Der Appell gegen Journalismus

Die Presse ist „die Vierte Gewalt“? Journalismus ist „ein Beruf wie das Bäckerhandwerk“? Journalismus wird es immer geben, denn er ist unverzichtbar für die Demokratie? Falsch. Auch die Abschaffung der Sklaverei galt vor gar nicht so langer Zeit noch als Utopie. Und auch wenn die Sklaverei aus unserer Welt keineswegs ganz verschwunden ist, so wäre es heutzutage für einen aufgeklärten, demokratischen Staat doch undenkbar, die Sklaverei zu tolerieren oder gar zu propagieren.

Doch genau das tut Deutschland mit dem Journalismus: Es toleriert, ja fördert diese moderne Sklaverei (international „write slavery“ genannt). Das neu geschaffene Leistungsschutzrecht, das angeblich den geschätzt 85.000 deutschen Journalisten nutzen sollte, trägt die Handschrift der Verleger und ihrer LobbyistInnen. Ein deutscher Sonderweg. Selbst Russland rudert zurück. Die arabischen Länder und China haben schon vor Jahren die Ächtung und Bestrafung der freien Presse eingeführt. Die USA und Grobritannien sind im Begriff, es ihnen nachzutun.

Das System Journalismus ist Ausbeutung und zugleich Fortschreibung der traditionell gewachsenen Ungleichheit zwischen Papierzeitungen und Online-Content.  Das System Journalismus degradiert Autoren zur käuflichen Berufsgruppe und verletzt die Menschenwürde von Männern und Frauen – auch die der sogenannt „freiwilligen“ Journalisten.

Darum fordern wir von Politik und Gesellschaft:

  • Eine Gesetzesänderung, die der Deregulierung von Journalismus (online wie offline) schnellstmöglich Einhalt gebietet und die Journalisten schützt.
  • Prävention in Deutschland und in den Herkunftsländern, sowie Hilfen zum Ausstieg für Frauen im Journalismus. Und Schutz vor Abschiebung von Zeuginnen sowie deren Aufenthaltsrecht.
  • Aufklärung über die Folgen von Zeitungskauf bereits in den Schulen etc.
  • Ächtung und, wenn nötig, auch Bestrafung der Leser; also der Zeitungskäufer, ohne die dieser Menschenmarkt nicht existieren würde.
  • Maßnahmen, die kurzfristig zur Eindämmung und langfristig zur Abschaffung des Systems Journalismus führen.

Ein menschenwürdiges Leben ist denkbar.

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12 Responses to Der Appell gegen Journalismus

  1. Es hat mich gerade amüsiert, dass Ranga Yogeshwar zu den Erstunterzeichnern des Appells gegen Prostitution gehört.

  2. Hagen sagt:

    Nice … nach dem Lesen der Überschrift dachte ich, du wirst in einem Anfall deines Kapitalismus-ist-Naturrecht-Liberalismus die Abschaffung der Pressefreiheit (die auch eine Beschränkung der Produkthaftung ist) fordern.

  3. Muriel sagt:

    @Hagen: Ich wäre dir dankbar, wenn du derartige Kombinationen von “dein“und “Naturrecht“ in Bezug auf mich künftig vermeiden könntest. Das Konzept Naturrecht ist ungefähr das Gegenteil meiner Position.

  4. Baumkopf Holzfaust sagt:

    Bei den politisch inkorrekten Pappnasen findet man diese Petition ja auch richtig und wichtig.
    Feministen und Konservative gemeinsam gegen das Selbstbestimmungsrecht. Aber auch das ist weder neu oder überraschend.

  5. Muriel sagt:

    @Baumkopf Holzfaust: Man muss mit diesen Gruppenbezeichnungen vorsichtig sein. Ich würde mich meistens durchaus selbst auch als Feminist bezeichnen, obwohl ich den Begriff nicht besonders schätze, und manch einer *räusper*Hagen*hust* würde mich wahrscheinlich sogar konservativ nennen.
    Aber du hast andererseits nicht Unrecht, es gibt schon so ein paar Leute, bei denen man sich echt Gedanken machen muss, wenn sie einem zustimmen.

  6. Baumkopf Holzfaust sagt:

    Ich gehe jede Wette mit dir ein das dass was du dir unter Feminismus vorstellst keinen großartigen institutionellen Einfluss hat, ganz im Gegensatz zu Leuten wie Schwartzer die die Perversität des „Schwedischen Modells“ in die ganze Welt tragen möchten.
    Oder zumindest dahin wo man die Prostitution noch nicht ganz wieder in irgendwelche Halbwelten verbannt hat.

    es gibt schon so ein paar Leute, bei denen man sich echt Gedanken machen muss, wenn sie einem zustimmen.

    Wenn mann unter ähnlichen Prämissen operiert sollte man sich nicht wundern wenn man zu ähnlichen Ergebnissen kommt.

  7. Muriel sagt:

    @Baumkopf Holzfaust:

    Ich gehe jede Wette mit dir ein das dass was du dir unter Feminismus vorstellst keinen großartigen institutionellen Einfluss hat

    Ja gut. Ich bin halt Voluntarist, insofern hat kaum irgendwas, was ich mir vorstelle, großartigen institutionellen Einfluss.
    Womit wir sagen könnten, dass nicht Feminismus problematisch ist (und vielleicht nicht mal Konservatismus) sondern Etatismus bzw. die Vorstellung, eigene Wunschvorstellungen gewaltsam gegen andere durchsetzen zu dürfen.

  8. StillerMitleser sagt:

    Psst, im dritten Absatz willst du noch eine fehlende Wortersetzung vornehmen. Ansonsten: bissig und treffend, ich danke.

  9. Muriel sagt:

    @StillerMitleser: Ich habe zu danken, das Wort ist ersetzt.

  10. […] der Bewertung so ziemlich allen menschlichen Handelns gleich, genauso wie es auch die unsägliche Antiprostitutionskampagne der Emma […]

  11. koljazao sagt:

    @Muriel: Wenn Du mal Zeit hast und das nicht schon getan hast, lies mal „Sex Trafficking“ von Siddharth Kara, besonders das Kapitel über Italien und Westeuropa.
    „I am not yet completely convinced that criminalizing prostitution is
    the right answer to curtailing sex traffifficking, as corruption can easilyundermine such efforts. […] Nevertheless, if I had to choose a policy today, one predicated on curtailing the traffiffi cking of women and children for sexual exploitation, I would choose the stance of the U.S. and Swedish governments: the criminalization
    of prostitution, including the purchase of sex acts and the owning,
    operating, or fifinancing of sex establishments.“

  12. koljazao sagt:

    Ist insgesamt übrigens ziemlich schwierig zu ertragen, das Buch. Nicht nur wegen des Themas sondern auch wegen der Attitüde des Autors. Aber beim Thema Legalisierung mal nicht Freiwilligkeit der deutschen Sexarbeiterin in den Vordergrund zu stellen sondern die Frage, was die Rechtslage für Sexsklaven bedeutet, finde ich wichtig.

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