Aufs Maul?

17. Januar 2015

Das Staatsoberhaupt des Vatikans kann offenbar ein paar Dinge nicht auseinanderhalten, und Rainer Hermann pflichtet ihm in der FAZ freudig bei. Das soll mir reichen, um selbst auch kurz und kompakt Stellung zu beziehen.

Viele Menschen ziehen über Religion her, das kann passieren, hat aber Grenzen

sagt der oberste Brückenbauer, was ja vieles heißen könnte, er erklärt aber auch gleich, was er damit meint:

Jede Religion habe eine Würde, über die man sich nicht lustig machen könne.

Naja. Doch. Und damit wäre dieser Teil auch komplett beantwortet. Wer mehr will, wird bei Recotard fündig, den ich euch übrigens auch generell und immer ans Herz legen würde, denn wer sein Blog nicht abonniert hat, dem entgeht was. Aber Franziskus (Ich würd ihn ja mit vollem Namen schreiben, aber ich habe den Eindruck, dass er das nicht will, und kenne den außerdem gar nicht.) hat damit immer noch nicht aufgehört:

Zur Veranschaulichung zog der Papst daraufhin Parallelen zu seiner Mutter.

Nein! Nein, nicht so! Anders! Anders!

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10 Dinge, die ihr nicht über die Realität wusstet

15. Januar 2015

Wir hatten das ja hier schon öfter: Es gibt so Leute, bei denen ich mich frage, ob es irgendeinen sinnvollen Bezug zwischen ihrer Welt und meiner gibt. Ob wir in Realitäten leben, die einander irgendwo berühren, oder ob sie vollständig voneinander getrennt sind und nur auf sonderbare Weise über Papierzeitungen und ihre Online-Ableger gelegentlich in kaum spürbare Wechselwirkung treten.

Alexandra Borchardt ist für mich wohl so ein Mensch und hat für die Süddeutsche Zeitung in Anlehnung an Andrew Keens neues Buch „The Internet is not the Answer except if the question is where did you order those shoes“ einen Artikel mit dem Titel „Weniger Freiheit, Mehr Geheimnis“ geschrieben, von dem ich euch einerseits berichten will, weil er mich erschaudern lässt vor Ehrfurcht, zu dem ich andererseits aber wenig zu sagen weiß, weil eigentlich jedes zusätzliche Wort schon den Zauber dieses Einblicks in Frau Borchardts Paralleldimension schmälert.

Worum es geht? Das fasst Frau Borchardt uns ziemlich zu Anfang sehr konzise zusammen. Sie geht der Frage nach:

Wie schaffen es offene Gesellschaften, mithilfe des Netzes die Demokratie zu stärken?

Fragen wir uns ja alle jeden Tag. Ihr seid deshalb bestimmt nicht weniger gespannt als ich auf die Antworten, und ich glaube, ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage: Ihr werdet nicht enttäuscht.

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Gerüchteschleuder

12. Januar 2015

Erinnert ihr euch noch?

An die gute alte Zeit?

In der Menschen sich nicht verunsichert fragten, wo es zur Wahrheit geht, und in der die eingebildete Wahrheit keine Chance gegen die nüchternen Fakten hatte, weil überall Wegweiser zur zuverlässigen Information standen, beschriftet in einer Sprache, die jeder verstand?

Nun, Pepperidge Farm die FAZ erinnert sich. Und ihr Autor Matthias Müller von Blumencron weiß natürlich genau, woran es liegt, dass diese Wegweiser abgebaut wurden:

Seit Facebook für Millionen das Betriebssystem des Internets geworden ist, haben sich die Verhältnisse grundsätzlich gewandelt.

Und seitdem gilt:

Infofetzen fliegen heute vor den Netznutzern entlang wie Herbstlaub im Sturm. Woher sie eigentlich kommen, von welchem Baum sie stammen, ob sie authentisch oder manipuliert sind, ob sie sauber recherchiert oder mehr oder weniger geschickte Propaganda sind, lässt sich immer weniger feststellen. Und es scheint auch eine immer geringere Rolle zu spielen.

Und falls ihr euch jetzt fragt, wo ihr das nachlesen könnt, dann zeig ichs euch gerne. Es steht gleich hier vorne auf der Startseite:

Der Islam gehört zu Deutschland

 

Rechts oben, direkt neben diesem anderen großen Artikel, der … naja.

Das Medium an sich hat keine Qualität. Es kommt darauf an, wie es genutzt wird.

Wo er Recht hat, hat er Recht.

 


Je suis Muriel

11. Januar 2015

Ich schwöre, ich hab das Bild erst gesehen, nachdem ich den Titel schon geschrieben hatte.

Whoa. Diese Charlie-Hebdo-Geschichte ist für mich schon wieder so eine, bei der man nicht so richtig weiß, wen man zuerst und am heftigsten beschimpfen soll. Bei den Terroristen und den Antiislamisierungshonks ist das sicher noch am offensichtlichsten, aber auch die „Je suis Charlie“-Fraktion weckt in mir einen latenten Hass. Gut, der ist natürlich teilweise nicht gerechtfertigt und wächst aus meinem eigenen pathologischen Nonkonformismus, der mich immer ganz grantig gegen alles sein lässt, was ansonsten einhelliger Konsens ist, so richtig und vernünftig es auch sein mag. Aber nicht nur.

Es ist ja nicht schwer, das Elend zu illustrieren. Es gibt zahllose Beispiele. Ich habe jetzt gerade diese am bequemsten zur Hand:

http://www.sueddeutsche.de/kultur/sz-karikaturen-zu-charlie-hebdo-man-ist-nicht-mehr-frei-1.2298209#7

Ist das nicht schrecklich? Wirklich jede einzelne davon? Ich meine, das ist sicher Geschmackssache, aber ich würde mich doch sehr wundern, wenn irgendjemand diese Karikaturen aufrichtig lustig oder auch nur geistreich fände, spätestens nachdem sie den „Es ist ja für eine gute Sache“-Bonus rausgerechnet hat. Dass es besser geht, will ich auch nicht verschweigen, das hat die Titanic mit ihrem Liveticker in eigener Sache geschafft, und dann gleich anschließend wieder gar nicht.

Und ich glaube, das ist aus ungefähr dem gleichen Grund so, aus dem Scheibenwischer so grässlich unangenehm anzuschauen war.

Humor wird (zumindest für mich) sehr peinlich und schmerzhaft, wenn man ihm anmerkt, dass er sich selbst schrecklich ernst nimmt. Wenn ihm aus jeder Faser das Miasma des Bewusstseins der eigenen zivilisationserhaltenden Bedeutung steigt und Augen und Nase mit seinem süßlich-fauligen Aerosol verklebt. Deshalb ist in meinen Augen der Titanic-Newsticker die bisher einzige humoristische Reaktion auf die Anschläge in Frankreich, mit der ich mich wohlfühle. Und deswegen regen mich solche wie da oben in der Süddeutschen Zeitung auf.

Humor, der den Humor verliert, ist erbärmlich. Und wenn professionellen Humoristen als Reaktion auf terroristische Gewalt regelmäßig nichts Besseres einfällt, während sie gleichzeitig immer wieder betonen, wie wichtig es ist, nicht den Humor zu verlieren, und alle Kommentatoren ihnen völlig unkritisch und unreflektiert zustimmen, dann haben die Terroristen gewonnen ist das meines Erachtens schon eher ein schlechtes Zeichen für den Zustand unseres öffentlichen Diskurses.

Oder was meint ihr?

[Disclosure: Ich schreibe weder für SZ, noch für Charlie Hebdo, Titanic oder deren Mitbewerberinnen, bin aber grundsätzlich voller Neid und Missgunst für alle, die im Gegensatz zu mir einen Weg gefunden haben, ihren Lebensunterhalt durchs Schreiben zu verdienen.]


Maroc around the clock

2. Januar 2015

Ja. Ja, ich weiß. Aber mir fällt gerade kein besserer Titel ein. Ich bin offen für Vorschläge.

Zur Sache:

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