Allo Katy

Leute, wie die Zeit vergeht. Ihr kennt das. Egal. Ich erinnere mich an die Türkeireise, als wär sie gestern gewesen. Echt jetzt. Und sonst hab ich ja Fotos, die meinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen.

Hier zum Beispiel seht ihr einen umgefallenen Mülleimer in einem Museum in Bangalore, oder wie das hieß.

Und dieser ist sogar zusammen mit der Taube drauf umgekippt.

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Desolate Zustände da in diesem Spanien, jaja. Aber ich will euch trotzdem noch ein bisschen davon erzählen. Kommt ihr mit?

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Das war schon wieder so ein stationenreicher Tag. Die erste war ein verlassener Königspalast in Fez. Die nicht verlassenen sind für Touristen verschlossen, wie ihr ja schon wisst, aber dieser hier war auch ganz schick, obwohl er seine besten Zeiten erkennbar hinter sich hatte.

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Und es ist mit diesem orientalischen Kram ja ohnehin auch so, dass man ihn sich in neu und makellos gar nicht richtig vorstellen kann und er seinen besonderen Reiz erst durch – wie sagt man das, wenn man olle Möbel überteuert verkaufen will? Ach ja: – Patina gewinnt.

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Dennoch hatten wir irgendwann genug, und unser freundlicher Fahrer brachte uns noch in einen wunderhübschen Park, der uns auf dem Weg aufgefallen war:

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Der hatte bestimmt auch irgendwas mit dem König zu tun, oder mit einem anderen König, aber das wussten wir auch im November nicht genau, weil uns niemand seine Geschichte erzählte und wir einfach nur den Anblick genossen.

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Ja, es war extrem gemütlich dort, aber als wir dann sahen, was mit Strolchen passiert, die zu lange rumlungern, beschlossen wir, uns zügig weiter fahren zu lassen, vorbei an möglicherweise nicht ganz originalgetreuen Marken-PKW bis nach Moulay Idriss, einer für Marokko historisch sehr bedeutenden sehr heiligen alten Königsstadt, benannt nach König Idriss, nach dem in Marokko auch sonst so ziemlich alles benannt ist, die aber für Touristen echt nichts hergibt, weil die Moschee wie immer nur für Muslime betretbar ist, und alles andere eher unspektakulär aussieht. Aber von Weitem immerhin ganz nett.

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Der Grund, aus dem wir trotzdem hingefahren sind, ist keineswegs die unter marokkanischen Muslimen angeblich verbreitete Hoffnung, sich durch hinreichend häufigen Besuch die Pilgerfahrt nach Mekka ersparen zu können, sondern das ganz ganz nah gelegene Ruinenfeld der römischen Bezirksregierung Volubilis.

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Dort haben wir nun so viele Bilder von alten, nur teilweise noch aufeinander befindlichen Steinen gemacht, dass ich nicht zu jedem genug zu erzählen habe und es deswegen mal mit diesem Galeriedings versuche. Klickt einfach auf die, die ihr größer haben wollt, blättert durch, oder sehr euch nur die kleine Vorschau an, ganz wie ihr mögt.

Was man auf den Bildern eventuell nicht so klar sieht: Das ist wirklich viel Fläche, die da voll ist mit diesem Zeug. Zumindest für deutsche Verhältnisse ist das ein enorm großes Dings von son Dingern, und auch wenn keine Dächer übrig geblieben sind, sind immerhin noch viele Mosaike erstaunlich gut erhalten, und das macht schon Eindruck. Falls ihr mal in der Gegend um Fes seid, würde ich euch den Besuch in Volubilis wirklich ans Herz legen. Lasst stattdessen ruhig eine von den alten Königsstädten aus. Die unterscheiden sich eh kaum.

Was ebenfalls hier in Volubilis passiert ist, nur mittelbar mit der Reise zu tun hat und deshalb hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden soll, weil es zwar einerseits nicht zu einem Reisebericht gehört, aber andererseits den Tag für mich schon ein bisschen geprägt hat: Ich bekam hier den Anruf mit der Information, dass arbeitsseits was ziemlich Ärgerliches passiert war. Kurzfassung: Unser EDV-Dienstleister hatte im Rahmen eines Virenangriffs auf unser System die letzten zwei Wochen unserer Daten verloren, und meine Stellvertreterin … wusste nicht so richtig, wie sie mit der Situation umgehen sollte. Keoni hat deshalb von Volubilis etwas mehr mitbekommen als ich. Dafür habe ich seitdem einiges über Server, Backup-Techniken und Datensicherheits-Standards gelernt, wenn auch bei Weitem nicht genug. Egal. Zurück zu marokkanischen Kuriositäten:

Wusstet ihr eigentlich, dass Rabat direkt neben Salé liegt? Ist das nicht völlig verrückt?

Auffällig in Marokko sind neben verfallenden Gebäuderesten ja auch die Störche.

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Die fliegen da zum Überwintern hin, wenn ich es richtig verstehe, und während so ein Storch in Deutschland ja ein Grund ist, die Enkelkinder einzubestellen, die Kamera rauszuholen oder gleich einen Porträtmaler zu bestellen, und ein Haus unter Denkmalschutz zu stellen, ist es in Marokko mit den Störchen eher wie mit Tauben. Sie nerven ein bisschen, und man sollte sie nicht füttern, sonst werden sie zur Plage.

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Zum Glück hat man ja aber eh selten einen frischen Frosch dabei, deswegen stehen die wenigsten Touristen vor der Versuchung.

Und à propos alte Königsstädte, die sich nicht grundsätzlich unterscheiden: Der Tag ist noch lange nicht zu Ende.

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Wir waren nämlich auch noch in Meknes. Nein, da hab ich nicht den Spitznamen eines populären Fast-Food-Restaurants falsch geschrieben, sondern den einer alten marokkanischen Königsstadt richtig.

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Eine bedeutende Sehenswürdigkeit in Meknes ist das Heri es-Souani, eine Kombination aus wassergekühltem Getreidespeicher,

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und Kavalleriestallung.

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Von der Kühlwirkung kann ich nicht berichten, weil im November auch in Marokko eh nur so knapp 10°C gebräuchlich sind, aber wir fanden es jedenfalls atmosphärisch sehr nett dort. Ganz anders als in dem Restaurant, das unser freundlicher Fahrer uns empfahl.

Das war zwar günstig gelegen, aber sonst in jeder Hinsicht

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Na gut: in fast jeder Hinsicht einfach nur uninteressanter Durchschnitt.

Immerhin war es nicht weit bis zum Mausoleum von Moulai Ismail,

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das wir zu unserer freudigen Überraschung trotz angeschlossener Moschee sogar betreten durften.

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Die barokken Standuhren sind ein Geschenk Louis XIV, passen überhaupt nicht ins Dekor dort, und – fun fact – sind uns bis zum heutigen Tag nicht aufgefallen. Ich les das nur gerade bei Wikipedia und bemerke dabei zufällig, dass sie auf unserem Foto sogar drauf sind. Das Leben macht Sachen, was? Tähä.

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Von den Koranschulen hatte ich ja beim letzten Mal schon erzählt. Die sehen wirklich alle ziemlich genau gleich aus, sind aber trotzdem interessant genug, dass man sich ein paar davon anschauen kann, bevor es langweilig wird.

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Ist euch der geflickte Brunnen aufgefallen?

Und auch sonst sind da so viele beeindruckende Details.

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Und natürlich auch ein paar weniger beeindruckende.

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Aber die sind ja auch interessant.

Unser Weg durch Meknes führte uns natürlich wieder durch die Basare, die hier recht vielfältig daherkommen. Von den klassischen Gassen mit eingebauten kleinen Läden, über eine Art Einkaufszentrum bis hin zu den Ständen an offener Straße war hier alles dabei, und letztere sogar mit vorher und nachher nicht wieder gesehener Besucherinnendichte

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und darüber hinaus mit … möglicherweise auch wieder nicht ganz originalgetreu nachgebildeten Markenartikeln.

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Dann war da noch der Place el Hedim, interessanterweise relativ leer, aber natürlich auch viel schwerer zu füllen als so eine Basarstraße.

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und halt die Störche. Ich hatte das mit den Störchen erwähnt, oder?

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Und damit endete dieser Tag dann endlich, oder genauer: Eigentlich endete er natürlich mit unserem Abendessen.

Aber er war wirklich lang genug, deswegen will ich darüber nicht auch noch viele Worte verlieren.

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Gute Nacht!

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4 Responses to Allo Katy

  1. SalvaVenia sagt:

    Was für eine Zauberreise! 🙂

  2. Muriel sagt:

    @SalvaVenia: Danke! Ja, war schon schön. Dramaturgisch ungünstig, dass der angenehmere Teil am Anfang war, aber ich glaube, als Zuschauer(in) merkt man das gar nicht so. Die Fotos sind ja alle hübsch.

  3. Jana sagt:

    deine bildtexte sind mit die witzigsten des internets!
    und deinen tipp mit volubilis setze ich hoffentlich bald mal um, schaut interessanter aus, als ich immer dachte 🙂

  4. Muriel sagt:

    Vielen Dank!
    Zu Volubilis: Man muss halt so alten Ruinenkram mögen, mehr ist da nicht. Aber davon ziemlich viel.

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