Fake-Adventskalender (18): Wie wir sie kennen

Nicht mal mehr eine Woche bis Heiligabend. Und für alle, die sich Sorgen gemacht haben, kann ich entwarnen: Der Stoff wird bis zum 24. reichen.

In peinlichem Schweigen und gelegentlichen mühseligen bis feindseligen Wortwechseln vergehen Stunden. Wer eine Armbanduhr oder vergleichbares Werkzeug bei sich trägt, kann darauf ablesen, dass die Nacht dem Morgen weicht – die manifest verwirrte junge Frau rollt sich irgendwann auf dem Boden zusammen und schläft ein, und Etienne legt sich gegen 3 Uhr schließlich auch mit einem resignierten Seufzen auf eine der Liegen -, und der Morgen schließlich dem Nachmittag (Irgendwann steht Eteinne wieder auf, unternimmt aber nichts, was den Verlauf der Handlung maßgeblich zu verändern geeignet wäre. Die junge Frau rührt sich zwar gelegentlich und atmet mehr oder weniger hörbar, schläft aber weiter.), der wiederum dem Abend, und um 1943 schließlich begibt sich die erste spürbare Änderung: Irgendwo draußen beginnt eine Lautsprecherdurchsage, in der angespannten Stille eurer Zelle zwar noch hörbar, aber zu weit weg, als dass ihr Inhalt klar verständlich wäre. Zunächst spricht ein Mann, wohl auf Englisch mit einer recht spezifischen Diktion. Seine Stimme und sein Tonfall erinnern an Barack Obama. Er weicht einer anderen Männerstimme, die in einer asiatischen Sprache zu sprechen scheint. Dann eine Frau, deren leicht dumpfe, dunkle Stimme Angela Merkels sein könnte, und so geht es weiter, durch Sprachen und Stimmen hindurch, jede ungefähr für ungefähr vierzig Sekunden, und nach nicht ganz zehn Minuten beginnt es wieder von vorne. Nur unwesentlich später hört ihr von draußen Stimmen, die aufgebracht, aber nicht in wilder Panik miteinander diskutieren, und Schritte durch den Flur.

Etienne steht auf und geht zögerlich in Richtung Tür. Er legt sein Ohr daran und horcht mit in Falten gelegter Stirn, bevor er sich kopfschüttelnd wieder abwendet und zurück zu seiner Liege geht.

„Man kann es gerade so nicht versteh-“

Er taumelt.

Wohl weniger, weil die Explosion den Boden wirklich so sehr erschüttert hätte, sondern eher vor Schreck. Das Geräusch selbst ist gar nicht so laut, aber das Dröhnen spürt ihr bis in eure Knochen, und mit einem merkwürdig ekelhaften Knirsch tut sich in einer der Betonwände ein Riss auf gerade breit genug, dass man eine flache Hand hineinstecken könnte. Das Gebäude grollt und rumpelt noch ein bisschen vage vor sich hin, bevor kurz Stille einkehrt, gefolgt von gebrüllten Befehlen und rennenden Stiefeln von draußen.

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