Sie sind Helden.

Reiner Burger erzählt uns für die FAZ was von den

Helden der Leitkultur,

und er bemüht dafür (bewusst oder unbewusst, das kann ich nicht beurteilen, und traue mir auch keine Einschätzung zu, was ich trauriger fände) denselben ollen Kniff, den … sagen wir mal: konservativ eingestellte Teilnehmende in solcherlei Debatte gerne bemühen, wenn sogar sie selbst eigentlich mitgekriegt haben, dass ihre Ideen Mist sind: Sie geben sie natürlich nicht offen auf, sondern sie lockern die Definition der dafür verwendeten Begriffe so weit auf, dass vom Space Shuttle bis zum Flugzeugträger alles reinpasst, konstatieren, dass doch in den Begriff, von dem sie seit Jahren reden, alles reinpasst, was auch die anderen gerne hätten, und schlussfolgern dann, dass sie doch schon immer recht hatten, um sich mehr oder weniger offen hämisch freuen zu können, dass das jetzt sogar die anderen endlich einzusehen beginnen. Das „sogar“ ist wichtig, denn es kennzeichnet das enorme Ausmaß des eigenen Triumphes.

Sogar politische Wunder sind dann und wann möglich. Gerade macht die Linke ihren Frieden mit der „Leitkultur“. Nach nur 15 Jahren!

Unfassbar, oder? 15 Jahre mussten Helden wie Herr Burger für die doch so wunderbare Idee der Leitkultur kämpfen, bevor endlich die gottverdammte Linke ihren Frieden damit macht.

Selbst im Eingeständnis des eigenen Scheiterns wird noch die Deutungsmacht darüber beansprucht, was in Deutschland als gut zu gelten habe.

Herr Burger meint mit diesem Satz natürlich die anderen.

Obwohl – oder vielleicht gerade weil – sich schon im Jahr 2000 herausgestellt hatte, dass es eine breite Zustimmung für das gab, worum es in der Debatte ging, wurde der Begriff Leitkultur reflexartig abgelehnt.

Dieser Satz illustriert ganz schön die Technik, die ich oben meinte. Der Begriff „Leitkultur“ wurde „reflexartig“ (wichtig: Der Hinweis darauf, dass die Leute, die einem selbst nicht zustimmen, das natürlich tun, weil sie nicht denken) abgelehnt. Und das war entweder trotz oder sogar wegen der breiten Zustimmung für „das […], worum es in der Debatte ging“. Als wäre jederzeit glasklar gewesen, worum es in dieser Debatte ging. Als wäre die breite Zustimmung irgendwie ein Indikator dafür, ob man dafür oder dagegen sein sollte. Als wäre es prinzipiell sonderbar, einen Begriff für etwas abzulehnen, dem viele Menschen in der Sache zustimmen. Und so weiter. Seht ihr, auf wie vielen Ebenen in diesem einen Satz der Wurm drin ist? Man kann ihn kaum aufdröseln, ohne ein ganzes Buch zu verfassen, oder zumindest ein Kapitel für eins.

Das will ich aber nicht, deswegen versuche ich in unser aller Interesse, ein bisschen zu verallgemeinern, ohne mich dabei zu weit von der Wahrheit zu entfernen. Falls mir das missglückt, lasst es mich bitte via Kommentar wissen. Also: Die Ablehnung des Begriffs Leitkultur mag hier und da reflexartig gewesen sein. Wer kann das schon immer und für alle ausschließen? Aber es gab jedenfalls gute Gründe dafür, und das ist ein bisschen die gleiche Situation wie bei Begriffen wie „Neger“, „Indianer“ oder „Flüchtling„: Worte können noch so gut gemeint sein, wenn sie in einer Debatte hinreichend für eine schlechte Sache vereinnahmt wurden, sollten wir uns für alle anderen Sachen andere Wörter suchen, die nicht den Ballast der alten mitbringen. Beim Begriff der Leitkultur war das so, dass bei ihr auch aus meiner nun wirklich eher nicht-linken Perspektive immer die Assoziation zu dieser ekligen „WIR sind hier schließlich zuhause, da haben DIE sich jawohl UNS anzupassen, und nicht umgekehrt, oder wie? Müssen wir jetzt auch bald arabisch lernen, und gibts jetzt bald überall Moscheen hier, oder was? So weit kommts noch!“-Haltung mit. Und viel anders kann man den Begriff auch nur schwer deuten, weil „Kultur“ nun mal ein sehr weiter Begriff ist, der von Recht und Gesetz über Sitten und Gebräuche bis hin zu Musik und Fernsehserien reicht. Und dass wir Leitmusik und Leitserien bräuchten, würde ich halt nachdrücklich bestreiten wollen. Weil sogar (Ja gut, ich machs auch. Hab aber nie was anderes behauptet.) Herr Burger das wohl nicht postulieren will, sucht er sich für seine Rechthaberei lieber konsensfähigere Beispiele und hofft, dass niemand merkt, dass er so tut, als könnte man aus diesen sehr eng gefassten Beispielen auf die Kultur insgesamt verallgemeinern:

Im Grundgesetz stehe alles drin, was man brauche für das Zusammenleben, sagte etwa Cem Özdemir vor einigen Jahren im Gespräch mit der F.A.Z.

Das ist natürlich auch schon wieder so unsinnig, dass sogar ich mir zu schade bin, es euch erklären zu wollen, aber es illustriert, was ich gerade meinte: Das Grundgesetz ist was anderes als Kultur.

Schon damals war klar, dass der demokratische Rechtsstaat sich Respekt verschaffen muss

was auch wieder ein vielfältig putziger Satz ist. Einmal, weil auch der Rechtsstaat nicht nur irgend so eine kulturelle Eigenheit Deutschlands ist, und natürlich auch, weil sich zumindest mir überhaupt nicht erschließen will, wie das Konzept der Leitkultur ihm Respekt verschaffen soll. Bei mir zum Beispiel macht es das Gegenteil.

Und so unaufrichtig geht es weiter:

In Zeiten der ungesteuerten Massenzuwanderung genügt es nun natürlich noch viel weniger, Neuankömmlingen im Notaufnahmelager ein übersetztes Grundgesetz in die Hand zu drücken und darauf zu hoffen, dass sich seine leitende Kraft schon irgendwie allein übertrage.

Weil genau das ja die Position der Gegenseite war. Türlich.

Auch [Wie gesagt, das „sogar“ ist wichtig. Anm. d. Silberstr.] Özdemir hat das erkannt. Er plädiert dafür, jedem Flüchtling bei seiner Ankunft ein ausführliches Informationspaket zu überreichen. In der Sprache der Flüchtlinge solle erklärt werden, wie das deutsche Schul- und das Gesundheitssystem funktionieren, was Weihnachten bedeutet, was die wichtigsten Ereignisse der deutschen Geschichte sind und was das Grundgesetz ausmacht.

Aha! Da haben wir dann ja mal eine bunte Mischung, die Herr Burger uns so unkommentiert nebeneinanderstellt, wohl in der sonderbaren Annahme, sie würde seine These unterstützen. Und teilweise haben die jetzt sogar wirklich was mit Leitkultur im weiteren Sinne zu tun – und sind in meinen Augen dann auch prompt gar nicht mehr besonders sinnvoll. Dass man als zuwandernde Person wissen sollte, wie das deutsche Gesundheitssystem funktioniert, finde ich zum Beispiel noch immens sinnvoll. Auch sonst sollte man darüber informiert werden, wie hierzulande die wesentlichen Gesetze gehandhabt werden, was verboten ist, was erlaubt, wahrscheinlich sogar, was als freundlich und höflich empfunden wird, und was eher als beleidigend und unangemessen. Aber das Beispiel zeigt eben auch, dass bei den Leitkultur-Advokaten etwas in den Prioritäten nicht stimmt. Als in erster Linie dringend erforderliche Information für eine Person, die aus einer völlig anderen Gesellschaft hierher eingewandert ist, fällt uns Weihnachten und deutsche Geschichte noch vor sowas wie Bedeutung und Befugnisse der Polizei, Strafrecht, Arbeitserlaubnisse, Verkehrsregeln und meinetwegen auch Ladenöffnungszeiten ein? Ich würde ja sogar darüber nachdenken, ob in Anbetracht der schieren Fülle an Informationen und Herausforderungen, die eine vertriebene Person unmittelbar nach der Einwanderung erwarten, (Pflicht?-)Lektüre über die Bedeutung von Weihnachten (welche auch immer) und den Dreißigjährigen Krieg vielleicht eher eine doofe Idee und ziemlich überflüssig sind.

Zum Beispiel: Männer und Frauen sind gleichberechtigt, weshalb Mädchen selbstverständlich am Schwimmunterricht und an Klassenfahrten teilnehmen. „Ehrenmorde“ an Töchtern und Schwestern, die ihre Partner gerne allein wählen und ihr eigenes Leben leben wollen, sind ein übles Verbrechen. Ja, Leitkultur hat auch viel mit Frauenrechten zu tun.

*seufz* Herr Burger. Ja. Donnerwetter. Da haben Sie ja mal ein kontroverses Thema angesprochen, Sie furchtloser Teufelskerl Sie. Dass Ehrenmorde nicht okay sind, war ja wirklich immer der Streitpunkt, mit dem „die Linke“ ihr Problem hatte, gell? Bloß gut, dass Sie das klarstellen.

Wer sich wenigstens dann und wann an der Basis der sozialen Wirklichkeit umschaut, weiß ohnehin, dass es ohne Leitkultur nicht geht. […] Ohne diese Führung würden auch diese Flüchtlinge bald ihre eigenen Regeln aufstellen, manche vielleicht auf die schiefe Bahn geraten.

Ja, ich sehs richtig vor mir. Wer die Bedeutung von Weihnachten nicht versteht und nicht zumindest mal gelesen hat, wann die innerdeutsche Grenze gefallen ist, der wird dann sicherlich bald zur Machete greifen und … Ach Mensch, jetzt mach ichs schon genauso wie Herr Burger. Noch mal anders:

Es gibt und gab meines Wissens keinen Dissens darüber, dass Morde und Unterdrückung von Frauen und Zwangsehen und derlei Straftaten nicht okay sind, und dass der Rechtsstaat diese zur Not auch mit Zwang und zuvor gerne mit klarer Ansage unterbinden sollte. Das Problem mit dem Begriff der Leitkultur ist genau das, was Herr Burger in seinem Artikel illustriert: Dass er keinen Unterschied macht zwischen Kultur im weiteren Sinne (Tatort, Weihnachten, Jedermann, Ode an die Freude), die vollständig optional sind und die jeder zugewanderten Person gerne piepegal sein dürfen, und strafrechtlich sanktionierten unverhandelbaren Regeln des Zusammenlebens wie dem Verbot von Mord. Und indem Herr Burger und die FAZ so tun, als wäre das alles irgendwie eins, und wer letzteres wolle, komme auch um den (mehr oder weniger direkten) Zwang zu ersterem nicht herum, zeigen sie uns, warum wir ihn besser vermeiden sollten, und uns das blödsinnige Eindreschen auf irgendwelche selbstgebauten Strohpuppen ersparen sollten, um stattdessen über die echten und dringenden Herausforderungen zu diskutieren, vor die derzeitige Situation uns und die Zugewanderten stellt.

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30 Responses to Sie sind Helden.

  1. Thomas sagt:

    Ich empfehle den folgenden „Refugee Guide“, der von einer Gruppe Ehrenamtlicher in zehn Sprachen verfasst wurde:

    http://www.refugeeguide.de/en/

    Ich habe die Lektüre als sehr informativ empfunden, weil sie einem vor Augen führt, welche selbstverständlich erscheinenden Regeln des Zusammenlebens eben nicht selbstverständlich und überall üblich sind.

  2. onkelmaike sagt:

    Ja. Die allermeisten Flüchtlinge kommen nach Deutschland und ihr erstes Interesse gilt der Identifizierung eines geeigneten Objektes für einen ordentlichen Ehrenmord. Wie unglaublich rassistisch ist m. E. denn schon die Annahme, „die“ Flüchtlinge (gemeint ist natürlich „der Moslem“) würden nicht mehrheitlich, genau wie „wir“ Deutschen mehrheitlich Ehrenmorde ablehnen? Ich gehöre tatsächlich zu den Linksgesinnten, die ohne Lust zu haben darüber näher nachzudenken, diese Leitkultur-Diskussion reflexartig ablehnen. Einfach schon, weil ich keine „Leitkultur“ erkennen oder mir auch nur vorstellen kann. Ich finde es offensichtlich, dass es hier eine große Vielzahl von „Kulturen“ gibt, man vergleiche ein bayerisches Kaff mit Köln oder bestimmten Vierteln in Berlin, das sind doch völlig unterschiedliche Welten. Allein schon in meinem eigenen Leben nehme ich verschiedene kulturelle Räume wahr, in denen ich mich Arbeit/Freizeit/verschieden Freunde bewege und in denen verschiedene Regeln und Codes gelten.
    Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, was so eine Leitkultur sein soll. Dass man keine Ehrenmorde veranstaltet? Dafür brauche ich doch keine Leitkultur, dafür reicht doch das Strafrecht. Dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind? Gute Idee, muss sich aber im Privatleben keine*r dran halten. (Mal so ganz nebenbei, dass das ja auch die Katholische Kirche nicht praktiziert, die jawohl als zur Leitkultur dazugehörig definiert werden würde?)
    In letzter Zeit wurde in Talkshows, die ich neurotischerweise ansah, häufiger sich daran aufgehangen, dass irgendein Imam XY hochrangigen deutschen Politikerinnen nicht die Hand geben wollte. Die Hand geben, das ist vielleicht Leitkultur in Deutschland. Aber wer das nun mal nicht möchte? Ich finde das vielleicht nicht gut (das nicht-Handgeben als solches nicht, aber es wird ja nach Geschlecht differenziert). Aber mich finden ja auch viele Leute nicht gut.

    Jetzt schrub ich lange Selbstverständliches, aber ich finde es auch echt zum Aufregen. Mir scheint, dass sich gerade der Diskurs verschiebt. Thomas die Misere beklagt in der Tagesschau auf wirklich sich an AfD-Publikum ranwanzerische Art und Weise die Undankbarkeit der Flüchtlinge; alle Sorgen sich über unkontrollierte Masseneinwanderung von Muslimen (aka Terroristen) und jetzt wollen wir auch noch, dass die Flüchtlinge sich mit dem Investiturstreit auseinandersetzen bevor wir uns fragen müssen, wie wir ihnen dringend benötigte Hilfe zukommen lassen können. (Ja ich weiß, Pastor Maike hat gesprochen, aber ich finde das alles echt sehr unzivilisiert).

  3. Adrian sagt:

    „Dass Ehrenmorde nicht okay sind, war ja wirklich immer der Streitpunkt, mit dem “die Linke” ihr Problem hatte, gell?“

    Gewisse Teile der postmodernen, antirassistischen Linken hat durchaus Probleme damit, Sitten, die sie fremden Kulturen zuschreibt, zu verdammen.

  4. Muriel sagt:

    @Adrian: Einschließlich Mord?

  5. Adrian sagt:

    Nich dass ich wüsste. Allerdings wurde etwa der Mord an Theo van Gogh auch relativiert.

  6. Muriel sagt:

    @Adrian: Aha.

  7. Adrian sagt:

    Bestreitest Du das? Hatten wir nicht ellenlangen Debatten über die schützenswerten Gefühle religiöser Fundamentalisten? Ich erinnere mich gut.

  8. Muriel sagt:

    @Adrian: Nö, ich bestreite das nicht. Ich sage “Aha.“

  9. Adrian sagt:

    Dann sag ich : „Fein“.

  10. Muriel sagt:

    @Thomas: Danke für den Link!
    @onkelmaike: Danke für die Ergänzung. Ich find sie sehr wichtig und treffend. Das Thema hätte ich ausführlicher behandeln müssen.
    @Adrian: Jetzt noch mal mit etwas mehr Zeit ausführlicher erklärt, weil ja auch Leute mitlesen, die vielleicht gerne wüssten, warum ich deine Kommentare nicht mochte:
    Ich kritisiere Burgers Text für die Unterstellung, dass er „der Linken“ (von der er immer wieder schreibt, als wäre sie ein gesinnungsmonolithischer Block ideologisch vernagelter Vollidioten) triumphierend entgegen hält, dass auch sie jetzt allmählich einsieht, dass man Mord auch von Leuten aus fremden Kulturen nicht hinnehmen sollte. Du zitierst diese Kritik und schreibst dazu:
    „Gewisse Teile der postmodernen, antirassistischen Linken hat durchaus Probleme damit, Sitten, die sie fremden Kulturen zuschreibt, zu verdammen.“
    und bestätigst auf Nachfrage, dass dir kein Beispiel mit Bezug zu Mord bekannt ist.
    Das heißt du antwortest auf meine Kritik an der Unterstellung, Mord wäre gegenüber „der Linken“ ein Punkt des Dissenses gewesen, mit dem Hinweis, dass es andere Punkte des Dissenses gab.
    Leuchtet ein, warum ich mir das kaum anders denn als ziemlich plumpen Versuch von Derailing deuten kann?
    Wenn du jetzt noch was dazu erläutert hättest, beispielsweise, dass du dir durchaus von manchen politischen Strömungen wünschen würdest, dass sie klarer Position beziehen in Bezug darauf, was noch Sitten und Bräuche sind, und was einfach nicht mehr akzeptabel, dann hätten wir uns da durchaus einig werden können. Ich bin ja alles andere als ein Fan der linken Seite des politischen Spektrums, aber das heißt ja nicht, dass ich völlig inakzeptable, peinliche Artikel wie diesen unterstützen muss.

  11. Adrian sagt:

    „Leuchtet ein, warum ich mir das kaum anders denn als ziemlich plumpen Versuch von Derailing deuten kann?“

    Wenn man darauf besteht, Burgers Äußerung sei nur so zu interpretieren, dass er der Linken Verständnis für Ehrenmord unterstellt, dann ja. Ich lese das aus dem Absatz allerdings nicht heraus. Es lese diesen als (durchaus generalisierende) Kritik des linken Kulturrelativismus.

  12. Muriel sagt:

    @Adrian: Burger schreibt, in einer Zeit, in der Leute Asylunterkünfte anzünden und Spitzenpolitiker von „Notwehr“ gegen fliehende Menschen reden, dass sogar „die Linke“ jetzt endlich allmählich einsieht, wie wichtig es ist, Flüchtlingen endlich beizubringen, dass Mord hier in Deutschland nicht okay ist.
    Das kann man generalisierende Kritik des linken Kulturrelativismus nennen, klar.

  13. Adrian sagt:

    „Das kann man generalisierende Kritik des linken Kulturrelativismus nennen, klar.“

    Yep, und so lese ich den Text. Als eine typisch kulturkonservative Predigt gegen linken Kulturrelativismus.

  14. Muriel sagt:

    Dann sind wir uns ja sogar einig.

  15. Adrian sagt:

    Gut. Es war nämlich nicht meine Absicht, mich mit Dir zu hauen.

  16. Muriel sagt:

    Magst du mir dann erläutern, was du mir mit deinem Kommentar sagen wolltest? Ich fürchte nämlich, ich habs aufrichtig nicht verstanden.

  17. Adrian sagt:

    Ich wollte sagen, dass nicht unerhebliche Teile der Linken in der Tat Schwierigkeiten mit Kritik an repressiven Wertvorstellungen haben, wenn diese von Menschen artikuliert und/oder gelebt werden, die aus dem nichtwestlichen „Kultur“kreis stammen.

  18. Muriel sagt:

    Mir leuchtet halt nicht ein, inwiefern du diesen Hinweis hier für relevant hieltest, oder anders, worauf du damit hinauswolltest. Ich habe diese Schwierigkeiten auch, und ich finde, wer keine hat, hat auch irgendwas nicht verstanden, und du siehst das eventuell anders, aber ich wüsste jedenfalls gerne, worum es dir ging.

  19. Adrian sagt:

    Ich wollte damit sagen, dass Burger einen wahren Kern bloßlegt, wenn er das problematische Verhältnis von Linken zu „westlichen“ Werten aufzeigt. Ich denke , dass dies – neben einer offensichtlichen (Selbst)Beweihräucherung von Konservativen – die Absicht des Artikels ist.

  20. Muriel sagt:

    @Adrian: Das mit dem wahren Kern wird mir halt wie die Absicht zunehmend egal, wenn der Verfasser genug Unaufrichtigkeit, Fremdenfeindlichkeit, Nationalismus und Unmoral drum gewickelt hat. Ganz davon abgesehen, dass mir Leute, die kein problematisches Verhältnis zu Weihnachten und Leitkultur haben, sowieso äußerst suspekt sind, und ich deshalb den angeblichen Kern des Artikels sogar dann noch eklig fände, wenn ich ihn so einschätzen würde wie du.

  21. Adrian sagt:

    Ich finde den Artikel nicht eklig. Eher langweilig-dümmlich. Er kommt halt von einem Kulturkonservativen. Was erwartet man da? Sachliche Analyse?

  22. Muriel sagt:

    Ich habe ja nicht behauptet, überrascht zu sein.

  23. Adrian sagt:

    Ich habe mich halt gewundert, warum Du Dich auf diese spezielle Aussage bezogen hast. Ich habe die eher im Kontext gelesen. Das wollte ich mitteilen.

  24. Muriel sagt:

    Und ich wundere mich, dass du dich wunderst, und wollte dir gerne mitteilen, dass ich mich auf diese spezielle Aussage bezogen habe, weil sie ein Beispiel dafür ist, was an dem Artikel so inakzeptabel ist.
    Und eigentlich wüsste ich gerne, wo und warum du das anders siehst.

  25. Adrian sagt:

    Sehe ich nicht anders, wenn man sich speziell auf diese Aussage bezieht.

  26. Anmerkung – Der Dialog lässt ja auf ein nichtverstehen der Gesprächspartner schließen, eine Erklärungsversuch:

    Was ist denn das immer mit diesem angeblichen „problematischen Verhältnis“ der Linken zu westlichen Werten, bzw. der Toleranz gegenüber „nicht westlichen Werten?“ Was m. E. auch schon wieder ne Pauschalisierung ist, die tief blicken lässt. Ich bin ja „links“ – Und finde, (würde ich meinen) Bibelfundamentalismus und Koranfundamentalismus gleich doof. Und ich glaube, dass meine Genossinnen das idR genauso sehen. (Bibel und Koran sollen sich ja z. B. auch sehr ähneln, wieso wird da immer son Gegensatz konstruiert?)
    Eine Vermutung: Viele Linke finden, dass viele „konservative Diskurse“ in denen „nicht-westliche“ Kultur kritisiert wird einen, ich nenne es mal „kulturrassistischen“ Ursprung haben. Also, eine muslimische Person tut etwas frauenfeindliches. Das wird dann darauf zurückgeführt, dass die Person muslimisch ist und das muslimisch-sein wird dann mit einer bestimmte Ethnie verknüpft, was dann im Endeffekt auf „Die Türken sind schlechter“ hinausläuft (sehr vereinfacht gesagt).

    Gegen solchen (wahrgenommenen) Kulturrassismus engagieren sich „die Linken“. Beispiel „Ehrenmorde“. Dagegen sind alle. Aber einige Diskurse im Themenkreis weisen, mE. rassistische Implikationen auf. „Sowas kommt nur bei den Ausländern vor.“ Die deutschen Ehrenmorde heißen dann „Familiendrama“.

    Wer aber die Diskurse so nicht interpretiert, sie also nicht als rassistisch empfindet, der muss sich natürlich wundern, warum die „Linken“ (oder auch nicht-Linke, trotzdem schlauge 🙂 sich aufregen.

  27. Mycroft sagt:

    Genau: Argumente gegen das angebliche oder tatsächliche Verhalten von Angehörigen einer bestimmten Religion sind nicht rassistisch, es sei denn, dieser Religion dürften nur Angehörige einer bestimmten „Rasse“ sein.
    Dass „Linke“ grundsätzlich weniger islamkritisch sind als „Konservative“ ist vermutlich wirklich nur ein Vorurteil. Die nennen das wohl einfach „Religionskritik“.

    Nebenbei: Bibel und Koran unterscheiden sich mehr als BVB und Schalke. Wenn selbst da ein Gegensatz konstruiert wird, warum nicht bei anderen Dingen?

  28. maike sagt:

    Lieber Mycroft,
    sofern die Frage ernst gemeint war: Auch die Konstruktion eines Gegensatzes zwischen Schalke und BVB finde ich ausgesprochen bescheuert. Aber im Privatleben soll jeder machen was er will. Ob ich Dortmund oder Schalke oder gar kein Fußballfan bin und mich damit auch den daraus resultierenden Anfeindungen aussetze, ist ja meine freie Entscheidung (naja, würden wohl manche Fans auch anders sehen 🙂

    Wenn ich aber nun mit einem türkischen Namen auf die Welt kam, und mir daher zugeschrieben wird Muslim, Terrorist etc. zu sein, ist das ja schon anders. Oder natürlich auch, wenn ich tatsächlich und freiwillig muslimischen Glaubens bin und mir als zwangsläufige Folge wiederum irgendwelche rassistischen Eigenschaften zugeschrieben werden, die einer Person christlichen Glaubens niemals zugeschrieben werden würden (BVB/Schalke ist ein gleichrangiger Gegensatz – Muslim/Christ in unserer Gesellschaft zumindest nicht). (ja, die Christen in der Türkei und Saudi Arabien werden auch doof behandelt 🙂

  29. Mycroft sagt:

    Oh, sorry, ich dachte, die Frage nach den Unterschieden zwischen Koran und Bibel wäre ironisch gemeint gewesen.
    Mein Fehler.
    Dass man es als Muslim mit Vorurteilen zu tun bekommt, ist leider so. Dass man es aber als Christ in unserer Gesellschaft nicht mit Vorurteilen zu tun bekäme, halte ich mal für ein Gerücht.
    Ja, die Gleichwertigkeit ist im Unterschied zu Schalke/BVB nicht gegeben, weil es hierzulande mehr Christen als Moslems gibt.

    Ach, und zum Thema „Privat“leben: dass Christen oder Moslems sich an bestimmten Wochentagen in speziellen Versammlungsorten treffen, haben sie mit Fußballfans gemein, aber letztere tragen dabei deutlich mehr Symbole und Flaggen ihrer Gemeinschaften und singen deutlich mehr Schmählieder über die anderen.

  30. […] geht um was ganz Anderes, nämlich um die Thesen des Bundesinnenministers zur Leitkultur. Und ja, ich bin das Thema auch leid (Pun not intended.), aber wie ich schon mal schrieb: Wir machen das, bis es alle verstanden […]

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