Christiane Woopen ist Vorsitzende des Deutschen Ethikrats

Der Deutsche Ethikrat wurde Aufgrund des Gesetzes zur Einrichtung des Deutschen Ethikrats als unabhängiger Sachverständigenrat gebildet, der unter anderem die Öffentlichkeit informieren sowie Stellungnahmen und Empfehlungen für politisches und gesetzgeberisches Handeln erarbeiten soll. Man kann also sagen, dass Frau Woopen eine große Verantwortung trägt, und dass man von ihr aufgrund ihrer Funktion eine gewisse ethische Einsicht und Bereitschaft zur tieferen Reflexion erwarten sollte.

Mit großem Interesse habe ich deshalb gesehen, dass sie für die Süddeutsche Zeitung einen Artikel über das Klonen von Menschen geschrieben hat. Nicht nur aufgrund des vielversprechenden Titels

Was den Menschen ausmacht

erwartete ich mir davon spannende Einsichten, profunde Information und …

*unterschwelliges Glucksen, das sich schnell über verzweifelt unterdrücktes Prusten in brüllendes Gelächter wandelt*

Okay, tut mir leid, ich kann nicht mehr. Natürlich habe ich nichts dergleichen erwartet, denn ich kenne den Deutschen Ethikrat ja schon ein bisschen, auch wenn mir Frau Woopens Name neu war.

Sie ist natürlich der Meinung

Ein weltweites Verbot des Fortpflanzungsklonens ist notwendig.

Eine klare, eine robuste Ansage, für die man eine durchdachte und ausführliche Begründung auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse und

*wieder anschwellendes Kichern*

Pardon. Also, warum aus Sicht von Frau Woopen dieses Verbot notwendig ist:

Damit verdankt der entstehende Mensch seine genetische Ausstattung nicht mehr dem Zufall oder göttlichem Wirken und sie ist nicht neu.

Das ist es. Ungekürzt, unverändert. Das ist alles. Ja, sie hat zwei Seiten geschrieben, aber der Rest ist Beiwerk, dies ist ihr einziges Argument, aus dem sie die obige Forderung herleitet, über diesen Zwischenschritt:

Eine wichtige Bedingung von Freiheit und Entzogenheit, die wir bislang alle teilen, entfällt. So sollten wir nicht miteinander umgehen.

Eine wichtige Bedingung für unsere Freiheit und Entzogenheit – Frau Woopen erklärt nicht, was sie mit diesem Begriff meint und benutzt ihn auch nur an dieser Stelle -, ist aus ihrer Sicht also, dass unsere genetische Ausstattung  entweder zufällig zustande kommt, oder von einem unsichtbaren Zauberer gebastelt wird. Wenn unsere Gene also nicht zufällig oder durch Zauberei aneinandergereiht werden, dann sind wir nicht mehr frei, und nicht mehr entzogen. Oder zumindest ist es schwerer für uns, frei und entzogen zu sein. Ich weiß ja nicht, ob die „wichtige Bedingung“ in ihren Augen eine notwendige ist. Ach so, und neu muss unsere Ausstattung auch sein. Wenn sie nicht neu ist, geht das auch nicht. Neu, und Zufall oder Zauberei. Das ist eine – ähm Moment … naja, egal – das ist eine wichtige Bedingung von Freiheit und Entzogenheit, und wir sollten keine Menschen schaffen, die die nicht erfüllen, weil … wir so nicht miteinander umgehen sollten.

Und daraus folgt dann natürlich zwanglos, dass ein weltweites Verbot des Fortpflanzungsklonens notwendig ist.

Noch mal: Christina Woopen ist Vorsitzende des Deutschen Ethikrates. Das da oben ist die vollständige Wiedergabe der besten Begründung dieser ihr sehr wichtigen ethischen Position, die ihr für einen Artikel in der größten deutschen überregionalen Abonnement-Tageszeitung eingefallen ist. Das ist die Begründung, mit der sie rechtfertigen will, dass Menschen bestraft werden, wenn sie auf eine bestimmte Art Kinder zeugen.

Echt jetzt.

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13 Responses to Christiane Woopen ist Vorsitzende des Deutschen Ethikrats

  1. nardon01 sagt:

    Sie ist die Vorsitzende, sie sitzt also vor (einem Spiegel und spricht mit sich selbst) mehreren Menschen und diese Gruppe diskutiert zu einem Thema.
    Ist da keiner dabei der so etwas sagt wie, „hey das können wir so nicht sagen“, bzw. „Sach mal ‚Woopen, das war jetzt nicht dein ernst oder?“

    Danke Muriel, der Scheiß regt mich bestimmt wieder den ganzen Vormittag lang auf.

  2. Ich dachte, Mediziner hätten mehr Ahnung von Biologie. Aber insofern ist es gut, dass sie jetzt Ethik macht und nicht mehr Medizin.

  3. Oh ihr Götter, werft Hirn vom Himmel … alternativ Blitze oder Hämmer … bitte!

    Meiner Meinung nach haben Leute, die solchen Unsinn von sich geben einen kräftigen Dachschaden. (Und das sage ich als durchaus religiöser Mensch … wenn auch „gottloser“ Heide, wie das monotheistische Bodenpersonal das nennt).

  4. Nesselsetzer sagt:

    Ich habe schon länger einen Artikel mit dem Titel: „Was ist eigentlich gegen das Klonen einzuwenden?“ in meiner Blogvorschau liegen. Da ich noch nicht dazu gekommen bin, mir die eigentlichen Positionen des Ethikrates anzuschauen, habe ich den Artikel noch nicht vollenden können. Dein Artikel jedoch weist darauf hin, dass ich mir die Positionen des Rates gar nicht anschauen brauche. Der abgesonderte unqualifizierte Schwachsinn des Ethikrates wird mich sicher nicht weiter bringen. Insofern werde ich dann lediglich auf Deinen Artikel verweisen…

  5. Sanníe sagt:

    Es ist ein Wahnsinn, wieviel Kirche im Ethikrat sitzt. Und Woopen mag Medizinerin sein, aber da kommt sie auch her.

  6. Muriel sagt:

    @Sanníe: Aber dafür gibt es auch gute Gründe. Mindestens 12.

  7. Diese 12 Gründe sind das lustigste, das ich diese Woche gelesen habe. Ich frage mich, was das Zielpublikum der EKD ist.

  8. Muriel sagt:

    @ars libertatis: Ich versuche seit ein paar Tagen, die zu parodieren, fürchte aber, dass ich mir eingestehen muss, dass das nicht geht.
    Woran liegt es wohl, dass Gläubige sich so schwer tun, Gründe für ihren Glauben zu nennen, die nicht nur für jemanden überzeugend klingen, der sowieso schon glaubt?

  9. Stoertebeker sagt:

    @Muriel: Was ist eigentlich Deine Begründung dafür, dass Menschen Wertschätzung verdienen?

  10. Muriel sagt:

    @Stoertebeker: Diese Frage unterstellt ohne erkennbaren Grund, dass ich das glaube.
    Im Ernst: „Wertschätzung“ und „verdienen“ sind sehr schwammige Begriffe.
    Aber als ersten Versuch würde ich anbieten: Ich habe gewisse Interessen. Ich will gerne in einer Gesellschaft leben, in der Menschen einander nicht ermorden, nicht verletzen, nicht bestehlen, nicht vergewaltigen, und so weiter. Ich will auch gerne in einem gewissen Wohlstand leben und möglichst viel Zeit für Dinge haben, die mir Spaß machen.
    Das alles funktioniert nur oder zumindest erheblich besser in einer kooperativen arbeitsteiligen Gesellschaft.
    Ich sehe außerdem ein, dass ich nicht erwarten kann, dass Menschen mir Sonderrechte zugestehen. Ich bin zwar aus meiner Perspektive jemand ganz Besonderes, aber das ist jeder aus seiner eigenen Perspektive, weil wir eben Individuen sind. Wenn wir also ein vernünftiges System für den Umgang miteinander wollen, wird dieses System wohl sinnigerweise allen Menschen prinzipiell die gleichen Rechte zugestehen.
    Daraus folgt, dass ich Rücksicht auf andere Menschen nehme, weil ich einsehe, dass eine Gesellschaft, in der Menschen das nicht tun, nicht sehr gut funktionieren kann, und eine Gesellschaft, in der nur ich das nicht muss und es aber von anderen erwarte, nicht konsensfähig sein dürfte.
    Hilft das?

  11. @Muriel: Etwas zu parodieren, das wie eine Parodie klingt, dürfte tatsächlich schwierig sein.

    Woran liegt es wohl, dass Gläubige sich so schwer tun, Gründe für ihren Glauben zu nennen, die nicht nur für jemanden überzeugend klingen, der sowieso schon glaubt?

    Völlige Unkenntnis von anderen als ihren eigenen Weltanschauungen?

  12. […] ist oder einem göttlichem Wirken zu verdanken hat und er zudem “nicht neu” ist[1]. Der Inhaber des Blogs “Überschaubare Relevanz” konnte sich ob dieser […]

  13. […] den Hinweis.), in der er sich für eine Abschaffung des Inzestverbotes ausspricht, und weil ich den Ethikrat für eine ziemlich verantwortungs- und ahnungslose Organisation halte, werde ich mich hüten, ihn dafür zu loben, und werde mich nicht mal damit begnügen, die eher […]

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