Fake-Adventskalender (1): Wie wir sie kennen

Jaaa, ich habe eine Weile überlegt, ob ich dieses Jahr einen Adventskalender mache, und am Ende habe ich entschieden, dass die Zeit nicht für einen echten reicht, wie im letzten Jahr, dass ich aber trotzdem gerne einen hätte, und dass ich außerdem nicht okay finde, wie ich mit unserem Mail-Rollenspiel umgehe, das in seinen vielversprechenden Anfangszeiten ja durchaus auch ein paar Freunde gefunden hatte. Im April ist der letzte Zug erschienen, nachdem der davor im Jahr 2013 war, und das ist schon echt armselig. Dabei machen die Mitspielerinnen das so gut!

Deshalb habe ich entschieden, dass es in diesem Jahr einen Wie-wir-sie-kennen-Adventskalender gibt, also jeden Tag was Neues (also, für geeignete Werte von „neu“) aus dem Rollenspiel. Die bisherigen Züge findet ihr hier.

Und jetzt gehts weiter:

Nina

Die Soldaten lassen Nina und den Kindern keine Zeit, nennenswert Besitztümer zusammenzusammeln, aber immerhin erlassen sie Alex und Ben die Handfesseln. Zu viert werdet ihr in den Radpanzer geschoben, der draußen auf der Straße wartet, und sodann eine Weile durch die Gegend gefahren, bis der Panzer nach einer kurzen Strecke bergab wieder auf ebenem Untergrund stehen bleibt und die Luke am Heck wieder geöffnet wird.

„Aussteigen!“

Die Soldaten führen euch durch eine praktisch leere Tiefgarage zu einer stählernen Tür. Einer von ihnen tritt vor, doch noch bevor er die Hand an die Klinke legen kann, wird diese heruntergedrückt, und jemand öffnet die Tür von innen.

In dem kahlen Betongang dahinter sieht Nina eine Gruppe von Zivilisten, die nicht den Eindruck machen, hierher zu gehören. Ganz vorne steht eine vielleicht dreißigjährige, auffällig große und kräftig gebaute Frau in einer Kellnerinnenschürze, hinter ihr eine rund zehn Jahre ältere, ebenfalls sehr hochgewachsene Frau mit Brille und ergrauenden dunkeln Haaren, die sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hat.

Weiter hinten im Gang vor einer anderen Tür ist ein hagerer Mann mit leicht orientalischen Gesichtszügen, und irgendwo dazwischen – Jessy.

Cléo (die große und kräftige Frau mit der Schürze) stürzt sich auf einen der drei Soldaten, die Nina und die anderen führen. Er taumelt zwei Schritte zurück, stößt einen erschrockenen Schrei aus und rammt den Kolben seines Gewehres in ihre Richtung, streift damit aber nur wirkungslos ihren Oberarm.

Vera (die hochgewachsene Frau mit der Brille) drängelt sich an den anderen vorbei, rennt zu einem der Stützpfeier und versteckt sich dahinter. In der allgemeinen Aufregung beachtet niemand sie weiter.

David (der hagere Mann) attackiert den Soldaten, der die schwarzhaarige junge Frau führt, mit unprofessionell gehobenen Fäusten. Der Soldat macht einen Schritt rückwärts und rammt David seinen Gewehrkolben in den Magen. Der große hagere Mann klappt zusammen und geht auf die Knie. Die Frau mit den Handfesseln steht einfach nur da und beobachtet das Geschehen mit mehr Verwirrung als echter Teilnahme.

Jessy steht einige Augenblicke sichtlich überfordert da, bevor sie die Tür hinter den anderen wieder zu wirft.

„Okay Schluss jetzt!“ brüllt der Soldat, der Nina führt, mit beeindruckender Lautstärke. „Niemand bewegt sich mehr, oder ich schieße!“

Cléo, Vera, David

Cléo öffnet die Tür, und erschrocken seht ihr, als sie aufschwingt, direkt davor einen Trupp aus drei Soldaten, der eine Gruppe von vier Zivilisten führt. Zwei davon sind Kinder, ungefähr 3 und 6 Jahre alt. Die anderen beiden sind erwachsene Frauen, und im Gegensatz zu den Kindern sind ihre Hände mit Einwegfesseln an ihrem Rücken fixiert (Nicht, dass ihr die Fesseln selbst sehen könntet, aber da die Haltung recht eindeutig ist und ihr die Erfahrung schon selbst gemacht habt, gehe ich davon aus, dass ihr davon ausgeht.).

Eine der Frauen, eine junge schlanke Frau mit kurzen rabenschwarzen Haaren in Jeans und einem dunkelblauen Hoodie, schaut euch mit verheulten, weit aufgerissenen Augen an wie ein Reh, das um die Ecke biegt und überraschend vor Elmer Fudd steht. Ihr Mund formt lautlos unverständliche Worte, und sie stolpert zwei Schritte zurück, während sie mit einer kraftlos ausgestreckten Hand in eure Richtung zeigt.

Die andere, ungefähr Mitte 40, rund 1,70 groß, ein bisschen schlampig gekleidet, mit langen, etwas fettigen braunen Haaren, steht einfach nur mit hängenden Schultern verwirrt und resigniert da.

Die drei Soldaten, ihre Gesichter hinter Atemschutzmasken verborgen, stehen erst einmal weitgehend nur etwas unschlüssig da. Einer von ihnen murmelt etwas durch die Maske Gedämpftes, und ein anderer stuppst mit dem Lauf seines Gewehrs in den Rücken der jungen Frau, um sie daran zu erinnern, dass sie nicht zu weit zurück stolpern darf.

„Fuck!“ zischt Jessy.

David sagt sowas wie „Oh, fuck!“ und bereitet sich darauf vor, von den Soldaten irgendwie angegriffen zu werden.

Vera hat absolut keine Lust, sich wieder einsperren zu lassen. Die Soldaten sind in der Unterzahl, vermutlich gesundheitlich angeschlagen- und sie sind gerade abgelenkt. Sie glaubt auch nicht wirklich daran, dass einer von ihnen tatsächlich schießen würde. Also nutzt sie den Tumult durch Cléos Aktion, schiebt sich an David und dem Mädchen vorbei durch die Tür und rennt einfach los. Sie umrundet die Gruppe der Neuankömmlinge und biegt seitlich ab, um etwas Sichtschutz durch die Stützpfeiler der Tiefgarage zu haben.

David starrt einen Augenblick verblüfft auf all die plötzliche Bewegung um ihn herum und seine plötzlich überraschend agilen Zellengenossinnen, dann auf die Soldaten und ihre Begleitung. Eine der Frauen kommt ihm vage bekannt vor, aber er kann sie auf die Schnelle nicht einordnen. Er schaut kurz beinahe entschuldigend den Soldaten an, der sie führt, und wirft sich mit unprofessionell gehobenen Fäusten gegen ihn, in der Hoffnung, daß dadurch die Frau ein bisschen Handlungsspielraum gewinnt und eine Lücke entsteht.

Nina will spontan Jessy etwas zurufen, aber sie schweigt im letzten Augenblick. Die Ereignisse überfordern sie und unsicher mustert sie die Anwesenden und versucht, die Situation einzuordnen. „Wo sind wir hier? Und wer sind diese Leute?“
Niemand reagiert auf Ninas Fragen

 

Mehr gibts morgen.

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