Projekt 52 (28-34)

Es ist Feiertag, und weil ich nicht so der Typ fürs Feiern bin, nutze ich den stattdessen, um meine Projekt-52-Teilnahme zu komplettieren. Ich lade deshalb die wenigen Leser, die das interessiert, hinter den Trennstrich ein, und bitte die anderen um etwas Geduld.

Na logo. Lebt Frank Zander eigentlich noch? Ich habe ihn ja mal persönlich kennengelernt. War profund gruselig.

Ein Buch, wodurch du etwas gelernt hast.

Da gibt es natürlich reichlich viele, und ich würde sogar behaupten, dass man gar nicht drum herum kommt, aus jedem Buch irgendwas zu lernen, wie überhaupt aus allem, so ganz grundsätzlich, zumindest, wenn man an und für sich lernfähig ist, was natürlich empirisch gesehen … Ist ja aber auch völlig egal. Ich wähle

Ja, das ist alt. Das ist sehr alt.

Ich hatte mal so eine Phase, ich glaube, ich war zehn oder zwölf oder dreizehn oder so, in der ich mich für Parawissenschaften interessierte. Ich fand diese typischen Geschichten, die zur Rechtfertigung dieses Bockmistes immer erzählt werden, total faszinierend. Unerklärliche Ereignisse in alten Spukhäusern. Pyramidenbauende Aliens. Schlangendrachdinosaurierfischechsenähnliche Monster in alten Seen. Rätselhafte Beobachtungen und Fragen, auf die die Wissenschaft keine Antwort hat. Das war nur teilweise ernsthaft, weil ich von meinen Eltern schon sehr deutlich in die Richtung erzogen wurde, solchen Quatsch nicht zu glauben, dies aber wiederum ohne vernünftige epistemologische Basis, wie Eltern das leider gerne machen, weshalb ich den Mutmaßungen eines Erich von Däniken oder der vorwurfsvollen Frage der Geisterjäger, wie ich denn wissenschaftlich erklären könne, dass jeder Bewohner des alten Spukhauses nach ein paar Wochen eines rätselhaften Todes gestorben ist, wenig entgegenzusetzen hatte.

Martin Gardner hat mir da sehr weitergeholfen. Er hat erstens anhand zahlreicher Beispiele aufgezeigt, was mir damals noch schwer vorstellbar erschien, weil sie ja schließlich in Büchern und Zeitungen gedruckt standen: Die Geschichten dieser Leute sind in der Regel dreist gelogen, zumindest teilweise. Wichtige Aspekte, die das Ganze schon viel weniger rätselhaft scheinen lassen, werden verschwiegen, und andere werden dramatisiert. Zum Beispiel ist das Spukhaus viel weniger gruselig, wenn man weiß, dass gar nicht alle Bewohner nach ein paar Wochen gestorben sind, sondern teilweise erst nach vielen Jahren, und dass sie alle auch schon ziemlich alt waren, als sie eingezogen sind. Das klingt jetzt rückblickend geradezu lächerlich, aber mir war damals halt noch nicht klar, dass man eine Karriere darauf aufbauen kann, so dreist öffentlich zu lügen.

Und dann hat er mir natürlich auch gezeigt, was der eigentliche Haken an der Argumentation der Parawissenschaftlergaukler ist: Die klammheimliche Verschiebung der Beweislast. Statt dass sie überzeugende Belege für ihre wilden Thesen vorbringen, erzählen sie halbwahre komische Geschichten und meinen, wenn ihr Gesprächspartner nicht auf dieser Basis eine vollständige Erklärung für die angeblichen Ereignisse vorbringen kann, sei klar bewiesen

Nach der Lektüre dieses Buches war meine Bermuda-Dreieck-Däniken-Gespenster-Phase abrupt vorbei. Und dafür danke ich Martin Gardner, auch wenn er, wie ihr womöglich wisst, mit seinem Skeptizismus leider selbst nicht so konsequent war, wie ich es gerne gehabt hätte. Aber nu ist er sowieso tot, deswegen wollen wir das nicht vertiefen. Nächstes Buch:

Lesezeichen

Benutze ich nicht. Habe ich nie benutzt, auch nicht zu der Zeit, als ich noch physische Bücher gelesen habe. Hin und wieder habe ich Lesezeichen gekauft, wenn sie originell genug aussahen, aber sie sind dann immer in kurzer Zeit … was? Spielt keine Rolle. Ja, habt ihr recht. Und nu? Ähm … Pffffff… Ach, ich weiß:

Nee, das isses nicht. Ich habs nicht hier und finds auch bei Amazon nicht. Aber jedenfalls: Obwohl ich nichts mit ihnen anfangen kann, habe ich es immer als besonderes Qualitätsmerkmal empfunden, wenn ein Buch sein eigenes Lesezeichen gleich mitbringt.  Damals hab ich ja gerne gebundene Ausgaben gekauft und dafür teilweise Summen ausgegeben, über die ich heute nur noch lachen kann. Aber so ein rotes Bänzel, am Einband ist halt schon was Besonderes. Und die Faust-Ausgabe, die ich mir für den Deutschunterricht damals angeschafft habe (und in der ich zum ersten und einzigen Mal Bleistiftnotizen gemacht habe, einfach weil ich das in dem Kontext angemessen fand, aber nicht viele, weil ich bald einsehen musste, dass das auch nichts für mich ist), hatte derer nicht nur eines, sondern sogar zwei. Ein rotes, und ein blaues. Das war ein Buch. Ich sag euch. Egal. Nächstes.

Deutsche Krimis

Oh. Oh ja. Gutes Thema. Ich spüre schon, wie der gesunde Hass in mir hoch kocht, wie die Wut sich Bahn bricht und das Blut druckvoll noch in die letzten Verästelungen meines Kreislaufes drängt. Hach, ist das schön.

Die dunkle Seite von Schätzing habe ich ja leider schon erwähnt, deswegen zählt das nicht mehr, und nun wird es arg schwierig, aber wenn ich lange genug nachdenke, fällt mir bestimmt noch einer ein.

Hm, so, na gut, das war dann doch schwieriger als gedacht. Aber eine Idee hab ich:

Ja, das ist ein DSA-Roman und damit natürlich irgendwie Fantasy. Aber es ist auch irgendwie ein Krimi, denn der Protagonist Scheijian ist zwar eigentlich selbst ein Mörder, aber da er sein Ziel unglücklicherweise bereits tot vorfindet, bleibt ihm dann doch nichts anderes übrig, als den Täter zu suchen, was für mich ausreicht, um das Buch als Krimi zu qualifizieren, so, verklagt mich doch. Und – echt jetzt – das Buch ist sogar gut. Witzko hat es drauf. Die Rezensenten drüben bei Amazon übertreiben nicht, wenn sie behaupten, dass Spuren im Schnee der womöglich beste DSA-Roman von allen ist, obwohl ich persönlich „Westwärts, Geschuppte!“ (auch von Witzko) da als starke Konkurrenz sehe. Spielt jemand mit „Sagen oder schlagen“?

A propos schlagen (Bin ich heute der Meister der Überleitungen, oder was?), unser nächstes Thema heißt

Oooh wie puschelig :-D soo herzig!!!

Nein, das ist keine Empfehlung. Typisches King-Mittelmaß. Fans greifen zu, der Rest liest Probe. Nuff said.

Olfaktorische Literatur. Es gibt ja so Werke, bei denen zieht der Geruch aus der Geschichte, ob Duft oder Gestank ist dabei fast zweitrangig, direkt in den Raum des Lesers. Manche Bücher stinken aber auch einfach tatsächlich, nach irgendeiner chemischen Substanz, die einem eigentlich was sagen sollte. Und natürlich die nicht zu verachtenden Ausdünstungen jungfräulicher Bücher, welche zum allerersten Mal aufgeschlagen werden…

Und weil ich mich jetzt doch allmählich ein bisschen beeilen muss, wähle ich dafür die nächstliegende Möglichkeit:

und sage dazu auch nur das nächstliegende: Fick dieses Buch, und das Pferd, auf dem es hergeritten ist. Niemand sollte das lesen müssen, und jeder Deutschlehrer, dem nichts Besseres einfällt (falls das nicht von den Kultusministern verordnetes Pflichtprogramm sein sollte, was weiß ich?), sollte sich schämen, seine Schüler mit diesem Mist zu traktieren. Und der Film ist auch nicht gut. Nächstes Buch.

Sommerbücher

Das ist eine Empfehlung. Different Seasons enthält neben „Summer of Corruption: The Body“ (Typische King-Oberklasse. Fans greifen sowieso zu, der Rest sollte zumindest mal probelesen, weil The Body in seinem nostalgischen Kindheitserinnerungsdingssommerfreundschaftabenteuerstil durchaus als gelungen gelten kann.) noch die sicherlich allseits bekannte Shawshank Redemption („Hope Springs Eternal“) sowie die weniger guten „Apt Pupil“ („Fall from Innocence“, die drittbeste Geschichte im Buch und vielleicht sogar noch einen Tick besser als Mittelmaß.) und „The Breathing Method“ („A Winter’s Tale“. Keine Ahnung. Ich erinnere mich nur, dass ich beim Lesen auch schon nicht verstanden habe, was das soll.)

Der Weltraum – unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr…

Science Fiction ist in der Regel nicht gut. Aber weil ich schon genug geschimpft habe, wähle ich trotzdem ein überwältigend positives Beispiel:

Ja, das ist der George R.R. Martin, und wenn irgendjemand in dieser Welt was von Literatur verstehen würde, stünde bei Game of Thrones oben drauf „#1 New York Times Bestselling Author of Tuf Voyaging“, und die hätten das auch schon lange verfilmt. Wenn ihr Tuf Voyaging noch nicht kennt, habe ich eine Botschaft für euch: Alter, du machst jetzt sofort dieses Blog zu, gehst zu Amazon, bestellst dir dieses Buch als Kindle-Download, und dann machst du nichts anderes mehr, bis du es zu Ende gelesen hast. Jetzt sofort. Sonst sind wir keine Freunde mehr. Tuf Voyaging ist das Beste überhaupt.

„Indeed,“ said Haviland Tuff, „You have the advantage of me, sir. You, after all, have the good fortune to be a military historian, and I am merely a humble trader. I lack your familiarity with the great campaigns of history. Hof fortunate for me that, thus far, the deficiencies of the game itself, and my extraordinary fortune, have conspired to make up for my ignorance.“

Warum bist du immer noch hier? Hau ab, du Spast!

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9 Responses to Projekt 52 (28-34)

  1. Triffels sagt:

    Das Parfum ist eines meiner Lieblingsbücher… Und Süsskind ist übrigens genial.

  2. FDominicus sagt:

    Wie wäre es Sie knöpften sich „Der größte Raubzug der Geschichte“ vor ?

  3. Christina sagt:

    Ich habe den Film „Das Parfüm“ gesehen (weil ich anfangs keine Ahnung hatte, worum es dabei geht) und dann nur gedacht, welches kranke Hirn denkt sich bloß sowas aus?

    Nichts für ungut. Geschmack ist eben verschieden. 🙂

  4. Guinan sagt:

    Ich fand das Parfüm als Roman einfach nur langweilig, den Film habe ich gar nicht gesehen.
    Von King plane ich auch was fürs Thema Puscheligkeit, sofern ich denn irgendwann mal dazu komme. Bietet sich einfach an, ne?

  5. Muriel sagt:

    @Triffels: Naja. Ich wusste ja, dass wir geschmacklich in mancher Hinsicht inkompatibel sind.
    @FDominicus: Das würde sich vielleicht für ein Let’s Read anbieten, wie mir scheint. Aber da ich das auf Basis meiner umfangreichen juristischen Fachkenntnis als vage bedenklich einschätze, müsste ich mal schauen, wann ich die Zeit finde, das Buch zu lesen. Einen Versuch wäre es aber womöglich wert.
    Ich denke drüber nach.

  6. FDominicus sagt:

    Noch mal herzlichen Dank an Muriel Tuf Voyaging, ist eines der besten Bücher die ich je lesen „durfte“. Als negativen Höhepunkt kann ich Muriel „Der jüngste Tag“ vorschlagen.

    Sehr gut hingegen „Ender’s Game“ Nur falls Muriel gerade mal wieder Stoff zum Lesen braucht 😉

  7. Muriel sagt:

    @FDominicus: Schön, dass es dir gefallen hat. „Der jüngste Tag“ sagt mir nichts, aber „Ender’s Game“ kenne ich natürlich. Ich fand es auch ganz fantastisch, trotz einiger grundsätzlicher Probleme, die ich mit der ganzen Serie habe.

  8. FDominicus sagt:

    Ich habe nicht gewußt, daß Du das so kommentiert hattest. Da hast Du m.E. recht. Was ich daran so „fantastisch“ (brutal) finde ist, wie das Gewaltmonopol dort vorgeht. Ich finde die Perfidität der Ausbildung einfach nur genial dargestellt. Elitedenken (SS?), Gehorsam bis zur Debilität, Gewalt nach innen, Gewalt nach außen.

    Ich weiß noch nicht wie es in „Speaker of the Death“ weitergeht, Ender erkennt aber am Ende des Buches, wie er instrumentiert wurde. Ich kann mir vorstellen, das wird sich in den folge Bänden klar bemerkbar machen (aber das ist „nur“ eine Vermutung)….

  9. Muriel sagt:

    @FDominicus: Ich weiß schon, wie es weitergeht, werde aber mal darauf verzichten, dem vorzugreifen, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass die meisten Menschen das nicht besonders schätzen. Meines Erachtens ist Ender’s Game das stärkste Buch aus der Serie, aber die anderen würde ich trotzdem noch empfehlen. In diesem Sinne viel Spaß.

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