Fake-Adventskalender (22): Wie wir sie kennen

Uiui. Das ist ja schon das vorvorletzte Türchen. Schön, dass meine Sorge, zu wenig Material zu haben, sich als unbegründet erwiesen hat.

Aus Neugier: Liest eigentlich jemand mit, die nicht auch mitspielt? Und falls ja, was meint ihr so?

„Ich kann ihn nehmen,“ sagt der Mann mit dem Anzug und greift sich den Beutel. „Solange ich das Zeug nachher nicht essen muss“, fügt er grinsend hinzu.

„Ich kann auch helfen“, murmelt die schwarzhaarige Frau vom Fußboden, und beginnt, sich aufzurappeln. „Ich glaube, wir könnten-“

„Auuu…“ jammert das Kind, und beginnt zu husten, nicht nur einmal oder zweimal, sondern immer weiter, und immer heftiger. Nina sinkt neben ihrem Sohn auf die Knie, nimmt ihn in die Arme und redet beruhigend auf ihn ein, aber der Junge hustet immer heftiger, und hörbar schmerzhafter, und ihr könnt Blutspritzer im Gesicht seiner Mutter sehen, wo die Tröpfchen aus seinem Mund ihre Haut treffen. „Tun Sie doch irgendwas!“ ruft sie Etienne zu. „Können Sie ihm denn wirklich nicht helfen?“

Etienne sieht nicht mal in ihre Richtung, sondern schaut mit gerunzelter Stirn konzentriert in den Flur.

„Ist das Angela Merkel?“ fragt er ungläubig.

Kurz fragt ihr euch, ob er versucht lustig zu sein, oder den Verstand verloren hat, aber dann wird euch klar, dass er die Lautsprecheransage meint, und dass die Stimme von draußen tatsächlich sehr nach der Bundeskanzlerin klingt, und jetzt auch wirklich auf Deutsch redet. Allerdings ist sie knapp zu leise, als dass ihr sie in all dem Trubel verstehen könntet.

„Ja, und?“ sagt Cleo unbeeindruckt und strebt Richtung Tür, nachdem sie noch ein paar Brotkanten in ihre Tasche gesteckt hat.

David kneift konzentriert die Augen zusammen und lauscht, aber er versteht kein Wort. “Klingt nach ihr. Das ist eher kein gutes Zeichen, nehme ich an… – machen wir, dass wir hier rauskommen!“
Er wendet sich der Frau mit dem Jungen zu. “Kann er laufen? Oder müssen wir ihn irgendwie tragen?“

Vera beobachtet das hustende Kind besorgt und etwas genervt, mischt sich aber nicht ein. Im Vorbeigehen nimmt sie  die übrig gebliebenen Äpfel von den Tabletts, verstaut sie in ihren Jackentaschen  und beißt herzhaft in den letzten, während sie den anderen in den Flur folgt.

Suresh und sein Freund beobachten besorgt das Kind und wartet auf die Antwort der Mutter, unsicher, ob sie helfen sollen, den Jungen zu tragen oder ob das zu zudringlich wäre.

Etienne wirft noch einen kurzen Blick auf Nina und ihren Sohn, wendet sich dann aber schulterzuckend ab und folgt Cléo und Vera nach draußen. Die junge Frau am Boden schaut ihm kurz nachdenklich nach, bevor sie sich aufrappelt und etwas unsicher hinterhertappt.

Bens Husten wird immer heftiger, und Ninas Flehen immer lauter. Ihr älterer Sohn klammert sich an sie und beginnt auch zunächst leise zu wimmern, dann lauter zu schluchzen.

Draußen im Flur ist die Ansage besser zu verstehen, und es ist nun zweifellos klar, dass es sich um die Stimme der Bundeskanzlerin handelt, die in gewohnt sachlicher, leicht getragener Tonlage, als würde sie etwas vom Blatt ablesen, sagt:

“… haben diese Forderung nicht in der zugestandenen Zeit erfüllt, und wir sahen uns nicht in der Lage, eine Verlängerung zu gewähren. So wird nun Ihre Fähigkeit, Widerstand zu leisten, eliminiert, sodass im Anschluss der Extraktionsprozess beginnen kann. Sollten Sie die initiale Vernichtungswelle überleben, weisen wir Sie darauf hin, dass wir keinerlei Interesse an einer vollständigen Auslöschung Ihrer Spezies haben und Ihre fortgesetzte Präsenz tolerieren werden, solange sie den Prozess nicht beeinträchtigt.“

Während ihr (mutmaßlich) fassungslos der Durchsage zuhört, wird das Husten und Weinen aus der Zelle immer lauter.

„Wir werden nicht unnötig grausam sein, denn wir sind nicht Ihre Feinde, doch wir werden auf jeden Versuch des Widerstandes mit erbarmungsloser Effizienz reagieren. Dies ist das Ende unserer Nachricht an Sie. Sie wird ununterbrochen wiederholt in allen Ihren bedeutsamen Sprachen, bis die technische Infrastruktur für ihre Distribution zu existieren aufhört.“

Nach einer kurzen Pause beginnt eine männliche Stimme auf Italienisch zu sprechen, und fast zeitgleich hört ihr aus der Zelle hinter euch einen Schrei der Verzweiflung, den ihr keiner menschlichen Kehle zuordnen würdet, wenn ihr es nicht besser wüsstet.

Advertisements

Gib's mir!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: