Angelic Duties (16)

30. September 2013

Yes, the episodes are still too far apart, but at least they’re good, and if you ask me – though why would you? – we have a particularly fine one today, so enjoy the new part of our serialized novel „Angelic Duties“!

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in irgendeinem Kreis

22. September 2013

Quelle: Die Sendung mit der Maus / unknown street artist Urheber: Bunnyfrosch (Ähm, naja. Das steht da halt so.) GNU Free Documentation License

Ich bin fassungslos. Nee. Man soll nicht dauernd so übertreiben. Ich wäre fassungslos, wenn ich geglaubt hätte, dass unsere Medien informations- und bildungsmäßig irgendwelche ernsthaften Ansprüche an sich stellen. Aber ein bisschen überrascht und verärgert bin ich schon.

Ich habe nämlich gerade die Sendung mit der Maus gesehen, wie jeden Sonntag, und diesen Sonntag ging es natürlich um dieses bizarre Ritual, das unsere Gesellschaft heute abhält. Armin Maiwald hat den ehrenhaften Versuch unternommen, seinen Zuschauern zu erklären, wie so eine Bundestagswahl eigentlich funktioniert, und teilweise hat er das auch gewohnt gut und kindgerecht getan, aber gerade am Anfang ist die Sendung mit der Maus hier auf spektakuläre Art gescheitert.

Schaut mal selbst, wenn ihr mögt. Ab 01:51. (Für die, die etwas später dran sind: Dieser Link zerstört sich nach einer Woche selbst, weil unsere von allen Haushalten zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ihre von allen Haushalten zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Sendungen nicht länger als sieben Tage lang allen Haushalten zur Verfügung stellen dürfen, von denen sie zwangsfinanziert werden, was wir hier lieber nicht vertiefen wollen, weil sonst mein Kopf platzt, und weil ich auf einem hellen Sofa sitze, wäre das echt unschön.)

Die Sendung mit der Maus hat hier, um sich den Vorwurf der unfairen Berichterstattung zu ersparen, ihre eigenen Parteien erfunden, mit ihren eigenen Wahlplakaten, und erklärt uns dieses System so:

Und wie die richtigen Parteien haben unsere Parteien auch ein Wahlprogramm. Die orange Partei verspricht: „Wenn ihr uns wählt, setzen wir uns dafür ein, dass jedes Kind doppeltes Taschengeld bekommt.“ Woher das kommt, weiß noch niemand, aber das verspricht die orange Partei. Die lila Partei  […] Was von all diesen Wahlversprechungen nun sinnvoll ist, oder was machbar oder auch nicht, das muss sich jeder durch den Kopf gehen lassen, bis einem die Gedanken schwirren, und dann muss sich jeder für eine der Parteien entscheiden.

Während dieser Erklärung zeigt die Kamera uns die Plakate der fiktiven Parteien, auf denen dann eben sowas steht wie „Doppeltes Taschengeld für alle!“ oder „Durchblick total“, und beim letzten Satz dreht sich die Kamera in einem Kreis aus diesen Plakaten, um zu illustrieren, wie die Gedanken schwirren.

Mit keinem Wort wird klargestellt, dass die Programme der Parteien nicht nur aus den Sprüchen auf ihren Plakaten bestehen. Mit keinem Wort wird erwähnt, dass es noch andere Informationsquellen als die Plakate gibt. Für jemanden, der es nicht besser weiß (also für die Zielgruppe dieses Beitrags) impliziert die Sendung hier ganz klar, dass man vor der Wahl eben die Plakate anguckt und dann eben mit schwirrenden Gedanken ins Wahllokal begibt, ohne die geringste Ahnung haben zu können, wie und ob die Versprechungen und Sprüche der Plakate nun umgesetzt werden sollen, und dann wähle ich halt jemanden.

Ob mir die Nase nun sympathisch ist, oder die Leute, bleibt mein Geheimnis, aber in irgendeinen Kreis neben der Person muss ich dann gleich mein Kreuzchen machen.

Mit keinem Wort erwähnt Armin so etwas wie eine Verantwortung, sich zu informieren, um eine Grundlage für eine vernünftige Entscheidung zu schaffen. Mit keinem Wort deutet er auch nur an, dass es nicht nur lange, ausführliche Wahlprogramme jenseits der Plakate und Flyer gibt, dass man Veranstaltungen besuchen und mit den Vertretern der Parteien diskutieren kann, oder welche anderen Möglichkeiten zur Information noch infrage kommen.

Nun kann man sagen, dass es ja eine Sendung für Kinder ist, und dass ich das alles nicht zu ernst nehmen sollte, und da wäre natürlich was dran. Oder man könnte sagen, dass doch mutmaßlich wirklich die meisten Erwachsenen genau so ihre Wahlentscheidung treffen, wie die Sendung mit der Maus es darstellt, und auch da wäre unbestreitbar was dran.

Aber andererseits sollte doch gerade eine Sendung, die darauf abzielt, junge Menschen darüber zu informieren, wie Demokratie funktioniert, wie Wahlen ablaufen, und wie unsere Stimme die Politik unseres Landes beeinflust, den Ehrgeiz haben, auch das Gewicht dieser Entscheidung darzustellen und zu betonen, dass eine demokratische Wahl eben nicht ein Sympathiewettbewerb ist, der aus schicken Sprüchen und netten Fotos besteht, sondern ein Wettbewerb um Gesellschaftsmodelle und Konzepte dafür, wie wir aus dieser Welt eine bessere machen können, nicht nur für uns und unsere spezifischen Interessengruppen, sondern womöglich für alle ihre Bewohner. Ich glaube nicht, dass ich zu hohe Anforderungen an diese Sendung stelle, wenn ich sage, dass sie in dieser Hinsicht vollständig versagt hat.

Und ihr?


Das sensationelle Interview mit einem verrückten Reformerpapst. Oder so.

20. September 2013

Kann jemand mir erklären, wo diese Begeisterung für den aktuellen Papst herkommt? Ich fand die Jungs ja an und für sich immer schon persönlich sympathisch, aber inhaltlich inakzeptabel, und ich kann da beim besten Willen keinen grundlegenden Unterschied zwischen den drei letzten sehen.

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Stöckchen-Time!

14. September 2013

I usually don’t bother my readers with answers to questions other people asked somewhere else because that’s not what serious, mature, pillar-of-society blogers like myself do and because I don’t want to bore you, but today I feel like it, and also my personal idol Anatol Stefanowitsch has put out a call to celebrate the Ruhetag der deutschen Sprache by posting in another language, so I basically have no choice as you certainly can see.

Let’s-a go!

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Angela Merkel zeigt alle zehn Finger

12. September 2013

Angela Merkel zeigt bei einem öffentlichen Auftritt ihre Hände. Kalkül oder peinlicher Fauxpas kurz vor der Wahl?

Schon kurz nach Bekanntwerden des Fotos wurde Merkel für ihre Geste teils heftig kritisiert. „Das kann doch wohl nicht der Stil einer Bundeskanzlerin sein“, twitterte der Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel stellte Merkels Eignung als Kanzlerin infrage. „Die Geste verbietet sich als Bundeskanzlerin. So etwas geht nicht“, sagte Gabriel am Rande des 

Nee. Ich kann nicht. Tut mir leid, ich dachte ich könnte, aber klappt nicht. Das ist von sich aus schon so dumm, das lässt sich nicht mehr verulken. Dazu fällt mir nichts ein. Aber zumindest einen kurzen Kommentar haben Leute wie Daniel Bahr und Philipp Rösler schon noch verdient, die der Meinung sind, eine alberne Geste entscheide über die Tauglichkeit als Kanzlerkandidat.

Finger


was Krieg ist

12. September 2013

Ich mag den Song eigentlich gar nicht besonders, aber er passt gerade so.

Dass wir über Kampfdrohnen für die Bundeswehr diskutierten, ist schon eine Weile her, aber Ulrich Ladurners Argumentation hat mich an etwas erinnert, was ich auch damals in dieser Diskussion nicht verstanden habe.

Es gibt natürlich gute Argumente gegen den Einsatz von Giftgas und gegen den von Kampfdrohnen. Aber es gibt auch schlechte. Und zu diesen schlechten hat aus meiner Sicht immer diese Idee gehört, die aus Gegenbeiträgen oft ausdrücklich oder zwischen den Zeilen durchscheint, es sei feige, unanständig oder sonst irgendwie verwerflich, einen Menschen aus der Ferne zu töten, mit dem Joystick, ohne ihm Auge in Auge gegenüberzustehen. Diese Idee, aus der dann folgt, dass verschiedene Mittel, einen Menschen zu töten, per se verschieden moralisch seien, drückt Herr Ladurner in Bezug auf Giftgas zum Beispiel so aus, wie ihr euch vielleicht noch erinnert:

Wer es in welchem Konflikt auch immer gebraucht, behandelt Menschen wie Ungeziefer.  Wer es einsetzt, hat den Gipfel der Unmenschlichkeit erreicht. 

Auch hier geht die Kritik in eine ähnliche Richtung: Der Gegner wird nicht mehr als Mensch betrachtet, als Subjekt, als komplexe Entität mit Wünschen und Gefühlen und Rechten, sondern als ein Objekt, ein Hindernis, etwas zu Beseitigendes.

Der Krieg wird durch Drohnen entgrenzt und enthemmt

zitierte die SZ mal Jan van Aken von der Linksfraktion.

Und ich halte das für Unsinn, zumindest zum großen Teil. Mir scheint, dass diese Argumentation auf einer sonderbar romantisierte Vorstellung von Krieg fußt, als einem möglichst fairen Wettbewerb unter Gegnern, die einander respektieren und herauszufinden trachten, wer den Sieg am meisten verdient hat. Möge der Bessere, und so.

Quatsch.

Was ist denn Krieg? Wann wähle ich denn Krieg als Mittel? Doch erst dann, wenn die Moral und die Vernunft und die Menschlichkeit versagt haben. Wenn ich keine gemeinsame Grundlage mit den anderen finde und mich entscheide, dass das einzige noch verbleibende Mittel darin besteht, ihnen so lange weh zu tun, bis sie vernichtet sind, oder ihre bis dahin vertretenen Interessen nicht länger geltend machen können oder wollen. In einem Krieg habe ich definitionsgemäß das Ziel, andere aus dem Weg zu räumen, sie also als Hindernisse zu behandeln, nicht mehr als Interaktionsparnter und gleichberechtigte Mitbewohner dieser Welt.

An Krieg ist nichts Romantisches, und auch Fairness hat als Konzept darin nichts zu suchen. Es geht nicht darum, herauszufinden, wer der Bessere ist, oder wer recht hat, oder irgendwas verdient hat. Das geht mit Krieg nicht. Im Krieg geht es darum, durch schiere Gewalt die eigenen Interessen gegen die der anderen durchzusetzen. Im Krieg findet man bestenfalls heraus, wer stärker ist, oder brutaler, oder seine Stärke und Brutalität geschickter einsetzen kann, oder was immer dazu führt, einen Krieg zu gewinnen.

Viel entgrenzter und enthemmter geht es eigentlich nicht. Und genau deshalb sollten wir einen Krieg auch vermeiden, wo immer es geht, denn Krieg ist etwas Furchtbares, für alle Beteiligten, ob sie am Ende gewinnen oder verlieren.

Aber wenn er nun einmal das Mittel der Wahl ist, wenn alle anderen versagt haben, und wenn wir uns entschieden haben, dass es keine andere Möglichkeit mehr gibt, als die anderen zu vernichten, und unser Anliegen so überragend wichtig ist, dass es die Vernichtung derer rechtfertigt, die ihm im Weg stehen, dann ist es doch in meinen Augen offensichtlich reichlich albern, zu diesem Zeitpunkt noch zurückzuschrecken und zu sagen: „Oh. Nee. Halt. Diese Leute da drüben, die ich gerade auslöschen will, weil sie mir im Weg sind, sollte ich lieber mit meinem Bajonett ausweiden, denn sie mit einem Joystick aus der Ferne abzuschießen, kommt mir irgendwie entgrenzend vor. Ich würde schließlich niemals diese Leute, deren Vernichtung ich für einen angemessenen Preis zur Erreichung meines Ziels halte, wie Ungeziefer behandeln wollen.“ So lange ich mit jemandem noch auf menschlicher Ebene interagiere, führe ich gar nicht erst Krieg gegen ihn.

Das heißt natürlich nicht, dass wir in einem Krieg auf nichts und niemanden mehr Rücksicht nehmen dürfen. Natürlich hat es immer noch einen Sinn, nicht mehr Menschen zu verletzen, als nötig ist. Natürlich ist es eine verdammt gute Idee, die Kollateralschäden zu minimieren und nur die Ziele zu zerstören, deren Zerstörung wirklich unvermeidlich ist. Das liegt daran, dass die Welt ja nach dem Krieg noch weiter geht, und ich nicht nur dieses eine Ziel habe, und dass die Leute, gegen die ich Krieg führe, auch kein monolithischer Gegnerblock sind, sondern durchaus später mal wieder mit mir menschlich interagieren werden und so weiter. Das sind die guten Argumente, die ich oben meinte. Das sind die Argumente, die sich mit den Konsequenzen meines Handelns befassen statt mit seinem symbolischen Inhalt, oder mit Ehre. Aber über die reden wir gerade nicht, sondern über die schlechten.

Wenn ich entschieden habe, dass die Zerstörung eines Ziels, die Tötung einer bestimmten Gruppe von Menschen nötig und angemessen und richtig ist, dann kann ich (gleiche Wirkung vorausgesetzt) moralisch keinen Unterschied mehr in dem Mittel erkennen, dessen ich mich dazu bediene, und dann kann ich wahrhaftig keinerlei moralische Verpflichtung erkennen, ihnen ins Auge zu sehen oder mein eigenes Leben zu riskieren oder was weiß ich, was man als Kriegsromantisierer noch alles für Erwartungen an Menschen hegt, die sich die systematische Tötung anderer Menschen zur vorrangigen Aufgabe gemacht haben.

Das ist Krieg. Und ja, das ist meinetwegen der Gipfel der Unmenschlichkeit, gewissermaßen. Aber nicht wegen des Giftgases. Nicht wegen der Clusterbomben, und nicht wegen der Drohnen. Sondern wegen des Krieges.


Restebloggen (98)

10. September 2013
  1. I’m not sure whose idea this was originally, but I like it.
  2. Australia, meanwhile, has raised its security level from “No worries” to “She’ll be right, Mate.”  John Cleese berichtet über die aktuellen Bedrohungseinstufungen aus dem Krieg gegen den Terror. [via theophil]
  3. Falls jemand noch einen guten Grund brauchte, nicht die Linke zu wählen:
    Freche Frauen wählen Links
  4. „Teilnehmer nimmt den Anruf nicht entgegen.“ Verdammt noch mal, T-Mobile, was denkst du dir eigentlich? Die Situation ist doch die: Ich komme gerade irgendwo raus, wo ich nicht ans Telefon gehen wollte oder konnte und sehe, dass ich 18 Nachrichten auf meiner Mailbox habe. Ich rufe die Mailbox an, höre die erste Nachricht und drücke auf 7, um den Anrufer zurückzurufen. Es klingelt zweieinhalbmal, und dann sagst du mir: „Teilnehmer nimmt den Anruf nicht entgegen.“ Natürlich tut er das nicht! Er hatte keine Chance, wenn er das Telefon nicht sowieso gerade in der Hand hatte, und den Finger auf der Anruf-Annehmen-Taste! Und dann spielst du mir die nächste Nachricht vor. Glaubst du, ich weiß dann 17 Nachrichten später noch, dass ich den ersten nicht erreicht habe, worum es ging, und dass ich den dann später noch mal versuchen muss, nicht, dass ich seine Nummer hätte, ich muss mir also die Nachricht noch mal anhören, um sie mitzuschreiben. Das ist so unpraktisch, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Kostet es dich was extra, wenn es länger klingelt, oder was hat dich zu dieser merkwürdigen Regelung getrieben?
  5. Passend zu meinem letzten Beitrag hat auch The Oatmeal sich zum Einsatz chemischer Waffen in Syrien geäußert.
  6. Casual Lounging war gestern.
  7. Für alle, die sich schon immer gefragt haben, was im Kopf dieser Menschen vorgeht, die immer über den Lebkuchen im Supermarkt im August schimpfen, oder die schon lange eine gründliche und kontroverse Befassung mit der Frage, ob das sein muss, in einer überregionalen Tageszeitung vermisst haben, hat die FAZ jetzt ein unschlagbares und zweifellos zu recht spezialgesetzlich leistungsgeschütztes Angebot: Pro & Contra jetzt schon Lebkuchen – muss das sein?
    Geschmackspröbchen inklusive peinlichem Klammersetzungsfehler: „die Anhänger des frühherbstlichen (oder gar des Ganzjahreslebkuchens) verkennen schlicht das Glück, das in der zeitweiligen Entbehrung steckt.
    Ich würde zu Gunsten der Autorin unterstellen, dass sie das nicht ganz ernst meint, aber falls dem so sein sollte, ist ihr Beitrag zumindest erschütternd unlustig geraten.