Fake-Adventskalender (20): Wie wir sie kennen

Und Schluss mit der Segregation! Ab diesem Beitrag sind alle Charaktere der Runde in einer Gruppe vereint. Mehr oder weniger.

„Nein“, erwidert Cléo, „hab ich nicht. Entweder wir schreien so lange, bis uns jemand hört – oder auch nicht – oder wir probieren es selbst. Hat zufällig jemand eine Haarnadel?“ Sie ist sich sicher, nicht auch nur ansatzweise ein Ersatz für das schwarzhaarige Mädchen zu sein, da sich ihre Fähigkeiten beim Schlösserknacken auf eine vage Vorstellung von Bolzen und Riegeln beschränkt, die im Inneren des Schlosses angehoben werden müssen. Aber vielleicht, hofft Cléo vage, hat sie irgendwie Glück.

Jemand klopft an eure Tür, drei Mal, nicht besonders heftig, mit kurzen Abständen dazwischen.

„Herein“, murmelt Cléo, mehr zu sich selbst als zu den anderen.

David lacht.

„Hallo?“ hört ihr eine dunkle, ein bisschen nölige Stimme, die ihr (insbesondere Nina und die Kinder) recht eindeutig als die des schwarzhaarigen Mädchens von zuvor erkennt, obwohl sie durch die Tür natürlich ein bisschen gedämpft ist. „Seid ihr da noch drin?“

Nach einer kurzen Pause drückt jemand die Türklinke herunter, und wenig später klickt und schleift und quietscht leise aus Richtung des Schlosses, bis die Tür schließlich aufspringt und den Blick auf den Flur freigibt, und die zwei Menschen, die darin stehen.

Der eine ist Ende 20, eher klein, sehr schlank und feingliedrig mit welliges, schwarz schimmerndem Haar und schwarze Augen. Seine Gesichtszüge und dunkelbraune Hautfarbe lassen eine indische oder pakistanische Abstammung vermuten. Er trägt dunkelbraune Lederschuhe, eine dunkelblaue, fast schwarze, etwas zu weite Stoffhose mit permanenter Bügelfalte, ein cremefarbenes Oberteil, das geschnitten ist wie ein Hemd, aber aus dickerem Stoff fast wie ein Sweatshirt, und darüber einen Pullunder mit beige-dunkelbraunem Muster. Alles wirkt ein bisschen, als trüge er eine Schuluniform. Um seinen Hals trägt er ein Lederband, aber falls ein Anhänger daran ist, befindet er sich unter seinem Kragen.

Der andere ist etwa 50, hat schon viele Haare verloren, und die verbliebenen sind dunkelgrau, noch nicht weiß. Seine Augen sind dunkelblau und Hautton und Gesichtsschnitt wirken doch recht herkömmlich germanisch. Er hat einen kurz getrimmten Vollbart, trägt einen dunkelgrünen Wollpullover, unter dem ein dunkles kariertes Holzfällerhemd hervorlugt, eine abgetragene beulige Jeans und schlammfleckige Arbeiterschuhe. Er ist mittelgroß und eigentlich einigermaßen schlank und muskulös, aber ein sichtbarer Bauch wölbt sich über den Hosenbund.

Der Jüngere der beiden schaut neugierig in den Raum hinein, in dem ihr euch befindet, ist dann aber doch anscheinend von irgendetwas erschrocken. Kurz schaut er stirnrunzelnd zur Seite in den Flur und nimmt schließlich doch den älteren Mann mit einer vertraut-freundschaftlichen Geste sanft an der Schulter und betritt mit ihm euren Raum, scheint sich dabei aber sichtbar unwohl zu fühlen, so im Zentrum des Interesses zu stehen. Als er Ben und Alex ins Gesicht schaut, lächelt er breit, euch andere schaut er nur freundlich an.

Er schluckt, holt Luft und beginnt mit viel zu leiser Stimme zu sprechen, stockt und fängt noch einmal lauter an: „Hallo, ich bin Suresh. Dies ist Frieder, und wir sind beide heute früh hierher gebracht worden, so wie ihr wohl auch, denke ich.“

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