Und Gott redete alle diese Worte

Immer wieder stoße ich – zu meinem Erstaunen oft genug auch bei Nichtchristen – auf großes Unverständnis, wenn ich sage, dass die (angeblich) Zehn Gebote für mich ganz, ganz fürchterlicher Unfug sind. „Wieso, was hast du denn gegen ‚Du sollst nicht töten?'“ „Findest du Stehlen etwa gut?“ oder so. Damit ich das nicht jedes Mal neu beantworten muss, und weil ich zu müde bin, um mich mit was Ernsthaftem zu befassen, gehe ich es jetzt hier einmal für alle Interessierten durch. Unsere Basis soll 2. Mose 20; 2-17 sein, in der Fassung Luther 1912. Wollmermal.

 Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus dem Diensthause, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.

Das erste Gebot – und ich finde es aus dem Kontext durchaus naheliegend, dass es nicht zufällig das erste ist, sondern auch das wichtigste sein soll – sagt uns also, dass wir Jahwe Elohim als unseren HERRN zu akzeptieren und keinen anderen zu haben haben. Warum das Unfug ist für einen Atheisten muss ich nicht erklären, oder? Und sogar aus Sicht von jemandem, der an die Existenz dieses Gottes glaubt, sollte zumindest prinzipiell einleuchten, dass unbedingter Gehorsam gegenüber einer besonderen Autorität nicht unbedingt eine besonders gut entwickelte Moral demonstriert.

 Du sollst dir kein Bildnis noch irgend ein Gleichnis machen, weder des, das oben im Himmel, noch des, das unten auf Erden, oder des, das im Wasser unter der Erde ist.

Ähm … Aha. Ich soll also keiner Bilder und keine Gleichnisse herstellen von irgendwas. Wohlgemerkt, es geht hier keineswegs nur um Jahwe selbst oder irgendwelchen besonders heiligen Kram, was schon albern genug wäre. Es ist uns ausnahmslos verboten, überhaupt Bildnisse zu erstellen. Wieso? Siehe Gebot 1.

Bete sie nicht an und diene ihnen nicht.

Ähh… Wäre ich jetzt nie drauf gekommen. Ich soll also keine anderen Götter neben Jahwe haben, und ich soll keine Bildnisse machen. Und außerdem soll ich aber auch keine Bildnisse als Götter haben. Gut, dass er uns das noch mal erklärt hat. Ist ja nicht so, dass er den Platz auf den Tafeln für andere Sachen hätte gebrauchen können, zum Beispiel sowas wie „Du sollst übrigens bitte auch keine anderen Menschen versklaven, wenn’s sich irgendwie vermeiden lässt.“ oder „Ach so, Vergewaltigung ist auch nicht cool.“, oder auch nur „Hab ich schon erwähnt, dass deine Kinder nicht dein Eigentum sind und du nicht das Recht hast, sie zu schlagen, Teile von ihnen abzuschneiden, sie ohne ihre Zustimmung zu verheiraten oder sie sonstwie zu misshandeln?“

Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied, die mich hassen;

Reizend. Wenn jemand also unseren HERRN nicht ausreichend lieb hat, dann rächt er sich nicht nur an ihren Kindern (die natürlich nichts dafür können), sondern auch noch an deren Kindern, und den Kindern von diesen Kindern, also an Leuten, die die Leute nicht mal kannten, die ihm irgendwas getan haben, indem sie ihn nicht genug verehrt haben.

und tue Barmherzigkeit an vielen Tausenden, die mich liebhaben und meine Gebote halten.

Soso. Wenn wir ihn lieben und uns an seine Regeln halten, dann ist er barmherzig. Sonst nicht. Wie ich sagte: Reizend.

 Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht mißbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht.

Hier sehen wir jetzt gleich je nach Zählung zwei oder sogar drei der Kernprobleme mit diesen Geboten. Das ist jetzt das dritte (nach Zählung der Katholiken und Lutheraner ulkigerweise das zweite, weil die die ersten beiden zusammenfassen, aber mir leuchtet die Zählung der Anglikaner viel mehr ein), und schon wieder geht es um die kindische Eitelkeit dieses angeblich allmächtigen und vollkommenen Wesens, das total fuchsteufelswild wird, wenn jemand Jehova sagt. Zweitens wird das Gebot nicht rational begründet, sondern so, wie liebende und perfekte und allwissende und weise Väter es eben machen: „Tu was ich dir sage, weil sonst schaller ich dir eine!“ Das ist in meinen Augen das Kernproblem mit dem ganzen Konzept der zehn Gebote: Sie lehren keine Moral, sie sind kein vernünftiges Gesetz, sie sind eine Sammlung von Vorschriften eines bekloppten eifersüchtigen Monsters, die man aus Angst vor dessen grausamer Strafe befolgen soll.

Als drittes Defizit kann man je nach Geschmack zählen, dass es offenkundig nicht wahr ist. Jede Menge Leute missbrauchen jeden Tag den Namen des HERRN, und niemand glaubt meines Wissens auch nur ernsthaft, dass die bestraft werden. Nicht mal die großen Kirchen.

Das vierte Gebot ist mit großem Abstand das längste und am ausführlichsten (was nicht bedeutet sinnvoll) begründete, und wer es nicht sowieso auswendig weiß, darf jetzt raten, was das wohl sein soll. Genau. Man darf am Sabbat nicht arbeiten, weil … der HERR es halt gerne so hätte.

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß du lange lebest in dem Lande, daß dir der HERR, dein Gott, gibt.

Nummer fünf ist sicherlich eines der diskutableren. Es spricht im Allgemeinen wohl wenig dagegen, Vater und Mutter zu ehren, aber es gibt unbestreitbar Väter und Mütter, die das nicht verdienen, und überhaupt bezweifle ich doch sehr, ob eine solche Höflichkeitsfaustregel in die Top Ten der wichtigsten moralischen Regeln gehört.

Du sollst nicht töten.

Das Konsensgebot, dem kaum mal jemand ernsthaft widerspricht, dabei ist es auch kein gutes. Entweder lesen wir da wirklich „töten“, dann ist es einfach nur Quatsch, denn es gibt Situationen, in denen es angemessen ist, zu töten (zum Beispiel Tiere, um zu essen, oder andere Menschen in Notwehr oder Nothilfe, oder Euthanasie, auch wenn letzteres leider in unserer Gesellschaft noch sehr umstritten ist), oder wir lesen, wie meines Wissens die heute gängige Interpretation „morden“, aber dann ist es Steine statt Brot, denn da steht nur dieser eine nackte Satz, ohne Erklärung, und dann sagt uns Jahwe also nur, dass wir nicht töten dürfen, wenn wir nicht töten dürfen, was uns erkennbar nicht weiter hilft, wenn wir nicht sowieso schon wissen, wann wir nicht töten dürfen, und wann doch.

Du sollst nicht ehebrechen.

Pfff… Joa, klar, wenn ich einem anderen Menschen was verspreche, sollte ich es im Allgemeinen wohl halten. Wie das fünfte Gebot eine nicht ganz abwegige Faustregel, aber ich hätte halt sowas wie „Du sollst andere Leute nicht abschlachten, nur weil sie ein anderes Buch für heilig halten als du.“ oder „Hey, Sklaven halten ist doch keine so gute Idee, jetzt wo ich nochmal drüber nachgedacht habe.“ schon für wichtiger gehalten.

Du sollst nicht stehlen.

Wie „Du sollst nicht morden.“ Das Gebot setzt für seine Verständlichkeit bereits die Einsicht in das Unrecht der verbotenen Handlung voraus und enthält damit keine Information.

Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Auch hier gibt es natürlich verschiedene Interpretationen. Wenn wir es weit auslegen, in dem Sinne, dass du nicht lügen sollst, ist es Quatsch. Wenn ich einen Juden in meinem Keller verstecke und Sturmbannführer Landau mich nach ihm fragt, dann bin ich ein gottverdammtes [sic] Arschloch, wenn ich nicht lüge. Zumindest dann, wenn ich einfach nur nicht lüge, weil ich es immer für falsch halte zu lügen. Wenn ich Angst habe, dass Landau sonst mich und meine ganze Familie hinrichten lässt, ist das was anderes, aber ich glaube, darum gehts Jahwe hier nicht.

Nun kann man sagen: Ach Muriel, nun hab dich nicht so, natürlich gibt es immer Situationen, in denen man eine Ausnahme machen muss. Worauf ich sage: Eben! Genau deshalb sind solche unflexiblen Regeln ja auch eine blödsinnige Basis für echte Moral. Wer Faustregeln und Ethik nicht auseinander halten kann, der hat noch viel zu lernen.

Andere Interpretationen sind enger und gehen dahin, dass man nur als Zeuge (vor Gericht, oder so) nicht lügen soll. Da gilt aber letzten Endes das gleiche.

Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Hauses. Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Weibes, noch seines Knechtes noch seiner Magd, noch seines Ochsen noch seines Esels, noch alles, was dein Nächster hat.

Erstens: Warum nicht? Es schadet niemandem, wenn ich nach irgendwas gelüste, außer vielleicht mir selbst, weil es mich vielleicht frustriert, wenn ichs nicht kriege, aber die Gebote sind ja meines Wissens nicht als Ratschläge für Wohlbefinden gedacht, sondern als Gesetze, deren Nichtbefolgen harte Strafen nach sich zieht. Zweitens: Ich kann mir sowieso nicht aussuchen, wonach es mich gelüstet. Das Ding ist also ähnlich sinnvoll wie ein Verbot von … was können wir mal als möglichst abwegiges Beispiel nehmen? Ach ja: Sagen wir, ein Verbot bestimmter sexueller Vorlieben. Hihi. Albern, oder?

So, das war’s. Das waren alle zehn Gebote. Das sind die Dinger, von denen viele, auch Atheisten, uns immer wieder einzureden versuchen, sei seien die Basis unserer Moral, unserer modernen Gesetze, unserer Kultur, unserer Ethik und von Wasweißichwassonstnoch. Das sind die Dinger, von denen ganz viele Leute nicht verstehen, was mich dran stört.

Was zur Hölle [sic] gibts denn da zu erklären?

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40 Responses to Und Gott redete alle diese Worte

  1. P sagt:

    Schöner Beitrag. Ich musste dabei an den Philosophen Peter Singer, der etwas anders (nur ein bisschen) als du argumentierst, dass die Moral nicht aus der Religion kommen kann.
    Dies liege zum einen daran, dass der religiöse Glaube nicht länger allgemein akzeptiert werde. Kritischer ist jedoch, dass die Frage nach den Gründen für Gottes Handlungen offen bleiben. Denn würde Gott sagen, „Du sollst töten“, müsste das ebenso als richtig akzeptiert werden, wie wenn er sagt, „Du sollst nicht töten“. Die Moral würde in diesem Fall sehr willkürlich werden. Das Dilemma könne auch nicht dadurch gelöst werden, dass man Gott als das Gute akzeptiert. Denn dies würde bedeuten, dass es einen „standard of goodness“ gibt, der unabhängig von Gottes Entscheidungen ist (aus „The expanding circles“, 2011, S. xvf.).
    Wer sich für eine Religion, und damit gegen andere entscheidet, macht dies nach bestimmten Kriterien. Die können nicht von der Religion kommen sondern sind von ihr unabhängig, weil jede Religion ja sagt, dass sie am besten ist.
    Entschieden wird nach dem, was einem selbst halt am Wichtigsten ist. Woher das einem persönlich am wichtigste kommt, versuchen die Ethik, Psychologie, Soziobiologie etc. rauszufinden. Bisher erfolglos.

  2. ottogeorges sagt:

    Tja, also wenn man das erste Gebot nimmt, wo gesagt wird, man solle keinen anderen Gott haben. Dann sagt ER doch, dass es noch andere Götter gibt, oder? Sonst müsste es ja heissen: Es gibt keine anderen. Oder wie seht ihr das?

  3. Ron sagt:

    Ach ja, die 10 Gebote. Das man darüber tatsächlich immer wieder diskutieren muss … Ich verweise dann gerne auch mal auf YouTube:
    Christopher Hitchens: http://youtu.be/x9weXGtCk7c
    Richard Dawkins: http://youtu.be/qoNqSrA7Mos

  4. Muriel sagt:

    @P: Sinniger Gedanke, dessen erste dokumentierte Erwähnung meines Wissens aber nicht bei Herrn Singer liegt, sondern bei den ollen Griechen.
    @ottogeorges: Es ist bei Weitem nicht der einzige alttestamentarische Hinweis auf eine polytheistische Weltsicht. Tracy Harris hat mal eine ganz informative Atheist-Experience-Folge mit dem Thema bestritten, aber ich finde die dummerweise gerade nicht.
    @Ron: Danke für den Hinweis. Hitchens ist immer gut. Naja, fast.

  5. P sagt:

    > Muriel: Danke für den Tipp.

  6. Bronzezeitliche Gebote für bronzezeitliche Menschen. Und natürlich sind das nicht die Gebote eines Gottes, sondern die der Priester, die die Leute unter der Knute halten wollten. Noch dazu kommt, daß wir den Sinn der Worte heutzutage gar nicht mehr richtig erfassen können, weil sie früher™ ganz anders ausgelegt und verstanden wurden. Die vielen Übersetzungen haben die Sache noch verkompliziert.

    Das Dumme ist, daß wir in einer christlich geprägten Gesellschaft leben, in der sogar Atheisten und Heiden diesen Unsinn (ungewollt und meist unhinterfragt) weitergeben. Das sind Prägungen, die generationenalt sind. Schwierig, die wieder los zu werden, da man die quasi schon mit der Muttermilch aufsaugt und von der „Gesellschaft“ unterschwellig eingehämmert bekommt.

    Jaweh Elohim Zebaoth etc. war auch mal nur ein kleiner privater Sturmgott, der die Karriereleiter raufgerutscht ist, weil seine Anhänger fanatisch, kriegerisch und sehr brutal mit ihren Nachbarn umgegangen sind.

    http://unmoralische.de
    Hier findet man unter „Religion & Moralisches“ höchst erquickende Zitate aus der „heiligen Schrift“. Sex, Inzest, Mord und Totschlag.

    Zu dem „Du sollst nicht töten“ … das muss man differenziert sehen. Töten im Namen Gottes ist für Monotheisten gar kein Problem. Ist ja zur höheren Ehre dieses Gottes und gefällt diesem sehr. Auch dazu gibt’s Bibelzitate z.B.: http://unmoralische.de/morden.htm

  7. FDominicus sagt:

    „Und natürlich sind das nicht die Gebote eines Gottes, sondern die der Priester, die die Leute unter der Knute halten wollten.“

    Das ist die wahrscheinlichste Lesart. Wie eben mit allen Gesetzen die etwas „Höheres“ versprechen und den „Dienern des Höheren“ muß man „natürlich gehorchen. Kann man ja auch heute wieder sehen. Es gibt Gesetze die auch für die „Diener des Höheren“ (sagen wir mal EU) gelten sollten. Nur brauchen diese „Diener diese nicht beachten“ aber wehe Otto Normalverbraucher gibt dem Gewaltmonopol nicht was es angeblich „verdient“. Aber hallo, das geht meistens sehr schlecht auf.

  8. Das ist eine gute Zusammenfassung zum Thema. Es ist erschütternd, wie viele Menschen immer wieder mit dem Argument „Die Zehn Gebote sind die Grundlage aller Moral“ kommen – Ich vermute, diese Leute kennen den Inhalt nicht wirklich.

  9. De Benny sagt:

    Schön, wie geschichtsvergessen Du da dran gehst. Als handle es sich um einen Text de 21. Jahrhunderts, der an Menschen des 21 Jahrhunderts gerichtet ist. Damit stehst Du den „bibeltreuen“ Christen in nichts nach.
    Achja, @lawgunsandfreedom: Nicht Bronzezeit. Späte Eisenzeit.

    „weil seine Anhänger fanatisch, kriegerisch und sehr brutal mit ihren Nachbarn umgegangen sind.“
    Klar. Jahweh, der „Wettergott“ rutschte lustigerweise genau zu dem Zeitpunkt die Leiter rauf, als seine Anhänger gerade von ner fremden Großmacht überrannt und ins Ausland verschleppt wurden. Kein Krieg (der war um und wurde nicht von den Anhängern angefangen), keine Brutalität (gegen wen? Und als Minderheit im fremden Land sowieso nicht unbedingt anzuraten) und gegen die Nachbarn schon gar nicht. Die stellten ja die Mehrheit am fremden Wohnort.

    Ach, Muriel: Noch mal ne ganz blöde Frage: Wieso ausgerechnet die Exodus Version und wieso ausgerechnet Luther1912?

  10. Muriel sagt:

    @De Benny:

    Schön, wie geschichtsvergessen Du da dran gehst.

    Boah Junge. Mit solchem Quatsch solltest du einen Kommentar nicht anfangen, wenn du möchtest, dass ich die Frage am Ende noch lese und beantworte. Diesmal ist es noch gut gegangen.

    Wieso ausgerechnet die Exodus Version und wieso ausgerechnet Luther1912?

    Habe ich mir ohne tieferen Grund so angewöhnt.
    Wenn dich meine Meinung zu einer anderen interessiert, reiche ich die gerne nach.

  11. @De Benny
    Die Jaweh-Anhänger haben schon vor der babylonischen Gefangenschaft im Namen ihres Herrn und Hauptgottes fleißig gemetzelt. Aber ich gebe gerne zu, daß in der Phase viel von ihrem Glauben neu geschrieben, redigiert und vereinheitlicht wurde. Die letzten Aschera-Säulen, die immer zusammen mit einem Jaweh-Heiligtum zusammen existierten wurden wohl ca. 300 v.d.Z. geschleift. Die babylonische Gefangenschaft war knapp 200 Jahre früher.

    Man könnte natürlich einwerfen, daß die Neufassung und Vereinheitlichung des Glaubenssystems auf eine einzige Gottheit genau in diesen Zeitraum fiel. Daß das Ganze eine wilde Mischung aus sehr idealisierter Chronik, eine Propagandaschrift und Gesetzes- und Regelbuch ist, wurde ja schon wissenschaftlich gut belegt.

    Die Wurzeln der Stammesregeln und des AT liegen trotzdem in der späten Bronzezeit begründet.

  12. De Benny sagt:

    Die Jaweh-Anhänger haben schon vor der babylonischen Gefangenschaft im Namen ihres Herrn und Hauptgottes fleißig gemetzelt.

    Von einem „bibeltreuen“ Christen würde mich diese Aussage nicht sonderlich wundern, da er an die historische Zuverlässigkeit der Bibeltexte glaubt. Tust Du das auch? Denn wenn nicht (wovon ich ausgehe) wird es Dir schwer fallen, irgendwelche Belege für Deine Behauptungen vorzubringen. Trotzdem (besser: gerade deshalb) wäre ich durchaus interessiert an allem, was Du in diesem Zusammenhang auftreiben kannst.

    Die letzten Aschera-Säulen, die immer zusammen mit einem Jaweh-Heiligtum zusammen existierten

    Falsch. Aschera komt sowohl alleine als auch mit anderen Göttern zusammen vor. Es gibt in der Tat auch archäologische Funde, die Jahwe und Aschera und Verbindung bringen. Jedoch ist nicht jede Vorkommen von Jahwe mit Aschera verbunden und umgekehrt.

    wurden wohl ca. 300 v.d.Z.

    Zu diesem Zeitpunkt hatte Jahwe die Karriereleiter jedoch schon lange erklommen. Die Erklimmung geschah also nicht, wie Du vorher geschrieben hattest aufgrund der Aggression seiner Anhänger. Hättest Du das Umgekehrte behauptet, wäre es wenigstens ansatzweise in der Nähe der Wahrheit gewesen.

    Die Wurzeln der Stammesregeln und des AT liegen trotzdem in der späten Bronzezeit begründet.

    Inwiefern?

  13. De Benny sagt:

    Boah Junge. Mit solchem Quatsch solltest du einen Kommentar nicht anfangen, wenn du möchtest, dass ich die Frage am Ende noch lese und beantworte.

    Ja, „geschichtsvergessen“ war das falsche Wort. Ich meinte „unhistorisch“. Wundert mich halt, weil, naja, ich hielt Dich bisher nicht für nen Biblizisten…

  14. Muriel sagt:

    @De Benny: Wie gesagt. Diese Art von Debatte führe bitte mit anderen, ich weiß besseres mit meiner Freizeit anzufangen.

  15. De Benny sagt:

    Wie man in den Wald ruft… *grins* Aber, nee, Debatte will ich nicht führen, nur mal hinweisen drauf. Freizeit hab ich momentan auch kaum welche, deshalb danke, daß Du ner Debatte ne Absage erteilst.

  16. Neil A. Silverman und Israel Finkelstein
    „Keine Posaunen vor Jericho“
    „David und Salomo“

    Außerdem diverse dicke Schinken über biblische Archäologie, die ich vor Jahren mal gelesen habe.

    Sicher nicht der Weisheit letzter Schluß, enthält auch einiges an Fehlern, oder wurde von neueren Forschungen eingeholt.

    Was das „unhistorisch“ angeht … da gab es grade in den letzten Jahren so viele neue Forschungen und Erkenntnisse, daß man von festgeschriebener „Wahrheit“ bei dem Thema nicht reden kann.

    Jetzt können wir über Auslegung der Aussagen von verschiedenen Forschern und Interpretationen der diversen Forschungsrichtungen streiten. Aber erfahrungsgemäß führt das zu nix. Man muß zu viele Erkenntnisse einfach stehen lassen, weil sie mehrdeutig oder nicht eindeutig genug sind.

    Mal davon abgesehen ist das nicht mein Spezialgebiet (weshalb mein Wissen darüber sicher alles andere als umfassend ist), sondern das einer Freundin, die Archäologie studiert hat und auch in dem Bereich forscht – wenn auch mehr Richtung Ägypten und Assyrer. Da kriege ich halt immer wieder mal was neues mit.

  17. De Benny sagt:

    Auf welche meiner Rückfragen antwortest Du jetzt grad? Ich hab die beiden Bücher nciht gelesen, deshalb weiß ich jetzt auch nicht, was da genau drin steht, oder was Deine Freundin so erzählt.
    Sicher ist einiges nicht ganz eindeutig, aber daß der Jahwe-Monotheismus in die Exilszeit zu verorten ist, dürfte so umstritten jetzt nicht sein (ich lern gern was dazu). Und darum ging es mir in Antwort auf Deine Behauptung, Jahwe hätte die Leiter durch die Aggression seiner Anhänger erklommen.
    Ich hab’s jetzt vielleicht weniger mit der Archäologie als mit den Texten, aber daß da groß viel aus der Bronzezeit übrig wäre, sehe ich nicht.

  18. amelie sagt:

    Wundervoll finde ich übrigens auch die Aufzählung der Besitztümer „Weib, Knecht, Magd, Ochs, Esel“. Und da behaupte mal noch einer, die Bibel sei frauenfeindlich, wo das Weib doch offensichtlich VOR Ochs und Esel Erwähnung findet!

  19. Muriel sagt:

    @amelie: Ich habe überlegt, ob ich das schreibe, hab mich aber dagegen entschieden, weil man bei freundlichstmöglicher Auslegung die Sache so verstehen kann, das die zu ihm gehören und nicht unbedingt sein Eigentum sein müssen; dass das mit seiner Frau also zum Beispiel eher gegenseitiges zueinandergehören ist.
    Aus dem historischen Kontext ist aber wohl deine Interpretation in der Tat die einzig plausible und deine Kritik damit berechtigt.
    Ob man Ochs und Esel auch kaufen muss, wenn man sie vergewaltigt hat?

  20. whynotveroni sagt:

    Also… *raeusper* @De Benny: Muriel hat dargelegt, warum er aus seiner persönlichen (also heutigen) Sicht die 10 Gebote blödsinn findet, und zwar weil es Menschen gibt die – heutzutage – bekunden, die 10 Gebote gut zu finden oder sie als Moral-Grundlage sehen.
    Wie das jemand oder er in der Bronzezeit bewertet haben würde, war nicht Thema seines Artikels…

  21. Muriel sagt:

    @whynotveroni: Immer wieder schön, von dir zu hören.

  22. De Benny sagt:

    Ob man Ochs und Esel auch kaufen muss, wenn man sie vergewaltigt hat?

    Dazu gibt es glaub ich keine Regel, aber aus Lev 18,23ff kann man ersehen, daß dies abgelehnt wird. Bei den Tieren mußte man damals – im Gegensatz zur Frau, die durfte damals ja noch nicht arbeiten gehn – auch nicht für die Versorgung sorgen. Das größte Problem bei der Vergewaltigung wurde damals nicht in den seelischen Schmerzen des Opfers gesehen – womögich war man so sensibel gar nicht – sondern in der Problematik, daß eine vergewaltigte Frau schwer zu verheiraten und damit schwer zu versorgen war. Vor allem im Alter, wenn keine Söhne da waren…

    Wie das jemand oder er in der Bronzezeit bewertet haben würde, war nicht Thema seines Artikels…

    Daß aber diejenigen, die die 10 Gebote als Moralgrundlage ansehen dies durchaus auch unter dem Gesichtspunkt tun, daß sie diese aus ihrer Zeit (Eisenzeit, nicht Bronzezeit, woher kommt nur dieser Irrsinn? In der Bronzezeit gab es die 10 Gebote noch lange nicht) heraus zu verstehen suchen. Das tut Muriel nicht, er problematisiert es nicht einmal, sondern geht vor wie ein Biblizist, als ob es sich um einen Text des 21. Jahrhunderts handelt, der an Menschen des 21. Jahrhunderts gerichtet ist. Das ist mein Kritikpunkt. Vor diesem Hintergrund kann man die 10 Gebote immer noch blödsinnig finden. Wenn aber jemand vorgeht wie die Biblizisten, dann kritisier ich das so, wie ich auch die Biblizisten kritisiere. Ich mach da keinen Unterschied aufgrund der Reigion 😉

  23. Muriel sagt:

    @De Benny:

    Daß aber diejenigen, die die 10 Gebote als Moralgrundlage ansehen dies durchaus auch unter dem Gesichtspunkt tun, daß sie diese aus ihrer Zeit (Eisenzeit, nicht Bronzezeit, woher kommt nur dieser Irrsinn? In der Bronzezeit gab es die 10 Gebote noch lange nicht) heraus zu verstehen suchen

    Wenn wir über Leute reden, mit denen ich gesprochen habe, und du nicht, dann wirst du dich schon mit meinen Angaben zu deren Position abfinden müssen, oder solltest zumindest darauf verzichten, einfach deine eigene als wahr zu unterstellen.

    Das tut Muriel nicht, er problematisiert es nicht einmal, sondern geht vor wie ein Biblizist, als ob es sich um einen Text des 21. Jahrhunderts handelt, der an Menschen des 21. Jahrhunderts gerichtet ist.

    Wie auch bei meiner Kant-Review sehe ich auch hier keinen Sinn in einer anderen Vorgehensweise. Abgesehen davon waren die Regeln, die heute falsch sind, ja damals nicht richtig. Die Menschen wussten es nur damals nicht besser (und viele ja leider heute auch noch nicht). Ihnen kann man das nachsehen und zugestehen, dass ihnen einfach die Informationen und die Einsicht fehlten.
    Wenn man aber glaubt, dass der Text mittelbar oder unmittelbar von einem moralisch vollkommenen zeitlosen Wesen stammt, dann gilt diese Ausreden nicht mehr.
    Ich diskutiere Texte nicht im Kontext der Zeit ihrer Entstehung, weil er mich nicht interessiert.

  24. De Benny sagt:

    mit denen ich gesprochen habe, und du nicht

    Oh, stimmt, Du hattest ja konkrete Menschen vor Augen. Sorry, hatte ich übersehen. Daß es aber Menschen gibt, die die 10 Gebote gut finden und sie aus ihrer Zeit heraus verstehen ist Dir bekannt? Was mich weiterhin irritiert ist, daß Du, als reflektirt denkender Mensch, die Kritik an den 10 Geboten nicht aus solch einer reflektierteren Position heraus schreibst und statt dessen wie ein Biblizist vorgehst. Womöglich liegt das an der Adressatengruppe, das wurde mir noch nicht so ganz klar. Du bräuchtest also für Menschen wie mich noch nen weiteren Text, wenn Du diesen auch antworten wolltest (nicht daß mich persönlich jetzt ne derartige Ausführung interessieren würde, ich versuch nur, Deinen Text einzuordnen).

    Abgesehen davon waren die Regeln, die heute falsch sind, ja damals nicht richtig.

    Regeln bestehen ja nie nur für sich sndern immer in einem bestimmten Kontext. Wenn es heute falsch ist, Mörder zu töten, weil wir die Möglichkeit haben, sie kontrolliert wegzusperren bis sie sich rehabilitiert haben (darum ging es doch im Strafvollzug, oder?), kann es zu anderen Zeiten unter anderen Umständen geboten sein, sie zu töten, weil keine Möglichkeit zur Verfügung steht, sie anderweitig unter Kontrolle zu halten und Schaden für unschuldige Dritte auszuschließen. Das Ideal wäre natürlich in beiden Fällen, sie am Leben zu lassen, aber die 10 Gebote formulieren ja keine Ideale (vielleicht abgesehen vom ersten Gebot – jüdische Zählung).

    Wenn man aber glaubt, dass der Text mittelbar oder unmittelbar von einem moralisch vollkommenen zeitlosen Wesen stammt, dann gilt diese Ausreden nicht mehr.

    Auch ein zeitloses Wesen spricht in eine Zeit hinein. Siehst Du irgendeine Möglichkeit, einen Satz zeitlos zu formulieren? Ich nicht, weil Sprache eben auch zeitlich ist.

    Ich diskutiere Texte nicht im Kontext der Zeit ihrer Entstehung, weil er mich nicht interessiert.

    Ne Haltung, die man auch haben kann.

  25. Muriel sagt:

    Daß es aber Menschen gibt, die die 10 Gebote gut finden und sie aus ihrer Zeit heraus verstehen ist Dir bekannt?

    Gewissermaßen. Mir leuchtet diese Position nicht ein. Entweder finde ich etwas gut, oder ich finde es nicht gut. Wie ich etwas nur gut finden kann, weil es in einer bestimmten Zeit entstanden ist, das ich nicht gut fände, wenn es heute entstehen würde, leuchtet mir nicht ein. Man kann natürlich der Meinung sein, dass die Gebote die Moral ihrer Zeit wiederspiegeln und vielleicht sogar besser waren als manche Regeln, nach denen andere Stämme lebten, und dann habe ich keinen Diskussionsbedarf.
    Mein Problem ist mit Leuten, die die 10 Gebote heute für eine gute moralische Grundlage halten und nicht verstehen, wenn ich sage, dass sie in meinen Augen das Gegenteil sind.

    Was mich weiterhin irritiert ist, daß Du, als reflektirt denkender Mensch, die Kritik an den 10 Geboten nicht aus solch einer reflektierteren Position heraus schreibst

    Aus welcher? Aus der Position eines Hirten, der in einer Stammesgesellschaft vor 3000 Jahren aufgewachsen ist?
    Wieso um Himmels Willen sollte ich eine solche Position einnehmen wollen, wenn ich den Inhalt eines Textes bewerten will, und was wäre daran besonders reflektiert, wenn ich einfach die gesammelten Erkenntnisse, die wir seitdem gewonnen und die Fortschritte, die wir seitdem gemacht haben, ignorieren würde?
    Mein Text richtet sich doch auch an heutige Menschen.

    Siehst Du irgendeine Möglichkeit, einen Satz zeitlos zu formulieren?

    Ich weiß nicht, was du damit meinst, aber ein allmächtiges allwissendes Wesen könnte es jedenfalls.

    Um vielleicht auch noch mal klarzustellen, warum ich so genervt reagiere: Ich warte noch drauf, dass du verwertbare Kritik vorbringst. Dass du mir sagst, wo du mir widersprichst, und wo du etwas anders siehst, und warum du der Meinung bist, dass ich mich irre.
    Bisher wirfst du nur mit pauschalen vagen Vorwürfen um dich.

    Bist du zum Beispiel der Meinung, dass es in der damaligen Zeit für Jahwe eine angemessene Idee war, grausame Strafe für Kinder, Kindeskinder und Kindeskindeskinder von Menschen anzudrohen, deren einziges Verbrechen darin besteht, ihn nicht lieb genug zu haben, oder seinen Namen im falschen Kontext auszusprechen?

    Bist du der Meinung, dass es in der damaligen Zeit gut und richtig war, das Schaffen von Bildnissen als hohes Verbrechen zu deklarieren?

    Findest du, dass „Du sollst nicht töten“ oder „Du sollst nicht stehlen“ in der damaligen Zeit gute, verwertbare und hinreichend konkrete Regeln waren, die man nicht besser hätte gestalten können?

    Findest du, dass in der damaligen Zeit noch wichtig war, bestimmte Gefühle und Gedanken zu untersagen, als eine der zehn wichtigsten Regeln überhaupt?

    Welches dieser Gebote findest du in ihrem historischen Kontext sinnvoll und gut, und wieso?

    (Ich weiß, ich hatte geschrieben, dass der mich nicht interessiert, und eigentlich weiß ich ja auch schon, dass wir in Bezug auf deine Religion argumentativ völlig inkompatibel sind, aber du hast mich jetzt doch neugierig gemacht, wie du es für dich hinbekommst, auch nur eines dieser Gebote in ihrem historischen Kontext für ein Musterbeispiel weiser und guter Gesetzfindung zu halten.)

  26. De Benny sagt:

    Man kann natürlich der Meinung sein, dass die Gebote die Moral ihrer Zeit wiederspiegeln und vielleicht sogar besser waren als manche Regeln, nach denen andere Stämme lebten, und dann habe ich keinen Diskussionsbedarf.

    Ersteres sicher. Was aus einer Zeit kommt, gehört in diese Zeit. Zu zweiteem kan ich nichts sagen, da mirkeine anderen Regelsätze geläufig sind. Wieso Du von Stämmen sprichst, erschließt sich mir nicht ganz. Sprichst Du bei Bayern und Thüringern auch von „Stämmen“?

    Mein Problem ist mit Leuten, die die 10 Gebote heute für eine gute moralische Grundlage halten und nicht verstehen, wenn ich sage, dass sie in meinen Augen das Gegenteil sind.

    Ich kann den 10 Geboten durchaus etwas abgewinnen. Aber ich bin auch Christ, Du nicht. Es gibt auch Leute, die der Popmusik der 80er etwas abgewinnen können. Ich freu mich dagegen, daß sie zum Glück immer seltener im Radio zu hören ist… Die 10 Gebote sind sicherlich keine gute Grundlage für Nichtchristen, weil der erse Teil sich ja klar auf das Gottesverhältnis bezieht, das Atheisten gar nicht und Nichtchristen (bzw nicht Jahweverehrer, weil die 10 Gebote ja auch für Juden gelten) nicht in der Art haben. Wer sich nicht zu denjenigen zählt, die aus „Ägyptenland“ herausgeführt wurden (oder deren Nachfahren), der wird das folgende als irrelevant einstufen müssen. Ist ja ganz klar. Und da das Gottesverhältnis fehlt, paßt es auch sonst nicht.

    Aus welcher? Aus der Position eines Hirten, der in einer Stammesgesellschaft vor 3000 Jahren aufgewachsen ist?

    Nein, aus der Position, die darum weiß, daß der Text an einen Menschen des 1. Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung gerichtet ist (müssen keine Hirten sein und ob es ne Stammesgesellschaft war hängt davon ab, wie man Stammesgesellschaft definiert – siehe Beispiel oben mit Bayern und Thüringern).

    wenn ich den Inhalt eines Textes bewerten will, und was wäre daran besonders reflektiert, wenn ich einfach die gesammelten Erkenntnisse, die wir seitdem gewonnen und die Fortschritte, die wir seitdem gemacht haben, ignorieren würde?

    Du kannst natürlich von heute aus die damaligen Regeln kritisieren. Das ist recht billig und einfach und würde in ähnlicher Weise auch bei den konkreten Formulierungen der Menschenrechte funktionieren, da wir seit dem Zeitpunkt inzwischen auch weiter sind und uns vielleicht Verbesserungen einfallen würden. Keiner verlangt, daß Du unsere heutigen Fortschritte ignorierst. Aber daß diese Fortschritte unter anderem auf Prinzipien beruhen, die auch den 10 Geboten zu Grunde liegen, auch wenn Du ihren Wortlaut ablehnst: das hättest Du unter Umständen besser herausarbeiten können 😉

    Ich weiß nicht, was du damit meinst, aber ein allmächtiges allwissendes Wesen könnte es jedenfalls.

    Bin ich anderer Meinung. Ein allmächtiges Wesen kann aus einem Baum einen Stein machen und umgekehrt. Aber der Baum ist dann ein Stein und kein Baum mehr. Wenn Gott zeitlos sprechen wollte, müßte Er die Zeit abschaffen. Das ist nicht der Fall, denn wir haben sie noch.

    Um vielleicht auch noch mal klarzustellen, warum ich so genervt reagiere: Ich warte noch drauf, dass du verwertbare Kritik vorbringst. Dass du mir sagst, wo du mir widersprichst, und wo du etwas anders siehst, und warum du der Meinung bist, dass ich mich irre.

    Danke für diese Ausführung. Jetzt versteh ich Dich. Zur Erklärung (nicht Entschuldigung): Ich schreck(t)e ein wenig davor zurück, tiefer einzusteigen, weil das immer Zeit kostet, die ich eigentlich nicht habe. Allerdings hab ich jetzt auch schon so genug Zeit aufgewendet… ich übereg grad, nen eigenen Blogpost dazu zu schreiben, kriegst dann nen Pingback. Danke auch für die einzelen Fragestellungen. Das erleichtert die Arbeit 😉

  27. Muriel sagt:

    @De Benny:

    Sprichst Du bei Bayern und Thüringern auch von “Stämmen”?

    Manchmal, ja.

    Aber daß diese Fortschritte unter anderem auf Prinzipien beruhen, die auch den 10 Geboten zu Grunde liegen, auch wenn Du ihren Wortlaut ablehnst: das hättest Du unter Umständen besser herausarbeiten können

    Genau das sehe ich nicht so. Den 10 Geboten liegen keine für mich akzeptablen Prinzipien zugrunde, soweit ich das erkennen kann.

    Es gibt auch Leute, die der Popmusik der 80er etwas abgewinnen können.

    Moral ist für dich einfach nur Geschmackssache, die man eben gut findet oder nicht, wie Musik oder Kunst, oder was möchtest du uns mit diesem Vergleich sagen?

    Wenn Gott zeitlos sprechen wollte, müßte Er die Zeit abschaffen. Das ist nicht der Fall, denn wir haben sie noch.

    Naja. Die Prinzipien der Moral haben sich von damals zu heute nicht geändert. Man hätte für damals auch schon etwas über Moral sagen können, das heute noch gültig ist, und man hätte natürlich zumindest darauf verzichten können, so evident unsinnige Dinge zu sagen, wie wir sie in diesem Abschnitt der Bibel finden.
    Wir haben ja alte Zitate, die heute noch Sinn ergeben. Manches, was etwa die antiken griechischen Philosophen hinterlassen haben, würde ich für verwertbar halten.

  28. De Benny sagt:

    Genau das sehe ich nicht so. Den 10 Geboten liegen keine für mich akzeptablen Prinzipien zugrunde, soweit ich das erkennen kann.

    Damit kann ich eher was anfangen als mit dem obigen Text.

    Moral ist für dich einfach nur Geschmackssache, die man eben gut findet oder nicht, wie Musik oder Kunst, oder was möchtest du uns mit diesem Vergleich sagen?

    Nein, aber wie jemand die 10 Gebote beurteilt ist Geschmackssache, also individuell verschieden.

    Wir haben ja alte Zitate, die heute noch Sinn ergeben. Manches, was etwa die antiken griechischen Philosophen hinterlassen haben, würde ich für verwertbar halten.

    Mag sein. Aber stimmt das für alle Zeiten und Kulturen? Darum ging es doch.

  29. Muriel sagt:

    @De Benny:

    Nein, aber wie jemand die 10 Gebote beurteilt ist Geschmackssache, also individuell verschieden.

    Ach naja.
    Ob sie mir gefallen, ist Geschmackssache. Dazu habe ich mir hier nicht geäußert.
    Wie ich sie moralisch beurteile, ist keine Geschmackssache, sondern natürlich eine moralische Frage. Das habe ich hier getan.

    Aber stimmt das für alle Zeiten und Kulturen? Darum ging es doch.

    Die Prinzipien und Grundlagen von Moral ändern sich nicht. Die Umstände ändern sich. Wenn ich etwas, das sich mit der Zeit und mit Kulturen ändert, als objektive Wahrheit behaupte, dann liege ich objektiv falsch. Nicht erst später, sondern von Anfang an. Wenn ich hingegen etwas objektiv Wahres behaupte, dann bleibt es auch wahr.
    Um ein konkretes Beispiel zu nehmen: Die Praxis der Sklaverei war nicht irgendwann mal gut und richtig. Sie war schon immer falsch. Und sie wird auch immer falsch bleiben, weil sie sich in keinem nachhaltigen moralischen System rechtfertigen lässt. Egal wann, egal in welcher Kultur.
    Das ist meine Überzeugung, und meine Aussage.
    Ich kann mich irren, und wenn das so ist, dann hoffe ich, dass möglichst bald jemand mich darauf hinweist und mir sagt, welchen Quatsch ich erzähle. Meine Überzeugung wird dann nicht durch den Umstand gerechtfertigt, dass ich sie heute äußere, zu einer Zeit und in einer Kultur, in der Sklaverei ziemlich einhellig als falsch und schrecklich gilt. Sie ist dann falsch, und war falsch, und bleibt auch immer falsch. Dass ich sie getätigt habe, wird vielleicht menschlich verständlicher, weil ich nun einmal von der Kultur maßgeblich beeinflusst bin, in der ich aufwachse. Aber die Aussage wäre dann nun einmal immer noch Blödsinn, wenn sie Blödsinn wäre, ganz unabhängig von ihrem historischen Kontext.

  30. Christina sagt:

    Um ein konkretes Beispiel zu nehmen: Die Praxis der Sklaverei war nicht irgendwann mal gut und richtig. Sie war schon immer falsch. Und sie wird auch immer falsch bleiben, weil sie sich in keinem nachhaltigen moralischen System rechtfertigen lässt. Egal wann, egal in welcher Kultur.
    Das ist meine Überzeugung, und meine Aussage.
    Ich kann mich irren, und wenn das so ist, dann hoffe ich, dass möglichst bald jemand mich darauf hinweist und mir sagt, welchen Quatsch ich erzähle.

    Du scheinst ein schlechtes Gedächtnis zu haben…..zumindest was bestimmte Dinge angeht…… ich habe das hier schon mal verlinkt:

    http://www.gotquestions.org/Deutsch/Bibel-Sklaverei.html

    Zu allem anderen erspar ich mir mal die Mühe……und bin auch schon wieder weg………ich will dich ja nicht überstrapazieren…..

  31. Muriel sagt:

    @Christina: Ich hatte versprochen, dass ich Kommentare durchlasse, die sich auf etwas beziehen, was ich tatsächlich geschrieben habe. Das ist dir diesmal gelungen, deswegen lasse ich deinen Kommentar durch.
    Der Text, den zu verlinkst, ist zwar Bullshit, aber ich will meine Ansprüche nicht zu hoch legen.

    Darauf basierend glauben viele, daß die Bibel alle Formen von Sklaverei gutheißt.

    Strohmann.

    Was viele aber nicht verstehen können ist, daß die Sklaverei in biblischer Zeit sehr unterschiedlich von der Sklaverei war, die in den letzten Jahrhunderten in einigen Teilen der Welt praktiziert wurde.

    OMFG, darauf weigere ich mich, auch nur einzugehen.
    Die Bibel erlaubt uns, unsere Sklaven zu prügeln, solange sie danach noch ein paar Tage überleben.
    Nuff said.

  32. De Benny sagt:

    Wenn ich hingegen etwas objektiv Wahres behaupte, dann bleibt es auch wahr.

    Ich gehe nicht davon aus, daß es so etwas wie Objektivität überhaupt gibt, es sei denn man versteh darunter die Subjektivität Gottes (an den Du ja nicht glaubst). Insofern werden wir hier wohl auch kaum auf einen Nenner kommen können. Der versprochene Artikel wird noch kommen, im Moment ist bloß grad zeitlich eng. In zwei Wochen ist schriftliches Examen…

  33. Muriel sagt:

    @De Benny: Joa, wie du schon schriebst, gibt es unter diesen Umständen natürlich sowieso wenig zu diskutieren. Ich danke jedenfalls für das Gespräch.

  34. De Benny sagt:

    Ich danke jedenfalls für das Gespräch.

    Auch ich danke. Trotzdem find ich es schade, daß wir so gar keine gemeinsame Basis haben…

  35. […] ist schon ein paar Tage her, da hatte Muriel einen Artikel über die 10 Gebote geschrieben, der mich ein wenig ärgerte. Ich hatte wenig bis gar nicht […]

  36. Michael sagt:

    @Muriel
    Da haben Sie ja auf Ihrem Blog die ganz große Kiste aufgemacht und räumen mal schnell mit den zehn Geboten auf. War meine Erwähnung derselben bei stefanolix der Anlaß?
    Jetzt verstehe ich etwas Ihren unhöflichen Abgang dort.
    Ich erlaube mir ein paar Anmerkungen.

    Muriel sagte 12. Juni 2013 um 12:07:
    Ich diskutiere Texte nicht im Kontext der Zeit ihrer Entstehung, weil er mich nicht interessiert.

    Und weiter :

    Muriel 12. Juni 2013 um 12:45 an De Penny:
    Welches dieser Gebote findest du in ihrem historischen Kontext sinnvoll und gut, und wieso?
    (Ich weiß, ich hatte geschrieben, dass der mich nicht interessiert, und eigentlich weiß ich ja auch schon, dass wir in Bezug auf deine Religion argumentativ völlig inkompatibel sind, aber du hast mich jetzt doch neugierig gemacht, wie du es für dich hinbekommst, auch nur eines dieser Gebote in ihrem historischen Kontext für ein Musterbeispiel weiser und guter Gesetzfindung zu halten.)

    Na schaun´ wir mal, z.B. bei Nummer 5.
    Und : Die meisten dieser „Faustregeln“, wie Sie an anderer Stelle schreiben, waren für das zwischenmenschliche Verhalten bestimmt, formuliert vor ca. 4000 Jahren für ein Nomadenvolk, das zu 99% aus Analphabeten bestand. Da mußte griffig und kurz formuliert werden, da war kein Raum für Ausnahmen wie die Notlüge.

    Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß du lange lebest in dem Lande, daß dir der HERR, dein Gott, gibt.

    Muriel : Nummer fünf ist sicherlich eines der diskutableren. Es spricht im Allgemeinen wohl wenig dagegen, Vater und Mutter zu ehren, aber es gibt unbestreitbar Väter und Mütter, die das nicht verdienen, und überhaupt bezweifle ich doch sehr, ob eine solche Höflichkeitsfaustregel in die Top Ten der wichtigsten moralischen Regeln gehört.

    Damals schon.
    Das war die Renten- und Pflegeversicherung der damaligen Zeit.
    Aber ich gebe Ihnen z.T. Recht, wenn ich an´s heutige Prekariat denke, welches seine Kinder ohne Frühstück und/oder Pausenbrot in die Schule schickt.

    Du sollst nicht töten.

    Muriel : Das Konsensgebot, dem kaum mal jemand ernsthaft widerspricht, dabei ist es auch kein gutes. Entweder lesen wir da wirklich “töten”, dann ist es einfach nur Quatsch, denn es gibt Situationen, in denen es angemessen ist, zu töten (zum Beispiel Tiere, um zu essen, oder andere Menschen in Notwehr oder Nothilfe, …

    Bis dahin gehe ich mit. Habe mal gelesen, daß da ursprünglich „morden“ stand, und dann wäre die Sache eindeutig. Auf dem Wege Aramäisch > Griechisch > Latein > Lutherdeutsch hat sich irgendwann ein Übersetzungsfehler eingeschlichen.

    Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

    Muriel. Auch hier gibt es natürlich verschiedene Interpretationen. Wenn wir es weit auslegen, in dem Sinne, dass du nicht lügen sollst, ist es Quatsch. Wenn ich einen Juden in meinem Keller verstecke und Sturmbannführer Landau mich nach ihm fragt, …

    So kann man diese glockenklare Ansage, keine falschen Anschuldigung zu machen, auch zerreden.
    Eine Notlüge zugunsten eines Gefährdeten ist damit nicht ausgeschlossen.

    Muriel :So, das war’s. Das waren alle zehn Gebote. Das sind die Dinger, von denen viele, auch Atheisten, uns immer wieder einzureden versuchen, sei seien die Basis unserer Moral, unserer modernen Gesetze, unserer Kultur, unserer Ethik und von Wasweißichwassonstnoch.

    Nicht nur die Zehn Gebote. Unsere Kultur basiert nun mal u.a. auf der jüdisch-christlichen Tradition.
    Worauf sonst?

  37. Muriel sagt:

    @Michael: Danke für Ihren Kommentar, der sehr schön die Argumentation von Vertretern dieser Position illustriert.
    Ich hoffe auf Ihr Verständnis, dass ich ihn nicht detailliert beantworte. Das liegt nur nachrangig daran, dass er Unfug ist, und vor allem daran, dass Sie mir persönlich zu unsympathisch sind, als dass ich Zeit darauf verwenden wollte, Ihnen zu erklären, warum.

  38. Michael sagt:

    Nun schrieb ich den Kommentar gewiß nicht, um Ihre Sympathie zu erwerben.
    Auf Sympathie von jemanden der schreibt :“… dass die (angeblich) Zehn Gebote für mich ganz, ganz fürchterlicher Unfug sind.“ lege ich nun gar keinen Wert.
    Und da die Gebote für Sie Unfug sind muß natürlich ein Kommentar mit anderer Meinung auch Unfug sein.
    Sie machen es sich einfach.
    Man kann auch sagen : Erst große Töne spucken und dann kneifen.
    Aber das geht auch irgendwie i.O.: Da diese Meinung zu den 10 Geboten nur für Sie gilt, sollte man Sie mit Ihrer Ansicht allein lassen.

  39. […] manche – erschreckend wenige – dieser Faustregeln in den meisten Alltagssituationen recht gut funktionieren mögen, macht […]

  40. Dennis sagt:

    Da kann ich dir bei allem nur beipflichten. Notwendig sind die zehn Gebote in keiner Weise.

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