Oscar Buzz

Nun ist es ja offenbar schon wieder bald so weit, dass die Academy Awards verliehen werden, und allenthalben wird spekuliert und besprochen, was ich teilweise sehr albern finde, weil doch offensichtlich ist, dass Boyhood mindestens überall dort gewinnen muss, wo es nominiert wurde. Es hat immerhin zwölf Jahre gedauert, das zu filmen.

Dennoch habe ich so eine Frage, die mich schon lange umtreibt, und von der ich gerne wüsste, ob sie wirklich so selten öffentlich diskutiert wird, wie es mir scheint, oder ob ich es lediglich nicht mitkriege:

Warum eigentlich sind die Awards für Schauspieler(innen) in eine männliche und eine weibliche Kategorie unterteilt? Ihr wisst das bestimmt, weil nach meiner Erfahrung so ziemlich jeder Mensch auf der Welt sich mehr für die Academy Awards interessiert als ich, vielleicht mit wenigen Ausnahmen wie Louis XIV oder so, aber es gibt ja die Kategorien „Actor in a leading role“ und „Actor in a supporting role“, sowie darunter (Ja, natürlich darunter.) die Kategorien „Actress in a leading role“ und „Actress in a supporting role“. Und ich verstehs nicht. Warum sind das verschiedene Sachen? Tun Schauspielerinnen irgendwas grundsätzlich anderes als Schauspieler?

Und falls jetzt jemand von euch darauf hinweist, dass es ja vielleicht darum geht, Schauspielerinnen dadurch in einer von Männern dominierten Branche die Chance zu geben, dann könnte ich das einerseits nicht völlig von der Hand weisen, würde aber schon gerne anmerken wollen, dass aus meiner sicherlich eher ahnungslosen Perspektive gerade im Bereich Schauspiel die Dominanz der Männer sicherlich noch viel geringer sein dürfte als etwa bei der Regie [Nominiert: Alejandro G. Iñárritu, Richard Linklater, Bennett Miller, Wes Anderson, Morten Tyldum] oder den Drehbüchern [Nominiert: Dan Gilroy, (Alejandro G. Iñárritu, Nicolás Giacobone, Alexander Dinelaris, Jr. & Armando Bo), Richard Linklater, (E. Max Frye and Dan Futterman), (Wes Anderson & Hugo Guinness)], und dass es trotzdem in diesen Kategorien keine Trennung zwischen Männern und Frauen gibt. Man hätte also so oder so was zu diskutieren.

Und dass diese Debatte nicht öffentlichkeitswirksamer stattfindet, wundert mich auch. Nicht, weil ich persönlich die Awards jetzt für ein irre wichtiges Thema halte, aber so ziemlich alle unsere Medien zum Beispiel scheinen das ja zu tun. Da wäre doch bestimmt auch irgendwo Platz für sowas, wenn man dafür vielleicht einen Artikel weniger drüber schreibt, was Reese Witherspoon wohl am entscheidenden Abend für ein Kleid tragen wird.

Oder was meint ihr?

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11 Responses to Oscar Buzz

  1. recotard sagt:

    Ich kann das nicht nicht dokumentarisch belegen, vermute aber, dass die AMPAS als Industrie-Verein einfach ihren Zugpferden und -pferdinnen auf diese Weise doppeltes Rampenlicht verschaffen wollte.

  2. Muriel sagt:

    @recotard: Naja. Erstens sind Regisseure [sic, nach meiner Erfahrung] ja oft genug mindestens ebenso zugkräftig, und zweitens hätte man das ja auch auf hundert andere Arten machen können. Bester Schauspieler in einer Superheldenrolle, beste Darstellerin in Rollschuhen, bester Darsteller asiatischer Abstammung …

  3. recotard sagt:

    Wir reden von einer Tradition aus dem Jahr 1927. Um Regisseure kümmerte sich das Publikum damals – ehe die Herren Hitchcock und Preminger sich selbst zu Markenfiguren formten – herzlich wenig. Dass die ganze Veranstaltung ein einziger Witz ist, erübrigt sich gewiss hinzuzufügen.

  4. Muriel sagt:

    @recotard: Ja gut. Mein Vorschlag richtet sich auch weniger darauf, dass es niemals so gewesen sein darf, auch wenn das nett wäre. Mir würde völlig reichen, wenn heute jemand drüber spräche oder es vielleicht sogar änderte.
    Trotzdem ein interessanter Einwurf, dass damals natürlich vorrangig die Schauspieler zählten und womöglich noch niemand auf die Idee gekommen war, einen Film damit zu bewerben, dass sein Produzent mal mit der Schwägerin des Freundes eines Bekannten von jemandem essen war, der mal den Regisseur von Iron Man im Fitnessstudio gesehen hat.

  5. tinyentropy sagt:

    Je mehr Frauen, desto besser, würde ich als Zuschauer sagen 😛 Am besten sollten nur weibliche Zwillingspaare mit mindestens vier Brüsten ausgezeichnet werden!

  6. whynotveroni sagt:

    Ich denke, dass diese Vorgehensweise neidfrei ist. So muss niemand beim Vergeben der Awards erst ueberlegen, wieviele weibliche und männliche Nominierungen es in der letzten Zeit gegeben hat, und dann abschätzen, ob es politisch vertretbar ist, jemanden des einen oder des anderen Geschlechts zu wählen. Es kann sich keiner beschweren, dass „schon wieder ein Mann/eine Frau“ nominiert wurde und irgendwelche Bevorzugungen unterstellen. Ist eigentlich albern, aber so bestimmt einfacher für die Juroren. Denke ich mal…

  7. Muriel sagt:

    @whynotveroni: Ja klar. Aber abgesehen davon, dass sie nur in Bezug auf einen einzigen Aspekt so funktioniert, gibt es doch keinen Grund, dieses Problem nur beim Schauspiel umgehen zu wollen, nicht aber bei Regie, Drehbuch, Maske und Musik. Oder?

  8. whynotveroni sagt:

    Hm, hast du recht. Warum denkst du denn, dass es einen logischen Grund geben soll?
    Es gibt genug Stellen, wo ein Konzept nicht durchgezogen wurde…

  9. Muriel sagt:

    @whynotveroni: Dieser Satz ist ja mehrfach deutbar. Dass Leute allerlei Quatsch machen, der keinen Sinn ergibt, ist mir natürlich neu. Ich finde es trotzdem wünschenswert, drüber zu reden.

  10. David sagt:

    Die Idee war wahrscheinlich, alles zur Oskarkategorie zu machen, das zu einem typischen Film dazu gehört und irgendwie wichtig ist (Regisseur: irgendwie wichtig, Catering am Set: irgendwie nicht so), und zum run-of-the-mill Hollywood-Produkt gehören halt ein Männchen und ein Weibchen in den Hauptrollen. Bei den Nebendarstellern ist es dann wohl einfach Analogie.

  11. whynotveroni sagt:

    @muriel: Ja schon, aber schade, dass wir alle nur mutmassen können.

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