Rape Culture

Überschaubare Relevanz ist nicht tot. Es schläft nur zurzeit relativ viel. Das hat zahlreiche Gründe, aber ich schwöre, dass einer von denen auch darin besteht, dass mir zurzeit nicht so besonders viel über den Weg läuft, was genug Fleisch für einen Post hier abzuwerfen verspricht, und dann kennt ihr vielleicht auch diesen Mechanismus, dass Dinge, die man länger nicht mehr gemacht hat, einem zunehmend weniger naheliegend vorkommen, was dazu führt, dass man sie immer seltener macht, und … hm. Ich hoffe, mein Blog stirbt nicht. Es wäre nicht das erste, dessen letztes Dutzend Beiträge zu zwei Dritteln aus Entschuldigung dafür bestehen, dass so selten Beiträge erscheinen, und dass sie, wenn sie dann mal erscheinen, zu zwei Dritteln aus Entschuldigung dafür bestehen, dass so selten Beiträge erscheinen, und …

Überschaubare Relevanz ist nicht tot. Es schläft nur zurzeit relativ viel. Und weil das unter anderem daran liegt, dass mich gerade keine aktuellen Themen ansprechen, bis auf die Netzneutralitätsdiskussion vielleicht, aber die ist mir gerade wiederum zu mühselig, und außerdem hab ich dazu schon was geschrieben, dem ich bis auf Weiteres nichts hinzuzufügen habe, schreib ich halt zu einem nicht so oder sagen wir: schon sehr lange aktuellen Thema. Na gut, doch, ein bisschen was hätte ich schon hinzuzufügen, nämlich dass ich natürlich einsehe, dass das Netz mit staatlichen Mitteln gebaut wurde, und nun mal da ist, und die staatliche Regulierung dieses Netztes deshalb zumindest innerhalb der Staatsdoktrinen nicht ganz so abwegig ist, wie ich es dargestellt habe. Aber das will ich hier nicht hinschreiben, weil der Einstieg in diesen Beitrag ohnehin schon viel zu unübersichtlich und lang ist und eine unvoreingenommene Leserin allmählich auf die Idee kommen könnte, ich hätte den Titel da oben nur gewählt, um euch zu ködern, mein gedankenstrommäanderndes selbstrefenzielles Gefasel zu begleiten, das in Wahrheit gar nichts mit Rape Culture zu tun hat.

Weit gefehlt!

In diesem Beitrag geht es nämlich doch um Rape Culture. Nur nicht sofort. Er ist also, wenn ihr so wollt, ein Beleg dafür, dass man sich auch in diesem Internet noch Zeit nehmen kann, um Ideen zu entwickeln, und dass auch Blogger und Bloggerinnen noch mit Geduld und Liebe ihre Gedanken –

Ja, ja, ich komm jetzt zur Sache, schon gut.

Rape Culture also. Das ist so ein Begriff, mit dem ich schon lange nicht einverstanden bin, zu dem ich aber unter anderem deshalb nie was geschrieben habe, weil ich gerne den Eindruck vermeiden will, zu den Leuten zu gehören, die ihn typischerweise angreifen. Aber ich finde ihn wirklich verfehlt, weil er meines Erachtens die Verständigung eher erschwert, als sie zu erleichtern

Was ist Rape Culture? Wie bei vielen heiß umkämpften Begriffen lässt sich das wahrscheinlich gar nicht so eindeutig festlegen, weil er von verschiedenen Menschen sehr unterschiedlich gebraucht wird, deshalb greife ich wie so oft in meiner Faulh- und Ideenlosigkeit auf die Wikipedia-Definition zurück:

Rape Culture (engl. rape = Vergewaltigung und culture = Kultur) bezeichnet Kulturen oder Gesellschaften, in denen sexuelle Gewalt und Vergewaltigung verbreitet sind und weitgehend toleriert oder geduldet werden.[1][2][3] Damit einher gehen die Verharmlosung solcher Taten, die Beschuldigung der Opfer und die Herabsetzung Betroffener oder potentieller Opfer zu Sexualobjekten.

Und das finde ich problematisch. Weil es meines Erachtens einfach nicht ganz stimmt. Es stimmt fast, und das ist in meinen Augen die Tragik. Wer den Begriff Rape Culture benutzt, der will damit (mutmaßlich) in aller Regel etwas sagen, das gar nicht so besonders falsch ist, aber trotzdem fällt es Leuten wie mir irrsinnig schwer, dieser Einschätzung unserer Gesellschaft zuzustimmen, weil da eben auch einiges mitschwingt, was es eben doch ist. Falsch, meine ich. Und Leuten, die nicht so sind wie ich, sondern sogar tatsächlich nicht einsehen, dass und wie unsere Kultur misogyn oder sexistisch oder wie wir es halt nennen wollen ist, fällt es natürlich noch viel schwerer, und ich finde, das ist echt vermeidbar.

Und das geht so: [Wie immer gibt dieser Beitrag nur meine persönliche Wahrnehmung wieder, die in diesem Fall bedauerlicherweise mal wieder auf besonders wenig Kenntnis einschlägiger Fachliteratur gestützt ist. Und wie immer bin ich für sachdienliche Hinweise und Richtigstellungen dankbar und werde diese ggf. umgehend verarbeiten.]

Sexuelle Gewalt und Vergewaltigung sind in unserer Gesellschaft verbreitet. Sind sie schon, auch wenn „verbreitet“ natürlich ein dehnbarer Begriff ist, aber hier sehe ich noch keinen großen Diskussionsbedarf. Der beginnt in meinen Augen dahinter, denn die Formulierung bei Wikipedia sowie auch schon der Begriff implizieren für mich ganz klar, dass in unserer Gesellschaft die Einstellung grassiert, Vergewaltigung sei ja nicht so schlimm und könne mal passieren und sei schon irgendwie okay und alltäglich und akzeptabel.

Ich mag mich da täuschen, und stütze mich wirklich auf keinerlei Studien und wäre sehr dankbar, falls es welche gibt, wenn ihr sie mir zeigt, aber mein Eindruck ist eher, dass das Gegenteil der Fall und das Problem ist. In den Medien, die ich konsumiere, seien ihre Inhalte offen fiktiv oder zumindest vorgeblich realitätsbasiert, wird Vergewaltigung in der Regel als so ziemlich das Verachtenswerteste dargestellt, was ein Mensch tun kann, und als das Entsetzlichste, Entwürdigendste, was einem Menschen passieren kann.

Und jetzt habe ich natürlich ein Problem. Habe ich natürlich mit diesem ganzen Post – sagt mir bitte, wenn ihr findet, dass ich wie ein Concern Troll klinge, ich sehe diese Gefahr nämlich sehr deutlich und bin unsicher, auf welcher Seite der Linie ich stehe -, aber an diesem Punkt wird es ganz besonders heikel, und vielleicht ist es keine gute Idee, diesen Gedanken so unfertig ins Internet zu kippen, aber wir sind hier ja andererseits unter Freunden, oder?, deshalb, wie sag ich das denn jetzt?

Also, es liegt mir fern, Vergewaltigung verharmlosen zu wollen – na gut, was soll ich sonst sagen? – aber: Ich finde, dass diese Darstellung Teil des Problems ist, weil sie Vergewaltigung überdramatisiert. Gerade weil viele von uns (Ich weiß nicht, wie viele, aber es scheinen mir schon viele zu sein.) Vergewaltigung für so etwas abgrundtief, unvorstellbar Böses halten, tun sie sich schwer, zu akzeptieren, dass sie in der Realität vorkommt. Dass echte Menschen andere echte Menschen vergewaltigen. Dass dieser junge Mann, der doch so nett und so gar nicht monströs aussieht, diese junge Frau, die doch so gesund und so gar nicht entwürdigt und für immer gezeichnet aussieht, wirklich vergewaltigt haben könnte. Dass ein Vergewaltiger eben nicht nur das stinkende, bestialische Scheusal ist, das uns irgendwo in einer dunklen Gasse auflauert, sondern manchmal auch ganz gut sozial integriert und eloquent und attraktiv daherkommen und sich unter Umständen sogar seiner eigenen Schuld nicht bewusst sein könnte.

Und insofern stimmt es dann sogar wieder, dass Vergewaltigungen verharmlost werden, und nicht hinreichend ernst genommen und verfolgt, aber eben nicht, weil sie per se als harmlos gelten, sondern weil sie als so unvorstellbar gelten, dass viele von uns sich alle möglichen Ausreden ausdenken, um nicht an sie glauben zu müssen, bis hin zum Klassiker „So wie die sich angezogen hat, die wollte es doch nicht anders.“.

Und insofern haben wir eine Rape enabling culture, oder eine Rape denying culture, aber in meinen Augen keine Rape Culture, weil wir Vergewaltigung eben nicht als alltäglich und harmlos und okay behandeln, sondern als unmöglich, unfassbar, und komplett undenkbar, und sie gerade deshalb im Ergebnis doch wieder verharmlosen und tolerieren.

Und wenn ich schon mal dabei bin, missverständliche Dinge zu sagen, die man mir mit ganz guter Rechtfertigung vorwerfen könnte: Ich glaube auch, dass diese Wahrnehmung von Vergewaltigung, die ja unzweifelhaft auf der gestörten Beziehung unserer Gesellschaft zu Sexualität jeglicher Art fußt, das Problem für die Opfer verschlimmert. In einer Gesellschaft mit einer rationalen Einstellung zu Sexualität müsste Vergewaltigung nicht entwürdigender sein als andere Eingriffe in die körperliche Unversehrtheit eines Menschen. Das Opfer einer Vergewaltigung hätte ohne diesen Ballast natürlich immer noch die Angst und den Schmerz und all die schlimmen Dinge zu bewältigen, aber das Schamgefühl, die viel beschworene Entwürdigung, die hat es nicht (nur) dem Täter zu verdanken, sondern uns allen, die wir dazu beitragen, dass Sexualität in jeglicher Form etwas Peinliches, Beschämendes, Unanständiges ist, über das man nicht redet, und schon gar nicht öffentlich, und schon gar nicht offiziell, so vor Gericht oder bei der Polizei oder so.

Und noch mal: Ich will nicht verharmlosen. Ich meine damit nicht, dass alles ja in Wahrheit gar nicht so schlimm ist. Ich meine damit, dass es durchaus so schlimm ist, nämlich ganz furchtbar schlimm, und dass es das in der Tat nicht sein müsste, wenn unsere Gesellschaft nicht strukturell Vergewaltigung ermöglichen und leugnen und beschönigen und damit im Ergebnis sogar irgendwie dulden würde. Ich meine damit nur, dass der Begriff der Rape Culture und seine gängigen Erläuterungen das nicht besonders gut vermitteln, weil er in meinen Augen etwas impliziert, dem man sehr leicht und sogar mit Recht widersprechen kann, um sich dann wieder entspannt zurückzulehnen, in der Überzeugung, es sei ja dann doch alles ganz okay. Und deswegen vermeide ich ihn, und würde mir wünschen, dass wir einen anderen benutzen, um zu erklären, warum und wie unsere Gesellschaft Vergewaltigungen begünstigt. Weil ich von mir selbst und einigen Leuten, die ich kenne, weiß, dass er es uns schwer macht, und die Verständigung eher behindert als sie zu erleichtern.

Und was denkt ihr? Bin ich ein Concern Troll, oder könnt ihr meinen Überlegungen was abgewinnen? Liege ich vielleicht auch in der Sache daneben? Mache ich alles nur noch schlimmer? Bitte lasst es mich wissen.

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14 Responses to Rape Culture

  1. Adrian sagt:

    „Und insofern stimmt es dann sogar wieder, dass Vergewaltigungen verharmlost werden, und nicht hinreichend ernst genommen und verfolgt“

    Darf ich fragen, wie Du darauf kommst?

  2. Muriel sagt:

    @Adrian: Zunächst ist das meine eigene Wahrnehmung, wie ich es ja auch im Post beschrieben habe. Vergewaltigung wird meines Erachtens als etwas wahr genommen, das so schrecklich und unmenschlich ist, dass es kaum vorstellbar scheint, dass echte Menschen es anderen zufügen oder erleiden. Deshalb ist die erste Reaktion auf das Thema meistens der Versuch der Leugnung/Rechtfertigung/Beschuldigung des Opfers. Darüberhinaus besteht in unserer Gesellschaft dieses unselige Sexualitätstabu, das es den Opfern zusätzlich erschwert, offen drüber zu reden, und anderen, es ernst zu nehmen.
    Vor diesem Hintergrund scheinen mir die vielerorts zu lesenden Schätzungen zu Dunkelziffern durchaus plausibel, auch wenn die naturgemäß schwer zu erhärten sind.
    Ist dein Bild ein anderes?

  3. fichtenstein sagt:

    @Adrian: Studien haben in der Tat ergeben, dass viele männliche Studenten (und ich will hier nicht verneinen, dass es sicher auch weibliche Studenten gibt, auf die das zutrifft) an Vergewaltigungen beteiligt waren oder zumindest an sexueller Belästigung, es aber nicht so definiert haben (ich würde sogar sagen, dass Vergewaltigung/sexuelle Belästigung, die von Frauen ausgeht, noch viel seltener als solche von der Täterin definiert wird). Denn wer sieht sich schon gerne als schwer atmender Filmbösewicht, der in dunklen Gassen jungen Frauen/Männern auflauert?

    Und so geht das dann weiter – ein Student, der gut aussieht (!), der wohltätige Arbeit leistet und nett zu seinen Dozenten und Freunden ist, der wird doch wohl nicht zu so etwas fähig sein? Da wird dann im Umkehrschluss die Aussage des Opfers genauer unter die Lupe genommen, das sich plötzlich in der Rolle des Angeklagten findet. Das ist leider keine Seltenheit und entsteht wohl auch aus dem Irrglauben heraus, dass beispielsweise Fremde viel häufiger die Vergewaltiger sind, obwohl es in den meisten Fällen Bekannte sind, was die Sache dann ja erneut erschwert, denn warum sollte der Freund/Kollege/Nachbar (bitte nach Belieben ein „in“ anhängen), mit dem das Opfer befreundet war, so etwas tun? Das macht doch kein anständiger Mensch, da muss doch was anderes vorgefallen sein, ein Missverständnis, oder wasweißich. Das sind alles keine eindeutigen Gründe, die man einfach nur aus der Gleichung nehmen muss, um Vergewaltigung zu stoppen, aber sie sind Schuld daran, dass es so wahnsinnig schwierig ist, trotz der einschlägigen Meinung, dass Vergewaltigung schlimm ist und bestraft werden soll, Vergewaltiger dann auch tatsächlich vor Gericht zu bringen.

    Die Dunkelziffer an Opfern, die lange vor einem Gerichtsfall aufgeben, weil der Druck aus dem Familien- und Freundeskreis sowie Berufsumfeld zu groß ist (vor allem, wenn das Opfer nicht wahnsinnig monogam war), ist ein oft angesprochenes Phänomen und trägt übrigens auch zu dem Ammenmär bei, dass tausende Frauen tagtäglich mit Vergewaltigung drohen, um ihren Willen zu kriegen, da diese Fälle – in denen Frauen die Klage fallen lassen, aus welchen Gründen auch immer – einfach in diese Statistiken mit eingezählt werden, die dann von Käseblättern genannt werden, wenn es um „Wolf“-schreiende Frauen geht.

    Und wieder – viele kleine Gründe, die so eine öffentliche Meinung kreiieren, in der die Tat an sich verpönnt ist, aber das Bild des Täters so verklärt ist, dass sehr engstirnig nur nach dieser kruden Karikatur gesucht wird und jeder andere noch so faktische Hinweis geradezu sträflich ignoriert wird.
    Puh, jetzt hab ich aber etwas zu weit ausgeholt. Man möge mir das Geschwafel verzeihen.

  4. madove sagt:

    Ich geb zu, ich hatte ein bißchen Sorge, bei einem Post, der sich kritisch mit dem Begriff Rape Culture auseinandersetzt, weil ich das damit beschriebene Konzept für mein Verständnis der Realität sehr nützlich gefunden habe und deshalb schätze. Und ziemlich allergisch auf Concern Trolling reagiere.

    Aber das hier ist keins, und ich kann Deinen Überlegungen sehr viel abgewinnen; ich habe mit dem Begriff selber tatsächlich auch eher schlechte Erfahrungen gemacht, und komme auch mit dem Wortlaut der Wikipedia-Defintion nicht so gut klar, weil es ja eben nicht nur um die Tolerierung und Verharmlosung von Vergewaltigungen geht, sondern um all die kleinen, ’normalen‘, unauffälligen Mechanismen in der Gesellschaft, die in irgendeiner Form die sexuelle Selbstbestimmung primär von Frauen einschränken oder sabotieren und in ihrer Konsequenz Vergewaltigungen in dieser Verbreitung ermöglichen.

    Ich denke, ich werde bis auf weiteres ‚rape enabling culture‘ parallel führen, weil das für mich eigentlich der Kern der Aussage ist. Und niedrigschwelliger anzuerkennen.
    Danke für die Idee.

  5. Adrian sagt:

    @ Muriel
    „Ist dein Bild ein anderes?“

    Durchaus. Ich halte Vergewaltigung in der westlichen Welt für ein seltenes Verbrechen, welches durch die feministische Misandrie, Sexpanik und -aversion unverhältnismäßig aufgebauscht wird.

    Dunkelziffern und die geringen Verurteilungsquoten belegen m. E. überhaupt nichts, weil sie etwas voraussetzen, was gar nicht belegt ist: nämlich die Tat an sich.

    @ fichtenstein
    Es fällt mir extrem schwer eine Seite ernst zu nehmen, die von Vergewaltigungsopfern als „Überlebenden“ schreibt.
    Überdies halte ich die Gleichsetzung von Vergewaltigung und sexueller Belästigung für äußerst fragwürdig.

  6. Triffels sagt:

    Gerade weil viele von uns […] Vergewaltigung für so etwas abgrundtief, unvorstellbar Böses halten, tun sie sich schwer, zu akzeptieren, dass sie in der Realität vorkommt. Dass echte Menschen andere echte Menschen vergewaltigen.

    Das kenne ich auch so, allerdings vor allem mit Unbeteiligten. Beteiligte und Täter (in meinem Umfeld) scheinen sich dagegen oft der Tat bewusst zu sein. Sie machen’s trotzdem, weil sie glauben, im Recht zu sein, denn „er/sie hat es ja verdient“. U know what i mean?

  7. fichtenstein sagt:

    @Adrian: Von „Überlebenden“ haben weder Muriel noch ich gesprochen und wenn sich ein Opfer so bezeichnen will, sollte man darüber wohl nicht die Nase rümpfen (es sei denn, man hatte wirklich einen sehr schlechten Tag).
    Und gleichgesetzt habe ich hier eigentlich nicht, aber das mag missverständlich rübergekommen sein. Ich habe die sexuelle Belästigung eher miterwähnen wollen, weil sie meiner Meinung nach zur rape enabling culture gehört und ebenfalls ein Angriff auf die Körperlichkeit des Individuums ist.
    Die „feministische Misandrie“, lieber Adrian, ist übrigens noch weniger, wenn überhaupt zu belegen, ganz im Gegensatz zu Dunkelziffern, die nicht aus der Luft gegriffen werden, sondern anhand von Studien und Umfragen mit den tatsächlich angezeigten Taten verglichen werden.
    Und wenn du dir mal die Vergewaltigungsstatistiken der westlichen Länder ansiehst, dann ist dein „seltens Phänomen“ aber reichlich imposant in den Zahlen.

  8. Muriel sagt:

    @Adrian: Aha. Wie selten kommt Vergewaltigung denn deines Erachtens vor, und worauf basiert diese Einschätzung? Und wie siehst du das für die nicht westliche Welt?

  9. Adrian sagt:

    @ fichtenstein
    „Überlebende“ war ein implizierter Ausdruck in dem von Dir verlinkten Beitrag.

    „Ich habe die sexuelle Belästigung eher miterwähnen wollen, weil sie meiner Meinung nach zur rape enabling culture gehört“

    Das halte ich für absurd. „Sexuelle Belästigung“ ist ein extrem dehbarer Begriff, zu dem mittlerweile ja auch die Brüderle-Himmelreich-Episode gehört.

    @ Muriel
    „Wie selten kommt Vergewaltigung denn deines Erachtens vor,“

    Ich kann Dir keine Zahlen nennen.

    „und worauf basiert diese Einschätzung?“

    Auf der Verurteilungsquote.

    „Und wie siehst du das für die nicht westliche Welt?“

    Je sexuell repressiver eine Gesellschaft, umso mehr Vergewaltigungen gibt es m. E.

  10. hllizi sagt:

    „und worauf basiert diese Einschätzung?”

    Auf der Verurteilungsquote

    Ach so, so rum also: Wo Freispruch, da auch keine Tat? Zum Weiterdiskutieren ist das eigentlich zu absurd. Versuchen wir es trotzdem mal kurz:

    1. V. findet selten vor Publikum statt, und im Fall, daß Aussage gegen Aussage steht, wirkt sich in dubio pro reo natürlich günstig für den Beschuldigten aus.

    2. Freigesprochene haben rechtlich gesehen individuell als unschuldig zu gelten. Das heißt aber nicht, daß man auch annehmen muß, bei 100 Freisprüchen habe es auch 100 mal keine wirkliche Tat gegeben.

    3. Geht man bei Vergewaltigungen davon aus, dann ist die Zahl der Falschbeschuldigungen, die man zwangsläufig annehmen muß, wirklich enorm. Und dann sollten wir vielleicht mal über maskulistische Misogynie reden.

  11. onkelmaike sagt:

    „In einer Gesellschaft mit einer rationalen Einstellung zu Sexualität müsste Vergewaltigung nicht entwürdigender sein als andere Eingriffe in die körperliche Unversehrtheit eines Menschen.“

    Chapeau für den Satz, klug und mutig. Deine gewundenen überflüssigen tausenden Entschuldigungen im Text hättest Du Dir damit sparen können – Dafür hassen Dich die Dogmatiker_innen jetzt eh.

    Zu den Terminologien „rape culture“ / „rape denying culture“ / whatever. Das ist eine Scheindiskussion, finde ich.
    Ich habe mich ein bisschen mit „sexualisierter Gewalt und Diskriminierung“, wie es auf Neudeutsch heißt beschäftigt und meine, dass der aktuelle Stand der Forschung ungefähr wie folgt lautet: Vergewaltigung wird verachtet, aber keiner weiß so genau, was das eigentlich ist. Wir müssten vielleicht von einer „keiner kennt sich so richtig mit rape aus, was zu der einen oder anderen unnötigen rechtsverletzung führt – culture“ sprechen.

    Ein Beispiel: Vielfach herrschen sogenannte Vergewaltigungsmythen vor. Vergewaltigung sei, dass ein Fremder nachts aus dem Busch springt und die Frau angreift, die dummerweise da langt geht. Du magst wissen, dass das die geringste Zahl der Fälle ist, und das es meistens die Papas, (Ich verdächtige auch die Mütter) Tanten, Onkel Kommilitonen, Ehegatt_innen sind, die Vergewaltigungen begehen.

    Ein weiteres Problem: Strafverfolgung, belastbare Zahlen belegen meines Wissens, dass nach Vergewaltigungen, die Anzeigezahlen weit unterdurchschnittlich sind, von den zur Anzeige gebrachten Fällen geraten dann weit unterdurchschnittlich viele Fälle bis zur Anklage und wiederum weit unterdurchschnittlich viele Fälle zur Verurteilung. Natürlich gibt es das grundsätzliche Problem, dass bei einer Vergewaltigung „naturgemäß“ außer den Beteiligten keine Zeugen dabei sind, das macht es natürlich auch schwieriger. Ich meine trotzdem, dass ein grundsätzliches Defizit in der Rechtsdurchsetzung besteht. (Kleines Indiz für eine hier möglicherweise etwas zu permissive Haltung: Vergewaltigung in der Ehe ist ja erst seit 1997 verboten).

    Ein noch viel größeres Problem: Feigheit. Die Leute sagen nichts, wenn sie merken, dass da irgendwo was nicht stimmt. Im Privaten, in der Schule etc.. Es ist ja auch schwierig, zu Unrecht der Vergewaltigung Verdächtigte, kann die Existenz zerstört werden.

    Ach und noch was: Einem meiner größten Lieblingslieder, „Blurred Lines“ wird vorgeworfen „Rape Culture“ zu sein (das geht so ein bisschen so „Mädchen, Du willst es doch auch“. In der Kunst sollte alles erlaubt sein.

    Sorry für den langen Eintrag. Wir wollten ja nicht mehr diskutieren.
    Toller Artikel!

    Ach, und noch was: An mir selber kann ich beobachten, dass ich, je mehr in produktiver Auseinandersetzung mit mir selber, meinen objektiv langweiligen aber subjektiv spannenden Individualproblemen bin, desto weniger rege ich mich über Politik etc. auf (unsympathisch aber wahr). Vielleicht ist das ja einfach so, Ich glaube nämlich eigentlich nicht, dass die Themen weniger geworden sind.

    Viele Grüße!

  12. fichtenstein sagt:

    @Adrian Gut, dann streiche ich „sexuelle Belästigung“ aus meinem Kommentar, bzw. addiere dies hier als Fußnote, dass es aus dem Kommentar gestrichen gedacht werden kann. Das Argument fällt dadurch nicht zusammen, weil es nur ein Detail war, an dem zur Ablenkung rumkritisiert wurde, aber gut, das soll ja in einer Diskussion auch möglich sein.
    Aber jetzt erzähl mir im Gegenzug mal was über diese feministische Misandrie und wie diese Vergewaltigungen in westlichen Ländern hochbauscht und bitte mit Fakten und Studien, die das belegen, denn wer schon Dunkelziffern für zu schwammig hält, der sollte schon mehr als die Strohmann-Feministin im Argumentationsgepäck haben.

  13. Adrian sagt:

    @ fichtenstein
    Nein, ich werde dieses Thema nicht weiter diskutieren. Du hast recht, ich hab unrecht. Einigen wir uns darauf und gehen unserer eigenen Wege.

  14. Muriel sagt:

    @onkelmaike: Vielen Dank für den Kommentar und das Lob. Was du zu „Blurred Lines“ andeutest, bleibt mir schleierhaft, weil das in meinen Augen wirklich das mit weitem Abstand beste Beispiel für Rape Culture in der Popkultur darstellt, das mir je untergekommen ist, aber sonst freue ich mich sehr.
    @fichtenstein: Deine Kommentare sind schon immer eine Bereicherung für dieses Blog, aber in letzter Zeit sind sie wirklich eine solche Freude, dass ich das gerne noch einmal nachdrücklich betonen möchte, was ich hiermit getan habe, danke.
    @hllizi: Auch schön gesagt.
    @Adrian: Horrido.

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