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29. September 2016

Donald Trump macht mir gar nicht so besonders viel Angst. Vielleicht ist das mein Fehler. Denn er ist natürlich ein Phänomen, das man aus guten Gründen mit Sorge beobachten kann. Vergleiche mit der AfD und ähnlichen Gruppierungen in Deutschland drängen sich auf, sicher sind da ähnliche Mechanismen am Werk. Aber was ich eigentlich schlimmer finde, ist die Berichterstattung. Na gut, man kann das nicht gut trennen, weil insbesondere Trump als Phänomen ja durch die und in der Berichterstattung überhaupt erst stattfindet. Aber was ich meine, sind solche Sätze wie dieser:

Das eigentliche Drama, das sich da vor einem Weltpublikum ereignete, handelte von einem untergründig spürbaren Beben, das geeignet ist, das Rationalitätsprinzip des Diskurses auszuhebeln.

Dieser ist jetzt aus einem Artikel auf zeit.de, aber ich lese so was öfter. Gefolgt wird es wie auch hier meistens von einem oder zwei Absätzen, in denen es darum geht, dass in den Echokammern und Filterblasen der sozialen Medien dann dezentral die jeweils eigenen Narrative perpetuiert werden, völlig unabhängig von den Fakten und – so schwingt es mal mehr, mal weniger subtil mit – der doch eigentlich maßgeblichen Einschätzung der großen kommerziellen Medien.

Und ich finde, nein. Ich finde, das ist nicht das eigentliche Drama. Das eigentliche Drama ist, dass man bei zeit.de, und bei deren Mitbewerbern, offenbar im Ernst glaubt, unser öffentlicher politischer Diskurs wäre vor Trump oder sogar jetzt auch noch beherrscht von einem Rationalitätsprinzip. Das ist eine abwegige, eine gefährliche Vorstellung, weil sie den Status Quo als richtig und in Ordnung zementiert. Und natürlich ist mir schon klar, dass Trump an Dreistigkeit, demonstrativer Gleichgültigkeit gegenüber Fakten und auch an argumentativer Brutalität solchen Leuten, wie sie bisher auf dieser Ebene üblicherweise auftraten, noch ein bisschen was voraushaben mag. Das erkenne ich an, und das meinte ich mit meiner einleitenden Bemerkung: Trump ist schlimmer als die anderen. Denke ich auch.

Aber so zu tun, als brächte er dieses völlig neue Phänomen mit, das finde ich inakzeptabel. Dieser rationale politische Diskurs, dem man gerade vielerorts nachtrauert, und der früher doch noch selbstverständlich war, bevor Facebook und Twitter und all diese Echokammern und Filterblasen ihn vergiftet haben, indem sie ihn aus der Hand der FAZ und der NYT rissen, hat uns immerhin Dinge beschert wie die Strafbarkeit von Homosexualität bis 1994, oder die unfassbar verlogene Debatte bis hin zur Bundesverfassungsgerichtsentscheidung zum Inzestverbot, oder meinetwegen auch Helmut Schmidts berühmte Idee, privates Fernsehen wäre gefährlicher als Kernkraft, um nur ein paar Beispiele willkürlich herauszupicken, die mir gerade so einfallen. Wenn ihr wollt, sage ich sogar noch Bild-Zeitung. Unser politischer Diskurs war auch vor Trump nicht rational, und genau das hat so jemanden wie Trump oder die AfD ermöglicht. Er gerierte sich rationaler und war mit sich selbst so zufrieden, dass er jemanden wie Trump oder die AfD als Nutznießer der dadurch erzeugten Ressentiments geradezu herausgefordert hat, würde ich sogar behaupten.

Und jetzt habe ich schon wieder eine ganze Menge Worte gebraucht, um meine eigentlich recht simple Botschaft zu vermitteln: Ja, gut, Trump ist schlimm. Und das darf man auch gerne sagen. Aber so zu tun, als wäre vor Trump alles gut gewesen, das ist auch schlimm, und potentiell sogar schlimmer, und außerdem völlig unnötig, wenn man ein total differenziert und ausgewogen berichtendes Qualitätsmedium voller gut ausgebildeter Autorinnen und bestens informierter Quellen ist.

Oder?


Ich habe ja nichts gegen Journalistinnen, per se

9. September 2016

Die erfüllen eine wichtige Aufgabe, und wenn sie sie gut machen, können die Ergebnisse total schön und toll sein. Wie bei Bäckern, Ingenieurinnen und Juristen auch. (Ja, was? Es gibt tolle Schriftsätze und RICHTIG gute Gerichtsentscheidungen.)

Ich habe aber was gegen die verbreitete Überzeugung, sie wären inhärent was Besseres, Wichtigeres als diese anderen Berufe, die noch mal erheblich peinlicher wird, weil sie (nur teilweise in der Natur der Sache liegend) vorrangig von Journalisten verkündet wird.

Florian Aigner fällt mir als halbwegs aktuelles Beispiel ein. Kürzlich verkündete er, eine Zeitung sei keine Zahnbürste, und deshalb müsse man irgendwie sicherstellen, dass sie auch dann noch am Leben erhalten werde, wenn sie nicht mehr genug Kundinnen finde, die freiwillig dafür bezahlen wollten. Er schreibt nicht genau wie, aber irgendwie soll das dann wohl vom Staat erzwungen werden, weil wir Zeitungen so dringend brauchen. Wie auch Bananen, Fahrräder und Blumentöpfe, wie er selbst einräumt, aber aus voll guten Gründen, die er nicht so richtig dezidiert darlegt, sollen ihre Herstellerinnen trotzdem nicht denselben Gesetzmäßigkeiten unterliegen wie die anderen, denn „Der freie Markt ist nicht dafür geeignet, die passende, gesellschaftlich nötige Zahl von Zeitungen und Magazinen zu ermitteln„. Jo. Wenn er rausgefunden hat, wer besser dafür geeignet ist, und wie das dann läuft, informiert er uns gewiss. Egal. Ich wollte damit nur die Grundhaltung illustrieren, die ich kritisiere, und an die mich ein kleiner, via 6vor9 im Bildblog gefundener Post des DJV heute erinnert hat:

Der Deutsche Journalisten-Verband warnt alle Journalistinnen und Journalisten davor, sich auf Interviewvereinbarungen mit der deutschen Schauspielerin Martina Gedeck einzulassen

Und nun muss ich zugeben, dass mir das einerseits immer noch viel sympathischer ist als die Haltung von Herrn Aigner, weil der DJV immerhin nur Journalisten warnt und aufruft, statt Zwangsmaßnahmen zu fordern, aber dennoch finde ich das Ganze so massiv putzig, dass ich den Drang verspürte, es kurz zu kommentieren, und das geht ja weder bei 6vor9, noch auf der DJV-Seite.

Frau Gedeck fordert offenbar, dass man Zitate mit ihr abstimmt, die hervorgehoben z.B. in Überschriften verwendet werden sollen, und sie will auch bei der Auswahl der Bilder mitreden. Und der DJV meint:

„Wenn Journalisten zu Werbeträgern degradiert werden sollen, ist Boykott die einzig mögliche Antwort.“

Und ich finde halt… Also, ich finde natürlich, dass es jeder Journalistin bzw. überhaupt allen Menschen völlig freisteht, zu entscheiden, unter welchen Bedingungen sie bereit sind, Gespräche zu führen, oder nicht. Wenn jemand mit Frau Gedeck nicht reden will, soll ers gerne lassen. Aber die Empörung, die da aufwallt („zu Werbeträgern degradiert“), die finde ich erbärmlich, weil sie aus diesem oben dargestellten peinlich aufgeblähten Verständnis der eigenen konstitutiven Bedeutung für die Gesellschaft und die Würde des Menschen an sich oder so fließt. Herrgott, ihr interviewt eine SCHAUSPIELERIN! Das Produkt, das dabei rauskommt, ist Werbung, obs euch passt oder nicht, da könnt ihr euch eure staatstragende Verantwortungshysterie wirklich klemmen. Bei Politikerinnen können wir drüber reden, aber bei Schauspielern echt nicht.

Und außerdem wisst ihr als Journalisten ganz genau, wie zum Beispiel Gala, Bild und die aktuelle arbeiten, und wenn ihr dann trotzdem noch so tut, als wäre es eine völlig unbegreifliche Anmaßung von einer Interviewpartnerin, den Inhalt des veröffentlichten Produkts im Vorhinein möglichst genau kennen und mitbeeinflussen zu wollen, dann ist das eine Form von Heuchelei, für die sich jede Ingenieurin mit ein bisschen Selbstachtung schämen würde. Und ihr so?