#AuthorsAreTrash

Nee, keine Sorge, ich will nicht über irgendwelche aktuellen Hashtags reden, sondern über eine Frage, und das wird übrigens ausnahmsweise auch mal keiner meiner Muriel-macht-sich-über-Leute-lustig-die-seiner-Meinung-nach-Unrecht-haben-Posts, sondern einer meiner seltenen Muriel-fragt-euch-was-und-hofft-auf-interessante-offene-Gespräche-in-denen-niemand-Angst-haben-muss-dass-jemand-sich-über-ihre-Meinun-lustig-macht-weil-sie-seiner-Meinung-nach-Unrecht-haben-Posts. Kann nur gutgehen, oder?

Meine Frage nahm ihren Anfang in diesem Tweet:

Naja, nee, das stimmt auch nicht, denn natürlich hab ich auch vorher schon darüber Gedanken gemacht, aber das kann ja auch dahinstehen, es geht schließlich um was anderes, nämlich um die Darstellung von Sexismus in Kunst und Unterhaltung. Mutmaßlich übertragbar auf alle anderen problematischen Ideen, mehr oder weniger.

Und zwar ist es so, dass ich den beiläufigen, unreflektierten Sexismus in meinen Büchern (Filmen, Musikstücken, egal) sehr lästig und ärgerlich finde, und ich denke, das ist klar, da gibts nichts zu diskutieren.

Aber es gibt ja nicht nur den. Es gibt ja, wie zum Beispiel in The Handmaid’s Tale, das ich gerade angefangen habe, auch den sehr zentralen. thematisch prägenden, reflektierten Sexismus, der eigentlich eher nicht da ist, weil die schöpfende Person ihn verinnerlicht hat und deshalb reproduziert, sondern weil sie ihn zeigen will, damit auf die Probleme der realen Welt verweisen, und diese wiederum damit hoffentlich besser machen.

Und jetzt frag ich mich, wie ihr das seht. Meint ihr, diese Art Geschichte trägt mehr zur Sache bei als zum Beispiel eine Geschichte von einer Gesellschaft, in der echte Gleichberechtigung herrscht, wie Gene Roddenberry mit Star Trek sie, ähem, zumindest dem Vernehmen nach gerne abzubilden versucht hätte? So eine Geschichte könnte ja auch, geschickt geschrieben, die Probleme der realen Welt thematisieren und aufzeigen, aber ohne sie in der fiktiven Welt zu reproduzieren, sondern stattdessen, indem es zeigt, wie es anders ginge?

Ich persönlich neige zu der nicht so interessanten Auffassung, das beides seinen Platz und seine Berechtigung hat, fände es aber für mich selbst enorm erfrischend, einfach mal eine gut geschriebene unterhaltsame Geschichte zu lesen, oder zu hören, oder zu sehen, die sich von diesem Schmutz lösen kann.

Und ihr so? Was denkt ihr? Kennt ihr vielleicht Beispiele für Geschichten, die ihr mir empfehlen würdet? Habt ihr belastbare Erkenntnisse oder einfach frei entwickelte eigene Meinungen zu der Sache?

Dann immer her damit.

6 Responses to #AuthorsAreTrash

  1. madove sagt:

    In letzter Zeit bin ich mehr außerhalb meiner Bubble unterwegs und könnte mir deshalb vorstellen, dass so Literatur mit der Intention „guckmal, wenn man sowas EXPLIZIT Schlimmes macht, merkst du auch, dass das nicht okay wäre, ne? Und jetzt denk mal naaaach“ vielleicht wirklich auch Leute erwischen kann, die… ach ich weiß auch nicht.

    Bei mir persönlich ist es wirklich so, dass ich es NICHT MEHR SEHENHÖRENLESEN mag. In meiner selbstgewählten Freizeitunterhaltung echt nichts mehr haben will, was auf den verschiedenen Disktriminierungsachsen nicht mindestens eine winzige Verbesserung des Status Quo andeutet.
    Es reicht mir so, was für Selbstverständlichkeiten man jetzt öffentlich wieder oder immer noch diskutieren muss und darf, und solche Überlegungen wie „Was wäre, wenn es normal wäre, *krasse Diskriminierung einfügen*“ sind entweder zynisch, weil sowas irgendwo noch/schon (?!?!) normal ist, und/oder wirklich kontraproduktiv meinem Gefühl nach.

  2. Muriel sagt:

    So ähnlich empfinde ich das auch.
    Ich denke (Das ist jetzt eher eine andere Frage, zugegeben) bei solchen SF-Szenarien außerdem immer, dass es von der Zielsetzung her extrem billig ist, ein Szenario zu bauen, in dem die Benachteiligung wirklich offensichtlich sinnlos ist, also halt wie in The Handmaid’s Tale, oder Detroit: Being Human. Es ist ja nicht so, dass irgendein vernünftiger (…) Mensch dagegen Argumentieren könnte, Frauen fair zu behandeln, oder Androiden, die halt OFFENSICHTLICH KOMPLETT GENAU WIE MENSCHEN SIND UND SOGAR SO AUSSEHEN. Wie leicht kann 1 User es sich machen?
    Wenn es irgendwie halbwegs vernünftige Gründe gäbe (Weiß nicht, z.B. müssen zwei intelligente Spezies koexistieren, die eigentlich Fressfeinde sind, um spontan was aus dem Ärmel zu schütteln.), dann wäre da wenigstens eine Frage, über die man als lesende Person nachdenken und die man interessant finden kann. Aber diese schlichte Empörungsliteratur („BOAH DAS IST SO UNFAIR SO EINE SCHEISSGESELLSCHAFT WAS FÜR ÄRSCHE!!!“) ist doch nicht nur ärgerlich, sondern auch einfach langweilig?

  3. Joan sagt:

    Im Wesentlichen: Was madove sagt. Positive Vorbilder fände ich deutlich besser und wirkungsvoller, selbst dann, wenn ich nicht langsam von Dystopien genug hätte. Zudem hege ich den Verdacht, dass gerade Sachen wie The Handmaid’s Tale dazu führen, dass die Konsumenten zu dem Schluss kommen, verglichen damit ginge es uns eigentlich doch gut, und die Frauen [losgelöst vom Beispiel: jede andere diskriminierte Gruppe] sollten doch mal aufhören, zu jammern. Zugegeben sind die positiven Vorbilder manchmal arg bemüht bzw konstruiert, da ist also auch noch Luft nach oben.

  4. onkelmaike sagt:

    ich habe offensichtlich ein ganz anderes literatur/kunstverständnis als ihr. ich glaube nicht, dass mensch die gute sache durch sie irgendwie gezielt steuern/beeinflussen kann. anders gesagt: was kunst anbelangt bin ich definitiv anarchokapitalistin, politisch correcte kunst ist meistens sehr doof oder zumindest nicht besonders gut (ist natürlich nur meine meinung). natürlich kann es zusammenkommen, dass 1 gute kunstperson auch ein 1 gute politische meinung hat.

    @joan, ich kann mir auch vorstellen, dass sachen wie the handmaid’s tale solche wirkungen haben, wie du vermutest. ich finde aber historische darstellungen gesellschaftlicher machtverhältnisse immer interessant und sogar lehrreich. denn ich glaube, dass dinge auch sehr lange nachwirken und uns helfen können, das jetzt zu verstehen (fand zb die darstellung von sexismus u patriarchat in mad men sehr interessant).

  5. Muriel sagt:

    Wow… Faszinierend. Ist mir sehr fremd, diese Denkweise. Aber das stellen wir ja öfter fest.

  6. onkelmaike sagt:

    indeed. das ist ja das interessante an unserer bekanntschaft. es gibt ja nicht wenige dinge, wo wir sehr ähnlich denken. und dann wieder, wo ich denke, was ist in gehirn von dise verrückte vogel schiefgelaufen. leider komme ich dem rätsel überhaupt nicht auf die spur. ist aber irgendwie auch egal.

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