meinen düstersten Zeiten war für mich die Unzulänglichkeit ihrer Argumentation unübersehbar.

Ulkigerweise sind meine Einwände dabei ungefähr die, die religiöse Menschen meiner Position zur Religion häufig entgegenbringen: Leute, die über Genderei und Political Correctnes (ein Begriff, den eigentlich auch nur sie benutzen, soweit ich weiß) schimpfen, haben in der Regel keinerlei Ahnung von diesen Themen, sie verstehen sie nicht ansatzweise, sie stellen sie völlig falsch dar, und tun dabei gerne so, als gäbe es nur eine einzige monolithische Position, die eine Political Correctness, und die hat man eben ganz (Dann will man andere erschießen lassen, wenn sie nicht sofort alle Substantive und am besten auch noch die Verben und Adjektive in feminine Form umwandeln.), oder eben gar nicht (Dann ist man verpflichtet, auch weiterhin Nigger zu sagen, und Schwuchtel, weil diese Leute nun mal so heißen, kann man nix machen.).

Die Argumentation verläuft dabei meistens ungefähr so: [Nicht real existierendes, völlig lächerlich überzogenes Beispiel für Political Correctness] -> [Rückschluss auf alles, was man als Political Correctness empfindet, was im Zweifel alles ist, was irgendwie die eigenen Privilegien antasten oder einem sonstwie unbequem werden könnte] -> [Political Correctness ist nicht nur doof und unnötig, sondern gefährlich]

Oder am konkreten Beispiel: Die [Natürlich wird nie verraten, wer eigentlich.] wollen uns verbieten [hier im Sinne von: vorschlagen, es bessser zu lassen] Frauen Komplimente zu machen [hier im Sinne von: beleidigende Anmachsprüche zu verwenden], die spinnen doch, dieser ganze Political-Correctness-Mist ist doch Wahnsinn.

Ein paar schöne Beispiele findet ihr in der Diskussion hier. Und wer da ein bisschen empfindlicher ist als ich, für den will ich mal dieses kleine Video von Herrn Nuhr als relativ harmlose Veranschaulichung heranziehen, die aber trotzdem recht deutlich zeigt, wo die Probleme der Politisch Inkorrekten Argumentation zu finden sind und den zusätzlichen Vorteil hat, mir eine rational Grundlage zu liefern für mein schon lange vorhandenes latentes Bedürfnis, ihn unsympathisch zu finden:

Gesehen? Tut mir leid. Nicht? Macht nix. Ich zitiere die wesentlichen Stellen für euch.

Schauen wir mal durch:

„Man muss heute aufpassen. Gerade bei der Sprache.“

sagt Herr Nuhr, und empfindet das offenbar als neu aufgekommene Zumutung, was ja schon ein bisschen eigenartig ist, denn ich hätte jetzt gedacht, dass es schon immer eine gute Idee war, aufzupassen, was man sagt. Aber wer weiß, womöglich hat er ja eine echte Zumutung gefunden, eine unerträgliche Kleinlichkeit, die wirklich nicht mehr –

„Liebe Wählerinnen und Wähler“

Oh. Ja. Das ist in der Tat extrem lächerlich von diesen politisch Korrekten, dass sie vorschlagen, nicht nur das Maskulinum zu benutzen, wenn man eine gemischte Gruppe anspricht. Besonders schockierend ist in diesem Zusammenhang natürlich, dass es nicht länger nur ein Gebot der Höflichkeit ist, deutlich zu machen, dass man alle seine Zuhörer meint, sondern dass jetzt sogar schon der Gesetzgeber sich um eine Sprache bemüht, die nicht einseitig nur ein Geschlecht zum Standard macht und das andere zum Ausnahmefall, wie man an der Überarbeitung der Straßenverkehrsordnung sieht. Der Gesetzgeber wollte darin nun anerkennen, dass es nicht nur „Fußgäng-er“ gibt, sondern auch „Fußgäng-sie“, und diese Idee mit dem „-er“ und „-sie“ fand Herr Nuhr so lustig, dass er sie mehrfach wiederholt, um ganz sicher zu gehen, dass jeder Zuhörer mitbekommt, was er da macht. Und so macht er sich dann darüber lustig, wie umständlich das wäre, wenn die StVO wirklich versuchen würde, alle Menschen einzeln aufzuzählen, deren Verhalten sie regulieren will:

„Auch andere Gruppen erwähnt, die bisher diskriminiert werden. Ausländer zum Beispiel“ […] „Geschlechtslose, sozial Benachteiligte, Roma, Sinti, […]“

Joa. Ob ihr das prinzipiell lustig fändet, überlasse ich euch, aber jedenfalls verfehlt er damit völlig den Gegenstand seiner Kritik, denn die Neufassung spricht eben nicht von Fußgängern und Fußgängerinnen, sondern zum Beispiel von „zu Fuß Gehenden“. Sie versucht eben nicht, eine Vielzahl von Gruppen aufzuzählen, sondern sie bemüht sich um eine Bezeichnung, die alle Normadressaten umfasst, statt wie bisher eine einzelne Gruppe (Männer) auszuwählen und einfach davon auszugehen, dass die anderen schon verstehen werden, dass sie mitgemeint sind. Man kann es unnötig und unverhältnismäßig finden, diese Norm deshalb neu aufzulegen, aber jedenfalls karikiert Herr Nuhr hier einen Ansatz, der ungefähr das Gegenteil von dem ist, für den der Gesetzgeber sich entschieden hat.

„Diese neue StVO wird dann ja auch wieder alle diskriminieren, die nicht genannt wurden.“

Eben nicht. Denn die Formulierung „zu Fuß Gehende“ schließt niemanden mehr aus, das ist ja gerade die Idee, und noch mal: Diese Bemühung, alle einzeln zu nennen, über die Herr Nuhr spottet, die gibt es in der neuen StVO nicht. Die gibt es nur in der StVO, die Herr Nuhr sich ausgedacht hat, um sich dann über sie lustig zu machen. Unabhängig davon, wie wir zu gegenderter Sprache stehen, und zur Lesbarkeit von Partizipien wie „Zu Fuß Gehende“: Können wir uns darauf einigen, dass es kein besonders guter Stil ist, jemanden für etwas zu verspotten, das er gar nicht tut?

„Da fährt dann auch keiner mehr voraus. […] Heute fährt man nebeneinander.“

Ähm… Keine Ahnung, wie er darauf kommt. Damit will er wahrscheinlich über eine Neigung spotten, Leistungsunterschiede nicht mehr als solche zu benennen, insbesondere bei der schulischen Leistung, denn er zitiert in diesem Zusammenhang eine Politikerin mit der Bemerkung, kein Kind zurücklassen zu wollen, was wohl auch nur in der sonderbaren Parallelwelt des Politisch Inkorrekten Humors eine lächerliche Absicht ist.

Und zu guter Letzt darf natürlich auch noch mal die Überleitung zu den Toiletten nicht fehlen:

„Da gibt es Fußgänger und Fußgängerinnen, aber was ist denn mit denen, die sich nicht entscheiden können?“

Sollte ich …? Ach was solls, ich erklärs noch mal. Er bringt ja auch immer wieder denselben missglückten Witz: Nein, Herr Nuhr, es gibt keine „Fußgänger und Fußgängerinnen“. Es gibt „zu Fuß Gehende“ und „wer zu Fuß geht“. Das schließt auch die ein, die sich nicht entscheiden können oder wollen. Und noch mal fürs Protokoll: Herrn Nuhr sind genau zwei Gags zur neuen StVO eingefallen. Der eine, den er dauernd wiederholt (Fußgänger und Fußgängerinnen, Juden und Ausländer, sozial Benachteiligte und…), und der andere, der überhaupt keinen Sinn ergibt (Keiner darf mehr vorausfahren). Beide beziehen sich auf Dinge, die in der neuen StVO nicht vorkommen. Das ist sogar für einen deutschen Comedian ein eindrucksvolles Versagen, denke ich.

Aber zurück zu den Toiletten:

„Wer von uns ist denn nicht schon durch einen Stadtteil gelaufen und hat in die enttäuschten Gesichter von Transsexuellen geblickt, die bedürftig vor den öffentlichen Klos standen“

Und auch hier wieder: Natürlich kann man über den Sinn und die Verhältnismäßigkeit der Einrichtung oder Umbeschriftung von Toiletten zugunsten von Menschen streiten, die Probleme mit der Einteilung in Männer und Frauen haben, aber ich sehe auch wieder nicht den Humor darin, wenn ein Angehöriger der Mehrheit der Minderheit erklärt, dass ihr Problem in Wahrheit gar nicht existieren kann, weil er es nicht wahrnimmt. Das ist übrigens ein weiterer Aspekt der Standardargumentation der Politisch Inkorrekten Abteilung. Wir als privilegierte weiße Männer finden die Probleme anderer, weniger privilegierter Gruppen nicht weiter schlimm und beschließen deshalb, dass es gar keine echten Probleme sind, sondern lächerlicher Quatsch, der nur dazu dient, alle fair zu behandeln uns zu entrechten und uns das Leben schwer zu machen. Ich meine, echt jetzt, wie doof wäre denn das, wenn Toiletten nicht mehr heteronormativ gekennzeichnet wären, das wäre doch … total bekloppt, oder? *brüllendes Gelächter*

Ja. Das jetzt mal so als Beispiel. Und zu guter letzt eine Herausforderung an meine Leser, weil ich das lange nicht mehr gemacht habe, und weil ich auch ehrlich neugierig bin: Findet ihr eine fundamentale Kritik an Policitcal Correctness, an Genderei, an gerechter Sprache, die ausschließlich Dinge kritisiert, die wirklich existieren, die wirklich und im Ernst jemand fordert, die nicht nur in der blühenden Fantasie des furchtlosen Kritikers der PC-Diktatur existieren?

Der erste, der mir ein Beispiel bringt Wer mir das erste Beispiel bringt, gewinnt eine von mir handsignierte Erstausgabe von „Discordia, Inc.“, und wer mir sogar eins zeigen kann, das an keiner einzigen der hier aufgezählten Schwächen krankt, kriegt noch eine Blu-ray von The Princess Bride mit dazu.

Halali.

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57 Responses to SEX! SEX! ES GEHT UM SEX! UND BRÜSTE!

  1. ich denke, aber einfallen will mir nichts. bis auf: herr nuhr lässt merklich nach.
    und: grandioser beitrag!

  2. Muriel sagt:

    @kurzgeschnitten: Danke. Ich find ihn eher so mittel.

  3. selbstkritisch auf die eigenen worte schauen gehört zum schreiben wohl dazu.
    mir gefällt’s und ich denke immer noch nach, herausforderung war vielleicht tief gestapelt 😉

  4. schöne lektion in sachen selbstbewusstsein. merke ich mir.

  5. Triffels sagt:

    Findet ihr eine fundamentale Kritik an Policitcal Correctness[…]?

    Sie ist der Grund für all die „Zensur“- und „daswirdmanwohlsagendürfen“-Trolle.

  6. ChB sagt:

    Ehrlich gesagt finde ich Nuhr sowieso selten komisch und ehrlich gesagt bin ich auch kein entschiedener Gegner von political correctness – allerdings sehe ich da doch eine bürokratische Sprachverhunzung am Werk. „Zu Fuß Gehende“ ist nicht wirklich schön, ja hat schon etwas Komisches. Das Geschlechtsspezifische an Pluralformen leuchtet mir ohnehin nicht ein. Es gibt auch eine nicht lesbare Bibelübersetzung in geschlechtergerechter Sprache, und es gibt immer wieder Stimmen, die Werke wie Huck Finn sprachlich bereinigen wollen – m. E. eine Farce.

  7. Debe sagt:

    Ich glaube, dass mit etwas Augenmass beim Formulieren von Texten das Anecken bei Verfechtern der „Political Correctness“ deutlich reduziert werden kann. Wer sich Mühe gibt, Partizip-Formen zu verwenden („Studierende“), Berufsbeispiele nicht immer geschlechtertypisch wählt („Altenpfleger“, „Elektrikerin“) und verbrannte Worte meidet („Neger“), hat die „halbe Miete“ schon. Manch kritische Person findet dann aber noch etwas auszusetzen, und ist damit einer weiteren Bemühung in der Richtung nicht förderlich: Zumindest habe ich für einen recht gründlich in dieser Richtung formulierten Text Schelte bekommen für das Übersehen einer Formulierung von „Er oder sie“ (da stand nur „er“ in einem Relativsatz), ausserdem hätte ich darauf achten müssen, abwechselnd die weibliche und die männliche Form zuerst zu verwenden. Das ist ein Einzelfall, keine generelle Kritik an PC, hat meine Motivation aber erheblich gedämpft. Vielleicht ist das ein Teil davon, dass PC-Kritik oft nicht konstruktiv ankommt (auch wenn sie oft so ausgesendet werden mag, das ist ja nicht das gleiche). Zum Beispiel ist der Begriff „Neger“, „Farbiger“, „Schwarzer“ oft vollkommen verzichtbar, weil die Hautfarbe nur eines von mehreren verfügbaren Unterscheidungskriterien ist, was als (konstruktive) Erkenntnis aber nicht unbedingt durchdringt: Vielmehr bleibt die (negativ wahrgenommene) Unsicherheit, ob man diese Begriffe überhaupt verwenden darf/kann/sollte, nicht die Suche nach einem anderen Kriterium.

    In diesem Fall gibt es natürlich mindestens dann eine legitime Verwendung, wenn die bezeichnete(n) Person(en) gerade aufgrund ihrer Hautfarbe unterscheidbar sind, etwa wenn man über die Mitglieder der „Gospel-Gemeinde“ oder die Referenten eines Afrika-Immigranten-Workshops zum Thema „Hautfarbe und Diskriminierung“ spricht.

    Mit der Formulierung „People of color“ konnte ich mich noch nicht anfreunden, und die geforderte Verwendung dieses Begriffs zumindest in bestimmten Rahmen (Blogs/Foren) ist das erste Beispiel für eine mir tatsächlich begegnete Forderung.

  8. UnendlicheFreiheit sagt:

    Ich versuch’s mal. Grundsätzlich halte ich es für sinnvoll, wenn auf Rassismus, Sexismus etc. aufmerksam gemacht wird. Die Sprache wiederspiegelt Hierarchien und Diskriminierung in einer Gesellschaft. Man erkennt an der Sprache ganz klar, wer privilegiert ist. (bei uns eben der weisse Mann) Das sich die privilegierte Gruppe nicht an diesem sprachlichem Spiegelbild stört ist klar.
    Wenn man sich über Sexismus, Rassismus etc. an den Pranger stellt ist das nötig und richtig. Jemand der öffentlich dumme Sachen sagt, soll dafür kritisiert werden. Doch (jetzt kommt meine Kritik) löst man damit die Probleme mit Sexismus und Rassismus? Werden keine Judenwitze mehr gemacht, wenn man diese in der Öffentlichkeit nicht mehr ,,bringen‘‘ darf? Oder wenn man strafrechtlich verfolgt wird, wenn man das Wort Nigger sagt? Man kann Rassismus gesetzlich verbieten oder sagen das Antisemitismus dumm ist und dann jubeln man hätte der Welt endlich Toleranz und Frieden gebracht. Aber was bringt das wenn die Menschen solche Dinge denken, aber sie schlicht nicht wagen diese (öffentlich) auszusprechen weil sie dann vom kollektiv mundtot geschlagen werden.
    Jetzt wirst du mir sicher sowas sagen wie: ,,Soll man dann Leute die öffentlich rassistisch/sexistisch sind nicht mehr kritisieren und zurecht weisen?!1‘‘ Nein, man soll sie weiterhin kritisieren! Aber man soll sich von der damit verbundenen Illusion befreien, soziale Missstände mithilfe PC lösen zu können. Wenn die Sprache der gesellschaftlichen Entwicklung vorauseilt, wird man eventuell das Gefühl haben, Probleme gelöst zu haben die nicht gelöst sind. Ich hoffe du hast verstanden, was ich dir sagen will. Hier noch ein Beispiel: Die Öffentlichkeit reagiert sehr empfindlich auf Rassismus. Äussert sich jemand rassistisch, wird dieser von der Gesellschaft zu Recht gescholten. Was hilft das aber dem ,,Nigger‘‘, der wegen seiner Hautfarbe nicht eingestellt wird. Akzeptiert man Homosexuelle automatisch mehr, nur weil man diese nicht mehr als Schwuchteln oder Tunten bezeichnet? Zusammengefasst ist meine Kritik an PC, dass man Missstände nur oberflächlich ankratzt und damit in Gefahr läuft dem Anschein zu erliegen, man hätte diese bereits aus der Welt geschafft. PC ist Symptom-Bekämpfung.

  9. Alien sagt:

    Ich stimme Unendlichefreiheit zu.

    Ich finde diese neue Sprachregelung „Studierende, Verkehrsteilnehmende“ etc. unschön (was nicht schlimm ist) und vor allem aber vollkommen unnötig, da sich die Bedeutung von Wörtern verändert. Und zwar ständig.

    Betrachten wir zwei Extremfälle:

    1. Fall:
    Die Gleichberechtigung aller Gruppen ist in der Gesellschaft komplett gewährleistet. Niemand wird deshalb schlechter behandelt, weil er weiblich, dunkelhäutig, oder sonst irgend wie anders ist, als der Diskriminierende. Ist es dann schlimm, wenn wir das Wort Studenten benutzen und alle damit meinen? Ich denke, wenn wir uns an eine spezielle Gruppe richten können wir das immer noch spezifizieren, z.B. die männlichen Studenten, die weiblichen Studenten oder eben die Studentinnen.

    2. Fall:
    Viele kleine und große Gruppen werden wie Dreck behandelt. Leute werden nur deshalb nicht eingestellt, länger inhaftiert, bekommen weniger Geld für gleiche Arbeit, weil sie weiblich, dunkelhäutig, homosexuell etc. sind. Was nützt es diesen Gruppen, wenn alle diskriminierenden Begriffe nicht mehr benutzt werden? Für sie muss es doch eher ein Hohn darstellen, wenn sie sprachlich gleichgestellt sind, und dennoch von vielen in der Gesellschaft verachtet werden. Das ist doch bitterster Sarkasmus.

    Weiterhin führt eine Sprachregelung, an die sich auch Rassisten und Sexisten halten zu einem hohen Wortverschleiß. Sobald nämlich diese eigentlich neutrale Wörter in ironisch abwertender Weise verwenden, werden diese Wörter negativ konnotiert, und damit nicht mehr neutral. An der gesellschaftlichen Situation geändert hat sich allerdings nichts.

  10. Henk sagt:

    Die von Alien beschriebene Euphemismus-Tretmühle ist für mich ein zutreffender Kritikpunkt an PC. Mein Eindruck ist es, dass in selten sauber getrennt wird zwischen Begriffen (als der geistigen Repräsentanz, der Idee einer Sache, eines Zustands oder einer Verhaltensweise) einerseits und Wörtern (als sprachlichen Repräsentanz der Begriffe). Statt die grundsätzliche Idee zu korrigieren und sich abzugewöhnen, Menschen dauernd zu beurteilen und in richtige und falsche einzuteilen, wird an den Wörtern herumgedoktort in der Hoffnung, dass auf diese Weise auch die Ideen verändert werden. Das läuft so nicht. „Free your mind and your ass will follow“, singen Funkadelic zurecht.

    Dass gegenderte, gerechtigkeitsbemühte Sprache oft sperrig ist (Patizipienverwendung), schlecht lesbar ist (häufige Verdopplung von Wörtern aufgrund der Nennung beider Geschlechter) und gelegentlich andereweitige Ungerechtigkeiten aufwirft (Robert Gernhardts Forderung nach Plüderinnen und Plünderern wird bis heute selten erfüllt), sehe ich regelmäßig mit persönlichem Missfallen, aber die grundlegende Idee dahinter finde ich richtig und notwendig. Man muss sich dann halt ein bisschen mehr um guten Stil bemühen. Wenn dann auf Seiten der glühenderen Verfechter* gerechter Sprache ein bisschen abgerüstet wird und nicht jeder Verstoß bleiern getadelt wird, dann müsste man doch gut klar kommen, oder?

    Etwas schade finde ich, dass man den sprachlich naheliegenden und natürlichen Ausweg aus der Geschlechterproblematik kaum nutzen möchte. Die deutsche Sprache bietet mit dem Neutrum doch den blitzsauberen Kompromiss zwischen Mann, Frau und Menschen dazwischen. „Das Lehrer“ oder „das Zuhörer“ klingt erst einmal fürchterlich und ist grammatisch falsch. Wenn man aber doch eh an der Sprache herumoperiert, warum dann nicht im Sinne einer konsequenten Nutzung dieses tollen Genus?

  11. Henk sagt:

    Fast vergessen:
    * damit sind Verfechterinnen natürlich genau so gemeint.

    Ein von mir völlig vergessenes Argument: Die Nennung beider Geschlechter betont die Geschlechtlichkeit und die Unterschiede. Das verändert den Sinn des Textes und die Gesellschaft als solche. Die neue StVO hat dieses Problem gut umgangen.

  12. almasala sagt:

    Der Begriff „Political Correctness“ selbst ist schon selbst ein Beispiel für eine Fundamentalkritik des Phänomens der politischen Korrektheit. Ich zitiere hier mal einen Philosophen (aus Wikipedia)

    Der Philosoph Slavoj Žižek weist darauf hin, dass sich „politisch korrekte“ Begriffe abnutzten (die Ersatzbegriffe erben mit der Zeit die Bedeutung des Wortes, das sie ersetzen sollten), wenn sie nicht mit einer Veränderung der sozialen Wirklichkeit einhergingen. So sei allein durch eine fortwährende Neuschöpfung von Ersatzbegriffen (wie in dem US-amerikanischen Beispiel Negro – black people – coloured people – African-Americans) noch keine Veränderung erzielt, wenn nicht den Worten eine tatsächliche soziale Integration folge. Die rein sprachliche Prägung immer neuer Begriffe enthülle die Unfähigkeit, die tatsächlichen Ursachen von Rassismus und Sexismus allein durch Sprachpolitik zu überwinden. Zudem entstehe durch die laufende Neuschaffung von Begriffen eine exzessive Struktur, da jeder Begriff durch den folgenden seinerseits unter Diskriminierungsverdacht gestellt und entwertet werde. Dieser Effekt wird auch „Euphemismus-Tretmühle“ genannt. Laut Žižek versuche die Geisteshaltung der „politischen Korrektheit“ durch ihre zirkuläre Selbstbezogenheit alle Spuren der Begegnung mit „dem Realen“ (Lacan) zu beseitigen.

    Krieg ich den Hauptpreis?

  13. UnendlicheFreiheit sagt:

    @ Alien Danke für die Zustimmung. Ich sehe das ähnlich wie du, nur dass ich mich an den neuen Begriffen an sich nicht störe. Mir ging es vor allem darum, dass der erhoffte gesellschaftliche Wandel den man durch PC zu erreichen versucht, ausbleiben wird. Der Fortschritt bezüglich Rassismus/Sexismus könnte sogar gebremst werden. Durch “Wortspielerei“ alleine löst man keine Probleme.
    @ almasala Macht man sich’s nicht ein wenig leicht, wenn man einfach einen Philosophen bei Wikipedia zitiert? Dazu kommt, dass ich und Alien die gleiche Argumentation in unseren eigenen Worten bereits geliefert haben.

  14. Triffels sagt:

    ISt denn das Ziel von PC Unterschiede und Diskriminierungen abzuschaffen? Ich sehe korrekte Sprache eher als Fundament, auf dem man aufbauen kann, wenn man gegen Intoleranz vorgeht (und als die Pflicht unseres Gesetzgebers).

  15. BadWolf sagt:

    Muriel was hältst du denn von Kabarett allgemein? Deine Meinung zu Volker Pispers interessiert mich da besonders.

  16. PlantPerson sagt:

    @ UnendlicheFreiheit und Alien:
    Ich möchte euch nur ein wenig widersprechen. Ich denke schon, dass PC bei der Bekämpfung von Rassismus/Sexismus helfen kann. Einfach dadurch, dass es ein Bewusstsein dafür schaft, wie viel Diskriminierung schon in alltäglichen Worten steckt. Ich finde allerdings, dass gesellschaftliche Entwicklung und politisch korrekte Sprache eher Hand in Hand gehen, bzw. PC ein Teil der gesellschaftlichen Entwicklung ist. Ich gebe euch allerdings recht, dass PC allein Rassismus/Sexismus nicht beseitigen wird. Außerdem weiß ich nicht, ob politisch inkorrekte Sprache (gesetzlich) bestraft werden soll. Leute darauf hinweisen ja, tatsächlich mit Strafen belegen… Ich weiß nicht…

    Natürlich gibt es auch für mich hie und da Situationen in denen ich denke „wie, das darf ich jetzt nicht mehr sagen?“ Ich benutze z.B. gerne Schimpfworte, die sich auf die primären weiblichen UND männlichen Geschlechtsorgane beziehen. (Ich weiß nicht, wie streng Muriel hier filtert, daher keine Beispiele). Nun gab es kürzlich im Zusammenhang mit Magaret Thatchers Tod einige Kommentare auf feministischen Blogs, dass man das C word doch bitte zu vermeiden habe. Da ich aber, wie gesagt, gerne im Bezug auf die Geschlechtsorgane beider Geschlechter schimpfe, bin ich mir keiner Schuld bewusst. Über dieses Thema muss ich noch etwas grübeln…

  17. okasch sagt:

    Gegen eine übertriebene PC in der Sprache steht das Faktum, dass Sprache zu großem Teil (oder ausschließlich) auf Gewohnheit und Konvention beruht. Die Verknüpfungen zwischen Wort und Bedeutung (und Wertung) sind dabei höchst willkürlich. Wir könnten uns also einfach darauf einigen, dass „die Radfahrer“ sich per Definition auf eine gemischte Gruppe bezieht. Diese Einigung in der Sprechergemeinschaft gab (und gibt) es meines Wissens ja wohl auch – bis dann eben irgendwelche Feministinninninnen ankamen, denen eine solche Einigung mißfiel.

    Wer „Auf Wiedersehen“ sagt, meint nicht immer wirklich „Bis zum nächsten Wiedersehen“.
    Wer die Worte „herrlich“ und „dämlich“ verwendet, meint in der Regel nicht, dass der Herr eine schöneres und klügeres Wesen als die Dame ist.
    Wer das Wort „Selbstmörder“ verwendet, meint in der Regel auch nicht, dass der Betreffende mit einem Mörder gleichzusetzen ist.

    Ich muss zugeben, dass ich mich bei letztem Beispiel auch erst ein bißchen zickig angestellt habe. Wo man eine empfindliche Stelle hat, reagiert man eben über, und man wittert überall schlechte Absichten. Aber letztlich finde ich diese Auswüchse der PC in der Sprache doch eher peinlich.
    Es kommt auf den gemeinten Gedanken an und nicht auf eine vermeintlich „objektive Interpretation“ des Sprachwerks.

  18. madove sagt:

    Eine Sache ist, ob und wie weit man selber Lust hat, die eigene Sprache ungewohnt und eventuell zunächst unbequem anzupassen. Was mich aber immer wieder fasziniert (und was mich, ursprünglich widerwillig, dem Feminismus in die Arme getrieben hat) ist, wieviel Energie Vertreter der jeweiligen privilegierten Seite da reinstecken, mit lautstarker Empörung (und Drohungen allerArt) zu verkünden, PC sei lächerlich und unzumutbar und die jeweilig unterprivilegierte Seite solle sich nicht so anstellen. Vorher frag ich mich ja auch immer, ob das nicht übertrieben und unnötig ist, aber wenn dann plötzlich dieser Eiter da rausquillt, muß ich doch davon ausgehen, daß es eben nicht nur um Kosmetik geht.

  19. PlantPerson sagt:

    @ madove: „Vorher frag ich mich ja auch immer, ob das nicht übertrieben und unnötig ist, aber wenn dann plötzlich dieser Eiter da rausquillt, muß ich doch davon ausgehen, daß es eben nicht nur um Kosmetik geht.“ –> kann ich so unterschreiben.

    Das beweist auch dein Vor-poster: „Diese Einigung in der Sprechergemeinschaft gab (und gibt) es meines Wissens ja wohl auch – bis dann eben irgendwelche Feministinninninnen ankamen, denen eine solche Einigung mißfiel.“
    *hüstel*, nun ja….

  20. Muriel sagt:

    Vielen Dank für die zahlreichen durchdachten Kommentare. Ich überlege gerade noch, ob ich die als Antworten auf die Herausforderung gelten lasse.
    Einerseits habe ich bewusst „fundamentale Kritik“ geschrieben, um eben Kritik an einzelnen Aspekten und Übertreibungen auszuschließen, denn natürlich gibt es bestimmte Vorschläge gegenderter Sprache, die mir auch nicht gefallen und kontraproduktiv erscheinen. Ich suchte eigentlich nach Kritik an der ganz grundsätzlichen Idee.
    Andererseits gebe ich zu, dass meine Herausforderung sehr unscharf und unüberlegt formuliert ist (was in Anbetracht des Themas als besonders peinlich gelten dürfte) und wäre deshalb zu Zugeständnissen bereit.
    Schaumermal.
    @PlantPerson:

    Außerdem weiß ich nicht, ob politisch inkorrekte Sprache (gesetzlich) bestraft werden soll.

    Ist das ein Euphemismus für „Selbstverständlich sollte politisch inkorrekte Sprache nicht gesetzlich bestraft werden“, oder kannst du dir wirklich vorstellen, Strafen für falsche Ausdrücke zu verhängen?
    @BadWolf: Mir fällt gerade kein Beispiel für Kabarett ein, das ich so richtig bewusst wahrgenommen hätte, und insbesondere von Herrn Pispers kenne ich kaum mehr als den Namen, insofern kann ich deine Frage gar nicht so richtig beantworten.
    Ich habe mal versucht, eine Folge Scheibenwischer zu sehen und nach zehn Minuten entnervt aufgegeben. Hilft das?

  21. PlantPerson sagt:

    @ Muriel: „oder kannst du dir wirklich vorstellen, Strafen für falsche Ausdrücke zu verhängen?“ Ganz klar: Nein!

    Ich habe ehrlich gesagt noch nie darüber nachgedacht, ob politisch inkorrekte Sprache bestraft werden soll, da das zugegebenermaßen absurd ist. Hmmm, ich weiß jetzt auch gar nicht mehr, wie ich gestern darauf kam… Tja…

  22. Muriel sagt:

    @PlantPerson: Jetzt bin ich aber erleichtert. Ich mochte dich immer irgendwie und bin froh, das auch weiterhin zu können.

  23. Ich finden den Gender-Neusprech furchtbar – außerdem sinnlos. Harald Stücker bringt das gut auf den Punkt: http://evidentist.wordpress.com/2013/04/17/feministische-sprachmagie/.

    Gleiches gilt für „politisch korrekte Sprache“. Beides ist manipulativ und übergriffig und tut im Grunde dasselbe, wie das Verhalten, das eigentlich angeprangert wird.

    Dogmen und Denkverbote. Hirngleichschaltung. Nein Danke!

  24. Muriel sagt:

    @lawgunsandfreedom: Ähm. Danke auch.

  25. Stoertebeker sagt:

    Dass PC-Normen sinnlos verpuffen, glaube ich nicht. Sie schärfen nicht nur das Bewusstsein. Andere Sprache bedeutet auch anderes Denken und irgendwann auch anderes Handeln.

    Die Amis sind heute zwar nicht all ihre Rassismus-Probleme los sind, aber immerhin haben sie einen schwarzen Präsidenten Das wäre vermutlich nicht so, wenn „Nigger“ heute noch die allseits geläufige Bezeichnung für einen Schwarzen wäre.

    Sprache alleine löst keine Probleme, trägt aber ihren Teil dazu bei.

    Persönlich bin ich allerdings zu bequem, um mir ernsthafte Mühe zu geben, PC-konform zu kommunizieren. Wo’s leicht fällt, mache ich’s, wo nicht, nicht. Da mag auch die Selbstgerechtigkeit eines weißen Heteromannes drinstecken, aber mei: Heiligsprechung strebe ich eh nicht an. Und ganz so wichtig scheint’s mir dann doch nicht.

  26. Muriel sagt:

    @Stoertebeker:

    Die Amis sind heute zwar nicht all ihre Rassismus-Probleme los sind, aber immerhin haben sie einen schwarzen Präsidenten Das wäre vermutlich nicht so, wenn “Nigger” heute noch die allseits geläufige Bezeichnung für einen Schwarzen wäre.

    Du hast es da schon ein bisschen stark kondensiert, finde ich. Prinzipiell haben Worte ja in der Tat nur den Gehalt, den wir ihnen beimessen, und wenn alle es okay finden, Schwarze Nigger zu nennen, wäre es natürlich okay. Auf der anderen Seite halte ich es einfach für ein Gebot selbstverständlicher Rücksichtnahme, einen Menschen (oder eine Gruppe von Menschen) nach Möglichkeit nicht mit einem Begriff zu bezeichnen, den sie als beleidigend empfinden. Bei „Neger“ auf Deutsch kann man das vielleicht sogar noch anzweifeln, ohne völlig den Boden der Vernunft zu verlassen. bei „Nigger“ wohl kaum. (Und dann kommt natürlich noch die Frage hinzu, was überhaupt dafür spricht, einen eigenen Begriff für Menschen mit einer bestimmten Pigmentierung zu bilden.)

    Da mag auch die Selbstgerechtigkeit eines weißen Heteromannes drinstecken, aber mei: Heiligsprechung strebe ich eh nicht an. Und ganz so wichtig scheint’s mir dann doch nicht.

    Mich beschäftigt das natürlich besonders dann, wenn ich meine Geschichten schreibe. Ist der Techniker nun ein Mann, oder ist es besser eine Frau, um dem Stereotyp zu widersprechen? Aber wenn es eine Frau ist, wirkt das dann einfach nur platt so, als würde ich das bloß machen, um dem Stereotyp zu widersprechen, und viel zu gewollt? Sollte diese oder jeden Figur vielleicht homosexuell sein, und wenn ja, ist das ein Problem? Und so weiter.
    Meine Geschichten durchzieht ein gewisser Sexismus, der sogar sehr deutlich ausfällt, wenn ich mal drüber nachdenke. Das habe ich auch schon ein paar Mal hier thematisiert, und bisher habe ich mich dagegen entschieden, mich besonders anzustrengen, um ihn abzustellen. Aber ich denke aufrichtig und offen drüber nach. Und das ist für mich auch schon alles, was ich von anderen verlange.

  27. fichtenstein sagt:

    Ich finde es etwas merkwürdig, davon auszugehen, dass eine Änderung der Ausdrucksweise – wo doch Sprache das vorwiegende Mittel ist, mit dem wir kommunizieren und als Gesellschaft überhaupt funktionieren können – keine gesellschaftlichen Änderungen hervorrufen könnte. Ich glaube, dass Sprache einen sehr großen Einfluss auf das Verhalten und vor allem Rollenverhalten hat, ob es nun Vorreiter oder Symptom tieferlegender Probleme ist, sei mal dahingestellt, aber als einer der wenigen gemeinsamen Nenner einer Gesellschaft sollte doch Sprache ernst genommen werden, wenn es um Begriffe wie „Schwuchtel“, „Slut“ und „Neger“ geht.
    Dass der Hinweis, bitte nicht „Schlampe“ zu sagen, nicht sofort Gleichberechtigung auf ganzer Linie nach sich zieht, ist uns wohl klar, selbst grotesken Feministinnen wie mir, aber 1.) bricht sich keiner einen Zahn aus, wenn er sich mal überlegt, warum das Wort für Frauen eventuell beleidigend sein könnte und sich ein ebenfalls beleidigendes, aber nicht frauenfeindliches Synonym sucht, 2.) wird der weitere Sprachgebrauch des Wortes sicher nicht dabei helfen, die gesellschaftlichen Veränderungen hervorzubringen, die hier immer mal wieder von PC-Gegnern genannt, aber nicht konkrett ausgeführt wurden.
    Interessant sind auch die – wie von Muriel bereits erwähnten – völlig aus der Luft geholten Ängste, dass die Privilegierten alle Privilegien verlieren, wenn sie zum Vorteil der Nicht-Priviligierten ein paar Kompromisse schließen, bzw. ihre Verhaltensweisen überdenken. Das erinnert leider an fundamentale Christen, die Angst haben, dass die „faggots“ ihnen die Konstitution der Ehe ruinieren, oder dass Waffenkontrolle dafür sorgt, dass jeder einzelne Amerikaner auf einen Schlag all seine Rechte und Freiheiten verliert.

  28. David sagt:

    @fichtenstein: Ja. Auch in der Anti-PC-Fraktion dürften sich wenige für eine größere Verbreitung von Wörtern wie „Arschloch“ als Bezeichnung der Wahl für jegliche mißliebige Personen einsetzen, obwohl die Konvention, das nicht zu tun, nachweislich nicht den Weltfrieden bewirkt und somit wohl versagt hat. Kaum wünscht sich jemand aber an gewisser anderer Stelle etwas mehr Höflichkeit, ist das total albern, weil sinnlos, weil: nicht Weltfrieden.

  29. David sagt:

    „das nicht zu tun“ –> „es nicht so zu verwenden“

  30. Stoertebeker sagt:

    „Prinzipiell haben Worte ja in der Tat nur den Gehalt, den wir ihnen beimessen, und wenn alle es okay finden, Schwarze Nigger zu nennen, wäre es natürlich okay.“

    Jo. Aber die semantische Aufladung eines Begriffes geschieht in der Regel in Jahrzehnten oder Jahrhunderten. Und so lange braucht’s dann auch, um sie ernstlich zu verändern. Ein neuer Begriff ist da eine sinnvolle Abkürzung.

    Die Aufladung des Wortes Nigger hätte sich bis heute vermutlich nicht so weit verändert, dass viele Leute einen solchen für präsidiabel halten würden.

    Aber wem erzähle ich das: Du bist hier schließlich der Advokat der PC.

    „Auf der anderen Seite halte ich es einfach für ein Gebot selbstverständlicher Rücksichtnahme, einen Menschen (oder eine Gruppe von Menschen) nach Möglichkeit nicht mit einem Begriff zu bezeichnen, den sie als beleidigend empfinden.“

    Das sowieso. Zumindest solange, wie ich diesen Menschen oder diese Gruppe nicht beleidigen will. Will man ja manchmal doch. Allerdings ist’s ein Gebot der Originalität, sich dabei nicht mit allzu Offensichtlichem zu begnügen.

  31. Muriel sagt:

    @Stoertebeker:

    Jo. Aber die semantische Aufladung eines Begriffes geschieht in der Regel in Jahrzehnten oder Jahrhunderten. Und so lange braucht’s dann auch, um sie ernstlich zu verändern. Ein neuer Begriff ist da eine sinnvolle Abkürzung.

    Sehe ich genauso.

    Will man ja manchmal doch. Allerdings ist’s ein Gebot der Originalität, sich dabei nicht mit allzu Offensichtlichem zu begnügen.

    Aber genau.

  32. okasch sagt:

    *hüstel*: Meinen Femnistinninneninnen-Kalauer von oben würde ich gerne zurücknehmen, alles andere aber so stehen lassen.

    Ansonsten verbinde ich mit dem Begriff PC noch mehr als nur formallogische Sprachpflege. Es geht hier nicht nur um Form und Höflichkeit, sondern auch um die Tatsache, dass Meinungen kollektiv normiert in gut und böse, richtig und falsch, rechts und links, klug und dumm, etc. unterteilt werden, und dass sehr viel davon abhängt, dass man auch zum richtigen Lager gehört.
    Ich habe so ganz allgemein ein ungutes Grundgefühl von „Man muss aufpassen, was man sagt“. Weil, wenn Du was falsches sagst, dann trifft Dich die Strafe der Verbannung… (Oder bin ich nur ein paranoides Sensibelchen?)
    Man vertrete nur mal öffentlich den Standpunkt, dass nicht alle Zuwanderer immer eine Bereicherung sind, sondern auch Belastung sein können. Oder dass es einen antideutschen Rassismus unter manchen Migranten gibt. Oder dass das mit dem Euro vielleicht doch keine so gute Idee war.
    Hey: ich frage mich jetzt ernsthaft, ob ich schon allein durch aufzählen dieser Beispiele tendenziell in die „rechte Ecke“ geschoben werden könnte.
    Dieses Grundgefühl von „Man muss aufpassen, was man sagt“, ist meiner Meinung nach auch der Grund dafür, warum sich viele so heftig gegen die PC auflehnen. De facto werden durch psychische Mechanismen gewisse Meinungsäußerungen gehemmt und andere dagegen gefördert.

  33. Muriel sagt:

    @okasch:

    Ich habe so ganz allgemein ein ungutes Grundgefühl von “Man muss aufpassen, was man sagt”. Weil, wenn Du was falsches sagst, dann trifft Dich die Strafe der Verbannung… (Oder bin ich nur ein paranoides Sensibelchen?)

    Fallen dir denn Beispiele für solcherart Verbannte ein? Und wenn du jetzt Thilo Saarazin sagst, schreie ich. Was dir egal sein könnte, weil dus ja nicht hörst. Trotzdem.

    Man vertrete nur mal öffentlich den Standpunkt, dass nicht alle Zuwanderer immer eine Bereicherung sind, sondern auch Belastung sein können. Oder dass es einen antideutschen Rassismus unter manchen Migranten gibt. Oder dass das mit dem Euro vielleicht doch keine so gute Idee war.

    Es gibt Leute, die das tun. Letztere zum Beispiel bauen gerade eine recht erfolgversprechende Partei auf. Und wenn du mir jemanden zeigen kannst, der öffentlich vertreten hat, dass nicht alle Zuwanderer immer eine Bereicherung sind (oder meinetwegen auch das mittlere) und dafür irgendwie gestraft wurde, lade ich dich auf ein Steak ein.
    Ich sage natürlich nicht, dass die öffentliche Meinung immer fair wäre und dass es keine überzogenen Reflexe gibt.

    Hey: ich frage mich jetzt ernsthaft, ob ich schon allein durch aufzählen dieser Beispiele tendenziell in die “rechte Ecke” geschoben werden könnte.

    Schaumermal.

    Dieses Grundgefühl von “Man muss aufpassen, was man sagt”, ist meiner Meinung nach auch der Grund dafür, warum sich viele so heftig gegen die PC auflehnen. De facto werden durch psychische Mechanismen gewisse Meinungsäußerungen gehemmt und andere dagegen gefördert.

    Und du hältst das für eine Besonderheit der PC (was auch immer genau wir darunter verstehen wollen), dass man Leute für Arschlöcher hält, wenn sie was sagen, das man arschlochhaft findet?
    Ich meine, wenn ich zu einer SPD-Versammlung gehe und sage, dass der Staat abgeschafft abgeschafft gehört und Umverteilung Raub ist, dann wird diese Meinungsäußerung dort wahrscheinlich durch psychische Mechanismen gehemmt.
    Und wenn ich auf einem NPD-Parteitag dafür argumentiere, Grenzen abzuschaffen, jeden selbst entscheiden zu lassen, wo er leben will und Hilfe verdammt noch mal nicht an schwachsinnigen Kriterien wie Nationalität aufzuhängen, wird mir was Ähnliches passieren.
    Das ist menschlich und nicht mal per se falsch.

  34. Segantini sagt:

    Die Idee, „Fußgänger“ durch „Zu Fuß Gehende“ ersetzen zu wollen greift zu kurz, denn spätestens im unbestimmten Singular kommt das Problem durch die Hintertür wieder herein: „ein zu Fuß Gehender“ oder „ein/eine zu Fuß Gehende/r“?

  35. fichtenstein sagt:

    @Okasch: Ich mag mich irren, aber meiner Meinung nach geht es nicht darum, dass man „aufpasst, was man sagt“, sondern vielmehr etwas mehr reflektiert, wie man sich ausdrückt. Ich würde die steile Behauptung aufstellen, dass sich besonders die Leute darüber aufregen, die sich noch nie mit bestimmten Begriffen und Gegebenheiten auseinandergesetzt haben(etwa, von „Stewardessen“, „Sekretärinnen“ und „Frisösen“ zu reden, wenn beide Geschlechter gemeint sind und ebenfalls nur von „Ärzten“, „Piloten“ und „Polizisten“).
    Zudem würde ich bezweifeln, dass man wirklich in der verbannten Minderheit ist, wenn man deine erwähnten Behauptungen aufstellt. Es ist keine „Hexenjagd“, wenn ein Argument auf seine Schwächen untersucht wird. Wenn ein Argument (jeglicher Art) an haltbaren Beweisen mangelt, sondern nur so dahingestellt wird, dann bietet es nun einmal eine große Angriffsfläche, das hat nichts mit seiner politischen Korrektheit oder Ausrichtung zu tun.

  36. PlantPerson sagt:

    @okasch: Zeichnet es das soziale Miteinander nicht aus, dass man immer „aufpassen muss, was man sagt“ – mal mehr, mal weniger. Ich nehme an, du verhältst dich auch in verschiedenen Situationen unterschiedlich, je nachdem, ob du mit deinen Freunden redest oder mit deinen Großeltern, ob du in einer Kneipe bist oder auf einer Beerdigung.
    „Hey: ich frage mich jetzt ernsthaft, ob ich schon allein durch aufzählen dieser Beispiele tendenziell in die “rechte Ecke” geschoben werden könnte.“ Siehst du, das ist ein gutes Beispiel. Wenn ich jetzt unachtsam mit Sprache umgehen würde, würde ich dich jetzt einfach einen „Nazi“ nennen. Tue ich aber nicht!!!!! Da ich mir der schwere dieses Vorwurfs bewusst bin und denke, dass ich mir bis jetzt noch kein solches Urteil über dich erlauben kann.

    @Muriel: Auf dem NPD Parteitag würdest du evtl. nicht nur durch psychische Mechanismen gehemmt… Oder sprechen hier nur meine Vorurteile gegen Rechte?

    Darf ich hier zum Thema gegenderte Sprache noch schnell ein konkretes Beispiel einwerfen (ich weiß, boring!): Eine Freundin war mit ihrem 3-jährigen Sohn bei einer Feuerwehrübung. Und da war tatsächlich eine FeuerwehrFRAU! Als meine Freundin sagte: „Schau mal, eine Feuerwehrfrau“ lachte ihr Sohn und sagte: „Sowas gibts doch gar nicht!“. Es mag ja sein, dass er bis jetzt tatsächlich nur Feuerwehrmänner gesehen hat. Dass ihm aber das Konzept „Feuerwehrfrau“ absolut unrealistisch vorkam, hat mich etwas geschockt. (Umgekehrt ist es wahrscheinlich auch so, dass ihm das Konzept „Erzieher“ unrealistisch vorkommt, da er bis jetzt nur Erzieherinnen gesehen hat)

  37. Statistiker sagt:

    Es ist irgendwie erfrischend. „Ich finden den Gender-Neusprech furchtbar – außerdem sinnlos.“

    Leute, die kenerlei Ahnung von der deutschen Sprache haben, geben hier ihren Mist ab, mal kurz von der „BLÖD“ weggegeguckt und hier ausgekackt. Und nebenbei wird alles dirkriminiert, was nict männlich, weiß, deutsch und heterosexuell ist.

    EKLIG!!!!!!

  38. Krümelmonster sagt:

    Also, mein Senf zu der Angelegenheit; problematisch für mich ist an PC (repräsentativ für das Streben nach Gleichberechtigung im Allgemeinen) so ungefähr das gleiche wie bei Komunismus, Anarchie und Co – nicht so sehr die Idee, als die Fehlbarkeit der Menschen die sie umsetzen.
    Wie schon im OP bemerkt wurde, kann PC ganz schön subjektiv sein, und geht dann zum Teil auch nach hinten los. Aktuelles Beispiel (leicht off-topic, weil nicht explizit Sprach-zentrisch): Das Buch „Pornland“ von Gail Dines. Unter (manchen) Feministinnen gefeiert wie sonstwas, und sicherlich mit guten Absichten verfasst, ist es aber (nach allem was ich gehört habe, selbst nicht gelesen) eine ziemliche Beleidigung für jeden der nicht in die Kategorie „priviledged white vanilla cis-gender“ fällt.

    Bottom line: PC ist super, wäre aber noch besser wenn ihre Anhänger nicht manchmal vor lauter Rechtschaffenheit an Betriebsblindheit leiden würden (was noch lange kein Grund ist es nicht wenigstens zu versuchen, falls ich da den falschen Eindruck erweckt habe).

  39. Marcus sagt:

    Mit der „Political Correctness“ verhält es sich wie mit dem „Gutmenschentum“, es sind Kampfbegriffe, Versuche derer, deren Ideen nicht genug Akzeptanz erfahren, von dieser Tatsache abzulenken und und es an Formalitäten festzumachen.
    Dann sind eben alle „gleichgeschaltet“ sowie „Denk- & Sprechverboten“ unterworfen (MOAR Kampfbegriffe). Damit werden diejenigen, die kein Bedürfnis verspüren, rassistische, sexistische, homophobe oder sonstige Schei…rauszuhauen, zum Täter, und die „politisch inkorrekten“ zum Opfer, gar zum Befreier der Unterdrückten.

    Menschliches Miteinander erfordert Kompromisse, soziale Normen, Benimmregeln und ggf. Gesetze. Wir fluchen nicht vor Kindern, wir bohren nicht in der Nase, Furzen nicht, sagen „Guten Morgen“, „Bitte“ und „Danke“ (etc.). Was als „Political Correctness“ verschrien ist, ist nichts weiter als eine Erweiterung dieser sozialen Normen, die ein besseres Zusamenleben ermöglichen, also eigentlich völlig selbstverständlich.

    Es gibt natürlich auch gerne mal Menschen, die da über’s Ziel hinausschiessen, aber das soll bekanntlich vorkommen…

    PS: Denjenigen, die sich Sorgen machen, aufgrund dessen, was sie sagen, an den rechten Rand gestellt zu werden, sei gesagt: Das liegt nicht an der Wahl einzelner Wörter, das liegt am Inhalt.

  40. Stoertebeker sagt:

    „PS: Denjenigen, die sich Sorgen machen, aufgrund dessen, was sie sagen, an den rechten Rand gestellt zu werden, sei gesagt: Das liegt nicht an der Wahl einzelner Wörter, das liegt am Inhalt.“

    Das liegt vor allem daran, dass Leute, die das befürchten, einfach voll die Opfer sind. Aber das darf man ja heutzutage gar nicht mehr sagen, ohne in die Gutmenschenecke gestellt zu werden.

  41. […] and of itself, from where I’m standing. So there certainly is something to discuss, but, like many critics of feminism, she doesn’t do that but instead attacks a strawman feminist and just invents a completely […]

  42. David sagt:

    Hat jetzt weniger mit PC zu tun, aber beinhaltet „zu Fuß gehende“ auch Rollstuhlfahrer oder werden sie explizit benannt (hab mir die Änderungen nicht durchgelesen)? Die dürfen doch IMO auch einen Gehweg benutzen.

  43. David sagt:

    Ah ich seh schon, die werden explizit genannt.

  44. Muriel sagt:

    @David: Berechtigter Hinweis. Ich müsste jetzt die aktuelle Fassung lesen, um es mit hinreichender Sicherheit sagen zu können, würde aber vorläufig davon ausgehen, dass in einem Rollstuhl Fahrende (wie etwa auch Inline Skatende) (See what I did there?) von diesem Begriff tatsächlich nicht eingeschlossen werden, obwohl sie mit gemeint sind.

  45. Muriel sagt:

    Hoppla. Verdammt. Les ich eben doch selber nach.

  46. Muriel sagt:

    So. Na gut, ja, sie werden zwar genannt, aber das Problem besteht trotzdem, weil sie nicht immer genannt werden und so. Und überhaupt merke ich gerade, dass die Überarbeitung viel weniger gründlich war, als ich bisher den Eindruck hatte.

  47. David sagt:

    Das wäre doch ein Kritikpunkt, dass es eben keine allumfassende Ausdrücke gibt. Irgendwer wird sich immer „ausgeschlossen“ fühlen. Wenn nicht heute, irgendwann in der Zukunft. Alles ist und wird subjektiv kategorisiert. Wenn ich z.B. nur Handwerker (Plural) schreibe – abgesehen davon, dass die PC-Enthusiasten natürlich davon ausgehen, dass ich nur Handwerk ausführende Männer meine – kann ich trotzdem weibliche oder Geschlechtsunentschlossene meinen.
    Mir wird der Plural als alleinige männliche Form eindeutig zu viel misgedeutet.

  48. Muriel sagt:

    @David: Naja. Wenn die Vermutung, dass irgendwer immer ausgeschlossen bleibt, eine Kritik an der Bemühung um Inklusion darstellt, dann ist auch die Vermutung, dass irgendwer immer sterben wird, ein Argument gegen die Bemühung, Menschenleben zu retten.
    Oder?

  49. David sagt:

    In diesem Sinne ja. Auch wenn das subjektiv furchtbar klingt.
    Vielleicht bin ich zu emotionslos, aber man sollte an einem Punkt halt Nutzen und Aufwand abschätzen. Wie viele Leute sich nun zur StVO Gedanken gemacht haben, damit jeder „mit im Boot ist“ und nun wir hier, die sich über die Ergebnisse den Kopf zerbrechen. Natürlich sollte man sich bemühen, aber ich finde man sollte mal an einer Stelle sagen: „Ok, wir haben XYZ nun 5 Mal überarbeitet, wir wissen, dass es nicht perfekt ist, aber uns scheint es erst mal ausreichend.“ Ansonsten kommen wir doch ganz schnell zu einem Gesetzes-Wiki, wo jeder an einer ihm/ihr (ebenfalls Geschlechtsunentschiedene gemeint) nicht genehmen Stelle nachbessert. Ist ja auch nicht so, dass alles in Stein gemeiselt ist. *ein Wink an die Hersteller von Ergänzungslieferungen* 🙂
    Zum Thema Menschenleben retten, natürlich bin ich da für eine Maximierung, allerdings zweifel ich das will ausnahmslos alle Menschen retten können. Das mag – wie gesagt – im Einzelfall sehr schmerzlich sein und möglicherweise entgeht uns dadurch eine weitere herausragende Persönlichkeit, aber wie und wer will entscheiden, welche Person zu retten ist. Da finde ich Quantifizierung (maximale Leben retten) gesellschaftlich gesehen vernünftig.
    tl;dr: Wenn die Bemühungen nicht im Rahmen bleiben.

  50. Muriel sagt:

    @David: Dass man Nutzen und Aufwand in Verhältnis setzen muss, bestreitet wohl niemand.
    Dass das hier unterblieben ist, ist für mich aber nicht ersichtlich. Wie viel Arbeit im Verhältnis zur sonstigen Erstellung eines Gesetzes mag es sein, statt „Fußgänger“ „zu Fuß Gehende“ zu schreiben und damit zu zeigen, dass man sich um Inklusion bemüht?
    Ich sehe nicht, was da nicht im Rahmen bleiben soll.

  51. David sagt:

    Ok, bei der StVO ist das wohl so in Ordnung. Wie du ja bereits geschrieben hast, ist man ja um Abhilfe bemüht und es ist sicherlich nur menschlich nicht alle Stellen beim ersten Mal zu erwischen. Auch Hinweise auf vergessene Stellen sind willkommen.
    Ich glaube damit ist wohl erst mal alles von meiner Seite aus gesagt.
    PS. Wäre denn „Gehwegnutzer“ oder die dazugehörige Alternative des Beamtendeutschs eine allumfassende Bezeichnung? Irgendwie muss ich an die Suche nach der Weltformel denken, mit der alles erklärt werden kann. Ein solcher universeller Begriff. 🙂

  52. Muriel sagt:

    @David: Sprache kann tückisch sein. Den Gehweg Benutzende ginge wohl einerseits, würde aber andererseits dann wiederum nicht unterscheiden zwischen Leuten, die ihn legitimerweise nutzen (Rollstuhlfahrer etwa) und denen, die sich dabei eher daneben benehmen (volltrunkene Autofahrer, die Zufußgehendenslalom spielen wollen).

  53. Onkel Maike sagt:

    ich glaube, eine berliner politikerin hat so etwas wie „hässlichen“-quoten für schönheitswettbewerbe gefordert. wenn das stimmt – kriege ich dann ein buch?

  54. Muriel sagt:

    @Onkel Maike: Findest du jetzt noch eine treffende Kritik?
    Ich fände es sportlicher, wenn du sie nicht selbst schreiben würdest, würde das aber auch anerkennen.

  55. Onkel Maike sagt:

    Oh, ich lese gerade. gefordert wurden nicht quoten, jedoch wohl, „dass jeder eine chance bekommen sollte“
    dazu:
    http://www.zeit.de/2013/28/martenstein
    dass ich mal auf den verweisen würde….

  56. […] Ich jedenfalls kann Herrn Fleischhauer leider, wie sein Ressortleiter, auch nicht weiterhelfen bei seiner Suche nach Möglichkeiten, dem Hass entgegenzutreten und Haltung zu zeigen. Dafür müsste ich nämlich Dieter Nuhr zitieren, und das kann ja nun wirklich niemand wollen. […]

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