Fake-Adventskalender (7): Wie wir sie kennen

Bäm!

„Jetzt scheint es wieder“, beginnt Frieder unnötigerweise von der Tür, doch er wird durch das Donnergrollen einer Explosion unterbrochen. Der Knall selbst ist gar nicht so laut, aber die Erschütterung ist deutlich zu spüren, und das Gebäude grollt und rumpelt noch ein bisschen vage vor sich hin, bevor kurz Stille einkehrt, gefolgt von mehr gebrüllten Befehlen und rennenden Stiefeln von draußen.

„FUCK!“ ruft das Mädchen. „Was ist denn das hier für eine Scheiße, träum ich?“

„Ach du lieber Himmel, von wo kam das? Und hat jemand verstanden, was Angela Merkel gesagt hat? Frieder, konntest du sie verstehen?“

Suresh läuft aufgeregt im Raum herum, und es laufen ihm kalte Schauer über den Rücken, weshalb er sich selbst dabei umklammert hält.

„Hmmm…“ Frieder brummt und murmelt etwas Unverständliches, bevor er deutlicher sagt: „Ich weiß nicht, ich hab vielleicht ein paar Worte .. Aber ich glaube, das hab ich missverstanden. Das kann nicht …“

Von draußen ist ein lautes Knarren und Bersten zu hören, mehr rennende Stiefel und Befehle, und dann Schüsse, erst kurze Salven, dann immer mehr vollautomatisches Feuer, und hin und wieder Schreie, doch nach einer Zeit, die euch zwar einigermaßen lang vorkommt, in Wahrheit aber wahrscheinlich kaum mehr als zehn oder zwanzig Sekunden gewesen sein kann, kehrt Stille ein. Und bleibt.

„Fuck“, sagt da Mädchen. „Fuck fuck fuck fuck. FUCK! Fuck. Was… Was war denn das?“

Sie sieht hilfesuchend von Frieder zu Suresh. Von ihrem brüsken Habitus ist nichts übrig, und ihren Augen schimmern Tränen. „Was war das denn?“ fragt sie kläglich.

Auch Suresh fühlt Tränen in seinen Augen aufsteigen und er schluckt ein paar Mal, um das Gefühl eines Kloßes in seinem Hals loszuwerden. Er wendet sich von der Tür ab, atmet tief durch und spricht ein Gebet in Hindi, das ihm in anderen Zeiten Mut und Fokus geschenkt hat. An das Mädchen gewandt, sagt er in gefasster, aber sehr betrübter Stimme:

„Komm, lass mich deinen Arm fertig versorgen.“ Er zeigt mit einer Hand einladend auf einen der Stühle und schlägt auch Frieder vor, Platz zu nehmen. Als Frieder sitzt, bittet er ihn, doch für sie wiederzugeben, was er von den Lautsprecherdurchsagen verstehen konnte.

„Ich … Aber … Das mit dem Arm ist doch …“ Sie schaut unentschlossen von dem halbfertigen Verband zu Suresh zu der Tür. „Ah fuck. Wir können da jetzt eh nicht raus, was? Aber … Was, wenn das reinkommt, was da draußen war?“

Sie wirbelt herum, und ihr Blick zuckt aufgeregt durch den Raum.

„Können wir uns irgendwo verstecken? Sieht nicht so aus, oder? Aber …“

Frieder murmelt: „Ich … weißt nicht. Ich hab nur Fetzen gehört. Es klang wie … Es klang so nach Invasion und Kriegsrhetorik, aber andererseits nicht bedrohlich, sondern … Ich weiß nicht.“

Draußen herrscht immer noch Stille.

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