Das Empörende ist der Rassismus-Aufschrei

H&M zeigt einen schwarzen Jungen in einem Pulli, auf dem das Wort „Affe“ steht. Menschen kritisieren das als rassistisch, das Unternehmen entschuldigt sich. Die Empörung ist riesig, Dabei ist das Empörende an diesem Fall die Empörung selbst.

Was für ein Aufruhr! Das schwedische Modehaus H&M wirbt mit einem rassistischen Motiv und hat auf die Kritik daran eingelenkt, wenn auch wie immer nicht so, wie man es sich wünschen würde.

So weit, so gut. Das Problem: Menschen hängen an ihrem Alltagsrassismus. Die Reaktion in der Zeitung “Die Welt“ folgte so schnell wie brachial. Rassismus! In den sozialen Medien die übliche Aufregung.

Warum eigentlich? Wieso wird bei Oliver Rasche eigentlich denn überhaupt ganz besonders sehr offenbar anscheinend wie es aussieht ziemlich augenscheinlich gleich ohne Verzögerung so schnell umgehend sofort diese Assoziation hervorgerufen?

Und diejenigen, die zunächst kein Problem in dem Vorgang erkennen konnten; sind die völlig unsensibel – oder einfach unvoreingenommen und damit viel weiter im Bestreben, rassistischen Vorurteilen entgegenzuwirken? Sagt die Problematisierung nicht auch eine Menge über dem Problematisierer aus?

Wem ist eigentlich damit geholfen, wenn überall immer sofort Rassismus, Sexismus, Angriff vermutet wird? Hilft man schwarzen Menschen, wenn man sie in solchen Fällen zwangsweise zu Opfern macht?

Nein. Dabei findet Rassismus statt, zieht seine ekligen, braunen Kreise von Zeitungen und Schulen über Facebook und andere Medien bis in die Politik der Bundesregierung und die Sondierungsvereinbarung der zukünftigen Großen Koalition. Das gilt es zu ächten und zurückzudrängen, da ist leider mehr als genug zu tun.

Und die Kritiker von H&M? Haben natürlich völlig recht. Vorwerfen kann man ihnen weniger, dass sie offenbar kein Problem darin gesehen haben, ein rassistisches Motiv als solches zu benennen – nein, vorwerfen kann man ihnen höchstens, dass sie das Erregungspotenzial in einem komplett digitalisierten und vom Springer-Verlag dominierten Oliver Rasche völlig unterschätzt haben.

Und so wartet Oliver Rasche bereits auf die nächste Sau, die durchs Dorf getrieben wird. Und unbedingt gerettet werden muss; ob sie nun will oder nicht.

[Inspiriert von https://www.welt.de/vermischtes/article172302125/Umstrittene-H-M-Werbung-Das-Empoerende-ist-der-Rassismus-Aufschrei.html%5D

11 Responses to Das Empörende ist der Rassismus-Aufschrei

  1. wonko sagt:

    „Wieso wird bei Oliver Rasche eigentlich denn überhaupt ganz besonders sehr offenbar anscheinend wie es aussieht ziemlich augenscheinlich gleich ohne Verzögerung so schnell umgehend sofort diese Assoziation hervorgerufen?“

    Ist dieser Satz irgendwie Ausdruck einer besonderen Formulierungskunst die sich mir gerade nicht erschließt oder doch einfach nur komplett verunglückt?

    Ansonsten: https://twitter.com/hashcrap/status/951073615260381184

  2. Muriel sagt:

    Der Satz ist, wir der ganze Artikel, eine Parodie auf den von Herrn Rasche. Seiner ist nicht ganz so wild, aber auf die gleiche Weise albern.
    Find ich.

  3. Dr. Caligari sagt:

    Volle Zustimmung, soweit.

    Man muss schon selbst rassistische Hintergedanken haben (die Assoziation von Schwarzen Menschen mit Affen), um darin Rassimus zu erkennen. Wenn ein Weißer das getragen hätte, hätte man darin auch keine „Entmenchlichung“ oder so etwas gesehen.

    Das man sich darüber derart erregt, beweist nur, dass man die Hautfarbe eben nicht als harmloses körperliches Merkmal sieht, wie etwa die Haarfarbe, sondern als etwas besonders wichtiges, das die Person trägt.

    Im Ergebnis sieht das dann so aus: Wenn ich als Werbetreibender eine Kampagne durchführe und dabei ein attraktives, aber dunkelhäutiges Model gefunden habe (99% der Männer denken jetzt bestimmt an eine Frau – egal, ich ehrlich gegsagt auch), dann muss ich mir ständig Gedanken darum machen, wie diese Werbung unter den „Rassengesichtspunkt“ aussieht. Etwas, das ich mir (noch) bei einem weißen Model nicht machen muss. Ergo wird das dunkelhäutige Model es de facto schwerer haben, einen Jobauftrag zu finden.

    Fazit für mich:
    Der Aufschrei beweist selbst denken in rassistischen Kategorien und erweist den dunkelhäutigen Models (wie den kleinen Jungen) einen Bärendienst.

  4. Muriel sagt:

    Ich fürchte, volle Zustimmung nur dann, wenn du deinen Kommentar auch mehr so als Parodie meintest.

  5. LintuLumessa sagt:

    Hallo, ich hab mich noch mal ein bisschen reingelesen in dem was du so schreibst und wollte mich für meine forsche Reaktion entschuldigen. Du scheinst zwar sehr skeptisch zu sein (was ich auch gut finde) aber jetzt auch nicht jemand der Religionen/ andere Ansichten so sehr hasst das jegliche Diskussion nur darauf hinaus laufen würde das du irgendjemanden wegen seinem Glauben nieder machen willst. Ich studiere ja islamische Theologie uns werde leider viel zu oft mit Menschen konfrontiert die garnicht wirklich vernünftig sprechen wollen, sondern die einfach nur Spaß daran haben jemanden runter zu machen. Ich hab absolut kein Problem mit anderen Meinungen und respektiere jede Glaubensansicht vollkommen, solange alles immer auf Respekt und Achtung dem Gegenüber stattfindet. Durch die schlechten Erfahrungen die ich seit beginn meines Studiums machen musste haben mich meine Gefühle zu dieser impulsiven Reaktion getrieben. Das hat mich aber nicht in Ruhe gelassen und weil ich es als richtig empfinde sowas zumindest auszusprechen (aufzuschreiben) wollte ich dir diesen Kommentar als aufrichtige Entschuldigung da lassen. Wir sind leider alle nur Menschen und machen fehler. 🙂 Ich wünsche dir nich viel Erfolg mit deinem Blog. 🙂

  6. Muriel sagt:

    Danke für den netten Kommentar! Ist wirklich kein Problem. Ich versteh das. Wie du sagst, wir sind alle Menschen, und ich hab auch manchmal keine Lust auf Diskussionen! Vielleicht ja ein ander Mal.

  7. LintuLumessa sagt:

    Man muss ja auch nicht immer diskutieren. Man kann auch friedlich nebeneinander existieren solange keiner etwas Böses im Sinn hat. So sollte es in unserer Geawllschaft ja auch sein. 🙂

  8. Muriel sagt:

    Ich bin da ein bisschen problemorientierter, glaube ich.
    Menschen, die nichts Böses im Sinn haben, können auch jede Menge Schaden anrichten. Und sogar wenn man das nicht macht, ist es doch toll, was dazu zu lernen.

  9. LintuLumessa sagt:

    Das stimmt wohl. Ich denke du spielst auf religiöse Radikalisierung an. Das ist auch wirklich ein großes Problem an dem gearbeitet werden muss. Über diese Mechanismen der Beeinflussung haben wir vor kurzem im Unterricht gesprochen. Aber diese Idioten sind zum Glück in der Minderheit. (Auch wenn die Medien das oft verzerrt daratellen.)

  10. Muriel sagt:

    Eigentlich nicht. Ich spiele damit auf gar nichts Bestimmtes an, sondern will nur sagen, dass jeder kleine Irrtum (von „Die Joghurtbecher sollte ich gründlich ausspülen, bevor ich sie ins Recycling gebe“ bis „Transsexuelle sind doch diese Leute, die sich gerne wie Frauen anziehen, oder?“) Auswirkungen hat, die mehr oder weniger Schaden anrichten können, und weil alles mit allem zusammen hängt, gibt es keine völlig harmlosen Irrtümer.
    Das heißt natürlich nicht, dass ich es für eine tolle Idee halte, permanent mit allen über alles zu streiten und jede Kleinigkeit mit maximaler Besserwisserei zu korrigieren. Man kann auch in der Sache Recht haben und trotzdem ein Arsch sein.
    Aber ich bin tendenziell jedenfalls dafür, unterschiedliche Ansichten nicht einfach stehen zu lassen, sondern drüber zu reden.

  11. LintuLumessa sagt:

    Ah, jetzt verstehe ich. 🙂

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