Loast Beef

Die ersten Tage unserer Japanreise haben wir innerhalb Tokyos verbracht und dabei hin und wieder mal ungefähr das japanische Äquivalent einer S-Bahn benutzt, aber heute stand unsere erste etwas längere Reise in … wohl sowas wie einem Interregio an, und damit auch die erste, bei der wir die 1.-Klasse-Sonderfähigkeit unseres machtvollen Railpass+4 nutzen konnten. Wir waren angemessen aufgeregt und wurden sogar im Großen und Ganzen nicht enttäuscht. Leider haben wir trotzdem vergessen, ein Foto vom Innenraum des Zugs zu machen. Der war nun auch nicht ganz grundlegend anders als der von deutschen Zügen, aber ihr kennt das, es sind die kleinen Unterschiede, die eine Reise spannend machen. Wir fanden es zum Beispiel toll, dass die Mitarbeiterinnen von Japanese Railway sich vor dem Verlassen eines Wagens immer noch mal umgedreht und zu den Reisenden verneigt haben.

Zum Ausgleich haben wir sehr viele Fotos vom Außenraum des Zuges gemacht. Auch wieder nicht, weil da unfassbare Schönheiten zu sehen waren, sondern um einfach mal festzuhalten, wie Japan so aussieht, wenn man durchfährt. Nämlich zum Beispiel so:

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Vor lauter Begeisterung sind wir in Kamakura dann eine Station zu früh ausgestiegen, haben das aber nicht bereut, denn diese Haltestelle lag direkt an einem kleinen japanischen Friedhof, mit dem wir deshalb unsere Besichtigung gleich begannen. So sehen die aus:

Fanden wir sehr gelungen. Überhaupt stehen wir ja auf den japanischen Stil. Aber die eigentlich als Sehenswürdigkeiten vorgesehenen Bauwerke sind dann natürlich noch mal eindrucksvoller:

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Das ist Hase-dera, und als besonderes Feature gab es dort ein Mani-Guruma zu besichtigen und sogar anzufassen. Das ist im Grunde eine Bibliothek für religiöse Texte.

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Das Große in der Mitte heißt Rinzo und enthält alle Sutras. Wenn man es dreht, erhält man deshalb genauso viele Gummipunkte, als hätte man sie alle gelesen. Weil das große Ding ziemlich aufwändig zu drehen ist und man vielleicht auch gar nicht weiß, wohin mit so vielen Gummipunkten, gibt es noch kleinere Behälter mit einzelnen Sutren drin. Das Prinzip ist das gleiche. Man dreht die und hat damit seine Pflicht getan. Man erkennt daran, dass westliche Religionen keineswegs ein Monopol auf vage alberne Rituale haben.

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Zumindest gibts aber keine Diskussion drüber, wer die schöneren Gärten baut. Und die Höhle zum Schluss war auch gut anzusehen.

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Das ist ein kleiner Buddha. Vielleicht mögt ihr lieber größere Buddhas. Keine Sorge. Gibts auch.

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Und Tee. Bei Weitem nicht so viel und so gut, wie wir gehofft hätten – es war wie in China, niemand scheint hier zu verstehen, was Leute mit Tee wollen und wie man auf die Idee kommt, sowas zu trinken -, aber es gab ihn. Vor allem als Matcha-Tee in den Tempel-Gärten und meistens nur bis 1500 Uhr oder so, weshalb wir ihn meistens sogar da verpasst haben.

Das Format war dann auch immer ziemlich genau so. Die genaue Gestaltung variierte, aber es war immer so eine Schale Matcha mit was Kleinem Süßem. Das Keks-Ding war eigentlich immer wirklich nur süß, fast wie Traubenzucker, hat aber den sehr herben starken Matcha gut ergänzt. Eine rühmliche Ausnahme gabs, aber zu der kommen wir in einem späteren Reisebericht, das war nämlich erst fast zum Schluss in Okinawa.

Aber als Ausgleich für den Teemangel gabs an diesem Abend noch die Chance, an einem schon wieder anderen Tempel eine echte Zeremonie mitzubekommen.

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Wir vermuten, dass es eine Eheschließung war, weil da ein Mann und eine Frau im Zentrum der Aufmerksamkeit eines Priesters und einer Gruppe mutmaßlicher Verwandter standen, und natürlich kann man es für ein bisschen sonderbar halten, dass wir das dann fasziniert beobachtet und fotografiert haben, aber wofür ist man denn Touristen?

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Nachdem wir uns an den Familienangelegenheiten anderer satt gesehen hatten, suchten wir vergeblich ein geeignetes Abendessen in Kamakura und fuhren deshalb zunächst nach Tokio zurück, wo wir dann noch sehr zufriedenstellend satt wurden.

Am nächsten Morgen genossen wir nur kurz den Blick aus unserem Fenster, bevor wir voller Vorfreude aufbrachen zum Senso-Ji-Tempel. Die Idee hatten zwar noch ein paar andere Leute,

aber es waren noch nicht so viele, dass es schlimm gewesen wäre, auch wenns auf dem Foto ein bisschen so aussieht, und außerdem gab es für den Andrang einen guten Grund:

Ja… Dramaturgisch ein bisschen ungünstig, dass das Video den Tempel so weitgehend vorwegnimmt, aber andererseits finde ich die Überleitung so schön, deshalb sind diese Fotos nun ein bisschen antiklimaktisch, nichts zu machen, vielleicht wollt ihr ja noch mal rekapitulieren:

Von dort eilten wir sodann zum Fährenterminal, weil wir spontan den Entschluss gefasst hatten, den Fluss herunter zum Hama-Rikyu-Park zu fahren, und weil es schon wieder knapp wurde, weil in Japan alles um vier Uhr nachmittags schließt. Zum Glück schafften wir es noch rechtzeitig zum Terminal.

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Das Goldene ist eine Flamme, ihr Blödleute, hört sofort auf zu kichern, es ist eine Flamme und sieht voll gut aus und passt als Flamme prima auf das Dache einer … Brauerei. Weil die ja auch was mit Hitze machen im Laufe des Prozesses. Bier, Feuer, gehört doch zusammen wie … Bier und Feuer halt, oder?

Die Entscheidung stellte sich als eine ausgezeichnete heraus, denn nicht nur waren wir auf dem Boot in so cooler Gesellschaft wie lange nicht mehr, uns begrüßte auch gleich am Eingang zum Park eine wichtige Information für alle, die sich von fernöstlicher Philosophie erhoffen, eins mit dem Kosmos zu werden:

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Das Entstehen dieser Rape-culture haben wir leider nicht mehr gesehen, dafür aber zum Beispiel diese sehr schöne Wildblumenwiese:

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und natürlich auch wieder tolle Teiche mit Teehäusern und fein geformten Büschen:

Auch wenn wir nicht mehr viel Zeit hatten, um die entspannte Atmosphäre zu genießen, und auch wenn es natürlich wieder keinen Tee mehr gab, hat der Park uns ausnehmend gut gefallen. Wir verließen ihn gefühlt als so ziemlich die letzten und kämpften uns sogleich tapfer durch Baustellen und über Ampeln und all diese Gefahren des Großstadtlebens zu unserem nächsten Ziel. Wie, nächsten Ziel? Habe ich nicht behauptet, alles würde um vier Uhr nachmittags schließen? Nun ja. Fast alles.

Die Einkaufszentren sind natürlich doch noch ein bisschen länger für ihre Gäste da.

Dieses spezielle bietet neben einem beeindruckenden Blick auf die Stadt und die so genannte Rainbow Bridge

und der Möglichkeit der Anreise in einer vollautomatischen Hochbahn, die ohne Fahrerin auskommt und in der man deshalb ganz vorne am Fenster stehen und filmen kann (Ja gut, das Video ist nicht so doll geworden. Aber es veranschaulicht das Prinzip und die Atmosphäre.)

noch eine weitere ganz besondere Attraktion:

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Das Speiseeis der Zukunft! Dippies! Eis in kleinen Kügelchen statt großen Kugeln! Dippies! Das ändert alles! Probieren auch Sie heute noch Dippies! Das Speiseeis der Zukunft!

Und als wär das alles noch nicht genug, fanden wir außerdem noch eine Videospielhalle mit einem hervorragenden Armdrückautomaten

der meinen in Jahrzehnten am Rad des Schmerzes gestählten Armmuskeln natürlich trotzdem nicht gewachsen war

sowie einen Souvenirladen, der nebst Kit-Kat-Riegeln in Sorten wie Bohnenpaste, Matcha-Tee (drei verschiedene Sorten) und Wasabi auch noch diese herrlichen japanischen Essensnachbildungen als Kühlschrankmagneten bot:

Sind die nicht ganz große Klasse? Wollt ihr die nicht auch sofort alle haben?

Nach so einem Augenschmaus an Fake-Essen wollten wir natürlich auch irgendwann mal richtiges. Völlig überraschend entschieden wir uns ausgerechnet an diesem Abend gegen ein Essen im Einkaufszentrum und für eines in einem kleinen Restaurant, das uns auf dem Weg zu und von unserem Hotel immer mal wieder ins Auge gefallen war. Die Karte enthielt neben Walfleisch (das wir aus Mitgefühlsgründen nicht bestellt haben, obwohl einer von den Pottwalen im Aquarium neben dem Eingang echt köstlich aussah) auch noch diverse ulkig falsch geschriebene Gerichte, von denen eines den Titel dieses Beitrages bildet. Geschmeckt hat es aber, und wir mochten auch die traditionelle Unterbringung auf dem Fußboden kleiner Abteile, in denen wir völlig ungestört unser Dinner genießen konnten.

Und das war dann dieser Reisebericht. Ich bedanke mich für euer Interesse, verabschiede mich für heute und freue mich aufs nächste Mal. Bis bald!

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6 Responses to Loast Beef

  1. Triffels sagt:

    Nur so aus Interesse, welcher Teil des doch recht robust aussehenede Holzbauwerks da oben ist denn drehbar?

  2. Muriel sagt:

    Man montiert das in so einem kleinen Pavillon auf einem Fundament in einem Garten auf einer Insel an einem Kontinent auf einem frei beweglichen Planeten, dann geht das.
    Außerdem dreht sich das Ding in der Mitte, innerhalb der Säulen.

  3. Triffels sagt:

    Öm, danke für die Motageanleitung? Jetzt brauche ich noch ein Rinzo und einen frei beweglichen Planeten.

  4. Muriel sagt:

    @Triffels: Zum Mormonentum konvertieren. Mormonismus? Mormonie?

  5. Triffels sagt:

    @Muriel: Wieso, haben die Rinzos?

  6. Muriel sagt:

    @Triffels: Weiß nicht, aber Planeten. Irgendwie.

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