Alle doof außer Tuvia Tenenbohm

Ich habe hier ja schon mal über einen Beitrag von Tuvia Tenenbohm geschrieben, deshalb packte mich die Neugier, als mir sein Name auf zeit.de ins Auge fiel, zumal er offensichtlich

Hilfe!

brauchte, und ihr wisst ja, wie hilfsbereit ich bin, vor allem, wenn jemand wie Herr Tenenbohm überall kleine Diktatoren sieht, denn Freiheit ist mir wichtig.

Ihr könnt euch meine Freude vorstellen, etwas Vertrautes wiederzuentdecken, denn auch dieser Beitrag von Tuvia Tenenbohm war so ähnlich wie der letzte. Er kritisiert ein paar Leute völlig zurecht für Sachen, die wirklich nicht okay sind – zum Beispiel, dass sie erst mit ihm reden wollen, aber dann entrüstet sind, wenn er Fragen stellt, die ihnen nicht passen, falls das tatsächlich so war, auch wenn mir die Details unplausibel vorkommen -, aber er zieht daraus völlig überzogene Schlussfolgerungen, zum Beispiel diese:

Vielleicht, aber nur vielleicht, haben die Amerikaner gegen die Dame eures Herzens gestimmt, weil sie gemerkt haben, dass ihr nicht demokratischer seid als der Mann ihrer Wahl, und dass der eigentliche Unterschied zwischen euch beiden nur der ist, dass ihr kein Casino habt.

Und das ist dann schon wieder ein bisschen scheußlich, denn das ist diese Pest-gegen-Cholera-Argumentation, die mir schon im Wahlkampf immer auf den Geist ging. Da ist jemand, der offen damit prahlt, Frauen zu misshandeln, Muslime nicht ins Land lassen zu wollen und der ziemlich harte Rassisten auf Regierungsposten berufen will, und ihm gegenüber stehen Leute … die das doof finden. Schon klar, beide Seiten sind schlimm, und es ist gar nicht so leicht abzuwägen, welche jetzt unsympathischer ist, oder?

Den Hinweis, dass die Amerikaner, ähem, mit knapper Mehrheit für die Dame unseres Herzens, ähem, gestimmt haben, spare ich uns der Einfachheit halber, okay? Der führt ja zu nichts. Aber

Der Mann hat fair und ehrlich gewonnen.

WAS?

Herr Tenenbohm… Das hab ich jetzt nicht… Ich hab bestimmt… Können Sie bitte noch mal…?

Der Mann hat fair und ehrlich gewonnen.

Okay, Sie meinen das offenbar wirklich. Wow. Ich. Donald Trump. Fair und ehrlich. Jo. Also. Irgendwann müssen Sie mir mal verraten, wie Sie Zeit.de dazu gekriegt haben, dieses Dings für Sie zu veröffentlichen. Haben die nicht Faktenchecks und sowas? Irgendwas machen Sie offenbar ziemlich gut. Jungejunge…

Und außerdem:

Demokratie, meine Freunde, heißt die Entscheidung der Wähler zu akzeptieren.

Ja, nee, Herr Tenenbohm. Das ist zwar nicht ganz so schreiender Quatsch wie das Zitat davor, aber ganz billige Wortspielerei, und das nervt und gehört sich nicht.

Akzeptieren kann heißen, sich an die Regeln zu halten und mitzumachen, und soweit ich weiß, plant zumindest die große Mehrheit der Menschen keine gewaltsame Revolution gegen den neuen Präsidenten. Ja, Sie erwähnen die Leute, die wollen, dass die Wahlmänner jetzt anders abstimmen, als sie eigentlich aufgrund des Ergebnisses sollten, und das finde ich zum Beispiel auch nicht okay, aber da Sie nicht nur mit denen reden, ist das in meinen Augen keine Entschuldigung.

Akzeptieren kann nämlich auch heißen, etwas okay zu finden, und das ist offensichtlich die Bedeutung, auf die Sie hinauswollen, und dann ist Ihr Satz aber selbst ganz und gar nicht mehr okay, weil Demokratie NICHT heißt, die Entscheidung der Mehrheit okay zu finden. Ich kann die Entscheidung der Mehrheit ganz furchtbar finden. Muss ich in diesem Kontext dran erinnern, für welche ganz eindeutig nicht okayen Dinge sich Wähler schon demokratisch entschieden haben? Muss ich nicht, oder?

Okay, danke. Wäre mir nämlich peinlich gewesen. Und Ihnen?

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9 Responses to Alle doof außer Tuvia Tenenbohm

  1. onkelmaike sagt:

    Ich tue mich immer total schwer, Tuvia Tenenbom zu lesen, so vom Stilistischen her – Weiß nicht warum. Was er dann schreibt, finde ich, soweit ich es verstehe, meistens einigermaßen langweilig. Das jetzt auch wieder sehr banal alles. Ja, Donald Trump scheint ohne Wahlbetrug gewählt worden zu sein. Ja, das könnte auch damit zu tun gehabt haben, dass die Leute Hillary für genauso elitär wie Donald, aber unehrlicher gehalten haben. Das ist jetzt echt nicht neu.
    Wen ich übrigens auch oft einfach schlicht nicht verstehe, ist Don Alphonso von der Faz. Aber aus anderen Gründen, der schreibt immer so gestelzt, Tenebom ja eher so gewollt einfach.

  2. Muriel sagt:

    Don Alphonso vermeide ich, den kann ich so ähnlich nicht lesen wie die Bildzeitung, da wird mir ganz unerfreulich von.

  3. onkelmaike sagt:

    Ja, alle sagen immer, dass der schlimm ist, schade, dass ich so lernbehindert bin, mir nicht selber ein Bild aus der Primärquelle machen zu können.

  4. Muriel sagt:

    Ich kann ja mal einen seiner Beiträge hier besprechen. Wie viele Bücher kaufst du dafür? Übrigens, was völlig anderes, das mir gerade so einfällt: Bald ist Weihnachten.

  5. onkelmaike sagt:

    Interessantes Cross-Marketing Konzept. Ich bewahre mir die Hoffnung, dass es noch Leute gibt, die ohne finanzielle Gegenleistung mit mir in den Austausch treten 🙂 Hier guck mal, falls noch nicht gesehen, könnte Dir gefallen:
    http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2016-11/homoeopathie-naturheilkunde-heilpraktiker-alternativmedizin-arzneimittel-postfaktisch

  6. fdominicus sagt:

    Hier ist noch jemand der nicht doof ist außer Herr Tenenbohm.
    http://www.juergenwermser.de/. Doof sind nur die Wähler und ganz speziell doof und gefährlich wenn es um Sachen des Bundes geht. Lokal sind sie nicht ganz so doof.

  7. Muriel sagt:

    Ich wollte mich auf dem Blog mal umschauen, aber ich hab da diese Krankheit, dass ich Texte nicht gut lesen kann, über oder in denen irgendwo der Begriff „Klartext“ auftaucht…

  8. Teufilus sagt:

    Bedeutet Akzeptanz nicht etwas in letzter Konsequenz anzunehmen, währen Toleranz dem Erdulden (und somit den nicht zur Revolte tröstenden Massen) entspräche?

  9. Muriel sagt:

    Doch, würde ich auch sagen.

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