Wie wir sie kennen (Zug 7)

Jaja, es gibt sie noch, die guten Dinge, und zu denen gehört auch unser Mailrollenspiel, woraus ihr schließen könnt, dass es unser Mailrollenspiel noch gibt, und hier ist der nächste Zug:

Wer wissen will, was bisher geschah, findet übrigens jetzt auch endlich wieder den aktuellen Stand auf der Mail-Rollenspiel-Seite.

Vera ist so froh, endlich von der Stelle zu kommen, dass sie den Männern folgt, ohne groß darüber nachzudenken, ob das jetzt wirklich die beste Idee ist.

David geht auch entschlossen mit.

„Naja, ich dachte … Weil … Schon gut.“

Suresh versucht, sich seine Beleidigung nicht anmerken zu lassen, während er den anderen folgt, kann sich aber nicht verkneifen, Frieder einen vielsagenden Blick zuzuwerfen.

Cleo ignoriert das leicht mulmige Gefühl, dass sie angesichts der paramilitärischen Aufmachung der beiden beschleicht, und folgt den anderen.

Die beiden Männer führen euch von dem Gelände auf eine Straße, diese hinunter zu einer Kreuzung und dann nach rechts auf eine U-Bahn-Station mit der beleuchteten Beschriftung „Wandsbek Gartenstadt“ zu. Etienne geht etwas schneller, um zu Werner aufzuschließen, und als er nah genug ist, spricht er ihn an:

„Wir … haben die letzte Zeit nicht so richtig viel mitbekommen.“ Er schaut sich um, die leere Straße auf und ab, auf der ihr ein Stück  hinter der U-Bahn-Station im Randbereich einer Straßenlaterne eine Form liegen seht, die ein Müllsack sein könnte, ein totes Tier, oder sogar ein Mensch. „Haben wir viel verpasst?“

Die junge Frau mit den kurzen schwarzen Haaren schließt schnell zu ihm auf und läuft ein Stück schräg hinter ihm.

„Zum Schluss ging es sehr schnell“, antwortet Werner, ohne in Etiennes Richtung zu sehen. „Ich glaube, fast alle sind innerhalb ein oder zwei Stunden gestorben, als hätte jemand einen Schalter umgelegt.“

Etienne wird unwillkürlich ein bisschen langsamer, beschleunigt dann aber wieder, als er zurückfällt.

„Was heißt ‚alle‘?“ fragt er.

„Naja, es … Moment. Hallo. Ich bring neue. Ist der Oberst da?“

Werner redet zu einem Mann in Soldatenuniform, der mit einem auf euch als Laien recht modern wirkenden Sturmgewehr neben dem Eingang zu der Station steht. Dieser betrachtet euch misstrauisch, setzt an zu nicken, hält dann aber inne, als sein Blick auf die junge Frau fällt.

„Die da hat ’ne Waffe.“

Werner seufzt, dreht sich zu ihr um und streckt ihr seine Hand entgegen. Sie stemmt eine Hand in die Hüfte und sieht ihn abwartend an.

Fast alle. Innerhalb von ein bis zwei Stunden. Cleo braucht ein paar Momente, um zu begreifen, was gemeint sein könnte, und fragt mitten in die sich aufbauende Spannung hinein „Was soll das heißen, ‚alle‘? Die können unmöglich alle tot sein?!“

David war ein bisschen zurückgefallen und holt jetzt auf. „Wer ist tot? Was ist los? Was ist das hier?“ Er schaut sich ängstlich um.

Suresh schwankt immer noch zu sehr zwischen dem Gefühl der Verantwortung für die offensichtlich verwirrte Frau, die sich gerade fast erschossen hätte, und seiner Frustration über ihr Verhalten, um die Implikation von Werners knapper Antwort ganz zu erfassen. Er hat gerade den Mund geöffnet und überlegt noch, wie er ihr möglichst diplomatisch sagt, dass sie die Waffe am besten einfach abgeben sollte, als Cleos und Davids Fragen dazwischen kommen. Zuerst versteht er gar nicht, wie sie jetzt plötzlich darauf kommen, aber dann stockt er, blinzelt und starrt erst sie, dann Werner mit offenem Mund an.

„Wie … alle …?“ flüstert er fast unhörbar.

Vera starrt Werner fassungslos an. „ALLE?“ wiederholt sie

„Ja, also, soweit ich weiß. Die Nachrichten haben dann relativ schnell aufgehört, aber was ich noch über Funk mitgekriegt habe, spricht dafür. Es sind echt nicht mehr viele übrig. Meine Güte, Mädchen, jetzt gib doch die Pistole raus, es ist doch nicht mal deine!“

„Vielleicht brauch ich sie ja noch …“

Werner schaut genervt-hilfesuchend in die Gruppe.

„Könnt ihr ihr das erklären?“

Ohne sich völlig sicher zu sein, ob es bescheidene Zurückhaltung oder ein bisschen kindische Beleidigung ist, die ihn dazu treibt, weicht Suresh Werners Blick aus und schaut stattdessen nachdenklich die fast leere Straße entlang.

Es scheint ja auch wirklich keine besonders gute Idee zu sein, ihr die Waffe abnehmen zu wollen. Sie scheint damit umgehen zu können, mental nicht völlig stabil zu sein, und außerdem kennt Suresh sie überhaupt nicht, anscheinend im Gegensatz zu anderen Mitgliedern der Gruppe, und sie hat ja deutlich genug gemacht, dass sie an seiner Hilfe kein Interesse hat. Er will sich nicht aufdrängen.

„Nö.“, sagt Cleo achselzuckend. „Habt ihr hier keine Militärpsychologen oder sowas? Und, äh, woran sind alle gestorben?“ Sie glaubt Werner kein Wort, und seine vagen Erklärungen kommen ihr eher verdächtig vor.

David schüttelt auch den Kopf. “Ich versuch das gar nicht, sie hält mich eh schon für gefährlich. Aber was ist denn das jetzt hier überhaupt für ein Ding, das Ihr hier aufgezogen habt?“, er deutet vage auf den Eingang und die Wache.

„Ich seh da auch keine Chance.“ Vera zuckt die Schultern.

Werner zuckt mit.

„Dann kommt sie hier nicht rein.“

„Die Pistole will ich aber trotzdem wiederhaben“, sagt Kevin, und macht einen zögerlichen Schritt auf sie zu. Sie schaut ihn sehr aufmerksam an.

„Los“, sagt Kevin, und streckt ihr eine Hand entgegen. „Es ist meine, gib sie wieder her.“

Sie schaut ihn immer noch nur an, und atmet dabei ein bisschen hörbarer.

„Schau mal Mädchen“, grummelt Werner, „Das ist kein Spaß hier.“

Ihr Atem wird noch schneller und lauter. „Sehe ich aus, als hätte ich Spaß?“ stößt sie zwischen zusammengepressten Lippen hervor.

„Geben Sie ihm die Waffe zurück.“

Der Wachmann richtet sein G36 auf sie, und plötzlich hat sie die Pistole in der Hand, und zielt damit auf ihn.

„Ihre ist größer, aber meine macht genauso tot“, sagt sie, beinahe keuchend, und die Waffe zittert ein bisschen.

„Muss das jetzt echt sein?“ fragt Werner. „Gib ihm doch einfach die dumme Knarre zurück, dann ist alles wieder-“

„Ich hab nur die eine!“ schreit sie, und macht einen Schritt zurück. Kläglich fügt sie hinzu: „Ihr habt ganz viele.“ Noch einen. „Lasst mich doch einfach gehen.“

Nina zieht Alex an den Armen weg von der Szene und versteckt sich mit ihm hinter einem Baum. Er zappelt ein bisschen, widersetzt sich aber nicht ernsthaft.

„Wir können sie nicht einfach mit dem Ding abhauen lassen!“ sagt Kevin. „Das ist unseres, das können wir nicht zulassen. Es geht auch ums Prinzip bei sowas!“

Er packt die junge Frau an der Schulter, sie wirbelt zu ihm herum und rammt ihm den Kolben der Pistole unter die Nase. Mit einem gedämpften Schrei geht er zu Boden und bleibt wimmernd liegen, beide Hände ins Gesicht gepresst.

Der Wachmann macht eine Bewegung mit dem Gewehr, und erstaunlich schnell hat die junge Frau die Pistole wieder auf ihn gerichtet – und schießt.

Das Loch über seiner linken Augenbraue sieht erstaunlich klein und harmlos aus für den Moment, bevor er zusammenbricht.

„Scheiße!“ stößt Werner hervor, unternimmt aber nichts, sondern steht einfach nur kopfschüttelnd da, während die junge Frau die Waffe senkt und davon läuft, in die Richtung, in die ihr auf die U-Bahn-Station zugegangen seid, weiter, ein bisschen unregelmäßig durch das Gewicht in ihrer Hand.

„Scheiße“, wiederholt Werner und geht immer noch kopfschüttelnd langsam zu der toten Wache.

David hat sich bei dem Schuß mit einem leisen Schrei auf den Boden fallen gelassen und rappelt sich jetzt vorsichtig und ziemlich verlegen wieder auf. Er schaut fassungslos zwischen dem Toten und der davonlaufenden jungen Frau hin und her und hofft inständig, dass sie es sich nicht anders überlegt und zurück kommt. Dann schaut er ein bisschen besorgt zu Kevin und flüstert “Geht’s?“

Suresh sieht fassungslos zu, wie der Konflikt eskaliert und weicht währenddessen immer weiter von den Bewaffneten zurück.

Als schließlich der Schuss fällt, steht er mit offenem Mund und klopfendem Herzen wie gelähmt da und will weglaufen, wagt es aber nicht, aus Angst, mit plötzlichen Bewegungen jemanden zu provozieren.

Vera ist von der Situation komplett überfordert. Sie möchte weglaufen und sich irgendwo verstecken, will aber auch nicht weg von den anderen. Sie macht ein paar zuckende Bewegungen, als wenn sie losrennen wollte, kann ihre Augen dabei aber nicht von dem toten Wachmann lösen. Dann geben ihre Knie nach und mit leisem Wimmern sackt sie an ihrem Platz zu Boden.

Cleo ist fürchterlich zusammengezuckt, als der Schuss fiel, und macht sich für einen Moment Sorgen um ihre Ohren. Fassungslos sieht sie der Schwarzhaarigen hinterher, und dann zur toten Wache.

Kevin hält noch immer beide Hände vor sein Gesicht, während er sich aufrappelt. Auf Davids Frage zischt er: „Seht zu, dass ihr hier wegkommt!“

Werner kniet neben dem Wachmann nieder, schaut ihn an, schüttelt den Kopf und wendet sich in eure Richtung.

„Er hat Recht“, sagt er. „Ihr solltet weiterziehen. Wir können euch nicht aufnehmen.“

„Was?“ fragt Etienne. „Das ist doch jetzt nicht Ihr Ernst?“

Frieder schaut mit zusammengezogenen Augenbrauen den Ereignissen zu und legt beruhigend einen Arm um Suresh, sagt aber nichts.

„Das ist mein voller Ernst“, sagt Werner. „Und wenn ich ihr wäre, würde ich mich beeilen. Sven hatte Freunde, und eine Schwester hier. Ich hoffe, dass die nicht auf dumme Ideen kommen, wenn sie das erfahren, aber ich will auch meine Hand nicht dafür ins Feuer legen.“

Unsicher steht Suresh da und überlegt, ob er widersprechen soll. Diese Leute mit ihren Waffen und Uniformen sind ihm ohnehin ein bisschen suspekt. Erstens will er sie nicht provozieren, indem er Widerworte gibt, und zweitens ist er sich auch gar nicht sicher, wie dringend er ihrer Gemeinschaft angehören will. Fragend schaut er in die Runde.

David reißt die Augen auf.

„Aber was haben wir denn mit ihr zu tun? Sie war zufällig mit uns zusammengesperrt und es ist reiner Zufall, dass sie nicht erst einen von uns erschossen hat, und jetzt ist sie abgehauen und wir sind darüber mindestens so erleichtert wie ihr!

Wo sollen wir denn hin?“

Vera sitzt immer noch auf dem Boden und schluchzt vor sich hin.

Als hätte sie noch einen Beweis gebraucht, dass diese Militärtypen spinnen. Vor ihrem inneren Auge sieht Cléo schon einen Lynchmob in Flecktarn. „Lasst uns gehen“, sagt sie zu den anderen. „Das gibt früher oder später auf jeden Fall Probleme.“

Frieder nickt in Cléos Richtung und tut einen Schritt in ihre Richtung, während Etienne ähnlich unentschlossen dasteht wie Suresh, nur etwas dynamischer.

Werner betrachtet David mit zusammengezogenen Brauen und schweigt eine Weile, bevor er schließlich schulterzuckend erwidert: „Ist mir alles egal. Wird den anderen da drin genauso egal sein. Haut ab, oder bleibt hier stehen, bis andere Leute mit Waffen rauskommen und einen der unseren tot hier vorfinden, und euch drumrum. Ist eure Sache.“

Etienne findet jetzt doch Atem, um auch eine Meinung zu äußern: „Das ist doch Unsinn!“ sagt er. „Du könntest ihnen doch erklären, dass wir nichts mit ihr zu tun hatten. Wirklich, wir kennen die überhaupt nicht, sie war bloß im selben Gebäude, wie bestimmt tausend andere Leute.“

„Fick dich, du Lackel“, zischt Kevin.^

„Vielleicht sollten wir wirklich einfach gehen …“ murmelt Suresh, unsicher, was hier die richtige Entscheidung wäre, aber besorgt, dass es zu noch mehr Gewalt kommt.

Obwohl sie insgeheim Kevin zustimmt, bemüht sich Cleo um eine möglichst neutrale Miene. „Erklärungen helfen uns sicher nicht, und wer weiß, ob die uns dafür überhaupt Zeit lassen!“, murmelt sie Richtung Etienne.

Vera versucht sich zusammenzureißen und rappelt sich mühsam vom Boden auf. „Gehen wir.“

David kickt resigniert gegen einen Stein und murmelt „Ja, gut, was solls…“ An Werner gewandt fragt er noch „…Irgendwelche Tips, in welcher Richtung wir am wengisten schnell verrecken, vielleicht, bitte, danke?!“

Werner neigt seinen Kopf von links nach rechts.

„Ich fürchte, das ist alles gleich.“

„Vielleicht sollten wir zumindest nicht in dieselbe Richtung laufen wie

diese Wahnsinnige?“ schlägt Nina von hinter ihrem Baum vor.

„Naja“, murmelt Etienne, „Immerhin scheint sie mit einer Waffe umgehen zu

können.“

„Fick dich…“ wiederholt Kevin.

Frieder schnaubt ein gedämpftes Lachen.

David nickt Nina zustimmend zu und murmelt “Ja, dann …gehn wir wohl mal…“ und schlurft missmutig los.

Cleo schliesst sich ihm an und sieht besorgt in Richtung Militärgelände.

Vera trottet wortlos hinter den anderen her.

Auch Suresh schließt sich an und folgt dem Rest der Gruppe. „Wollen wir … Also, wohin wollen wir denn jetzt?“ fragt er schüchtern nach ein paar Minuten.

Nina zögert eine Weile, bevor sie schließlich Alex an die Hand nimmt und eilig hinter euch her geht, um aufzuholen.

„Wir könnten versuchen, die junge Dame wieder einzusammeln?“ schlägt Etienne vor. „Sie scheint unter einer psychischen Störung zu leiden und ich weiß nicht, ob sie alleine hier herumirren sollte. Und sie hat immer noch die Waffe“

Frieder murmelt kopfschüttelnd: „Ich weiß nicht, ob das ein guter Grund ist, sie wiederfinden zu wollen.“

Nach einigem Nachdenken schlägt Cleo vor, Richtung Innenstadt zu gehen. „Vielleicht finden wir dort raus, was eigentlich passiert ist. Oder treffen Leute, die nicht völlig übergeschnappt sind.“

Vera nickt zustimmend. „innenstadt hört sich sinnvoll an.“

David dreht sich zu Etienne um: “Äh… sie hat eine Waffe und leidet unter der Wahnvorstellung, dass wir ihr alle schaden wollen und vor allem ich ein gefährlicher Krimineller sei…! Ich denke, wir sollten ihr aus den Weg gehen, so gut es irgend geht!“

„Aber ist in der Innenstadt nicht die Gefahr viel größer, auf Leute zu treffen, die noch übergeschnappter sind?“ fragt Suresh. „Und noch mehr von denen?“

„Innenstadt klingt für mich auch gefährlich …“ sagt Nina unsicher. „Da haben wir die ja überhaupt erst gefunden.“

„Wir haben sie gerettet!“ wirft Alex fröhlich ein.

Etienne schaut sich um. „Glaubt ihr, dass Telefone noch funktionieren?“

„Ausprobieren“, schlägt Cleo vor. „Ich habe jedenfalls keins dabei. Und ich denke immer noch, dass wir in die Innenstadt sollten, da muss doch irgendjemand sein, der Bescheid weiß. Die Verrückten in Militärlagern können auch alle hier draußen sein.“

David tastet skeptisch in der Bauchtasche seines Kapuzenpullovers rum und bestätigt “Nein, ich hab meins auch nicht, ich wollte ja nur kurz… Egal. Also ich wäre auch für die Innenstadt, ich wüßte gern mehr über die genaue Situation!“

„Mir kommt das auch riskant vor… Wenn die Situation irgendwo eskaliert, dann doch bestimmt dort“, sagt Suresh. „Vielleicht können wir uns auch erst einmal irgendwo hier verstecken, in einem verlassenen Haus zum Beispiel, und warten, bis wir die Lage besser verstehen?“

Vera schaut sich unruhig um, ob die Soldaten noch in Sichtweite sind. „Ist mir egal,  wohin, Hauptsache weg hier.“

„Es schadet doch aber nicht, wenn wir erst das mit dem Telefon versuchen oder?“ fragt Etienne. „Wir können ein öffentliches finden, oder tatsächlich eins der Häuser durchsuchen … Was meint ihr?“

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