Hat sie nicht so prima gemacht.

Angela Merkel wurde also bei einem öffentlichen Auftritt mit einem Mädchen konfrontiert, das unter den Folgen der von ihr zu verantwortenden Politik persönlich leidet, und sie wusste erkennbar nicht richtig, wie sie mit dieser Situation umgehen und was sie zu dem Mädchen sagen sollte. Sie hat es dann trotzdem versucht, und sich dabei nicht so beeindruckend geschickt angestellt.

Ihr habt es wahrscheinlich alle gesehen, aber ich zeigs euch auch gerne noch mal, falls ihr wollt:

Hier findet ihr einen exemplarischen Post dazu, nebst meinem passenderweise auch nicht völlig geglückten Kommentar.

Mir ist die Sache aber wichtig genug, um es auch noch mal in mein eigenes Blog zu schreiben: Ich mag nicht vollständig ausdrücken, wie sehr es mich anwidert, dass das die Berichterstattung und das die Debatte über Politik ist. Dass der öffentliche Diskurs sich an einer spontanen, unbeholfenen Reaktion der Bundeskanzlerin aufhängt, als wäre das das Problem, als wäre das das Thema, als wäre das die Sache, die wir ändern müssen.

Jedenfalls fällt mir keinerlei mögliche Satire mehr zu diesem Vorgang ein, in dem alle Frau Merkel vorwerfen, sie hätte mit ihrem Kommentar zur Art und Weise des Auftrittes ihrer jungen Gesprächspartnerin völlig die inhaltliche Bedeutung von deren Frage verkannt, und dabei unter Verkennung der inhaltlichen Bedeutung der Frage ausschließlich die Art und Weise des Auftrittes des Bunderkanzlerin kommentieren.

Ich fände das sogar dann maßlos schade, wenn das nur der Anfang wäre, und wir irgendwann einmal dazu kämen, wirklich über Asyl- und Einwanderungspolitik und all diesen grässlichen Kram zu reden und informierte Entscheidungen drüber zu treffen. Und wir wissen alle, dass es nicht so sein wird, sondern dass jetzt alle einmal über Merkels Empathielosigkeit schimpfen dürfen, und dass dann morgen wieder über was anderes geredet wird, weil irgendwo jemand „Hitler“ gesagt oder über eine Katze gestolpert ist, oder seine Wurst mit dem falschen Besteck gegessen hat.

Und das ist wirklich maßlos schade. Weil wir so vieles so viel besser machen müssten, in eigentlich allen Feldern der Politik, und weil das viel einfacher wäre, wenn wir wenigstens über ihre Inhalte reden könnten, und über ihre Inhalte informiert würden, wenn schon nicht statt über die dummen Fehler und Missgeschicke derer, die hauptberuflich mit ihr arbeiten, dann doch wenigstens auch.

Und unfair gegenüber Angela Merkel ist es außerdem. So unbedeutend dies angesichts des Leids der wirklich Betroffenen sein mag, will ich das auch gerne festhalten, wenn ich schon mal was dazu schreibe, weil verdammt noch mal, was hätte sie denn sagen können? Sie hat es jedenfalls besser gemacht, als ich es gekonnt hätte, was nicht viel heißt, aber ich wollts gesagt haben.

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8 Responses to Hat sie nicht so prima gemacht.

  1. Dok sagt:

    Ich gebe dir eingeschränkt Recht – die Debatte hat sich anfangs auf oberflächliche Aspekte beschränkt. Aber: sie ist da keineswegs stehengeblieben, sondern durchaus inhaltlich weitergegangen. Es kamen ja diverse Vorschläge von Wirtschaft, Handwerk und aus der Politik zur Verbesserung der Lage.
    Und dann möchte ich einen Aspekt von Merkels Reaktion doch näher beleuchten. Sie hätte die Situation nämlich viel besser lösen können, wenn sie die Gesetzgebung ihrer eigenen Regierungskoalition kennen würde. Und das kann man dann bei einem so wichtigen Thema durchaus von der Bundeskanzlerin erwarten.

  2. Fg sagt:

    Vor allem haben die meisten nur die zusammengeschnittene, dramatisierte Version gesehen. Inzwischen ist auch die ungeschnittene Sequenz vom ndr veröffentlicht worden, ich kann nur empfehlen, sich die mal anzusehen.

  3. David sagt:

    „Und dann möchte ich einen Aspekt von Merkels Reaktion doch näher beleuchten. Sie hätte die Situation nämlich viel besser lösen können, wenn sie die Gesetzgebung ihrer eigenen Regierungskoalition kennen würde.“

    Das dachte ich auch erst; in Wahrheit hat sie das aber auch getan, wie man in der ungekürzten Aufnahme (vielen Dank für den Hinweis, Fg!) sehen kann: https://www.ndr.de/fernsehen/Rohschnitt-Merkel-spricht-mit-Fluechtlingskind,fluechtlingskind108.html

  4. onkelmaike sagt:

    Hallo – Ich habe hier mal hergeklickt, tatsächlich um zu gucken, ob Du was zum Thema schreibst. Wir sind gar nicht mal so unterschiedlicher Meinung, scheint mir. (https://onkelmaike.wordpress.com/2015/07/16/die-ganzen-leute/)

    Deinen Kommentar zum Blogeintrag von mspro finde ich auch relativ treffend. Das war zumindest auch mein erster Eindruck – Durchaus intelligente Gedanken, aber passen sie zum Ereignis, das sie zum Anlass nehmen, da war ich mir unsicher (Sachverhaltsquetsche, wenn man so will).

  5. Muriel sagt:

    @Dok: Mit eingeschränkt kann ich zur Not leben.
    Ich meine natürlich nicht, dass NIEMAND jemals irgendwas Vernünftiges zu dem Thema gesagt hat oder noch sagen wird. Aber die große Debatte befasst(e) sich eben damit, den Finger auf Frau Merkel zu zeigen, weil sie was Ungeschicktes gemacht hat. Hihi.
    @Fg: Danke für den Hinweis!
    @David: Wer bist du, und was hast du mit David gemacht?
    @onkelmaike: Ja, ich denke, da passen unsere Positionen einigermaßen zusammen. Danke für den Kommentar!

  6. Oh, ja. So richtig entsetzt fand ich den Satz mit „auch mal streicheln“ … Da hatte ich Kotzreiz. Niezuvor so dolle fremdgeschämt …

  7. Autokorrektur:
    entsetzlich
    Nie zuvor

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