Schuhe

Ja, schon klar. Wenn ihr nicht sowieso schon nebenan den aktuellen Fortsetzungsroman Generationenschiff mitlest, hat das wahrscheinlich Gründe, und wahrscheinlich ist einer davon, dass er euch nicht interessiert. Aber vielleicht habt ihr ja auch vergessen, dass es das noch gibt, oder den Eindruck gewonnen, dass da nix los ist, und irgendwie war mir gerade trotzdem danach, noch mal zu erwähnen, dass er da ist, und das mit einem Beispiel zu garnieren, namentlich mit einer Vorschau auf das kommende Kapitel.

Vielleicht interessierts ja jemanden.

Marchant grinste und versuchte, seine Verwirrung nicht zu zeigen.

„Wenn du ernsthaft glaubst, du könntest mich einsch…“

Was war das? Es war … kalt? Hatte Kentub so kalte Hände? Aber sogar wenn, wie konnte er Marchant durch die Kleidung…?

Er blinzelte und blickte an sich herab.

Nanu. Wo war denn das Messer hergekommen? Und warum tat es überhaupt nicht weh? Er hatte gedacht, es würde weh tun, wenn einem jemand ein Messer in die Brust stieß. Aber es tat kein bisschen weh. Fühlte sich nur sehr kalt an. War das Messer besonders kalt? Lag es am Blutverlust? Aber so viel Blut hatte er noch gar nicht verloren. Oder konnte er das nur nicht sehen, weil es alles unter dem Overall…?

Moment.

Hatte Kentub ihn erstochen?

Ernsthaft?

Hatte diese unwürdige Entschädigung für einen Kapitän ihn tatsächlich erstochen?

Marchant hob seinen Blick und schaute in Kentubs Gesicht.

Der Kapitän sah ihn mit einem verschämten Lächeln an und zuckte andeutungsweise die Schultern. Als hätte er gerade die letzte Banane aus dem Obstkorb genommen, während Marchant schon danach griff.

„Du… Drecksack…“ sagte Marchant.

Er hatte sich vorgestellt, es zu brüllen. Er war wütend. Oder? War er wütend? Er fühlte sich vor allem müde, wie nach einem viel zu langen Training. Er sah Kentubs Gürtel vor sich. Warum denn das? Hatte er nicht gerade noch sein Gesicht…?

Er sah Schuhe vor sich. Kentubs Schuhe, wahrscheinlich. Er fühlte das Messer an seiner Hand. Er hatte wohl danach gegriffen. Es fühlte sich kühl unter seinen Fingern an, aber nicht so kalt wie in seinem Herzen.

Er war sich nicht sicher, ob er die Kraft hatte, es heraus zu ziehen.

Aber vielleicht war es auch besser, es drin zu lassen. Er hatte gelernt, dass …

Schuhe.

Warum waren da Schuhe?

Waren es seine Schuhe? Warum trug er sie denn nicht? Und waren seine Schuhe nicht größer?

Was war das da? Es war so kalt?

Schuhe.

Die Schuhe entfernten sich. Er sah ihnen nach. Er öffnete den Mund, um etwas zu sagen, denn er wollte nicht, dass die Schuhe sich entfernten.

Er wollte nicht alleine sein.

Lass mich nicht allein.

Er hatte es sagen wollen, aber es ging nicht. Schuhe. Kommt zurück. Lasst mich nicht allein.

Ihm war so kalt.

Die Schuhe waren noch da. Aber er konnte sie nicht deutlich sehen. Dabei waren sie nicht einmal besonders weit weg.

Kommt zurück. Ich will nicht alleine sein. Mir ist kalt.

Kommt zurück.

Ich will nicht alleine

Sterben.

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