Da ist man mal ein paar Wochen weg

Heieiei, Leute. Ich dachte ja, es ist nicht so schlimm, wenn ich eine Weile nicht so viel schreibe, und die wirklich treuen Leserinnen und Leser werden wissen, dass ich irgendwann schon zurück komme und sie erlöse. Aber jetzt muss ich doch sagen, dass ohne meinen leitenden und ordnenden Einfluss die öffentliche Meinung ziemlich aus dem Ruder gelaufen zu sein scheint. Ich kann mich deshalb nicht länger meiner Verantwortung entziehen und habe entschieden, mal wieder ein paar Worte fallen zu lassen, um die Dinge zurück in geordnete Bahnen … äh, was? Wie bitte? Zweistellig? Naja, aber wenn die dann ihren Freunden und ihrer Familie …? Nee? Na gut, also… Ach, jetzt hab ich mir aber schon was überlegt, jetzt schreib ichs auch, oder? Kann ja nicht schaden.

  1. Ausstieg Großbritanniens aus der EU. Ihr habt das schon richtig gelesen, ich meine das, worüber alle gesprochen haben. Ich weigere mich nur halsstarrig, es so zu nennen. Ich schreib ja auch nicht BrAngelina. Wer bin ich denn? Zur Sache: Ja gut, das war natürlich schade, aber ich fands andererseits nicht verblüffend, und war von den Reaktionen der anderen Seite eigentlich viel enttäuschter. Weil ich denke, sicher, es ist wahrscheinlich für Großbritannien nicht so richtig schlau, die EU zu verlassen, weil die Mitgliedschaft da natürlich verschiedene nicht zuletzt wirtschaftlich sehr relevante Vorteile hat, aber … Also man kanns halt auch übertreiben, oder? Es gibt ja nach meinem Informationsstand erwiesenermaßen Länder außerhalb der EU, in denen die Bevölkerung nicht darauf angewiesen ist, die eigenen Nachkommen zu verspeisen, um zumindest die ärgste Not zu lindern, und die schon eine ganze Weile keine Angriffskriege gegen Deutschland mehr geführt haben. Etwas ernsthafter: Ja, ich sehe natürlich auch, dass es einfach ein mieses Signal ist, dass jetzt so ein eigentlich ganz zivilisiertes Land aus so blödsinnigen Gründen, zu denen offenbar ganz maßgeblich auch schlichte Xenophobie gehört, dieses vielversprechende Projekt verlässt, aber erstens muss man doch auch sagen, dass an der EU wirklich ein paar Sachen nicht so gut geregelt sind, und dass es deshalb zweitens ein ganz interessantes Experiment ist, mal zu sehen, was passiert, wenn jemand rausgeht, weil das ja auch für die anderen Mitglieder anschaulich demonstrieren könnte, wie wertvoll das Ganze entweder ist, oder dass sie sich vielleicht doch noch mal überlegen sollten, wie sie es organisieren. Drittens finde ich so ganz prinzipiell, dass es jedem Club ganz gut tut, wenn ihm bewusst ist, dass seine Mitglieder ihn verlassen können. Und viertens … Ja, viertens:

Zum ersten Mal begrenzt eine Generation die Chancen der Nachfahren, statt sie zu erweitern.

Before the end of this year, the Brexit will be seen as the worst decision in the history of the UK.

I don’t think I’ve ever wanted magic more.

Den Vogel abgeschossen hat in meiner Wahrnehmung dieser Kommentar von Martin Walker, zu dem ihr meine Meinung praktischerweise auch gleich drüben bei Facebook lesen könnt, wenn ihr mögt. Aber der Wettstreit darum, wer die Protagonisten des Ausstiegs am nachdrücklichsten zu den schlimmsten Menschen der Welt erklären kann, ist auch spannend anzusehen.

Und ganz egal, wie schlimm es jetzt wird, ganz egal, ob wir die EU für eine tolle Sache oder eher ein Ärgernis halten, ganz egal, ob wir demokratische Entscheidungen respektieren wollen oder nicht, einfach insgesamt ganz egal: So geht’s nicht. Das ist einfach schauderhafter Bullshit. Das ist einfach indiskutabel und ärgerlich. Wir reden über ein Land, das Sklaven gehandelt, ein weltumspannendes Imperium mit Gewalt und ihrer Androhung beherrscht hat, ein Land, das Kriege geführt und Hitler gegenüber eine Appeasement-Politik für eine gute Idee hielt, in einer Welt, in der jeden Tag Kinder verhungern, Millionen auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung sind, und … Ich muss nicht weiter schreiben, oder? Der Ausstieg aus der EU ist weder das Schlimmste, was Großbritannien je gemacht hat, noch ist er in der allgemeinen Verhältnismäßigkeit eine enorme Katastrophe. Und wer so was schreibt wie da oben, den kann ich nicht mehr ernst nehmen, und will ich auch gar nicht, weil ich meine Zeit gerne anders verschwende als mit dem Durchsteigen durch schwachsinnige Hyperbeln und Superlative und Panikmache.

  1. Roboter, ganz gleich ob von Tesla oder von der Polizei: Es ist halt einfach gerade eine Zeit, in der ich mich noch schwerer tue als sonst, meinen Respekt vorm Journalismus nicht insgesamt zu verlieren. Weil hier auch wieder so viel rumkrakeelt und clickgebaitet und mit Superlativen um sich geworfen wird, dass ich mich frage, ob unsere großen Veröffentlichungen vielleicht sogar bewusst nur noch kurzfristig Geld verdienen wollen und die Idee, ein langfristiges Geschäftsmodell auf dem Vertrauen ihrer Kundschaft aufzubauen, schon weitgehend aufgegeben haben. Weil doch letzten Endes die Fragen, die hier aufgeworfen werden, im Detail interessant sein mögen, insbesondere für die betroffenen Personen natürlich, aber doch weder fundamental noch neu sind. Eine Maschine übernimmt Aufgaben von Menschen, und manchmal verhält sie sich dabei so, wie die Menschen es sich gedacht haben, und manchmal nicht. Wer da ganz fundamental neue philosophische und juristische Probleme sieht, hat in meinen Augen ein sonderbares Verständnis von Philosophie und Jura. Aber abgesehen von der oberflächlichen Clickbait-Seite, die alles natürlich nicht besser macht, habe ich hier den Verdacht, dass es noch einen anderen Grund für die unangemessene Lautstärke der Äußerungen gibt: Den Kult, den unsere Gesellschaft meines Erachtens unvernünftigerweise um das Konzept von Schuld veranstaltet, ohne dieses überhaupt vernünftig zu Ende entwickelt zu haben. Denn ohne sie jetzt alle systematisch ausgewertet aufzählen zu wollen, habe ich den Eindruck, dass diese Frage die Schreibenden und Redenden an dem Thema besonders verwirrt. Wenn der Fahrer selbst gar nicht mehr fährt, wer ist denn dann schuld? Jemand muss doch Schuld haben? Wie soll das denn alles weiter gehen, wenn jetzt bald Dinge passieren, an denen wir niemandem die Schuld geben können? Und ich finde, dass das auf zwei Ebenen Blödsinn ist. Erstens, weil es wie gesagt nicht neu ist. Es passieren dauernd Sachen, an denen niemand in dem Sinne schuld ist. Tiere sind ein naheliegendes Beispiel, das nach meinem Eindruck sogar ganz gut übertragbar ist auf den aktuellen Stand von KI. Wenn jemandes Pferd einen Unfall verursacht, fragt ja auch niemand, ob jetzt das Pferd Schuld ist. Man guckt, ob jemand auf das Pferd hätte aufpassen müssen und ob der wiederum seine Pflichten schuldhaft verletzt hat, und so weiter. Zweitens ist das mit der Schuld in meinen Augen sowieso ein blödsinniges Konzept, von dem wir uns zumindest im metaphysischen Sinne dringend verabschieden sollten. Verantwortung kann und sollte man irgendwie zuordnen, und Pflichten muss man in einem funktionierenden Rechtssystem auch irgendwie statuieren, aber Schuld ist doch nur dafür da, dass Feuilleton-Autorinnen und -Autoren sich bedeutungsschwanger mit Anspielungen auf olle Philosophen was über Gehirnforschung und freien Willen zuraunen können. Pah. Und was ist denn eigentlich mit dieser Juraprofessorin los, die für den Guardian sagen darf: „we typically examine deadly force by the police in terms of an immediate threat to the officer or others. It’s not clear how we should apply that if the threat is to a robot„? Öh. Hm? Was ? Es ist für diese Rechtsexpertin unklar, ob tödliche Gewalt angemessen ist, wenn jemand eine Maschine bedroht? Sagt das nicht vor allem was Bedenkliches über ihren Status als Expertin aus?
  2. EM und Flaggen: Ich hab selten Gelegenheit, mit der Grünen Jugend einer Meinung zu sein, deswegen will ich diese weidlich nutzen, und weil Beate drüben in ihrem Blog meinen Kommentar nicht freischalten mochte, übernehme ich ihn einfach hier und finde, damit ist zum Thema Fußball und Nationalismus und so das Wesentliche gesagt.
    „Ja, aber nee. Anderen vorzuwerfen, sie würden die Welt ohne Komplexität sehen, und dann selber Fahnen für unproblematisch erklären und einfach behaupten, Fußball wäre ja nur die guten Dinge, und die schlechten wären halt keiner, das ist … in meinen Augen extrem unterkomplex.Natürlich sind Nationalfahnen problematisch, weil sie für Nationen stehen, und weil sie damit zwangsläufig mit Nationalismus assoziiert sind. Man kann sicher trotzdem entscheiden, dass man es manchmal lustig findet, eine zu schwenken. Ich persönlich finde das komisch, weil das Ding für so viel Scheußliches steht, aber meine Güte, Symbole sind ja nur welche, weil wir sie als solche sehen, und jedem sein Ding.Aber so wie hier gehts in meinen Augen echt nicht. Kritik an Fahnen und dem Nationalismus, der Turnieren wie der EM zwangsläufig inne wohnt, ist was sehr Berechtigtes, und gerade in der heutigen Zeit auch etwas Nötiges. Man muss sich deshalb nicht von allem abhalten lassen, was einem Spaß macht, aber die Kritiker so runterputzen muss und sollte man auch nicht.Find ich.“ Oder?
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6 Responses to Da ist man mal ein paar Wochen weg

  1. Thomas R. sagt:

    Schön, dass du wieder da bist!
    Das Internet ist langeweiliger ohne Old Man Muriels geschüttelte Faust.

    Zu 2:

    Die völlig das Thema verfehlenden und teilweise hanebüchenen Gedanken rund um die Implikationen moderner Technik, die in den letzten Tagen zu lesen waren, gehen schwer an meine Nerven.

    Ich frage mich, ob das Problem wirklich ein grassierendes Missverständnis von Technik ist (das sich schon durch das Ansehen von einigen mittelguten SciFi-Filmen beheben ließe, Herrgott!), oder ob ich mich eher freuen sollte, dass die Teilnahme am öffentlichen Diskurs nicht mehr nur den Klugen vorbehalten ist.

    Der von mir sehr geschätzte Udo Vetter schreibt zu dem Vorfall in Dallas (sollte ich das verlinken? https://www.lawblog.de/index.php/archives/2016/07/08/gezielte-toetung-durch-einen-roboter/ ) :
    „Noch komplizierter wird es, wenn der Sprengroboter ganz oder teilweise von künstlicher Intelligenz gesteuert wird. Klingt zu sehr wie Zukunftsmusik? Für mich seit heute nicht mehr.“

    Und ich frage mich: Wo kommt das denn plötzlich her? Künstliche Intelligenz? Seit heute keine Zukunftsmusik mehr? Nicht, dass das nicht eine spannende Frage ist, aber was hat es mit den aktuellen Ereignissen zu tun? Ein Polizist hat eine Bombe an ein (extrem stabiles) ferngesteuertes Auto mit Kamera und Greifarm gebunden und sie mit den Mitteln ausgelöst, derer er sich wohl bei all seinen Bomben bedient. Dafür hat man, so heißt es, 25 Minuten gebraucht, weshalb ich vermute, dass man noch Tesafilm suchen musste. Ich kann nichts, aber auch garnichts an diesem Sachverhalt erkennen, das bei vernünftigen Leuten Gedanken über eine Verlagerung von Verantwortung, Schuld oder den Verlust des menschlichen Alleinstellungsmerkmals als einzige bombenzündende Spezies aufkommen lassen würde. Und Udo Vetter ist ja nun kein Aluhut-Clown, sondern ein (wie man hört) durchaus gebildeter und überlegter Zeitgenosse (und bestimmt ein netter Kerl. Nichts für ungut, Udo).

    Gab es hier eine Längenbegrenzung?
    Ich höre mal lieber erstmal auf, bevor ich noch die Dinge aufzähle, die ich in den SpOn-Kommentaren über den Tesla-Autounfall gelesen habe. Nur soviel: „Diese Autos sollten alle verboten werden, weil sie uns töten, wenn sie ein Bewusstsein entwickeln“ [freies Zitat] stand auf der traurigen Liste der Unvernunft nicht ganz oben.

  2. Muriel sagt:

    @Thomas R.: Danke für die freundliche Begrüßung und die Ausführungen zur Sache! Kommentare können hier prinzipiell beliebig lang sein, und ich glaube, das wurde auch schon um ein Vielfaches weiter ausgereizt, als du es jetzt getan hast.
    Zu Vetter habe ich bisher keine Meinung, außer dass mir vor langer Zeit ein paar seiner Äußerungen vage unsympathisch waren und ich ihn deswegen nicht abonnieren wollte, aber dein Zitat von ihm lässt mich diese vorläufige Einschätzung nicht unbedingt noch mal zur Überprüfung vormerken.
    Was wir heute großspurig Künstliche Intelligenz nennen, weil es sich dann futuristischer liest und besser vermarkten lässt, macht rechtliche Fragen kein bisschen kompliziert. Wenn es irgendwann mal eine echte KI gibt, eigentlich auch nicht, nur dass wir dann eben endlich ein bisschen was von unserem teilweise blödsinnigen Anthropozentrismus weg müssen, um das noch vernünftig zu handhaben. Und alles dazwischen ist ja eigentlich auch keine komplizierte juristische Frage, sondern eher eine schwierige solche für die Sachverständigen, auf deren Gutachten sich die Richterin dann eben stützt.
    Aber das meine ich oben eben auch. Es ist ein bisschen wie wenn man Leuten zu Diskussionen über Freien Willen zuhört: Wenn man nicht nur von der Sache nichts versteht, sondern die Dinge, über die man gerne reden will, noch nicht mal irgendwie sinnvoll definieren kann, wirkt das natürlich alles herrlich mysteriös und philosophisch hoch anspruchsvoll …
    Ähja. Wir scheinen uns einig zu sein. Aber das kann ja auch mal ganz angenehme Diskussionsverläufe ergeben.

  3. Zaungast sagt:

    Ach wie nett, wenn das Drücken von F5 endlich mal wieder was bewirkt. 😉

    @3: Es ist ja ein bisschen gemein, hier auf fremdem Blog quasi hinter dem Rücken von Fr. Metz über ihre Flaggenbegeisterung zu lästern, aber auch ich musste doch sehr schmunzeln ob ihres Loblieds auf den beflaggten Sport („Dafür steht Fußball! / Dafür steht Fußball nicht!“) und dachte mir „ah, das muss diese normalkomplexe Welt sein, in der sie lebt“. Aber is ja auch Ausnahmezustand!!! während der EM, dafür hab ich Verständnis.

    Allerdings: Die Kritik (also zumindest bei dir jetzt) lautet in Notizform – du unterbrichst mich wenn ich unzulässig verkürze – in etwa:
    Flagge beim Fußball -> Nation -> Nationalismus -> kann man sich guten Gewissens nicht inbrünstig dahinter stellen

    Wie du selbst schreibst, erhalten Symbole ihren Symbolgehalt aber erst dadurch, dass wir ihn ihnen geben, und das ist wohl auch der Punkt, an dem Leute wie Beate, die ihr Flaggezeigen und Anfeuern völlig harmlos finden, höchst erbost werden, wenn ihr Sportenthusiasmus als Nationalismus ausgelegt wird. Weil sie der (deutschen) Flagge zumindest bei diesem Anlass eben nicht dieselbe oder so umfassende/schlimme Symbolik beimessen.

    Wenn man das aber anerkennt, ist es relativ schwer, mit der Grünen Jugend einer Meinung zu sein, finde ich. Denn die ließ schließlich verlauten, dass die „Fahnen runter!“ sollten, um „nationalistischem Gedankengut keinen Raum zu lassen!“ – was im Umkehrschluss nur heißen kann, dass jegliches Deutschlandfahneschwenken, und sei es auch ganz harmlos motiviert, nationalistischem Gedankengut irgendwie Raum gibt.

    Da, würde ich sagen, muss man kein AfD-Anhänger sein, um zu kritisieren, dass die Bekämpfung von böser Geisteshaltung hier vielleicht allzu ungezielt in eine pauschale Bekämpfung spezifischer Symbole gemündet hat. Oder?

  4. Muriel sagt:

    @Zaungast: Auch dir vielen Dank für den freundlichen und inhaltlich weiterführenden Kommentar. Frau Metz ist ja irgendwie selbst Schuld, denn sie hätte die Debatte ja bei sich haben können, und hinterm Rücken ist es Dank Trackback auch nicht so sehr, aber wir sollten natürlich trotzdem freundlich bleiben und können uns von dem konkreten Beispiel sogar komplett lösen, weil ist ja egal.
    Ich muss zugeben, gar nicht genau zu wissen, was die Grüne Jugend im Detail zu dem Thema äußert, aber meine Position wäre ungefähr, dass es gewisse Symbole gibt, die so eindeutig belegt sind, dass ich sie nicht einfach öffentlich benutzen und mich dann damit rausreden kann, ich hätte sie anders gemeint. Wenn ich als Richter an meine Robe einen FDP-Button hefte, mache ich mich lächerlich, wenn ich mich damit rausreden will, das stünde für “Für Demokratische Parteien“, oder so. Nationalflaggen sind Symbole von Nationalstaaten und werden von praktisch jedem Menschen auf der Welt auch so gelesen, und auch die Begeisterung für “unsere Mannschaft“ ist in meinen Augen was Nationalistisches, sogar ohne Flaggen, und deshalb in meinen Augen doof und schädlich.
    Wie doof und schädlich genau, kann ich nicht sagen, jedenfalls nicht genug, dass ich ein Verbot fordern würde (Wäre ja auch arg absurd.), aber jedenfalls genug, dass ich wünschte, die Leute würden es lassen.
    Oder kürzer: Doch, ich denke durchaus, dass Deutschlandfahnenschwenken nationalistischem Gedankengut Raum gibt, mal mehr, mal weniger, aber unweigerlich.

  5. Zaungast sagt:

    Auch ich muss was zugeben, nämlich dass es anscheinend nicht eine einzelne Verlautbarung von DER Grünen Jugend dazu gab, sondern offenbar mehrere GJ-Landesverbände sich dazu geäußert haben – die Zitatfetzen bei mir oben stammen von der GJ Rheinland-Pfalz, wohingegen die meiste mediale Aufmerksamkeit wohl der GJ Berlin zukam. Ich behaupte aber mal galant, dass die Berliner die Zitate aus RLP auch unterschrieben hätten. Und wenn nicht, dann is auch nicht so wichtig jetz.

    Ich finde es selber immer eigenartig, dass zu sportlichen Großereignissen plötzlich alle um mich rum auf einmal ihre Vaterlandsverbundenheit entdecken. Von daher und weil mir das Thema auch nicht bedeutend genug ist, möchte ich gar nicht allzu tief in die anstrengende Rolle des advocatus diaboli schlüpfen.

    Ein Streitpunkt bei der Symbolsache ist aber wohl die Frage, ob ein Symbol wie eine Landesflagge kontextabhängig auch für „weniger“ stehen kann als das ganze beachtliche Sammelsurium von Dingen, das die Entität „Deutschland“ beinhaltet. Man würde es sich sicherlich zu einfach machen, sich einfach nach gusto auszusuchen, wofür das Fähnlein heute stehen soll („Dafür steht Deutschland! / Dafür steht Deutschland nicht!“). Ich bin aber andererseits auch recht sicher, dass es gefühlt unlauter ist zu unterstellen, dass schwarz-rot-goldener Schmuck auf der Fanmeile als Jubel für, wasweißich, den Bundeswehreinsatz auf dem Balkan damals zu sehen ist.

    Oder anders: Kontext und Intention sollten bei der Beurteilung nicht einfach hintenunter fallen, denke ich. Wobei, hilft hier ja letztlich nicht – für dich trägt ja schon die „harmlos gemeinte“ Begeisterung für die Nationalelf nationalistische Züge. Was ich, wohlgemerkt, durchaus nachvollziehen kann. Dann greift allerdings ein „Fahnen runter!“ auch noch zu kurz, sondern man müsste wenigstens mal die EM und alles abschaffen.

    Dann wär aber, wie soll ich sagen, Ausnahmezustand!!!

  6. Muriel sagt:

    Ja klar, aber ich schildere ja auch nur, was ich für wünschenswert hielte, nicht, was ich als realistisches Ziel anstrebe.

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