Ich hatte ja keine Ahnung!

Leute, wir müssen etwas tun. Wir müssen helfen. Schnell. Unbürokratisch. Jetzt sofort.

Nicht länger dürfen wir zögern, es ist die Zeit zu handeln. Die Zeit zu helfen.

Oder vielmehr: Der ZEIT zu helfen.

Oder vielmehr: Den ZEIT-Redakteuren. Denn die Arbeit für die ZEIT scheint das schlimmste Los diesseits der Minen von Mordor zu sein, das einen Menschen ereilen kann.

Die Arbeit in der ZEIT-Redaktion ist unmenschlich, entwürdigend, und verleugnet am Ende gar die Existenz derer, die sie erbringen.

Ich hätte das auch nicht gedacht, aber es muss so sein.

Wie sonst könnte man sich erklären, dass sogar für den stellvertretenden ZEIT-Chefredakteur Bernd Ulrich das Erbringen einer Leistung für einen anderen Menschen gegen Geld offenbar die größte Entfremdung ist, ein Akt, der einem, je länger man darüber nachdenkt, desto verzweifelter vorkommt?

Anderen Menschen Geld für eine Leistung zu bieten, macht diese in seinen Augen zum Objekt.  Wird vielleicht deshalb, wie man hört, die Bezahlung von Journalisten immer prekärer?

Irgendwie liegt es ja nahe. Herr Ulrich will halt sein Büro nicht zu einem Schauplatz der Dürftigkeit machen, indem er einen Journalisten dafür bezahlt, dass er verschwindet, während die ZEIT seine Texte veröffentlicht, um eine Sau rauszulassen, die wahrscheinlich schon lange nicht mehr in ihr

Moment mal, steht das da wirklich? Ähm … Ja. Hat Herr Ulrich so geschrieben.

Na gut. Verstehe ich nicht ganz, aber was soll man sagen?

Ich schätze, die ZEIT ist Herr Ulrichs Fluchtburg vor den freien Entscheidungen anderer Menschen mit von seinen abweichenden Bedürfnissen und Anforderungen.

Ich kann das verstehen.

Nur, ist es deswegen schon zwingend, dieses komplizierte, verlogene, nicht minder anstrengende Simulationsspiel in der Redaktion aufzuführen? Lohnt sich die Mühe der wirklichen Nähe nicht, ist das Verschiedenheitsspiel unter Gleichen nicht weit aufregender?

Und mindestens genauso wichtig: Was für ein Zeug ist es, das die da in Hamburg nehmen? Wie kommt man da dran, und ist es teuer?

Darüber wäre zu reden.

Advertisements

5 Responses to Ich hatte ja keine Ahnung!

  1. Wo bleibt denn bloss das Zeitungssterben?

  2. Guinan sagt:

    Bezahlung für einen Journalisten? Solch eine Herabsetzung geht doch nicht. Damit würde der natürliche Akt des Schreibens entwürdigt und es führt zur Entfremdung zwischen Redakteur und Leser.

  3. unendlichefreiheit sagt:

    Man muss sich das bloß in anderen Lebensbereichen vorstellen: Welcher Mann würde mit jemandem Fußball spielen, der nur so tut, als spiele er Fußball? Wer bezahlt für Reden ohne Zuhören? Welcher Single richtet ein Kinderzimmer ein?

    Man muss sich das bloss in anderen Lebensbereichen vorstellen: Wer würde sich einen Film anschauen, bei dem der Schauspieler nur so tut, als sei das sein wahres Leben? Wer schaut einem Zauberer zu, der gar nicht richtig zaubert? Welcher Pantomime berührt die Scheibe eigentlich?

    Darüber wäre zu reden.

    Ja, also ich habe kein Problem damit, wenn jemand Prostitution für ekelig, amoralisch oder entwürdigend hält. (Auch wenn man das so schlecht begründet wie Herr Ulrich) Aber ich frage mich ob diese Stigmatisierung die Situation der Prostituierten nicht noch verschlimmert. Wenn bezahltem Sex ständig dieses verruchte, schmutzige und unanständige nachgesagt wird, sinkt doch bei den Freiern die Hemmschwelle, ‚weitere Vergehen‘ zu begehen und die Prostituierte zu schlagen oder zu missbrauchen. Das Prostituierte oft wie Kriminelle und Abschaum behandelt werden, hilft auch nicht gerade dabei, ihre Situation zu verbessern. Ein tiefer Status führt auch zu weniger Respekt und weniger (effektiv umgesetzten) Rechten.
    Je mehr man die Prostitution verunglimpft oder mit staatlichen Regulierungen oder Verboten bekämpft, desto eher verlagert sich das Gewerbe auf die Strasse bzw. in die kriminelle Schattenwirtschaft mit Zwangsprostitution Gewalt und Drogen.Und das wollen wir ja schliesslich alle.

  4. unendlichefreiheit sagt:

    Muriel, wärst du so nett und flickst den blockquote den ich wieder mal nicht hingekriegt habe. Danke.

  5. Dennis sagt:

    Ich denke so etwas ist immer wieder gute Vorlage um in 1-2 Tagen einen Politiker im Bordell abzublitzen und dann den neu angemalten moralischen Spiegel vorzuhalten.

Gib's mir!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: