Fake-Adventskalender (2): Wie wir sie kennen

Joa. Also, ein weiterer Nachteil an so einem Fake-Adventskalender ist ja, dass es zu den einzelnen Türchen nicht viel zu sagen gibt. Hier ist das nächste Stück aus unserem Mail-Rollenspiel „Wie wir sie kennen“:

Hinter ihrem Pfeiler verborgen, versucht Vera möglichst lautlos zu atmen und mit dem Schatten zu verschmelzen. Vielleicht hat sie ja Glück und niemand erinnert sich an sie. Wenn nur die Soldaten  nicht auf die Idee kommen, ihre unwilligen Gefangenen durchzuzählen. Falls die ganze Gruppe ins Gebäude geht, hat sie zumindest eine reelle Chance, unbemerkt aus der Garage zu entkommen.  Aber so sehr sie davon genervt war, mit fremden Menschen auf engem Raum eingesperrt zu sein, jetzt fühlt sie sich auf seltsame Art verantwortlich für ihre Mitgefangenen und lässt sie ungern zurück.

Cléo will gleichzeitig fliehen und noch mehr Soldaten anrempeln. Dann sieht sie David zusammengekrümmt auf dem Boden, und aus einem absurden Gefühl der Verantwortung heraus versucht sie, sich in seine Richtung durchzudrängen.

David, dessen Nahkampferfahrung sich auf Schikaniertwerden in der Grundschule beschränkt, geht überrascht zu Boden und ist eine Weile ziemlich sicher, dass er jetzt sterben wird und richtet letzte reuevolle Gedanken an Theo. Sonst macht er erstmal nichts, außer ein paar unwürdigen Geräuschen.

Der Soldat, der die Warnung gerufen hatte, lässt seinen Blick kurz zweifelnd über die Betondecke streifen und gibt nach einer halben Sekunde unsicheren Zögerns einen Schuss auf das Garagentor nach draußen ab. Der Knall ist ohrenbetäubend und hallt noch lange nach.

„Wir haben die Dinger hier nicht zum Spaß. Wenn das nächste Mal jemand eine unerwartete Bewegung macht, schieße ich nicht mehr auf das Scheißtor!“

Cléo fürchtet, der Knall habe ihr das Trommelfell zerrissen, und sie bleibt stehen.

„Gut“, grunzt der Mann mit der Waffe. „Und jetzt sammeln sich alle wieder und bringen ein bisschen Ordnung in die Schützenwolke, ja?“

Nach kurzem Zögern finden die anderen mehr oder weniger zu ihrer Disziplin zurück und binden Cléos und Davids Hände mit Einweghandfesseln und den Rücken. Alle Gefangenen werden zusammengeführt und umstellt. Der Soldat mit dem Gewehr schaut sich mit gerunzelter Stirn in der Tiefgarage um.

„Da war doch noch eine, oder?“ murmelt er, und ruft dann mit erstaunlich lauter, mutmaßlich manövererprobter Stimme: „Hey, Sie! Kommen Sie raus, wo immer Sie sich verstecken! Was glauben Sie denn, was das hier wird? Alle Ausgänge sind verriegelt, Sie machen es nur für alle komplizierter!“

Verflixt, er hat sie doch nicht vergessen. Vera wirft einen letzten sehnsüchtigen Blick auf das geschlossene Tor. Dann tritt sie mit einem unterdrückten Fluch aus ihrem Versteck heraus und trottet zurück. Jetzt, wo die anderen wieder unter Kontrolle sind, rechnet sie sich keine mehr Chance aus, zu entkommen.

Die Gruppe wird gemeinsam von den Soldaten aus der Tiefgarage durch den Flur in den Raum geführt, in dem bei offener Tür immer noch der Herr im dunklen Anzug wartet und euch freundlich zunickt, als ihr zu ihm zurückkehrt.

„Nicht die beiden Kinder“, sagt der Anführer. „Ich glaub, der eine ist infiziert, und den anderen sollten wir gleich mit testen.“

Einer der anderen Männer in Kampfanzug und Schutzmaske fasst die beiden Kinder an den Armen und zieht sie in Richtung Flur.

„Mama!“ ruft einer der beiden Jungen.

Der andere gibt einen schüchternen Quengellaut von sich.

David kann ja im Moment nichts machen; auch wenn er, als sie die Kinder wegnehmen, zumindest entsetzten Blickkontakt mit den anderen sucht, um zu sehen, ob unerwarteterweise irgendjemand eine gute Idee hat, oder sonstwie eingreift, wobei er sich dann wahrscheinlich als Mitläufer betätigen würde.

Nina versucht verzweifelt, einen der Soldaten zur Seite zu stoßen, um zu ihren Kindern zu gelangen. „Ben! Alex!“
Der Soldat taumelt zur Seite, teils weil er nicht damit gerechnet hat, teils weil er sichtlich nicht weiß, wie er mit Nina umgehen soll. Auch sein Kamerad, der Ben und Alex in den Flur zu führen versuchte, hält inne und sieht fragend den Anführer an.

Der stellt sich Nina in den Weg und bellt: „Meine Befehle stehen nicht unter Vorbehalt, Obergefreiter!“ Dann fügt er, Nina zugewandt und immer noch sehr bestimmt, aber mit erkennbarem Bemühen um Geduld: „Hören Sie, ich verstehe, dass das für Sie keine schöne Situation ist, aber wir machen das auch nicht zum Spaß. Sie bekommen die Kinder zurück, aber wir müssen sie testen. Ihnen ist vielleicht nicht klar, wie ernst es ist, aber vertrauen Sie mir, es ist sehr ernst.“

Advertisements

Gib's mir!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: