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Donald Trump macht mir gar nicht so besonders viel Angst. Vielleicht ist das mein Fehler. Denn er ist natürlich ein Phänomen, das man aus guten Gründen mit Sorge beobachten kann. Vergleiche mit der AfD und ähnlichen Gruppierungen in Deutschland drängen sich auf, sicher sind da ähnliche Mechanismen am Werk. Aber was ich eigentlich schlimmer finde, ist die Berichterstattung. Na gut, man kann das nicht gut trennen, weil insbesondere Trump als Phänomen ja durch die und in der Berichterstattung überhaupt erst stattfindet. Aber was ich meine, sind solche Sätze wie dieser:

Das eigentliche Drama, das sich da vor einem Weltpublikum ereignete, handelte von einem untergründig spürbaren Beben, das geeignet ist, das Rationalitätsprinzip des Diskurses auszuhebeln.

Dieser ist jetzt aus einem Artikel auf zeit.de, aber ich lese so was öfter. Gefolgt wird es wie auch hier meistens von einem oder zwei Absätzen, in denen es darum geht, dass in den Echokammern und Filterblasen der sozialen Medien dann dezentral die jeweils eigenen Narrative perpetuiert werden, völlig unabhängig von den Fakten und – so schwingt es mal mehr, mal weniger subtil mit – der doch eigentlich maßgeblichen Einschätzung der großen kommerziellen Medien.

Und ich finde, nein. Ich finde, das ist nicht das eigentliche Drama. Das eigentliche Drama ist, dass man bei zeit.de, und bei deren Mitbewerbern, offenbar im Ernst glaubt, unser öffentlicher politischer Diskurs wäre vor Trump oder sogar jetzt auch noch beherrscht von einem Rationalitätsprinzip. Das ist eine abwegige, eine gefährliche Vorstellung, weil sie den Status Quo als richtig und in Ordnung zementiert. Und natürlich ist mir schon klar, dass Trump an Dreistigkeit, demonstrativer Gleichgültigkeit gegenüber Fakten und auch an argumentativer Brutalität solchen Leuten, wie sie bisher auf dieser Ebene üblicherweise auftraten, noch ein bisschen was voraushaben mag. Das erkenne ich an, und das meinte ich mit meiner einleitenden Bemerkung: Trump ist schlimmer als die anderen. Denke ich auch.

Aber so zu tun, als brächte er dieses völlig neue Phänomen mit, das finde ich inakzeptabel. Dieser rationale politische Diskurs, dem man gerade vielerorts nachtrauert, und der früher doch noch selbstverständlich war, bevor Facebook und Twitter und all diese Echokammern und Filterblasen ihn vergiftet haben, indem sie ihn aus der Hand der FAZ und der NYT rissen, hat uns immerhin Dinge beschert wie die Strafbarkeit von Homosexualität bis 1994, oder die unfassbar verlogene Debatte bis hin zur Bundesverfassungsgerichtsentscheidung zum Inzestverbot, oder meinetwegen auch Helmut Schmidts berühmte Idee, privates Fernsehen wäre gefährlicher als Kernkraft, um nur ein paar Beispiele willkürlich herauszupicken, die mir gerade so einfallen. Wenn ihr wollt, sage ich sogar noch Bild-Zeitung. Unser politischer Diskurs war auch vor Trump nicht rational, und genau das hat so jemanden wie Trump oder die AfD ermöglicht. Er gerierte sich rationaler und war mit sich selbst so zufrieden, dass er jemanden wie Trump oder die AfD als Nutznießer der dadurch erzeugten Ressentiments geradezu herausgefordert hat, würde ich sogar behaupten.

Und jetzt habe ich schon wieder eine ganze Menge Worte gebraucht, um meine eigentlich recht simple Botschaft zu vermitteln: Ja, gut, Trump ist schlimm. Und das darf man auch gerne sagen. Aber so zu tun, als wäre vor Trump alles gut gewesen, das ist auch schlimm, und potentiell sogar schlimmer, und außerdem völlig unnötig, wenn man ein total differenziert und ausgewogen berichtendes Qualitätsmedium voller gut ausgebildeter Autorinnen und bestens informierter Quellen ist.

Oder?

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4 Responses to Ich habe ein Blog. Es ist das beste Blog. Fragen Sie, wen Sie wollen. Es ist riesig. Hillary hat kein Blog. Aber meins ist gigantisch. Es ist das beste Blog. Können Sie jeden fragen.

  1. Neko sagt:

    Trump macht mir auch keine Angst. Trump mit über 700 Nukleatsprengköpfen macht mir schon Angst. 😉

  2. Muriel sagt:

    @Neko: Wenn dir nicht jede Person mit über 700 Nuklearsprengköpfen Angst macht, machst du mir Angst.

  3. Zaungast sagt:

    Ich weiß nicht, ob mein Hirn hier grade einen völlig verqueren Assoziationssprung macht, aber was mir dazu ganz spontan einfällt: die Berichterstattung nach „school shootings“ (ein Begriff, für den wir im Deutschen erstaunlicherweise mE immer noch kein passendes Pendant haben):

    Wann immer sowas passiert (Winnenden usw.), ist die mediale Reaktion natürlich immer von großem Schockiertsein geprägt – und das bleibt dann so. Es wird kaum jemals ernsthaft versucht, nachvollziehbare Gründe für die Tat zu erörtern, was das Geschehen halbwegs erklärbar machen würde. Selbst wenn die Motivation des Täters in Form eines Abschiedsbriefs ziemlich klar und explizit von ihm selbst erläutert wurde – nein, das große Warum wird lieber als irrational und unerklärlich nicht weiter behandelt. Allenfalls werden simplistische Auslöser (Killerspiele!) angeführt, aber den Gedanken, dass das gewohnte Umfeld des Täters, alltägliche Missstände wie Ausgrenzung und Mobbing in der Schule als Haupttriebfeder in Frage kommen, mag man gar nicht erst formulieren und zuende denken.

    Was das jetzt mit Trump zu tun hat? Ein zumindest entfernt ähnlicher Mechanismus: Man mag nicht recht wahrhaben, dass das liebgewonnene Gewohnte nicht gut und richtig ist, so dass auf dessen Boden ja gar nichts Schlechtes gedeihen könne. Wenn dann plötzlich ein großer Knall passiert, kann man sich gar nicht recht erklären, wie und warum nur DAS jetzt passieren konnte! Muss an anderen externen Faktoren liegen! (Killerspiele! Social Media!) Der Knall wird nicht als etwas angesehen, was in das über lange Zeit geschaffene Umfeld mehr oder weniger konsistent passt, sondern als spektakulärer Fremdkörper, den man sich ja so GAR nicht erklären kann und dem man sich nun gleichermaßen schockiert wie ratlos gegenüber sieht.

    Etwas weit hergeholt, der Vergleich? Vielleicht. Aber was kann ich dafür, wenn mir mein Hirn diese Assoziation vorsetzt?

    Prägnanter formuliert habe ich schon öfter die Ansicht gelesen, dass Trump genau die Art Kandidat ist, den die rhetorische Vorarbeit der Republikaner der letzten 20 Jahre (flankiert von Fox News) in letzter Konsequenz hervorbringen musste. Finde den Gedanken auch nicht verkehrt, glaube aber nicht, dass die Verabschiedung vom rationalen Diskurs, die auch damit wieder beklagt wird, nur den Rechten zuzuschreiben ist.

    Trump mit Nukes fände ich auch zumindest besorgniserregend. Allerdings kommt mir allein schon die Vorstellung, dass dieser Mann eines nicht fernen Tages ernsthaft mit „Mr. President“ angesprochen werden könnte, noch immer sehr skurril vor. Das würde ich vielleicht in ner Simpsons-Folge erwarten, aber doch nicht in echt. Wir leben wahrlich in interessanten Zeiten.

  4. Muriel sagt:

    Ich finde deine Überlegung gar nicht so abwegig. Du hast das schön gesagt, und ich kann dir gut folgen, weitgehend wohl auch grob zustimmen. Bis zum letzten Absatz, da entferne ich mich ein bisschen. Vielleicht, weil ich dazu neige, sehr schlicht zu denken. Mir kommt es nämlich auch hier bei jeder Person sehr skurril vor, sie mit „Mr. President“ anzureden. Bei Frau Clinton sogar noch mehr… Nee, im Ernst. Ich finde, das Amt und sein überlebensgroßes Renommé sowie auch die überzogene Verantwortung darin ist viel mehr das Problem als die konkrete Person. Find ich.

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