Fake-Adventskalender (5): Wie wir sie kennen

Guten Morgen, meine überschaubaren Adventisten. Hier ist das fünfte Türchen:

Suresh beginnt, aus dem Schrank Desinfektionsmittel, Kompresse und Binde zusammenzusuchen, die er zuvor entdeckt hatte, und fragt sie:

„Kannst du jetzt bitte noch mal ganz ausführlich schildern, was mit dir passiert ist, seit sie dich in Elmshorn geschnappt haben?“

Er versucht, möglichst ruhig und freundlich zu sprechen, weil er den Eindruck gewonnen hat, dass sie leicht einschnappt, und mit ihr gerne auf einer möglichst guten freundschaftlichen Ebene kommunizieren will, solange sie gemeinsam in dieser unerfreulichen Lage sind.

/Sie schaut ihn kurz mit verengten Augen an, entscheidet sich dann aber anscheinend, noch entspannt zu bleiben. Vielleicht hat ja wirklich der Tonfall den Ausschlag gegeben.

„Ja naja, da gibt’s eigentlich nicht viel zu erzählen. Die haben mich halt mitgenommen, mich hier im Keller eingesperrt, irgendwie, und dann kamen noch son paar andere Leute dazu, da haben wir ne Weile gehockt, bis ich die Tür geknackt habe. Die haben sie dann wieder eingefangen, aber ich bin entkommen und hab mich hier vor denen versteckt und nen Ausgang gesucht … Ja, eigentlich wars das.“

Suresh beginnt, die Wunde zu säubern, so sachte es ihm möglich ist, und als sie – ihm fällt gerade ein, dass er nicht mal ihren Namen kennt – gerade nicht hinschaut, sucht er den Blickkontakt mit Frieder und sieht ihn fragend mit einer gehobenen Augenbraue an.

„Und bei diesem … Wiedereinfangversuch haben sie auf euch geschossen? Das kann ich kaum glauben.“ Er korrigiert sich hastig: „Also, nicht, dass ich nicht glaube, was du sagst, aber es scheint mir unglaublich, wie diese Soldaten sich aufführen. Uns ist es übrigens ganz ähnlich ergangen. Heute früh kamen sie und haben uns aus Frieders Haus abgeführt, und seitdem waren wir in diesem Raum eingesperrt. Niemand hat uns irgendetwas erklärt.“

Sie zuckt und macht leidende Geräusche, ist aber sichtlich um Tapferkeit bemüht, während Suresh ihre Wunde versorgt.

„Ja, die sind alle wie gebissen wegen dieser Scheißseuche …“ murmelt das Mädchen. „Hoffentlich ist das bald vorbei, ich hab sowas von …“

Sie stockt, als irgendwo draußen eine Lautsprecherdurchsage beginnt, durch die wieder verschlossene Tür zwar noch hörbar, aber zu weit weg, als dass ihr Inhalt klar verständlich wäre. Zunächst spricht ein Mann, wohl auf Englisch mit einer recht spezifischen Diktion. Seine Stimme und sein Tonfall erinnern Suresh an jemanden, aber er kommt gerade nicht drauf, an wen.

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2 Responses to Fake-Adventskalender (5): Wie wir sie kennen

  1. keoni sagt:

    Deine Einleitung finde ich besonders gelungen heute. 🙂

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