It’s still the same old story

… und dann waren wir ja wie gesagt in Marrakesch, und man kann das natürlich nicht pauschal und ausnahmslos so sagen, aber weil ja simple Narrative schon ein deutlicher Vorteil im Marketing sind, sag ichs einfach mal trotzdem, von da an entsprach Marokko ziemlich genau der Erwartung, die uns dazu gebracht hatte, eigentlich nicht unbedingt nach Marokko reisen zu wollen.

Unser Hotel hat das von Anfang an sehr schön veranschaulicht. Es war offenbar bei Touristen sehr beliebt, nicht ganz billig, augenscheinlich auch durchaus glamourös, aber … im Grunde wirklich wirklich nicht gut. Und damit quasi eine Verbildlichung der ganzen Stadt im etwas kleineren Format.

DSC04374

Na gut, schlechtes Beispiel. Oder eigentlich nicht. Also, wir wollten ja schwimmen. Wir hatten das Hotel unter anderem deshalb ausgesucht, weil es mit schicken Pools prahlte, von denen einer auch indoor sein sollte. War er auch, und er kostete sowas wie 25 Euro pro Person und Nutzung. Pah, dachten wir, dann habt uns doch gern (hatte niemand in Marrakesch, mit einer Ausnahme, aber dazu kommen wir noch), und gingen nach draußen, wo es zwar regnete und kalt war, aber der Pool immerhin umsonst und insoweit dann doch irgendwie ein nettes Erlebnis.

DSC04436

Na gut, noch ein schlechtes Beispiel. Die Deko war cool. Aber ich sag euch, das Sofitel in Marrakesch solltet ihr trotzdem weiträumig umfahren, wenn ihr mal da seid. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Ein nur oberflächlich schöner überteuerter Schuppen, dem man in jedem Detail anmerkt, dass so ziemlich alle, die da arbeiten, eigentlich keinen Bock auf ihren Job haben und gerade so genug machen, damit es erst auffällt, wenn es schon zu spät ist. Das Frühstücksbuffett zum Beispiel war mit Sicherheit eines der ausladendsten und scheinbar vielfältigsten, das ich seit Langem gesehen hatte, mit den verschiedensten Gebäcken und Früchten und Dings und Zeug und so, aber wir haben NICHTS wirklich Leckeres gefunden, und … Na gut, ich hör auf, über das Hotel zu schimpfen. Ist ja auch egal. Wir haben für ein Zimmer bezahlt, wir haben ein Zimmer bekommen, wir wollen zufrieden sein.

Und die Stadt machte ja auch erst mal gar keinen schlechten Eindruck.

DSC04450

Das Restaurant, das wir über eine urig schmale und steile Treppe und vorbei an urig albernen Gemälden erreichten, servierte uns … kein schlechtes Essen.

DSC04457

und eine gar nicht mal so üble Aussicht über die Innenstadt von Marrakesch.

DSC04465

Was ich zu sagen versuche: Eigentlich hat Marrakesch den gleichen orientalischen Tausendundeinenacht-Charme wie andere marokkanische Städte. Es gibt überall in den verfallensten Ecken noch schicke Details zu finden.

DSC04475

Und der große Marktplatz war zwar schlechtwetterbedingt ziemlich leer, aber ja dadurch nicht weniger groß.

DSC04503

Und die Marktstände waren auch schön bunt und orientalisch.

DSC04510

DSC04511

Aber nichtsdestotrotz wurden wir nicht recht warm mit ihr. Vielleicht war es das schlechte Wetter, obwohl ich das nicht glaube. Vielleicht waren die Leute, mit denen wir interagiert haben, weniger freundlich als in Fes, was ich mit Sicherheit weiß. Vielleicht war es auch noch was anderes, aber jedenfalls fühlte sich Marrakesch irgendwie ungemütlich an.

Ganz Marrakesch?

Nein!

Durch eine sonderbare Verkettung von Tripadvisor-Suche und Lust auf mal was anderes als immer nur typisch marokkanischen Kram landeten wir im Eveil de Sens, einem irgendwie auch mediterranen Restaurant mit sympathischem Low-Key-Ambiente, in dem uns unfassbar nette und aufmerksame und liebenswerte Kellnerinnen und Kellner ganz ganz leckere Sachen zu sympathischen Low-Key-Preisen servierten.

DSC04534

Was ist dagegen schon noch eine weitere Mederssa?

DSC04595

Ich meine, machen wir uns nichts vor, die sehen halt echt alle genau gleich aus.

DSC04574

DSC04595

Vielleicht war das auch ein Grund, aus dem alles uns nicht so toll vorkam: Wir hatten schon genug davon gesehen.

Aber es war auch nicht alles schlecht. Die Autobahnen zum Beispiel Wir mochten das Stadtbild von Marrakesch eigentlich durchaus.

DSC04605

Diese marokkanischen Lampen fanden wir so toll, dass wir fast eine gekauft hätten. Wir fanden sie nur ein kleines bisschen zu teuer, ein kleines bisschen zu schwierig zu transportieren, und natürlich die offenbar nach wie vor obligatorische Feilscherei ein kleines bisschen zu zeitraubend für unseren straffen Zeitplan.

DSC04622

und dann gibt es in Marrakesch doch ein paar Besonderheiten, die wir so in den anderen Städten noch nicht hatten. Nicht dazu gehört der Palais de la Bahia:

DSC04643

Aber er hat uns trotzdem gefallen. Wie immer wegen dieser detailverliebten Verzierungen

DSC04682

Aber auch noch wegen einer anderen Sache. Gucktdochmalohgottistdasnichtsooooooosüß?????!!!!!????!!!!!!

DSC04686

Und dann gibt es in Marrakesch noch einen Palast namens Palais El Badii, der wirklich was Besonderes ist, wegen seiner schön ruinigen Anmutung:

DSC04723

Sogar unseren alten Freund den Storch haben wir wieder gesehen.

DSC04740

Und als wäre das noch nicht genug, kamen danach gleich zwei massive Erfolgserlebnisse in Verbindung mit den Tombeaux Saadiens, so einer alten Grabanlage. Erstens nämlich hatte Google das Ding ziemlich falsch verortet. Das war lustig, weil wir ja nicht richtig wussten, was wir suchen, und deshalb eine Weile brauchten, bis uns klar wurde, dass wir aufhören können, mit beeindruckt offenem Mund ehrfurchtsvoll wispernd durch diesen Spar-Supermarkt zu laufen, und es bot mir die Chance, Google zu sagen, wo die Tombeaux wirklich sind, und innerhalb weniger Stunden bekam ich die Mail, dass es korrigiert wurde, und das heißt, dass in Zukunft JEDER Tourist, der sich diese Krypta anschaut, MIR dafür zu danken hat, jawoll, ist das nicht herrlich?

So sieht es also dort wirklich aus:

DSC04771

DSC04774

Schon schick, oder?

Und danach sind wir dann noch zum Jardin Majorelle aufgebrochen. Der heißt so, weil der französische Modedesigner Yves Saint-Lorent …

Was? Wie? Ach soooo… Halt halt, Muriel, höre ich euch rufen, weil ihr ja aufmerksam mitlest. So geht das nicht! Du hast uns doch zwei Erfolgserlebnisse versprochen. Und recht habt ihr. Hier ist das zweite: Kaum hatten wir das Grab besichtigt, kam eine Busladung anderer Touristinnen angefahren und blockierte sämtliche Eingänge. Ha!

DSC04778

Und weil ihr so wunderbar aufgepasst habt, gibts zur Belohnung noch das Beste überhaupt: Cat Content!

Aber nach den Gräbern sind wir wirklich zum Jardin Majorelle gefahren, und auch dieses Erlebnis war wieder in Miniatur die gesamte Marrakesch-Experience. Die Taxifahrt war ungefähr fünfmal so teuer wie sie es in Fes gewesen wäre, der Taxifahrer war unfreundlich, verstand uns nicht, und konnte uns nicht vor dem Garten absetzen, sondern ein bisschen weiter weg, weil … keine Ahnung, Gründe. Nichts Dramatisches, aber eben lauter kleine Sachen, die jedes kleine Detail ein kleines bisschen weniger angenehm machen.

Der Garten selbst war … okay.

Und direkt schräg gegenüber vom Eingang war so ein … Ich weiß nicht, wie man diese Gattung von Restaurants/Cafés nennt, die so ein bisschen sind wie Starbucks, also erkennbar Systemgastronomie, aber sehr bemüht auf urban und gemütlich und hip designt mit Brownies und Kuchen und Verkauf von Kochbüchern, Geschirr und Deko-Artikeln? Sowas. Und auch das passte sich wunderbar ins Bild ein, denn es war schrecklich überteuert, die Kellner unfreundlich und unaufmerksam, das Essen und die Getränke schmeckten nicht, und ich komm dummerweise nicht drauf, wie es hieß und finde es auch bei Google Maps nicht, aber jedenfalls würde ich euch dringend davor warnen, dort Platz zu nehmen, weil es ganz ganz unsympathisch war, von vorne bis hinten.

Zum Trost aßen wir an diesem Abend noch einmal im Eveil de Sens, und natürlich war es wieder wunderbar. Falls ihr entgegen meiner Empfehlung Marrakesch mal besuchen wollt und euch nach einem unprätentiösen Restaurant mit gutem Essen und freundlichen Menschen ist, dann schaut dringend vorbei.

Hier endet der Reisebericht eigentlich. Es gibt von jetzt an keine Fotos mehr, und nur noch ergänzendes Genörgel. Wenn ihr sowas mögt, lest gerne weiter, aber sonst könnt ihr auch aufhören. Sagt hinterher nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.

Am nächsten Morgen stand nur noch unser Rückflug auf dem Programm. Natürlich bekamen wir von unserem Hotel eine überteuerte Fahrt zum Flughafen in einer oberflächlich schicken Limousine mit einem unfreundlichen Fahrer, der uns dann irgendwo vor dem Flughafen rausließ, weil er durch den Stau nicht durchkam und wir ja rechtzeitig da sein wollten. Natürlich war der Flughafen von Marrakesch doof und unübersichtlich und langweilig, und niemand konnte uns helfen, unsere Postkarten zu verschicken, die wir liebevoll vorbereitet hatten. Da war ein Postschalter, aber der war nicht besetzt, und niemand konnte uns sagen, warum, und wann vielleicht noch jemand kommen könnte, um ihn doch zu besetzen, und niemand vermittelte uns auch nur den Eindruck, zu verstehen, warum wir fragten.

Natürlich kamen wir verspätet zu unserem Anschlussflug in Casablanca an, und natürlich mussten wir dort noch durch eine Sicherheitskontrolle in einem riesigen Raum voller Menschen, in dem zwar Mitarbeiter(innen) von Royal Air Maroc herumstanden, aber niemand, der bereit und in der Lage war, uns irgendwas dazu zu sagen, ob wir hier einfach warten sollten, bis wir drankommen (was sichtlich mindestens eine Stunde gedauert hätte), obwohl unser Anschlussflug in 15 Minuten starten sollte, oder ob wir irgendwie an der Schlange vorbei konnten und oder mussten. Einer sagte sowas wie „Please just stand in the queue“, aber der hatte mir ziemlich offensichtlich nicht zugehört und wollte nur, dass ich Ruhe gebe.

Am Ende kämpften wir uns durch die Masse nach vorne durch, was auf mehreren Ebenen echt unangenehm war, und bekamen von jemandem in Uniform die Erlaubnis, uns schnell bevorzugt sicherheitskontrollieren zu lassen, und die Aufforderung, dann ganz schnell zu unserem Gate zu rennen. Dabei ließ ich eine Plastiktüte am Scanner liegen, die unter anderem unsere Kamera enthielt. Ich sagte das dem Flugbegleiter im Flugzeug, und der sagte, er würde es weiter geben. Weil er dabei nicht so klang, als würde er damit rechnen, dass dadurch irgendwas passiert, rief ich gleich nach der Landung noch mal den Flughafen von Casablanca an. Naja. Nicht gleich nach der Landung.

Erstmal versuchten wir rauszukriegen, was mit unserem Gepäck passiert war, denn das war so wie das von rund acht anderen Mitreisenden nicht angekommen, und füllten die nötigen Formulare aus und so. Aber dann rief ich wegen meiner Kamera den Flughafen von Casablanca an. Ich erreichte eine sehr unfreundliche Frau, die nur Französisch sprach, und persönlich beleidigt schien von meiner Frage, ob sie auch Englisch verstand. Zum Glück kann ich sogar ein bisschen Französisch, aber ich musste trotzdem noch mal anrufen, weil die erste mir barsch sagte, sie könne mir nicht helfen, und dann einfach auflegte. Die zweite war viel freundlicher und verwies mich an eine Stelle, die mich an die Fluggesellschaft verwies, die an dem Tag nicht mehr erreichbar war. Mein Anruf bei der Fluggesellschaft am nächsten Tag wurde drei oder vier Mal weiter verbunden, bis ich zu jemandem kam, der mir sagte, dass ich den Flughafen anrufen müsse.

Ich kramte also mein Schulfranzösisch noch mal zusammen, rief wieder beim Flughafen an und fragte mich durch bis zu einem … nicht unfreundlichen, aber sehr sachlichen und ein bisschen autoritären Sicherheitsmann, der mir immerhin sagte, er hätte meine Kamera. Das freute mich erst einmal, aber dann sagte er mir, die einzigen Möglichkeiten bestünden darin, die Kamera selbst abzuholen, oder sie durch einen Freund abholen zu lassen. Hm. Joa. Ich fragte ihn natürlich, ob das WIRKLICH die einzigen seien, und er bestätigte. Ich fragte ihn, ob er WIRKLICH keine Möglichkeit hätte, mir das Ding zuzuschicken, ich würde natürlich jeglichen Aufwand liebend gerne bezahlen. Er bestätigte. Ich beendete freundlich das Gespräch, dachte kurz nach und rief unseren Fahrer aus Fes an. Der sagte, er würde vielleicht demnächst mal nach Casablanca kommen und die Kamera dann holen.

Eine Woche später kam unser Gepäck bei uns an.

Die Kamera habe ich immer noch nicht wieder. Ich habe auch keine Hoffnung mehr. Und bevor ihr fragt: Ja, ich habe auch schon bei DHL und FedEx und so gefragt, ob sie sie für mich holen. Tun sie nicht. FedEx gar nicht (Ich habe eine sehr putzige Mail von denen, in der steht, dass sie „private Anfragen“ nicht beantworten. Dafuq?), und DHL nur, wenn sie fertig verpackt und frankiert und beschriftet da bereit liegt. Und das macht da am Flughafen ja wiederum niemand.

Ach so, und natürlich war auf dem Flug auch mein Sitz kaputt. Die Lehne ließ sich nicht feststellen und klappte zurück, sobald ich mich dagegen lehnte. Wenn ihr mich fragt: Man sollte vielleicht nicht mit Royal Air Maroc fliegen, wenn man es irgendwie vermeiden kann.

Aber sonst war es eigentlich eine ganz nette Reise.

Interessant, zumindest.

Joa.

Na gut.

Uns bleibt immer noch Paris.

Advertisements

2 Responses to It’s still the same old story

  1. Senatssekretär FREISTAAT DANZIG sagt:

    Hat dies auf Aussiedlerbetreuung und Behinderten – Fragen rebloggt.

  2. […] …und dann waren wir ja wie gesagt in Marrakesch… […]

Gib's mir!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: