Wir sind aber zum Glück auch nicht Thomas.

Neinnein, keine Sorge, es geht nicht schon wieder um Epistemologie. Es geht um was ganz Anderes, nämlich um die Thesen des Bundesinnenministers zur Leitkultur. Und ja, ich bin das Thema auch leid (Pun not intended.), aber wie ich schon mal schrieb: Wir machen das, bis es alle verstanden haben.

Eine je nach Disposition gute oder schlechte Nachricht vorweg: Ich werde mich hier nicht auf den Originaltext beziehen. Den finde ich nämlich nicht kostenlos, und dass ich mir eine Bild am Sonntag kaufe, sehe ich noch nicht kommen, da brauchts schon ein bisschen mehr Motivation als einen schlechten Besinnungsaufsatz eines Bundesministers. Stattdessen beziehe ich mich auf den Bericht auf faz.net, der etwas ausführlicher ist als andere, aber oberflächlich deckungsgleich mit dem auf bild.de, weshalb ich vorsichtig hoffe, dass sie nichts grob verzerrt haben.

Leitkultur also. Na, das kann doch nur gut werden. Gaudeamus igitur.

Ich will mit einigen Thesen zu einer Diskussion einladen über eine Leitkultur für Deutschland

sagt Thomas de Maiziére, und ich neige natürlich dazu, als meinen Hauptbeitrag zu dieser Diskussion im Wesentlichen zu sagen, dass man doch bitte von toten Pferden irgendwann mal absteigen sollte, wenn man jemals irgendwohin kommen will, aber da dieses hier anscheinend sogar noch ein bisschen zuckt und – da, habt ihr es auch gerade leise röcheln gehört? -, wollen wir doch mal schauen, welche Thesen das sind, und was ich davon halte.

Wer sich seiner eigenen Kultur sicher sei, sei stark.

Dann ist es natürlich voll nett von ihm, dass er mir jetzt gleich sagt, was meine Kultur ist. Stark bin ich nämlich gerne. Herr de Maizière, stärken Sie mich!

Etwa soziale Gewohnheiten: In Deutschland gebe man sich zur Begrüßung die Hand, zeige sein Gesicht und nenne seinen Namen.

Och. Ja? Macht man das so? Kommt ein bisschen auf die Situation an, würd ich sagen, bei meiner Mutter zum Beispiel mach ich das anders, und…

„Wir sind nicht Burka“, schreibt de Maizière.

Ach so. Ja, klar. Entschuldigung. Ich dachte kurz, Sie hätten vielleicht noch andere Absichten, als eine bestimmte Gruppe von Leuten auszugrenzen. Vergessen Sie, was ich gesagt habe.

Zur Leitkultur gehörten zudem Allgemeinbildung

Äh was? Versteh ich nicht. Aber das ist halt eh alles schwierig. Meint Herr de Maizière mit seiner Leitkultur jetzt Dinge, die sind (wie man ja schließen könnte aus der Formulierung oben, dass „man“ „in Deutschland“ bestimmte Sachen eben macht), oder meint er Dinge, die (warum auch immer) sein sollen, oder meint er noch was anderes? Gehört Bildung zur Kultur? Geht es ihm darum, dass es in Deutschland weitgehend übereinstimmend als erstrebenswert angesehen wird, dass Leute über eine gewisse Basis allgemeinen Wissens verfügen? Aber ist das ein irgendwie umstrittener Wert, den man besonders herausstellen müsste? Vielleicht erklärt er das in seinem Text in Bild am Sonntag ja besser, er ist ja nur bedingt schuld, dass ich den nicht vor mir habe. Gehen wir weiter.

der Leistungsgedanke

Ist mir schlecht. Kommt, weiter, ich mag nicht.

das Erbe der deutschen Geschichte mit dem besonderen Verhältnis zu Israel

Jawoll, das Erbe der deutschen Geschichte, das dringend gebietet, dass wir permanent auf Leuten rumhacken, die sich nicht so anziehen und sich nicht so begrüßen, wie wir das gerne hätten, und auf solchen, die nicht so leistungsfähig sind, und sie möglichst nie vergessen lassen, dass sie nicht zu „uns“ gehören. Ungefähr so? Oder meinen Sie mehr den Teil des Erbes der deutschen Geschichte, der uns zu dem Ergebnis führt, dass es eine voll gute Idee ist, dem Staat immer mehr polizeiliche und geheimdienstliche Befugnisse zuzugestehen, damit er uns vor der bösen fremden Welt schützt, die uns guten, leistungsfähigen, gebildeten Deutschen ans Leder will? Pardon. Ich gebe zu, jetzt hab ich mich ein bisschen vom Schwung meiner eigenen Frustration mit diesem Quatsch mitreißen lassen und hab leicht über die Stränge geschlagen, vielleicht. Aber ich lass es so stehen, weil ich finde, die Richtung stimmt.

und der kulturelle Reichtum.

Nicht zu vergessen. Zur Leitkultur gehört natürlich der kulturelle Reichtum. Das können Leute, die nicht in unserer Kultur aufgewachsen sind, sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen, weil die sowas ja nicht… Nee, hier bremse ich mich jetzt mal. Man muss nicht immer das Schlimmste unterstellen. Kann ja sein, dass er nur sowas meint wie Deutschland hat viel kulturell-historischen Kram, den kann man sich angucken, wenn man hier leben will. Meinetwegen.

Was natürlich auch nicht fehlen darf:

Unser Land ist christlich geprägt. Wir leben im religiösen Frieden. Und die Grundlage dafür ist der unbedingte Vorrang des Rechts über alle religiösen Regeln im staatlichen und gesellschaftlichen Zusammenleben.

Jawoll, der unbedingte Vorrang des Rechts, der zum Beispiel dazu führt, dass die Kirchen ihre eigene Gerichtsbarkeit haben, nicht wie andere Unternehmen dem Kündigungsschutz unterworfen sind, dass unser Staat im Ernst immer noch Leuten verbietet zu bestimmten Zeiten zu tanzen, weil religiöse Regeln es verbieten, dass dieser Staat die Gehälter mancher kirchlicher Funktionäre zahlt, die Mitgliedschaftsbeiträge dieser Kirchen einzieht, ich muss das nicht alles aufzählen, oder? Und Herr de Maizière, mal ganz ehrlich, wenn es zu Ihrer erbärmlichen Leitkultur gehört, dass Sie permanent von „Wir“ reden müssen und damit sowohl Leute für Ihren Kram vereinnahmen, die sich damit wirklich nicht identifizieren könne, als auch andere Leute ausgrenzen, die sich nicht so anziehen, wie „wir“ das ihrer Meinung nach zu tun haben, dann legen Sie sich doch bitte gehackt und überlassen die Diskussion Leuten, die mit konstruktiveren Absichten da ran gehen.

Randbemerkung: Können wir uns bitte für die nächste Diskussion darüber, wie wichtig es ist, dass Lehrerinnen und Richterinnen und Professorinnen und Verkäuferinnen von Autoreifen weltanschaulich neutral auftreten und dass sie deshalb unter keinen Umständen ein Kopftuch oder gar noch mehr Stoff ums Gesicht rum tragen dürfen, gut merken, dass der Bundesinnenminister ungerügt öffentlich ausbreiten darf, dass „unser Land“ sich für ihn unter anderem durch seine christliche Prägung und seine kirchlichen Feiertage und Türme definiert?

Auch einen „aufgeklärten Patriotismus“ zählt der Christdemokrat zur Leitkultur.

Ich will nach Hause. Was meint er denn damit jetzt schon wieder?

Ein solcher Patriot liebe sein Land ohne andere zu hassen.

Ah. Wäre das dann jemand, der ganz entspannt damit leben kann, dass Menschen aus anderen Ländern – und vielleicht ja sogar der eine oder die andere aus „seinem“ Land – gerne ihr Gesicht verhüllen wollen, manchmal, unter bestimmten Umständen? Jemand, der es nicht nötig hat, solchen Quatsch wie

Kirchliche Feiertage prägten den Rhythmus der Jahre, und Kirchtürme prägten die Landschaft

in eine Hass-, Demütigungs- und Leserveralberungspublikation wie die „Bild am Sonntag“ zu schreiben, um seine persönlichen Vorlieben dazu, wie Leute sein sollten, mit der Autorität seiner Stellung als Minister zu verbrämen?

Kritik am Begriff Leitkultur wies er zurück.

Na sowas.

Stärke und innere Sicherheit der eigenen Kultur führe zu Toleranz gegenüber anderen, schrieb de Maizière.

Hmmm… Also. Ich stimme da nicht zu. Ich bin nicht mal überzeugt, dass das Sinn ergibt. Denn was soll bitte „innere Sicherheit der eigenen Kultur“ sein? Wahrscheinlich meint er sowas wie die Gewissheit darüber, welches Verhalten ich in welcher Situation angemessen finde. Und meint mutmaßlich weiter, wenn ich da mit mir selbst im Reinen bin, dann kann ich auch besser damit umgehen, wenn andere sich nicht so verhalten. Das müsste er dann aber meines Erachtens besser erläutern, denn mir kommt es durchaus so vor, als wären diejenigen, die die, ähem, eigene Kultur besonders stark und sicher empfinden, eher nicht von extremer Toleranz gegenüber anderen geprägt. Und dann kommt ja nun mal noch hinzu, dass er derjenige ist, der den Begriff der „Leitkultur“ benutzt. Und der ist natürlich ein unscharfer, aber ich rede doch nicht von „Leitkultur“ wenn ich einfach nur meine „Ich mach das halt so, und damit fühl ich mich wohl, aber wenn jemand das anders macht, ist das für mich auch prima.“ Das ist dann einfach nur Kultur. Leitkultur beansprucht doch schon dem Begriff nach normative Gültigkeit nicht nur für die, die sie sowieso schon akzeptieren. Und genau das ist doch das Elend. Und genau darüber redet de Maizière fast gar nicht, zugunsten solcher brisant wichtigen Themen wie dass man einander bei der Begrüßung die Hand gibt und dass in Deutschlands Landschaft viele Kirchtürme rumstehen.

Aber zum Schluss kommt dann doch noch mal der „Leit“-Aspekt raus, wenn auch so verkniffen und verklemmt, dass ich mir ganz aufrichtig wünsche, er hätte wenigstens den Anstand gehabt, seinem – wie heißt es doch gleich? – aufgeklärten Patriotismus freiere Bahn zu lassen und klar zu sagen, was er eigentlich meint. Das gehört nämlich zu den Dinge, die mich am Leitkulturkonzept auch so stören: Dass es meist so verdruckst daher kommt und gerne so tut, als wollte es doch gar nichts außer mal so unverbindlich drüber zu reden, wie die Bräuche und Eigenheiten hier in Deutschland so sind, um dann aber doch unterschwellig dieses „Wir gegen die anderen“-Geraune anzustimmen, hier mal ein „DAS gehört aber wirklich nicht hierher!“ einzuwerfen, und da mal ein „Na, aber alles müssen WIR uns von DENEN auch nicht gefallen lassen!“

Allen, die ins Land kommen und bleiben dürfen, „reichen wir unsere ausgestreckte Hand“

Niedlich, oder? Alle, die bleiben dürfen, sind willkommen. So sieht sie aus, unsere leitkulturelle Offenheit und Hilfsbereitschaft.

Doch wer die Leitkultur nicht kenne, vielleicht nicht kennen wolle oder gar ablehne, dem werde „Integration wohl kaum gelingen. Denn zugehörig werden sie sich nicht fühlen ohne Kenntnis und jedenfalls Achtung unserer Leitkultur.“

Weiß nicht, ob das so pauschal gilt. Weil es natürlich Blödsinn ist. Weil es halt diese eklige Haltung zugrundelegt, dass Deutschland ein Block aus Menschen ist, der eine Kultur hat, und zu dem man gehört oder nicht, und der aber jedenfalls mal ganz sicher „nicht Burka“ ist.

Herr de Maizière (Was ist das eigentlich für ein Name? Heißen wir so, in Deutschland? Eigentlich nicht, ne? Aber ich tolerier das, keine Sorge. Das ermöglicht mir die große innere Sicherheit und Stärke deutscher Nachnamenskultur, die ich in mir fühle.), ich kann Ihnen zumindest bestätigen, dass ich mich zu Ihrer Leitkultur nicht zugehörig fühle, und dass ich sie auch nicht achte. Und ich finde, das ist gut so.

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24 Responses to Wir sind aber zum Glück auch nicht Thomas.

  1. kaleidophi sagt:

    Danke, Muriel, für diesen Beitrag.

    KaleidoPhi

  2. Muriel sagt:

    Immer wieder gerne! Danke für den Kommentar.

  3. Muriel sagt:

    Zufällig gerade gefunden, übrigens: Für die Zeit hat tendenziell in die gleiche Richtung Kai Biermann einen Kommentar zu Herrn de Maizères Text verfasst:
    http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-04/leitkultur-debatte-innenminister-demaiziere-muslime
    Ich könnte an Biermanns Kommentar jetzt auch wieder einiges aussetzen, aber erst mal denke ich, das spar ich mir. Schön finde ich aber dieses Zitat unseres Innenministers, das ich bisher naturgemäß noch nicht kannte:
    „Ja, wir hatten Probleme mit unserem Patriotismus. Mal wurde er zum Nationalismus, mal trauten sich viele nicht, sich zu Deutschland zu bekennen“
    Höhö.

  4. Daniel sagt:

    Um Deutscher sein zu dürfen, muss man auch die Nato toll finden und das Vermummungsverbot bei Demonstrationen im Herzen tragen. Die ganze Sache wirkt einfach nur absurd. Es scheint wohl auf die nicht mehr abgedruckte These elf hinauszulaufen: Wer Deutsch ist, wählt CDU. Verpasste Chance.

  5. Muriel sagt:

    Das hast du schön gesagt.

  6. […] nachgedacht.  Lasst Euch von Thomas de Maizière bloß nichts anderes (den Link habe ich bei Muriel geklaut, der auch zum Thema schreibt) erzählen, er ist nur ein mieser […]

  7. onkelmaike sagt:

    Meine Lieblingsstelle in dem insgesamt tollen Text: „Jawoll, das Erbe der deutschen Geschichte, das dringend gebietet, das wir permanent auf Leuten rumhacken, die sich nicht so anziehen und sich nicht so begrüßen, wie wir das gerne hätten, und auf solchen, die nicht so leistungsfähig sind, und sie möglichst nie vergessen lassen, dass sie nicht zu „uns“ gehören.“ Sorry, dass ich solange zitiere, aber ich habe gelacht.

    Ich finde, da darf man schon ein bisschen ranten, bei diesem populistischen Elend. Alleine, die Forderung nach „Allgemeinbildung“ in der Bild am Sonntag zu veröffentlichen, ist doch unglaublich.

    Was ich an dieser ganzen Leitkulturdebatte wirklich nicht verstehe ist dieses: Wir sind ein Rechtstaat, zumindest sowas in die Richtung, (das scheint doch Herr Maiziere auch zu finden). Und im Rechtsstaat gibt das Recht die Handlungslleitlinien vor. Natürlich kann ich auch unrechtmäßige Sachen machen, aber dann wird es unter Umständen nervig. Der Rest ist Privatsache. Fertig. Oder nicht? Ich muss niemandem die Hand geben, das ist extrem wichtig. Eventuell gibt es soziale Normen, die sagen, „Hand geben ist in diesen spezifischen Situation das, was die meisten machen.“ Sich daran nicht zu halten, kann zu sozialen Sanktionen führen. Fertig. Ich verstehe echt das Thema nicht.

  8. Muriel sagt:

    @onkelmaike: Naja. Also. Man muss ja sagen. Es ist ja nicht alles rechtlich geregelt, was wünschenswert ist. Zum Beispiel ist es ja in Deutschland (und ich finde das sogar gut und richtig so) nicht verboten, dass in einer Familie der Mann arbeiten geht und die Frau zu Hause Kinder und Haus pflegt, letzeres nie verlässt und ihrem Mann stets in allem gehorcht, weil sich das halt so gehört. Die dürfen das so machen, wenn sie es alle freiwillig tun. Aber man kann das trotzdem doof finden und versuchen zu erklären, wie man sich eine Gesellschaft wünschen würde, und warum man glaubt, dass es für alle besser wäre, wenn Leute von so alten Bräuchen und Vorurteilen ablassen und offener mit sich und ihrem Leben umgehen und blah. Das dann als Leitkultur zu verkaufen und mit anderen, genauso blödsinnigen Bräuchen und und Vorurteilen begründen zu wollen, ist natürlich ein evident bescheuert Ansatz, aber wenn wir es mal reduzieren auf „Ich stoße eine Diskussion darüber an, wie unsere Gesellschaft sein sollte, damit es für alle möglichst schön wird“, was Herr de Maizière vorgeblich will, ist in meinen Augen erst mal in Ordnung. Er macht das aber halt erstens so, wie ich es gerade als evident bescheuert bezeichnet habe, und zweitens auch nicht auf eine aufgeschlossene Art, sondern in der Haltung „SO wird das HIER gemacht, und wenn IHR euch bei UNS integrieren wollt, dann macht ihr das gefälligst auch so, sonst gehört IHR nämlich nicht zu UNS und dürft HIER nicht bleiben.“ Denkich. Und dann – da kommt dann doch wieder das Thema Rechtsstaat zum Tragen – ist es natürlich bedenklich, das ausgerechnet aus der Position eines Bundesministers heraus zu machen, und dann auch noch auf der christlichen Prägung rumzureiten. Ich wünsche mir wie gesagt sehr, dass sich das jemand merkt für die Nächste Kopftuch-Neutralitäts-Debatte.
    Und vielen Dank für das Lob! Freu mich, dass der Stil ankommt, auch wenn ich natürlich immer noch nicht sicher bin, was für welche Zwecke der bessere Weg ist. Aber da ich ja jetzt ganz offen kommerziell bin, hat es zumindest eine gewisse innere Logik, dass ich billigen Unterhaltungswert vor inhaltlichen Differenzierung und sachliche Präzision stelle.

  9. kaleidophi sagt:

    Interessant finde ich auch, dass die sogenannten christlichen Werte immer dann entstaubt und aus dem Keller geholt werden, wenn unsere gepredigte Freiheit plötzlich nicht mehr der gängigen Norm entspricht. Das kann dann ja nur Zwang sein, oder Irrtum, oder, ja was denn? Em Ende logisch und nachvollziehbar? Unmöglich! Als könnte es Frauen geben, die gerne zuhause bleiben und lieber ihre Kinder anständig erziehen wollen, statt sie kompetenten Fachkräften, für deren Bezahlung dann auch beide arbeiten gehen oder der Staat versucht, Mittel freizumachen, zu überlassen und sich einer mehrfachen Belastung auszusetzen, für die „Karrierefrauen“ in Führungspositionen dann still bewundert werden. Und dass sich Mann und Frau da am Ende auch noch einig sein könnten, gleichberechtigt sozusagen…

  10. Muriel sagt:

    Ja, das ist… alles nicht so einfach. Wie ja zum Beispiel auch bei sexistischen Klischees in Filmen oder sonstwo. Im Einzelfall ist natürlich gar nichts dran auszusetzen, dass ein Mann der starke Protagonist ist, der eine hilflose Frau rettet. Wenn das aber immer wieder so gezeigt wird und es kaum ausnahmen gibt, wird es ein Problem. Und dann muss man sich halt mit den Hintergründen befassen und sich fragen, ob man etwas dagegen tun kann und sollte, und falls ja, was. Ich als jemand, der selbst von einer Mutter anständig erzogen wurde, die gern zuhause geblieben ist, würde zum Beispiel auch die Idee anzweifeln, dass die das anständiger macht als kompetente Fachkräfte, wenn es denn welche in relevanter Verfügbarkeit gäbe, was ich andererseits auch anzweifeln würde. Aber da müsste man dann schon Leute fragen, die sich damit auskennen. Von denen ich auch nicht unbedingt den Eindruck habe, dass es sie gibt.
    Wie gesagt.
    Nicht so einfach.

  11. onkelmaike sagt:

    Ja, Du hast natürlich Recht. Eine Diskussion darüber anzustoßen, wie wir netter zusammenleben könnten, ohne dass wir dafür zusätzliche Gesetze bräuchten ist eine feine Sache. Aber das macht der Thomas ja nicht. Er macht irgendetwas komisches anderes. Seine „Leitkultur“ ist genau, wie Du sagst, kein konstruktive Anregung, sondern wohl unverholenes Ranwanzen an die AfD-Klientel. Und, ich finde ja, nach wie vor, als Innenminister ist sein Steuerungssinstrumentarium schon eher das des Gesetzes als das des Gesinnungsaufsatzes. Wenn er sich sowas wie „bessere Integration“ wünscht, kann er ja mal die Sprachkursmöglichkeiten für Flüchtlinge verbessern. Wenn er sich mehr Gleichberechtigung von Mann und Frau wünscht (das müssen diese Muslime ja schließlich noch mal lernen, wird man jawohl noch sagen dürfen), soll er halt mal das Ehegattensplitting abschaffen (ja, kann er nicht, schon klar, so ungefähr halt),

  12. Muriel sagt:

    ja, ungefähr so. Das ist uns ja schon an vielen Beispielen aufgefallen, dass die Freiheit und Gleichberechtigung von Frauen vielen irgendwie nur dann wichtig ist, wenn es darum geht, ihnen was vorzuschreiben oder Leute auszugrenzen, die nicht zu uns gehören, oder idealerweise beides.

  13. onkelmaike sagt:

    Leider glaube ich, dass er Leute wie uns, und alle anderen, die sich aufregen, auch gar nicht überzeugen wollte. Mit „wir sind nicht Burka“, ist das schon irgendwie absehbar. Und, wenn Leute, wie wir uns aufregen, dann bestätigt dass die Leute, von denen er will, dass sie ihn gut finden und seine Partei wählen, leider nur.

  14. Safya sagt:

    Deutsche, christliche Leitkultur? Um Gottes Willen! Der Mann ist so unwissend und unfähig! Er sollte doch bitte die Bibel lesen oder den Papst fragen, was einen Christen ausmacht. Und Kultur ist nicht etwas statisches. Es verändert sich mit der Zeit. Also der Mann möchte dass das deutsche Volk zurückkehrt zur deutschen Kultur und alle die in Deutschland leben sollen sich assimilieren. Na gut, wir Deutsche waren ja auch mal wilde Barbaren und haben heidnische Götter angebetet. Das Christentum wurde uns deutschen ja auch aufgezwungen, obwohl wir uns lang geweigert hatten. Oder meint der Herr Franzose vielleicht, die deutsche, christliche Kultur des dunklen Mittelalters. Oder die deutsche, christliche Leitkultur von Adolf Hitler. Was genau ist eine deutsche Kultur? Das meint der Mann doch nicht im Ernst. Da hätten über 80 Millionen Menschen ihre eigenen Vorstellungen vom Deutschsein.
    Und warum spricht man überhaupt noch von christlicher Kultur. Die christliche Kultur hat uns ins dunkle Mittelalter geführt und Jahrhunderte lang Fortschritt verhindert.
    Ok, christlich, gut, also, die christliche Frau ist das EIGENTUM ihres VATERS oder EHEMANNES. Deswegen waren früher so viele Frauen bereit ins Kloster zu gehen. Die christliche Frau ist nicht geschäftsfähig, darf keinen Beruf ausüben, nicht studieren, nicht wählen, nicht erben. Die christliche Frau darf nicht reden in der Kirche, sie muss ihren Kopf bedecken, ansonsten werden ihr die Haare auf dem Kopf geschoren. Sie darf keinen Andersgläubigen heiraten und Sie darf sich nicht scheiden lassen und die Schwangerschaft abbrechen. Sünder werden Exkommuniziert. Kein Sex vor der Ehe oder ….Steinigung. Ach ja von Homosexualität will ich gar nicht erst anfangen. Der christliche Mann kann so viele Frauen heiraten, wie er will. Kein Limit. Ja, ja. Fortschritte wurden erst gemacht, nachdem sich der Staat von der Kirche getrennt hatte. Wir Europäer haben sehr schlechte Erfahrungen gemacht mit Religion in der Vergangenheit. Deswegen projizieren wir unsere eigenen subjektiven Meinungen auf Andere. Wie z.B. Muslime. Nun da muss ich aufklären. Der Grund, warum die meisten Muslime so verbissen an ihrer Religion festhalten, ist unter anderem auch weil diese die genau gegenteiligen Erfahrungen in ihrer Geschichte mit der Religion gemacht haben. Die muslimische Frau seit über 1400 Jahren das Wahlrecht. Sie hat das recht einen Beruf auszuüben, doch keine Pflicht. …OH…SCHOCK… Die Frau wird unterdrückt!!!! Wo ist die Gleichberechtigung?!?!…. Sie hat nicht nur das Recht, nein sie hat die Pflicht sich zu bilden. Eine gebildete Frau zieht gebildete Kinder groß. Oder bereichert die Gesellschaft. Die Aufgabe als Mutter und Hausfrau wird nicht in der Gesellschaft defamiert, diese Frauen werden dafür mehr respektiert und geehrt. Die Frau muss keinen Haushalt machen, wenn sie es macht, jemand muss es schließlich machen, dann ist es nach Islam eine Spende an den Ehemann und wird belohnt. Der Mann schuldet ihr Dank dafür. Wenn Sie es nicht machen kann oder will, dann kann der Mann eine Haushälterin nehmen. Die Frau ist geschäftsfähig, kann erben und vererben, muss ihr Geld (ob verdient, oder geerbt, oder geschenkt bekommen) nicht in den Familiengeldtopf legen. Auch wenn Sie reich ist und ihr Mann nicht, hat der Mann die Pflicht die Frau und seine Kinder finanziell zu unterhalten. Wenn sie freiwillig etwas von ihrem Geld abgibt ist es eine Spende. … oh wai….Die Frau wird unterdrückt!!!….Die Scheidung ist nicht erwünscht, doch erlaubt. Die Frau darf ohne ihr Einverständnis nicht verheiratet werden. Wenn so etwas passieren sollte, kann die Ehe annulliert werden. Die muslimische Frau verlangt ein Hochzeitgeschenk von ihrem Zukünftigen. Was auch immer sie sich wünscht. Das ist oft Geld oder Gold. Soll dazu dienen, dass im Falle einer Scheidung, die Frau nicht auf der Straße sitzen muss. Die muslimische Frau wird ermutigt einen Ehevertrag zu verlangen. Die Frau kann aus gesundheitlichen Gründen eine Schwangerschaft vorbeugen oder unterbrechen, Das Leben der Frau ist im Risikofall wichtiger. Die Frau hat das Recht bei Scheidung die Kinder zu behalten, doch falls sie nochmal heiraten möchte, müssen die Kinder zum Vatter.Vielleicht damit weniger Mädchen von ihren Stiefvätern missbraucht werden. Falls die Frau nicht wieder heiratet, hat sie Anspruch auf Unterhalt für sich und die Kinder. Die Frau darf predigen und sogar Männer in ihrer Religion unterweisen. Die Frau darf im Krieg kämpfen, muss natürlich nicht. Ich kann endlos weiter machen… Heute ist das vielleicht nicht allzu beeindruckend. Doch diese Rechte haben die Frauen seit 1400 Jahren. Das ist nur über den Fortschritt, den der Islam den Frauen gebracht hat. Nein Frauen sind nicht mit Männern gleichberechtigt. Doch Frau und Mann sind gleichwertig im Islam. Gleichwertig aber unterschiedlich. Wer behaupten will Mann und Frau sind gleich, der kann das tun, doch würde ich annehmen, dass dieser Mensch wahrscheinlich an Halluzinationen leidet oder vergeblich einem Wunschdenken hinterher hängt. Islam berücksichtigt die Natur des Menschen und richtet sich an der Natur und Realität und nicht an Ideologien. Schwul sein ist keine Sünde. Eigentlich ist der Akt Sünde. Doch das ist Privatsache. Das muss derjenige mit Gott ausmachen. Strafen gibt es nur, wenn es vier vertrauenswürdige Zeugen gibt, die den Akt haargenau gesehen haben. Wo macht man das denn vor vier Zeugen? Auf der Straße? Na dann ist es wirklich keine Privatsache mehr. Weil ich mir so etwas nicht auf der Straße anschauen will.
    Ok Religion und Fortschritt… Islam und Fortschritt… Universitäten, kostenlose Krankenhäuser, Wissenschaften, Hygiene, Medizin, Chirurgie, Erfindungen, Toleranz, faire Gerichte, Religionsfreiheit. Sammlung von Weltliteratur. Die Armensteuer. Die finanzielle Unterstützung der schwachen in der Gesellschaft und vieles vieles mehr. Der Koran fordert die Muslime auf zu forschen und zu hinterfragen, nach Wissen zu streben und seinen Verstand und Logik zu benutzen. Als unser Europa im finsteren Mittelalter war, hatten die Muslime ein goldenes Zeitalter. Angespornt durch den Koran sich Wissen anzueignen. Die Zeit der Aufklärung in Europa wurde durch den Islam mit eingeleitet. Die meisten Philosophen, Dichter, Wissenschaftler und Denker in Europa haben sich auch mit dem Koran auseinandergesetzt. Es heißt, dass Göthe Muslime geworden war. Vieles, was wir so selbstverständlich zu unserer deutschen Kultur zählen würden, ist importiert. Und das ist auch gut so, sonst würden wir vielleicht noch in Hütten hausen, uns mit Tier Fellen bekleiden und heidnische Götter anbeten.
    Die Geschichte hat gezeigt, dass der Fortschritt und Kultur und Wohlstand aufgeblüht sind, als die Muslime am besten ihre Religion verstanden und gelebt haben. Und je mehr sie sich entfernten und je weniger sie gebildet in ihrer Religion wurden, desto mehr Missstände, Ungerechtigkeit, Korruption, Politische Probleme, Aufstände, Uneinigkeit, Verbrechen und schlechtes Benehmen, Machogehabe und Unterdrückung der Schwachen in der Gesellschaft machten sich breit. Deswegen ist die Förderung der Religiösen Erziehung und Bildung so wichtig. Wissen ist sehr gut…Halbwissen kann unter Umständen gefährlich sein. Und es ist auch wichtig, dass die Muslime nicht ihrer Identität beraubt werden. Das führt nicht zur Integration, doch nur zu mehr Konflikten, durch die orientierungslosen, zerrissenen Persönlichkeiten.
    Die Afrikanischen Sklaven in Amerika wollte man auch ihrer Identität berauben um sie an ihre Sklaverei zu gewöhnen. Schritt für Schritt. Sie wurden ihrer Religion beraubt, ihrer Sprache, ihrer Kleidung, ihrer Namen. Familien auseinandergerissen. Die Identität gestohlen. Selbstbewusstsein gestohlen, klein und rechtlos gehalten. Doch Tyrannei und Unterdrückung führen zum Krieg, das wissen wir Alle. Mehr Toleranz für Unterschiede brauchen wir. Hier ein Beispiel.
    Mehrere Jahrhunderte lebten meine deutschen Vorfahren in Russland. Sie lebten in deutschen Gemeinden, die Dörfer hatten sogar deutsche Namen. Man durfte seine Religion, Sitten und Bräuche frei ausüben. Sie hatten deutsche Schulen. Und die Deutschen hatten sogar teilweise andere Gesetze. Wow, soviel Toleranz für eine Minderheit im Zarenrussland. Deutsche wurden geschätzt und respektiert. Sie hatten von Geburt an die deutsche Nationalität und die Russische Staatsbürgerschaft. Hat gut funktioniert, bis zum Kommunismus.
    Das war nicht an jemand persönlich gerichtet, das waren nur meine Gedanken zu dem Thema Leitkultur.
    Ich möchte mich bedanken bei euch Leuten, dass ihr so kritisch seit und Menschen seit, die selber nachdenken. Sucht immer nach der Wahrheit, wo auch immer sie sein mag.
    Schöne Grüße
    Safya

  15. onkelmaike sagt:

    ey, ist augi echt so dumm? „Habermas hin oder her – das Grundgesetz ist als Ausdruck der deutschen Leitkultur untauglich. Dieses Gesetz gilt seit dem 23. Mai 1949. Die Vorstellung, dass Deutschland seither ein und dieselbe Leitkultur besäße, für die das Grundgesetz steht, ist abenteuerlich.“

  16. Muriel sagt:

    Sätze, in denen Habermas vorkommt, kann ich immer nicht zu Ende lesen. Weiß auch nicht, wie das passiert ist.

  17. onkelmaike sagt:

    ey, ist augi echt so dumm?„Platon hin oder her – das Grundgesetz ist als Ausdruck der deutschen Leitkultur untauglich. Dieses Gesetz gilt seit dem 23. Mai 1949. Die Vorstellung, dass Deutschland seither ein und dieselbe Leitkultur besäße, für die das Grundgesetz steht, ist abenteuerlich.“

  18. Muriel sagt:

    Sätze, in denen Platon vorkommt, kann ich immer nicht zu Ende lesen. Weiß auch nicht, wie das passiert ist.

  19. onkelmaike sagt:

    ey, ist augi echt so dumm?„ …das Grundgesetz ist als Ausdruck der deutschen Leitkultur untauglich. Dieses Gesetz gilt seit dem 23. Mai 1949. Die Vorstellung, dass Deutschland seither ein und dieselbe Leitkultur besäße, für die das Grundgesetz steht, ist abenteuerlich.“

  20. onkelmaike sagt:

    Pardon, Ich wollte sagen:
    ey, ist augi echt so dumm?„Epistemologie hin oder her – das Grundgesetz ist als Ausdruck der deutschen Leitkultur untauglich. Dieses Gesetz gilt seit dem 23. Mai 1949. Die Vorstellung, dass Deutschland seither ein und dieselbe Leitkultur besäße, für die das Grundgesetz steht, ist abenteuerlich.“

  21. Muriel sagt:

    Maike, SEHR interessanter Kommentar, ich DANKE dir für diese hoch spannende Anmerkung! Stimme dir auch vollkommen zu, weiß schon, dass ich Kommentare, die mit dem Wort arbeiten, nicht weiter lesen muss, die KÖNNEN nur gut sein!

  22. Muriel sagt:

    Meinst du das jetzt mehr im Camus-existenzialistischen Sinne, oder phänomenologisch im Verständnis Heideggers?

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