Fake-Adventskalender (4): Wie wir sie kennen

Was hab ich gesagt? Türchen Nummer 4. Morgens. You’ve been served!

„Ich hab auch keine Ahnung“, antwortet sie. „Alle scheinen sich mit dieser Seuche infiziert zu haben, und diese Soldaten wollen irgendwelche Tests mit uns machen, weil wir gesund sind, glaub ich.“

Frieder zuckt die Schultern und sein Kopf pendelt von links nach rechts.

„Ich glaube, sogar wenn sie uns hier rausholen kann, fangen die uns schnell wieder ein“, raunt er zurück.

Suresh fragt das Mädchen: „Und jetzt sind keine Soldaten in der Nähe?“

„Ich seh gerade keine, aber wenn wir noch lange hier rumkaspern, gibt es bestimmt gleich wieder reichlich.“

Suresh gestikuliert zu dem Medizinschrank und fragt Frieder: „Bist du einverstanden, wenn ich sie versorge, so gut ich kann?“

Frieder zuckt wieder die Schultern.

„Klar“, murmelt er. „Sie braucht ja anscheinend Hilfe.“

„Na dann kommen Sie um Gottes Willen in die           sen Raum, wir haben hier drinnen ein bisschen Verbandsmaterial.“

„Okay…“ Sie klingt nicht besonders begeistert. „Ich versuch dann mal mein Glück mit der Tür. Kann ein bisschen dauern, ja?“

Ein paar Minuten lang hören Suresh und Frieder es in dem Schloss klicken und schaben, bis die Tür schließlich aufspringt.

Im Gang davor wartet das Mädchen von vorhin, das die Soldaten zu Frieders Haus gelockt hat.

„Ihr schon wieder?“ fragt sie, schiebt sich durch die Tür hinein und schließt sie hinter sich. Sie lehnt sich gegen die Wand, schließt die Augen und atmet tief durch.

„Fuck“, murmelt sie. „Fuck fuck fuck!“

Suresh schaut das Mädchen schüchtern und misstrauisch an. Ihm ist unwohl bei dem Gedanken, dass sie nun ausgerechnet mit ihr in dieser beängstigenden Lage verwickelt sein müssen, weil sie auf ihn sehr den Eindruck macht, auf Krawall gebürstet zu sein. Dass sie verletzt war, bekräftigte seinen Eindruck noch. Er hatte ihr aber seine Hilfe zugesagt und versprach sich, möglichst unvoreingenommen zu sein. Er schob ihr einen der Stühle hin. „Hier setzt dich erst einmal. Wo bist du verletzt? Und wie ist das passiert?“

Sie schaut misstrauisch von Suresh zu dem Stuhl und wieder zu Suresh, bevor sie zögerlich Platz nimmt, als würde sie damit rechnen, dass einer von beiden gleich nach ihr schnappt.

Dann hält sie Suresh ihren linken Unterarm hin. Der Pullover ist an der Unterseite aufgerissen und mit Blut verschmiert, aber es ist nicht sehr viel.

„Streifschuss, glaub ich“, murmelt sie.

„Was? Die haben nach dir geschossen? Oh Gott, warum würden die das denn machen?“

Suresh kniet neben dem Stuhl nieder, versucht ganz vorsichtig, den Ärmel zurückzukrempeln, und als die Wunde freiliegt, betrachtet er sie.

Das Mädchen verzieht sein Gesicht und macht Hssss-Geräusche, wehrt sich aber nicht, als Suresh ihren Ärmel hochkrempelt-

„Ich weiß gar nicht, ob das Absicht war. Vielleicht ein Querschläger, oder so.“

Die Wunde sieht für Suresh nicht sehr bedenklich aus. Soweit er auf den ersten Blick erkennen kann, kann das wirklich nur ein Streifschuss gewesen sein, falls es überhaupt wirklich eine Kugel war. Er denkt, dass eine Kompresse und ein Verband ausreichen müssten.

Frieder schaut still mit nachdenklich geschürzter Unterlippe zu.

Advertisements

Gib's mir!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: