Maroc around the clock

Ja. Ja, ich weiß. Aber mir fällt gerade kein besserer Titel ein. Ich bin offen für Vorschläge.

Zur Sache:

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Aber halt. So weit sind wir noch gar nicht. Erst mal haben wir von Fes gar nicht so viel gesehen. Unser sehr sympathischer Fahrer holte uns vom Flughafen ab, als es bereits dunkel war, und brachte uns direkt in unser Riad. Wenn ich das richtig verstehe, nennt man da Unterkünfte so, die etwas kleiner sind als ein Palast, aber etwas größer als ein Stadthaus, und die als Hotel fungieren, aber ein bisschen persönlicher mit ihren Gästen umgehen.

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An diesem ersten Abend haben wir nur von dessen Dach aus ein paar Fotos von Fes bei Nacht gemacht,

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um dann noch dort zu Abend zu essen. Was sich sehr bewährte. Wie wir etwas später herausfinden sollten, findet TripAdvisor unser Riad Andalib nämlich nicht nur als Hotel hervorragend, sondern auch als Restaurant, und wir können das bestätigen.

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Was man über marokkanisches Essen wissen sollte: Es ist per se … eher okay als hervorragend. Also. Ja. Klar, es ist ein bisschen absonderlich, so pauschal über die Küche eines ganzen Landes zu urteilen, und ich behaupte natürlich nicht, dass das ausnahmslos und immer und auf jeden Fall für jede und jede von euch gilt, aber es ist meine über eine Woche erworbene und mit verschiedenen anderen Marokkoreisenden abgeglichene und einhellig bestätigte Erfahrung: Die würzen da nicht so besonders interessant. Das Essen ist nicht schlecht, aber von sich aus ein bisschen langweilig, und ein gutes Beispiel dafür ist diese Suppe da oben, Harira, eine Ramadansuppe, die besonders für Fes typisch ist, glaube ich. Ramadansuppen sind diese, die man dann nach Sonnenuntergang isst in dieser albernen Phase, in der man tagsüber nicht darf, und die deshalb besonders lecker und nahrhaft sein sollen. Sie schmeckt wie eine typische, total gewöhnliche Rindfleischsuppe aus der Dose, wird aber interessanter dadurch, dass man sie mit den Datteln und dem äußerst süßen Gebäck kombiniert, das ihr weiter hinten auf dem Tisch liegen seht.

Und das ist auch der Clou, der uns die marokkanische Küche trotzdem in guter Erinnerung behalten lässt:

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Die Kombination aus süß und nichtsüß. Es gibt da diese so genannte Pastilla, die ein bisschen wie ein Blätterteigkuchen schmeckt, mit jeder Menge Zimt, den man meiner Meinung nach gar nicht überdosieren kann, und mit Puderzucker oben drauf, die aber hier zum Beispiel mit Fleisch gefüllt wird. Und natürlich Tajines wie diese da oben, mit Obst und Fleisch und Zitrone und so, und das ist dann super und macht richtig Spaß.

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Ebenfalls typisch für Marokko: Minztee, oder wie man ihn hier nennt: Minztee, nur auf Französisch. Der kommt klassisch in so einem silbernen Kännchen mit schwarzem Männchen und Minzpflanze im Glas, und sollte zügig getrunken werden, weil er am Anfang noch köstlich ist, mit zunehmender Ziehzeit aber bitter wird bis zur Ungenießbarkeit. Wahrscheinlich tut der Marokkaner deshalb gerne Unmengen an Zucker rein.

Letzte Vorbemerkung, was man auch noch über Marokko wissen sollte:

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Es ist echt nützlich, Kleingeld dabei zu haben, zumindest außerhalb Marrakeschs, aber dazu später mehr. Ein Euro ist ungefähr 11 Dirham wert, und diese Scheine, die man an den Geldautomaten bekommt, sind also 9 bis 18 Euro, und das ist viel zu viel, weil alles, was man realistischerweise bezahlen will, viel weniger kostet, und NIEMAND hat Wechselgeld. Was auch gleich der Grund ist, aus dem mein Ratschlag euch nichts nützt. Ihr kommt eh nicht an Kleingeld, also findet euch einfach damit ab, je nach eurer und anderer Leute Disposition Geld zu verschenken, oder peinlich berührt denen dabei zuzusehen, wie sie auf belebte Straßen laufen, um andere Fahrzeuge anzuhalten, um deren Fahrerinnen zu fragen, ob sie wechseln können, und ihnen im Gegenzug die Hand ihres erstgeborenen Sohnes anzubieten, oder so.

Jetzt aber zur Sache:

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Unser Herbergsvater hatte uns bei unserer Ankunft erklärt, dass Fes eigentlich ganz übersichtlich ist, weil man als Tourist eigentlich nur zwei Straßen sehen will, und man beginnt an diesem Tor hier und geht dann einfach runter ins Tal.

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Was ihr da seht, ist einigermaßen repräsentativ: schmale Gassen, kleine Läden und Marktstände mit Obst, Fleisch und Handwerk. In der Altstadt, natürlich. Es gibt auch neue Stadtteile, die so aussehen wie neue Stadtteile überall. Deswegen haben wir die nicht weiter beachtet.

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Übrigens, mir fällt gerade noch was ein, was typisch für Marokko ist: Da sind überall diese für Touristen natürlich verlockenden Moscheen, in die man aber nicht rein darf, wenn man nicht dem muslimischen Glauben angehört, wie auch immer das im Einzelfall überprüft wird. Unser Eindruck war, ähnlich wie in Europa und den USA, also nach Kleidung und Bart. Laut unserem Gastgeber kommt diese Regel daher, dass irgendein besatzungsmächtiger französischer General seinen Leuten untersagt hat, Moscheen zu betreten, um Konflikte zwischen Besatzern und Bewohnerinnen des Landes zu vermeiden, und dass die marokannischen Musliminnen und Muslime sich diese Regel so zu Herzen genommen haben, dass sie sogar heute noch gilt. Da weder unser Reiseführer noch eine kurze Google-Recherche eine belastbare Antwort geliefert haben, glauben wir das mal vorläufig noch, bis vielleicht jemand von euch uns eines Besseren belehrt.

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Ziemlich ubiquitär in Marokko sind auch Esel, was wir toll fanden, weil wir Esel mögen, und manchmal natürlich auch ein bisschen bedenklich, weil wir Esel mögen. Die werden hier nämlich mehr so als Gebrauchsgegenstände gehalten, und sehen manchmal auch ein bisschen mitgenommen aus. Hach. Das ist nicht so einfach, als Tourist in so armen Ländern. Ich meine. Ja, sicher, für die Leute da ist es auch nicht einfach, aber … äh, da, guckt mal, ein schönes Gebäude!

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Und da, Kunstgegenstände!

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Dieses Bild ist eigentlich nicht besonders interessant, auch wenn Gerbereien sich zu unserer Überraschung als meist gefragte (oder zumindest angebotene) Attraktion Marokkos herausstellten, aber es gibt eine kleine Geschichte dazu. Unser Gastgeber hatte uns im Rahmen seiner kleinen Einleitungsrede schon darauf hingewiesen, dass Guides überflüssig und unehrlich sind und man all die freundlichen jungen Männer (scheint es tatsächlich nicht in weiblich zu geben) einfach ignorieren sollte, auch wenns schwer fällt, um sie nicht zu ermutigen. Das taten wir dann auch bei dem jungen Mann, dessen linkes Drittel hier zu sehen ist, aber er stellte sich als erheblich geschäftstüchtiger als all die anderen heraus und folgte uns noch eine geschlagene Viertelstunde lang unter kontinuierlicher Eskalation seines Auftretens von „You looking for tannery, friend? I show you tannery!“ über „You took picture! You need to pay for picture!“ bis hin zu „You smile? You’ll not smile when I’m done with you! I’ll make you cry!“ Schließlich ließ er zwar doch ab und hinterließ nichts außer einem schlechten Eindruck und etwas Sputum auf meiner Jacke und meiner Hose, aber für eine Weile fühlte sich das Ganze fast ein bisschen abenteuerlich an.

Na gut, für sowas kann die Stadt aber natürlich nichts, und es tut ihrer Schönheit auch keinen Abbruch. Und mal ehrlich, schön ist das schon, oder?

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Das Tor da gehört zu einer Einrichtung namens Nejjarine Fondouk, war wohl früher mal eine Karawanserai und ist heute ein Museum für Holzarbeit und Kunsthandwerk, in dem man leider keine Fotos machen darf.

Von dort ist es nicht weit bis zu dieser wunderschönen und uralten Universität, die aber leider gleichzeitig eine Moschee ist, weshalb wir sie nicht betreten durften. Aber von außen macht sie doch ordentlich was her.

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Sehr wohl betreten darf man hingegen die alten Medersas, oder Koranschulen, in denen die Kinder früher den Quatsch lernten, den man dort dem Quatsch vorzog, den die Kinder bei uns lernten, oder so, und die sich besonders durch sehr schöne Innenhöfe auszeichnen:

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Und die Kronleuchter sind auch ganz nett, wenn auch manchmal arg niedrig:

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Alles mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet.

Und draußen gehts dann weiter, von kommerziell schick

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bis silenthillesque drittweltig.

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Und überall diese sympathischen Esel.

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Wir mögen die marokkanische Architektur echt gerne.

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bis unser Rundgang beendet war und wir pünktlich wieder in unserer Unterkunft eintrafen, um uns von unserem freundlichen Fahrer zu den etwas abgelegeneren Sehenswürdigkeiten bringen zu lassen, namentlich zum Beispiel dem Königspalast,

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der uns aber natürlich auch verschlossen blieb, sowie einem netten jüdischen Viertel,

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mehr eindrucksvollen Toren

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und dann einem mehr oder weniger strategisch wichtigen Turm, den man auch nicht betreten kann/darf, von dem aus man aber einen netten Blick auf die Stadt hat.

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Von dort ging es zu einer Töpferei, in der uns gezeigt wurde, wie große Krüge designt

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und Mosaike gelegt werden.

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Und dann noch, ihr konntet es sicher kaum erwarten:

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Endlich die Gerberei, von der wir die ganze Zeit unerfüllt nur hatten träumen dürfen.

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Falls euch solche Ausflüge angeboten wurden, zur Information, damit ihr selbst entscheiden könnt, ob ihr euch mit sowas wohlfühlt: Wir wurden dort mit großer Freundlichkeit hindurchgeführt und man erklärte uns gerne und ausführlich, was immer wir wissen wollten, und dann brachte man uns in den Verkaufsraum und schaute enttäuscht, als wir wieder gingen, ohne Mosaik, ohne großen Krug, und ohne Lederjacke. Es hat uns aber niemand angespuckt oder auch nur bedroht. Der Druck ergab sich hier eher aus der völligen Abwesenheit jeglichen Drohpotentials und den hoffnungsvollen Augen der Verkäufer/Führer. Also, ich mein nur. So war das.

Und dann, knapp bevor es dunkel wurde, schafften wir es zum zweiten kaputten Turm.

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Von der sahen wir wieder die Stadt, aber dieselbe, deswegen zeig ich euch stattdessen einen coolen Olivenbaum:

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Und dann ging es wieder nach Hause, zu einem weiteren köstlichen marokkanischen Dinner.

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Das nannte sich „gemischte marokkanische Salate“, ist aber eher antipastimäßig, also, auf den Tellern sind verschiedene mehr oder weniger gemuste Gemüse. Alle extrem köstlich, bis auf die Rauchaubergine. Lasst bloß die Finger von der Rauchaubergine. Die schmeckt, als hätte jemand mit Auberginenpüree einen Aschenbecher ausgewischt. Und das nicht nur, wenn sie schlecht zubereitet ist. Die muss so. Also, Genrefans greifen zu, der Rest … probiert nur mal kurz.

Die Rollen in der Mitte gehören übrigens nicht zu den Salaten. Die sind eine eigene Vorspeise, aber auch eine sehr leckere. Gefüllt mit Schafskäse oder Fleisch und so.

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Das ist wieder eine Tajine, aber diesmal eine ohne Obst, mit Hackfleisch und Ei, wenn ich mich richtig erinnere. Die war auch gut, aber wie gesagt, der richtige Hochgenuss kommt schon eher mit den Früchten.

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Und als Nachtisch hatten wir dann diesmal die süße Pastilla. Die sieht sehr lecker aus, schmeckte auch gut, hätte für mein Dafürhalten aber noch einen Tick cremiger sein können. Und es fehlte wieder ein bisschen Kontrast zu der fettigen Süße. Aber fein. Wirklich.

Und das war der erste Tag in Fes. Er war lang, ja. Aber schön. Und der nächste Beitrag wird etwas übersichtlicher. Ehrenwort.

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4 Responses to Maroc around the clock

  1. Senatssekretär FREISTAAT DANZIG sagt:

    Hat dies auf Aussiedlerbetreuung und Behinderten – Fragen rebloggt und kommentierte:
    Wie kommt es immer noch ein König und lebt von deutscher Technik, mit Strickmaschinen! Seefahre sind auch ausgegangen und Demokraten vierlieren auch da Stimme und Land! Glück, Auf, meine Heimat!

  2. Tania Folaji sagt:

    Schöne, lustige Fotos, danke!

  3. Muriel sagt:

    Sehr gerne. Danke für den netten Kommentar!

  4. […] Maroc around the Clock – überschaubare Relevanz Sehr unterhaltsamer Reisebericht über Fes (lest unbedingt die Bildbeschriftungen). Lustigerweise war ich letzte Woche auch erst dort! Fax to the Future – oder die Zukunft, die nie war – Gutjahr Was aus den Vorhersagen aus Zurück in die Zukunft II geworden ist. Über Kinder aus Ing – Max Scharrnig Schöner Text über München und seine Vororte. A Linguist Explains the Syntax of the F-Word – The Toast Warum Fuck als Schimpfwort kein Verb sein kann. […]

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