Waffen gegen Ideen

Neil Gaiman hat für Chris Riddell sowas geschrieben. Ich denke, ihr solltet ruhig mal kurz rübergehen und euch das anschauen, weil es nicht nur sehr gefällig geschrieben, sondern auch echt nett gesetzt und illustriert ist.

Habt ihr schon? Nein? Okay, ich warte.

Jetzt? Na gut. Wenn ihr halt partout nicht von hier weg wollt, was solls, ich kann das ja verstehen, dann fasse ich es euch knapp zusammen. Aber ich empfehle wirklich, es direkt von ihm zu lesen. Im Ernst jetzt. Ja schon gut.

Er schreibt, dass im Kampf zwischen Ideen und Schusswaffen immer die Ideen gewinnen, weil man Ideen nicht zerstören kann, und weil sie unsichtbar sind, und immer wieder kommen.

Und … wie gesagt, echt gefällig geschrieben, und ein feiner Gedanke, und ich hoffe, dass es stimmt, aber … ich glaubs nicht. Oder anders: Ich denke, das ist eine irreführende Gegenüberstellung.

Es sind niemals, auch jetzt nicht, Waffen gegen Ideen. Es sind immer Ideen gegen Ideen, denn Waffen kämpfen nicht von alleine, sie werden von Leuten geführt, die ihre eigenen Ideen haben.

Nun kann es wohl sein, dass die richtigen Ideen auf lange Sicht gewinnen, und die doofen irgendwann aussterben. Ich hoffe das sehr. Aber ich bin nicht sicher, ob die Geschichte der Menschheit dafür besonders zwingende Belege liefert, und, wie man so sagt, auf lange Sicht sind wir ohnehin alle tot.

Warum ich das schreibe? Weil ich glaube, dass wir alle verpflichtet sind, nach Kräften für die guten Ideen zu kämpfen, oder vielleicht hier weniger missverständlich, aber dafür etwas langweiliger, gerade deshalb aber auch sogar treffender: zu arbeiten. Denn das müssen wir. Wenn wir das nicht tun, dann können die falschen Ideen gewinnen, weil sind einfacher sind, emotional eingängiger, weil sie weniger Hintergrundwissen und epistemologische Infrastruktur erfordern. Sie haben auch nicht den Nachteil, durch Wahrhaftigkeit und Anstand begrenzt zu sein.

Und außerdem sind sie erfahrungsgemäß oft die mit den Waffen.

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15 Responses to Waffen gegen Ideen

  1. Und außerdem sind sie erfahrungsgemäß oft die mit den Waffen.
    Das liegt daran, daß die mit den (möglicherweise) besseren/guten Ideen oft der Illusion erliegen, daß Ideen auch gegen Waffen schützen.

    Viel besser ist es jedoch, gute Ideen zu haben, zu verteidigen, zu verbreiten und – für den Fall der Fälle – eine Waffe zu haben. Möglich, daß es in den Redaktionsräumen von Charlie Hebdo weniger Tote gegeben hätte, wenn die Leute sich hätten wehren können. So aber haben sie einfach nur wehrlose Zielscheiben für die Verrückten abgegeben.

    Es ist doch viel schöner, wenn man weiter gute Ideen entwickeln kann, statt sich als Märtyrer für die Meinungsfreiheit mißbrauchen lassen zu müssen, oder?

  2. Muriel sagt:

    @lawgunsandfreedom: Ich würde dir vom Grundsatz sogar zustimmen, bin aber zum Beispiel nicht konkret von der These überzeugt, dass es eine gute Idee für die Mitglieder der Redaktion gewesen wäre, sich zu bewaffnen.
    Je niedriger das Risiko, vor dem man sich verteidigen müsste (und es ist in Staaten wie Frankreich ja schon arg niedrig), desto schwerer wiegt im Vergleich das Risiko, das der Waffenbesitz mit sich bringt.
    Kennst du eventuell passende Statistiken?

  3. @Muriel
    Es gibt einiges an Statistiken und Studien. Die seriösen Daten muß man sich aber selbst zusammensuchen, da Zahlen und Studien von NGOs wie Small Arms Survey, Oxfam, IANSA, etc. im Allgemeinen grobe Fehler enthalten. Diese Organisationen arbeiten leider nicht sauber und sind auch nicht neutral. Sogar das BMI hat das inzwischen gemerkt und verwendet die „Informationen“ dieser Lobby-Gruppen nicht mehr.

    Der legale Waffenbesitz ist ein ausgesprochen minimales Risiko für die Gesellschaft. In Frankreich z.B. ist es ein Bürgerrecht, eine Schrotflinte für die Heimverteidigung zu besitzen. Nicht allzuviele städtische Franzosen machen von diesem Recht Gebrauch, aber diejenigen die das tun, tauchen in keiner Kriminalstatistik auf. Ganz selten mal Beziehungstaten, bei denen das Tatmittel aber eh zweitrangig ist, ebenso wie bei den Suiziden. Auch in Frankreich – wie auch anderswo – sind eher illegale Waffen ein Problem.

    Für Deutschland habe ich bessere Zahlen, da ich mich vor allem mit dem deutschen Waffenrecht beschäftige. Von den ca. 130 Fällen von Waffenmißbrauch jährlich geht nur eine niedrige, einstellige Zahl auf das Konto von Legalwaffen. Das kann man in der polizeilichen Kriminalstatistik nachlesen. Die restlichen Fälle beziehen sich auf illegale Waffen. Wirft man einen Blick in die Todesursachen-Statistik des Bundesamtes für Statistik, findet man heraus, daß Schusswaffen als Todesursache ausgesprochen weit hinten angesiedelt sind. Das BKA gibt zusätzlich das Bundeslagebild Waffenkriminalität heraus. Die Waffenrechtler kämpfen seit Jahren darum, daß die Zahlen nicht agglomiert, sondern – wie in anderen Ländern – endlich mal sauber aufgeschlüsselt werden.

    Wenn man jetzt weiß, daß es ca. 5,5 Millionen legale Waffen, aber mindestens 20 – 30 Millionen illegale Waffen in Deutschland gibt, dann ist der Waffenmißbrauch (~130 Fälle in 2013 bezogen auf Feuerwaffen) als ausgesprochen gering zu bezeichnen. Ähnliches gilt auch für europäische Länder mit wesentlich liberalerem Waffengesetz (das sind so ziemlich alle, außer England wo viel verboten ist, aber trotzdem die meisten Verbrechen mit illegalen Waffen geschehen). Am liberalsten ist Tschechien, wo jeder Volljährige mit Waffensachkundeprüfung, ohne Vorstrafen oder sonstigen Auffälligkeiten, sich zwei Kurzwaffen zur Selbstverteidigung zulegen kann. Der Nachrichtenfokus der Deutschen liegt ja nicht auf Tschechien, aber man würde etwas über Amokläufe und Schießereien hören, wenn sie denn stattfinden würden. Schießen ist dort Schulfach ab der 3. Klasse. So gut wie jeder kann dort mit Waffen umgehen und mystifiziert sie nicht, so wie das in Deutschland häufig geschieht.

    Trotz des durchaus nicht geringen Waffenbesitzes (sowohl legal, als auch illegal) in den europäischen Ländern, liegt der Missbrauch je Land im niedrigen, einstelligen Promille-Bereich. Auf ganz Europa hochgerechnet gibt es jährlich ca. 1000 Tote durch Schusswaffen (bei einer Einwohnerzahl von ~742,5 Millionen) und die allermeisten Fälle gehen auf das Konto von Verbrechern mit illegalen Waffen.

    Besitzer von legalen Waffen neigen übrigens nicht dazu sie zu mißbrauchen – im Gegenteil. Waffenbesitz verändert die Wahrnehmung und auch den Charakter: https://lawgunsandfreedom.wordpress.com/2013/05/30/ethics-from-the-barrel-of-a-gun/

    Besser eine Waffe haben und sie nie zu benötigen, als eine zu brauchen und sie dann nicht zu haben. (Das Prinzip kennen wir ja vom Versicherungswesen).

    [1] Bundeslagebild Waffenkriminalität:
    https://lawgunsandfreedom.wordpress.com/2014/06/27/bundeslagebild-waffenkriminalitat-fur-2013-veroffentlicht/„>

    [2] Waffenmißbrauch in England steigt in 10 Jahren um 89%
    http://www.dailymail.co.uk/news/article-1223193/Culture-violence-Gun-crime-goes-89-decade.html

  4. tinyentropy sagt:

    Die Überlegenheit der Ideen ist eine romantische Vorstellung. Die NS-Zeit und Nordkorea zeigen uns, wie sehr man unbequemes Gedankengut zurückdrängen kann. Nun mag man sagen, dass Ideen trotzdem nicht sterben, so lange sich die Menschen in so einem System noch daran erinnern können. Aber gerade deshalb sind Ideen ’sterblich‘ und bedroht, weil wir Menschen es sind. Atomwaffen sind auch Waffen. Sie haben durchaus das Potenzial alles zu zerstören, die Menschheit und mit ihr die Ideen.

  5. Muriel sagt:

    @lawgunsandfreedom: Danke für die Übersicht. Ich bin nicht sicher, ob deine Zahlen deine Schlussfolgerung hergeben.
    Ist es zum Beispiel so, dass in Ländern mit liberalem Waffenrecht weniger Menschen durch Kriminalität umkommen, werden bewaffnete Menschen erheblich seltener Opfer von Gewalttaten, oder gibt es einen anderen Vergleich, der uns zu dem Ergebnis führen würde, dass es eine gute Idee wäre, sich eine Schusswaffe zuzulegen?

  6. Gute Frage. Nicht ganz so einfache Antwort: Wenn ein Verbrecher nicht weiß, ob sein potenzielles Opfer bewaffnet sein könnte, dann macht er eine Kosten/Nutzen-Rechnung auf. Wenn das Opfer sich wehren könnte – evtl. sogar effektiv wehren könnte, dann sucht sich der Verbrecher lieber ein leichteres Opfer.

    Wenn ich die Wahl hätte – würde ich lieber einen unsportlichen Computer-Nerd ausrauben, oder einen Typen, der die Statur eines Preisringers hat? Als Opfer zieht man natürlich Pazifisten vor, schwächliche Jugendliche, aber vor allem Frauen und alte Leute. Da gibt es recht gute kriminologische Untersuchungen. (Allerdings nicht die von Chr. Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen. Der gilt unter den Kriminologen als nicht seriös).

    Ich habe einige Beispiele aus Amerika.

    Seit den 80ern wurden in den USA in immer mehr Staaten das „concealed carry“ (das verdeckte tragen von Waffen) erlaubt. Dazu braucht es in den meisten Staaten eine Lizenz von den Behörden. (Die USA sind etwa so aufgebaut wie die EU. Washington hat in den Bundesstaaten teilweise weniger zu sagen als die EU-Kommision bei uns. Jeder Bundesstaat hat ein eigenes Waffengesetz, das noch mal je nach Bezirk oder Stadt differieren kann. Von Totalverbot bis superliberal ist alles vertreten. Die meisten Verbrechen finden in Gegenden mit strengem Waffengesetz statt).

    Atlanta: Als in Atlanta und Umgebung die Kriminalität und das Gang-Unwesen durch die Polizei nicht mehr beherrschbar schien und das CCW (concealed carry) Gesetz verabschiedet wurde, legten sich rund 4.000 Frauen eine Waffe zu und besuchten die vorgeschriebenen Kurse bei der Polizei. Die Medien berichteten darüber. Daraufhin brach die allgemeine Gewaltkriminalität (Raubüberfälle, etc.) innerhalb weniger Wochen um über 70%, die Zahl der Vergewaltigungen um über 80% ein. Atlanta hatte damals inklusive Einzugsgebiete, Vorstädte und Speckgürtel knapp 5 Mio. Einwohner.

    In Chicago herrschte bis vor kurzem ein recht striktes Waffengesetz. Gesetzestreue Zivilisten kamen nur sehr schwer an Waffen und durften diese auch nicht zur Selbstverteidigung führen. Der neue Polizeichef änderte die Regeln und die Verbrechensrate fiel drastisch:
    http://www.washingtontimes.com/news/2014/aug/24/chicago-crime-rate-drops-as-concealed-carry-gun-pe/?page=all

    Als das Städtchen Kennesaw in Georgia (in der Nähe von Atlanta) 1982 ein Gesetz einführte, das jeden Haushaltsvorstand verpflichtete eine Waffe im Haus zu haben und einmal im Monat damit zu üben, fiel die ohnehin relativ geringe Verbrechensrate fast auf Null und das hat sich seitdem kaum geändert, obwohl aus dem beschaulichen 4.500-Seelen-Städchen inzwischen eine Stadt mit über 30.000 Einwohnern geworden ist.

    Seit den 80er Jahren fällt die Gewalt- und Waffenkriminalität in den USA kontinuierlich – bei gleichzeitiger starker Zunahme der Waffendichte. Am stärksten und schnellsten fielen die Verbrechenszahlen in den Bundesstaaten, in denen „concealed carry“ freigegeben wurde.

    Schweiz: Trotz der höchsten Waffendichte pro Kopf in Europa ist die (Waffen-)Kriminalität geringer als in anderen Ländern.

    Österreich: In manchen Gegenden (vor allem in Wien) ufert das Verbrechen aus. Trafikanten (Kioskbesitzer) dürfen in ihren Kiosken Waffen tragen, wenn sie welche besitzen. Diese Kioske werden eher selten überfallen. Das spricht sich in Verbrecherkreisen rum und nur sehr dumme Exemplare probieren es trotzdem … und fangen sich gelegentlich eine Kugel ein.
    http://derstandard.at/1262208866102/Wien-Leopoldstadt-Trafikant-erschiesst-bewaffneten-Raeuber

    In Deutschland sind die Landkreise am sichersten, in denen die höchste Waffendichte herrscht. In Großstädten, in denen die Zahl der legal besessenen Waffen weit geringer als auf dem Land ist, finden die meisten Verbrechen mit illegalen Waffen statt.

    Klar, daß da noch etliche andere Faktoren mitspielen, die man nicht außer Acht lassen darf. Unterschiede zwischen Stadt und Land, soziale und gesellschaftliche Brennpunkte, etc. Leider gibt’s kaum keine ordentlichen Studien über das Thema. Man muß sich alles selber zusammensuchen und kann bestenfalls eine Annäherung an die tatsächlichen Zustände erreichen. Das verfügbare Datenmaterial gibt einfach nicht mehr her.

    Schwierig zu finden sind zuverlässige Quellen vor allem auch deswegen, weil ein abgewehrtes oder durch einfaches „Zeigen der Waffe“ verhindertes Verbrechen selten gemeldet wird und noch seltener von den Medien beachtet wird.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Defensive_gun_use

    Fazit: Es gibt etliche gute Belege dafür, daß Waffenbesitz Verbrechen verhindern oder zurückdrängen kann. Saubere Zahlen oder gar Studien darüber sind auch in den USA rar, für Europa dagegen gibt’s so was überhaupt nicht. Vereinzelte soziologische und psychologische Studien werden meist von „Wissenschaftlern“ gemacht, denen sogar ein Laie erschreckende methodische Fehler nachweisen kann. Ich hatte vor kurzem eine Meta-Studie in der Hand dessen Autor von der absoluten Richtigkeit der von ihm untersuchten Studien ausging. Daß alle seine Quellenstudien großer Mist waren, hat ihn anscheinend nicht gestört. Unter „wissenschaftlichem arbeiten“ verstehe ich etwas anderes. Leider gibt es etliche Studien dieser Art, die kritiklos und unüberprüft angenommen werden, weil sie die gängigen Vorurteile stützen.

    [1] https://lawgunsandfreedom.wordpress.com/2014/07/26/statistik-der-zusammenhang-zwischen-waffen-und-gewaltverbrechen/

    [2] https://lawgunsandfreedom.wordpress.com/2014/02/12/statistik-mit-stolpersteinen/

  7. […] wir alle müssen uns der Verantwortung stellen. Und deshalb ist es umso bedauerlicher, wenn Menschen wie Sie, die die Chance hätten, etwas […]

  8. Muriel sagt:

    @lawgunsandfreedom: Das ist natürlich alles arg anekdotisch, aber ich würde zumindest insoweit mitgehen, als ich an einer soliden Studie auch großes Interesse hätte, weil ich für beide Seiten halbwegs überzeugende Argumente sehe und mir derzeit eigentlich keine völlig unplausibel vorkommt.

  9. @muriel
    Ja, das ganze Thema ist verzwickt und komplex. Da muß man sich schon sehr tief einarbeiten um sich eine echte Meinung bilden zu können (Was ich getan habe und weiterhin tue – es besteht ja immer die Möglichkeit, daß die Waffengegner mal wirklich ein sachlich und fachlich überzeugendes Argument bringen. Allerdings habe ich die gängigen „Argumente“ analysiert und bisher so gut wie nichts gefunden, was man ohne Gegenargument akzeptieren könnte).
    Die gängigsten Thesen habe ich hier mal gesammelt:
    https://dl.dropboxusercontent.com/u/5278508/Waffen_Fragen_Antworten.pdf

    Waffengegner argumentieren fast immer emotional – Waffenbefürworter dagegen meist rational. Es ist sehr schwierig, jemanden, dessen ganze Argumentation auf Emotionen, Datenfragmenten, Vorurteilen, Ideologie und feststehenden Meinungen aufgebaut ist, die tatsächliche Faktenlage nahezubringen. Da meist auf völlig unterschiedlichen Ebenen diskutiert wird, ist echte, sachliche Argumentation so gut wie immer zum scheitern verurteilt.

    Eine der aktuellsten Studien für Deutschland findest Du hier:
    http://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2013/0483/pdf/dcw.pdf

    Klar, daß ich da als Waffenbesitzer etwas befangen bin. Allerdings bemühe ich mich sehr die Standpunkte der anderen Seite zu verstehen und darauf einzugehen. Nur nützt das nichts, wenn sich die andere Seite partout nicht bewegen und stur ihren Willen durchsetzen will. Mit logischen und guten fachlichen, sachlich vorgetragenen Argumenten kommt man da nicht gegen an. Man kann ja nicht mal auf derselben Ebene diskutieren, wenn die Waffengegner sich weigern, sich überhaupt ernsthaft mit dem Thema zu beschäftigen. So gut wie alles, was aus dieser Richtung kommt ist entweder emotional oder ideologisch.

  10. Muriel sagt:

    @lawgunsandfreedom:

    Waffengegner argumentieren fast immer emotional – Waffenbefürworter dagegen meist rational.

    Och komm. Ich will dich ja wirklich ernst nehmen, und meistens schaffe ich das auch, und ich sehe, dass deine Position ja durchaus eine gewisse Plausibilität hat, aber das ist doch nun wirklich, also, du kennst Fox News, oder? Du hast mal von der Tea Party gehört?
    Ich kenne die Debatte nicht besonders gut, weil die Waffenfrage relativ weit unten auf meiner Interessenliste rangiert, aber ich glaube, da dramatisierst du jetzt ein bisschen. Insbesondere beim letzten Teil deiner These.

  11. @muriel
    Fox News und Tea Party interessieren mich nicht besonders. Ich bin mehr an Fakten interessiert. Daß „die Amis“ allgemein eher emotionaler und oft auch oberflächlicher agieren als Deutsche, ist mir bekannt (ich habe genügend Verwandte „drüben“). Wie die sich teilweise in Fernsehinterviews/Talkshows anmachen ist schon seltsam. Aber solche Figuren, die in der einen Hand eine Bibel und in der anderen ein Gewehr halten und dabei brüllenderweise krudes Zeug von sich geben, wirst Du in Deutschland eher nicht finden. (Mal davon abgesehen, daß sich die Medien hüben und drüben auch nur die ganz extremen Charaktere rauspicken. Die Tea Party-Bewegung ist etwa so inhomogen wie die Freien Wähler in Deutschland. Die meisten von denen haben eher lokale oder regionale Interessen.)

    Ich beschäftige mich seit über 30 Jahren mit dem Thema. Da sieht man die Verhaltensmuster der Waffenbefürworter und der Waffengegner mehr als deutlich. Klar gibt es auch Waffenbefürworter, die kaum Fakten haben und sich nicht richtig artikulieren können. Aber die finden sich unter den aktiven Schießsportlern nach meiner Erfahrung eher selten.

    Auf der anderen Seite dagegen finde ich eine Mehrzahl von Waffengegnern, die überemotional, unsachlich und uninformiert agieren.
    https://lawgunsandfreedom.wordpress.com/2012/06/15/die-unterschiedlichen-typen-von-waffengegnern-und-wie-man-sie-dazu-bringt-ihre-meinung-zu-andern/

    Aber das ist ja nicht so wichtig. Waffen und Waffenbesitz sind in Deutschland eher ein Randthema, das sich gut dazu eignet die Leute zu emotionalisieren und auch das nur, wenn grade mal wieder einer der sehr seltenen Mißbräuche mit legalen Waffen geschehen ist. Über illegale Waffen regt sich kaum jemand auf. Das wird hingenommen, obwohl damit wesentlich mehr passiert (aber immer noch nicht wirklich viel).

    Wenn man sich gründlicher mit dem Thema beschäftigt, dann fällt einem diese kognitive und argumentative Dissonanz schon sehr auf.

  12. Muriel sagt:

    @lawgunsandfreedom: Ich halte das sogar für plausibel, weil Vertreter der Mehrheitsmeinung oft gar nicht einsehen, warum sie ihre Position irgendwie schlüssig begründen sollte, wo sie doch so offensichtlich im Recht sind. Aber ich sehe schon auch ein paar sehr überzeugende Argumente auf Seiten derer, die freiem Waffenbesitz eher nicht so offen gegenüberstehen, und würde aus allgemeiner Lebenserfahrung anzweifeln, dass es irgendwo in der Welt eine Position zu einer großen öffentlichen gibt, deren Vertreter „meist rational“ argumentieren, weil unsere großen öffentlichen Debatten einfach leider nicht so laufen.

  13. @Muriel
    Das „offensichtlich im Recht sein“ … das ist halt oft das Problem und je weiter man sich die politische Hierarchie hinaufbewegt, desto weniger echte Sach-Argumente findet man. Da dominieren Meinungen und Überzeugungen, einseitige Ansichten und Vorurteile. Da stimme ich völlig zu. Vieles davon kommt aus dem Bauch raus und das ist normal, weil die allermeisten Menschen nun mal emotional gesteuert sind und nicht rational. Sogar im Wissenschaftsbetrieb findet man diese Verhaltensweisen. Das ist ein Problem unserer evolutionären Entwicklung.

    Wenn ich mir aber die Anhörung von Experten im Innenausschuss zum Waffenrecht anhöre, dann kommen von denen sachliche und gut begründete Aussagen, während von den Politikern vor allem Meinung und Ideologie kommt. Man sieht und hört den Abgeordneten an, daß es ihnen nicht passt, daß ihre Meinung mit den Fakten kollidiert.

    Welche Argumente der Waffengegner überzeugen Dich? (Keine rhetorische Frage – interessiert mich wirklich).

    PS: Waffenbesitz für Suchtabhängige, einschlägig bekannte oder verurteilte Gewalttäter und Leute, die weder die geistigen noch die körperlichen Voraussetzungen zum Waffenbesitz erfüllen ist ja längst ausgeschlossen. Das würde ich auch nicht ändern wollen.

  14. Muriel sagt:

    @lawgunsandfreedom: Wir waren uns ja weitgehend drüber einig, dass es an belastbaren empirischen Daten fehlt. Vor dem Hintergrund finde ich zumindest die These recht plausibel, dass der Besitz von Waffen gefährlicher ist als die Bedrohungen, vor denen man sich durch ihn zu beschützen gedenkt.
    Das heißt nicht zwangsläufig, dass ich es für gerechtfertigt halte, Waffenbesitz zu verbieten, weil ich da die Beweislast klar bei der Person sehe, die ein Verbot fordert.

  15. @muriel
    Well, damit kann ich gut leben 😉

    Was die Beweislast der Verbotsforderer angeht … nun, die haben keine Beweise sondern nur ihre Ängste und ihre emotionale Betroffenheit. Trotzdem setzen sie sich damit durch. Damit kann ich weniger gut leben …

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