Utopischer Hot Take, der aber gegen die Richtigen geht [Alternativtitel: Fuck you, Ray Bradbury!]

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Symbolbild

Was ist der Alte Weiße Mann vor allem? Genau, ein Spießer. Ein kulturpessimistischer Normie-Besserwisser, der glaubt, dass die Welt vor die Hunde geht, weil niemand auf ihn hört.

Was will der Alte Weiße Mann auf keinen Fall sein? Genau, ein Spießer.

Der Alte Weiße Mann fühlt sich nämlich sehr nicht als Spießer. Er fühlt sich gar nicht alt und grantig und nölig. Der Alter Weiße Mann fühlt sich sehr jung und sexy und clever und sogar rebellisch, was ein bisschen lustig ist, weil er komplett den Mainstream dominiert.

Deshalb liebt der Alte Weiße Mann solche Bücher wie Fahrenheit 451. Denn wenn der Alte Weiße Mann Fahrenheit 451 liest, dann kann er alles haben. Dann kann er richtig schön nölig kulturpessimistisch sein, und drüber schimpfen, dass niemand mehr liest und alle nur noch auf ihren Handys rumdrücken und gar nicht mehr rausgehen und Fußball spielen oder noch besser: dem Alten Weißen Mann zuhören, wenn er ihnen erzählt, dass sie rausgehen und Fußball spielen sollen, oder halt Bücher lesen, vorzugsweise die, die Alte Weiße Mann selbst darüber geschrieben hat, wie wichtig es ist, Bücher zu lesen, die der Alte Weiße Mann darüber geschrieben ihr merkt schon, worauf ich hinaus will.

Und dann kann er sich trotzdem wie ein verruchter sexy cooler total krass unangepasster Rebell fühlen, denn er macht das ja: Er liest Bücher. Er hat eine Bibel, und er findet sie irgendwie wichtig. Er findet all diese alten Schinken wichtig und meint, dass man sie unbedingt gelesen haben sollte, all diese Bücher, die in der Schule alle zu lesen gezwungen werden, weshalb es nicht so leicht ist, sich krass unangepasst und rebellisch zu fühlen, wenn man findet, alle sollten diese Bücher lesen.

Fahrenheit 451 macht es aber möglich, denn Fahrenheit 451 gibt dem Alten Weißen Mann die Welt, von der er träumt, in der er ein Rebell ist, ein Held, der Protagonist, die Hauptperson, das einzige, was zählt, und der einzige, der es verstanden hat.

Oder was meint ihr?

5 Responses to Utopischer Hot Take, der aber gegen die Richtigen geht [Alternativtitel: Fuck you, Ray Bradbury!]

  1. madove sagt:

    Oh, das finde ich eine sehr wohltuende Sichtweise und hätte gerne mehr davon verinnerlicht . Auf diese andere Literatur und Kultur, umd insgesamt auf diese entsprechenden Stimmen in meinem Kopf…! Sehr hilfreich!

  2. davboe sagt:

    Also ich weiß jetzt auch nicht. Ist irgendwie kierkegaardesk.

  3. Muriel sagt:

    Da bin ich jetzt nicht kierkegaardsattelfest genug, um das zu verstehen.
    Magst du’s erklären?

  4. davboe sagt:

    Oh, ja, ich mach das mal sehr frei … an einer Stelle erklärt Kierkegaard das Gleichnis Jesu von einem frommen Mann, der in der Synagoge sitzt, ganz weit vorn = nah bei G*tt und verächtlich nach hinten schaut auf einen „Penner“. Er spricht: „Pah, bin ich froh, dass ich nicht so bin, wie dieser Typ da hinten.“ Jesus sagt dann dazu: „Der Penner ist bei G*tt in Ganden, jener Frömmler aber nicht.“ Und nun sagt Kierkegaard: „Ja, heute klopfen sich die Frommen auf die Schulter und sagen: ‚Ich hab das Gleichnis verstanden, bin ich froh, dass ich nicht so bin, wie dieser fromme Mann in der Synagoge.“

  5. Muriel sagt:

    Ah. Ja. Ich glaube, ich verstehe, auch wenn ich nicht sicher bin, in welcher Iteration du mich in dem Vergleich siehst. Danke!

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