When in Liège

Die letzte europäische Etappe unserer Reise führte uns nach Belgien, genauer nach Liège. Da waren keoni und ich schon mal durchgefahren, auf dem Weg nach Bruxelles, und fanden den Bahnhof nett, und außerdem kommen da die Waffeln her, die wir so gerne essen, und schließlich ist es fast eine Stunde näher an Luxembourg als Bruxelles, also dachten wir, warum nicht?

Exkurs: Ähm, okay. Ich gebs jetzt auf. Das ist komisch, aber jetzt gerade komme ich mir doch zu affektiert vor, immer Bruxelles zu schreiben, wenn es doch nun mal das Wort Brüssel in der deutschen Sprache gibt. Ich erwähnte das Dilemma ja schon mal, und jetzt gerade fällt meine Reaktion eben in die andere Richtung aus, und das nicht mal konsequent, denn was ich trotz allem nicht kann, ist Lüttich zu schreiben statt Liège. Das ist ein völlig anderer Name, verflucht noch mal, das akzeptiere ich nicht. Exkurs Ende.

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Ich denke, man kann ohne Irreführung sagen, dass das Thema unseres Besuches in Liège … naja, nicht enttäuschte Erwartungen waren, aber schon … unerfüllte. Es begann mit dem Abendessen. Nach dem Nachmittagssnack in einem netten kleinen Luxemburger Café fuhren wir gen Liège und hatten uns bereits von TripAdvisor ein Restaurant empfehlen lassen, nämlich das Tout Simplement, das dort immerhin die Nummer drei war und authentisch belgische Küche versprach, mit der wir zwar bisher immer die Erfahrung gemacht haben, dass sie eher … naja, ein authentisch belgisches Erlebnis ist als ein wirklich angenehmes, aber zumindest einmal schien uns das angemessen.

Nach einigem Suchen fanden wir das Tout Simplement dann auch, aber schon von weitem war an der völligen Finsternis, die es umhüllte, zu erkennen, dass es geschlossen war. Na gut. Eine kurze TripAdvisor-Recherche später hatten wir uns für das Couleur Rouge entschieden, das den Vorteil hatte, von hier gut zu Fuß erreichbar zu sein. Weit fahren wollten wir nicht mehr, weil es ohnehin schon neun war, oder so, und wir nicht allein irgendwo sitzen wollten, umgeben von Kellnern, die permanent auf die Uhr schauen und schon den Besen in der Hand halten. Auf dem Weg fiel uns ein thailändisches Restaurant mit dem interessanten Namen Les Belles Gourmandes auf, an das wir uns gleich noch näher erinnern sollten, denn als wir beim Couleur Rouge ankamen, fanden wir es doch ein bisschen zu schnieke für unsere derzeitige Stimmung, und auch ein bisschen teurer, als uns angemessen schien, und so kehrten wir reumütig zum Les Belles Gourmandes zurück, was sich als spektakulär gute Entscheidung erwies, wenn nicht sogar die beste des ganzen Urlaubs, wenn nicht sogar des Jahres, zumindest bezogen auf Restaurants, wenn nicht sogar überhaupt.DSC03190

Les Belles Gourmandes stellte sich als eines dieser Restaurant-Erlebnisse heraus, von denen man noch seinen Enkelinnen erzählen will. Ihr seht auf dem Foto da oben so ziemlich alles. Als wir reinkamen, waren die beiden Tische dort besetzt, und die (mutmaßliche) Hausherrin richtete uns sehr liebevoll noch einen dritten winzigen in einer Ecke her, direkt vor der Tür zum kreativ in die bestehenden Gegebenheiten eingefügten Waschraum. Das wäre schon herrlich genug gewesen, aber auch das Essen war über die Maßen köstlich, von den Vorspeisen

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zu den Hauptgerichten,

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und um Gottes Willen ist euch diese großartige Teekanne aufgefallen?

Das hier ist die Küche:

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und sogar im Zwischenraum zum Dach verbargen sich noch ein paar kleine Kunstwerke. So verließen wir nach einigen sehr erfreulichen Stunden hochzufrieden das Restaurant und machten uns auf den Weg zu unserem Hotel, das designtechnisch sehr sehr gefiel (Die wasserhahnförmigen Lampen am Bett wären noch erheblich cooler gewesen, wenn man das Licht tatsächlich an und aus hätten drehen können.), aber erkennbar nicht auf Pragmatismus gestaltet war. So gar keine Trennung zum Bad ist bei einem Doppelzimmer doch irgendwie gewagt, finde ich. Manchmal teilen sich so eins doch gewiss auch Leute, die sich weniger nahe stehen als keoni und ich.

Der Rest der Stadt erwies sich dann bedauerlicherweise als gar nicht mal so großartig. Die Kathedrale kombinierte zwar interessant verschiedene Baustile,

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die Häuser waren lustig schmal,

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und der kleine öffentliche Garten mitten in der Stadt war schon auch irre sympathisch.

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Aber letzten Endes konnten diese Details genausowenig wie das schmucke Rathaus

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den Gesamteindruck überspielen, dass in Liège nichts so richtig Tolles auf uns wartete. Und mit den Waffeln hatten wir auch kein Glück. Laut TripAdvisor sollte Liège mit Une Gaufrette Saperlipopette einen Traum von einer (Waffel-)Bäckerei zu bieten haben, aber sogar da stieß uns nicht nur die lange Schlange ab, sondern die zweifelsohne gut gemachten Waffeln lagen da einfach nur so trocken und kalt rum und reizten uns deshalb gar nicht so besonders, wie es hätte sein sollen.

So liefen wir nur noch einmal pflichtgemäß durch die Innenstadt

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freuten uns über die schönen Ecken

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und holten uns sogar noch in einer von der Touristeninformation empfohlenen Konditorei eine Lièger Waffel, weil wir nicht ganz unverrichteter Dinge weiterfahren wollten, aber die war dann halt wirklich … kalt und trocken und ohne alles. So fiel uns die Entscheidung dann leider nicht schwer, nach wenigen Stunden doch noch mal nach Brüssel aufzubrechen, wo alles besser ist.

Insbesondere die Waffeln.

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Aber nicht nur. Auch die Stadt. Brüssel ist einfach übertrieben schön.

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Na gut. Natürlich auch nicht ausnahmslos. Aber es ist zumindest gut gemeint. Steht ja sogar drauf.

Aber sonst wirklich. Guckt doch nur mal.

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Und von innen auch.

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Na gut, auch hier hatte der zuständige Dekorateur ein paar komische Ideen.

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Aber wer nicht mindestens ein paar davon hat, der (oder die? Geht das bei den Katholikinnen?) wird wahrscheinlich nicht Dekorateur einer Kirche. Tatsächlich sind die Brüsseler Kirchen so schön, dass die Brüsseler Häuser mit ihnen kuscheln.

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Und das Prunkstück ist natürlich der Grand Place. Wirklich. Möglicherweise das imposanteste Stück Stadt, das ich je gesehen habe.

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Oder? Mal ehrlich. Das ist schwer zu toppen. Und dann hat Brüssel ja sogar noch einen einzigartigen Reiz.

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Hach. Brüssel.

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Und so sind wir dann doch sehr versöhnt mit Belgien nach Hause gefahren. Oder? Nein! Keineswegs! Wir sind noch lange nicht nach Hause gefahren, sondern ganz woanders hin! Und wohin, erzähle ich euch beim nächsten Mal!

Dies ist kein Reisebericht.

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