Was man halt so für Tatsachen hält

Leute, ich freu mich! Ich habe etwas gefunden, das ich schon lange gesucht habe, und jetzt ist es endlich da: einen alten Post von mir, der so schlecht ist, so dumm, so falsch, dass es sich lohnt, 1 neuen drüber zu schreiben.

Ich hätte mir gewünscht, dass es einer ist, in dem ich weniger 1 Arsch bin und in dem nicht ausgerechnet Max Steinbeis Recht hat (Das tut echt weh, das hätte echt nicht sein müssen, aber so ist das halt manchmal, und dann müssen wir da durch.)

Ich habe gerade festgestellt, dass ich 2011 einen ganz klassischen ahnungslosen und dadurch transfeindlichen „Frauen in Männerkörpern sind Männer“-Post geschrieben und in (sowas gab’s damals noch) zahlreichen Kommentaren verteidigt habe.

Es hätte, wie das auch halt immer so ist im Leben, noch schlimmer sein können. Ich habe damals auch schon gesagt, dass ich akzeptiere, wenn jemand sich nicht mit dem eigenen körperlichen Geschlecht identifiziert und die Person dann auch so anreden würde, wie sie will (Ich weiß, furchtbar, aber wäre doch halt noch schlimmer gewesen, wenn ich das Gegenteil geschrieben hätte, oder?).

Er hat es mir auch nicht unbedingt leicht gemacht durch die Formulierung mit dem Männerkörper, die ja wenig Sinn ergibt für die Konzepte, die er meint. (Tut mir leid, ich weiß, man soll sowas nicht auf andere schieben, aber das musste sein, der Hass in mir ist zu stark.)

Und ich stehe heute noch zu dem Teil meiner Argumentation, in der ich finde, dass es ja durchaus sein kann, dass die gängigen Geschlechter nicht (nur) biologisch bestimmt\bestimmbar sind, dass sie aber, wenn man sie einfach durch Erklärung ändern kann, doch eh im Ausweis und Personenstandsregister nichts zu suchen haben, weil sie dann zur Identifizierung nicht nötig sind und wir sie streichen und\oder durch was Sinnvolles ersetzen sollten.

Aber das alles ändert nichts daran, dass ich den gleichen Mist geschrieben habe, für den ich heute andere verachte, und das ist doch eine gute Gelegenheit, sich daran zu erinnern, dass solche Dummheit auch in mir liegt, dass Diskussionen über sowas nicht so nutzlos sind, wie sie sich oft anfühlen und dass sogar so 1 arroganter transfeindlicher (Ist das ein angemessener Ausdruck? Mir fällt kein besserer ein.) Arsch wie ich damals in wenigen Jahren zu so 1 arroganten nicht mehr so transfeindlichen Arsch werden kann wie ich heute. Und es ist 1 Gelegenheit, sich daran zu erinnern, dass manche Dinge, die ich heute schreibe, mir in 8 Jahren womöglich genauso dumm und unsympathisch vorkommen wie jetzt dieser Post von damals.

Und natürlich ist es auch eine Gelegenheit, um Entschuldigung zu bitten, sogar bei Max Steinbeis, und zu sagen, dass es mir leid tut. Ich war 1 Arsch. Ich hätte das nicht schreiben sollen. Ich war im Unrecht.

Und jetzt bin ich nicht sicher, was der sinnvolle Umgang damit ist. Ich habe den Artikel hier nicht verlinkt und nicht zitiert, weil ich keinen Sinn drin sehe, ihn zu reproduzieren. Ich überlege, ob ich ihn lösche oder auf Privat setze. Aber vielleicht hat es auch Vorteile, wenn er zur Dokumentation verfügbar bleibt, mit der Diskussion darunter, in der Leute es mir vergeblich zu erläutern versuchen? Ich könnte das alles ins Moderationsverlies schieben, aber das kommt mir auch sehr unpraktisch vor.

War meint ihr denn? Was würdet ihr machen? Naja wenn ich schon frage, sollte ich auch 1 Link anbieten, oder? Ihr könnt das ja schlecht beantworten, ohne zu wissen, was da überhaupt steht Na gut, hier.

5 Responses to Was man halt so für Tatsachen hält

  1. […] [Nachtragsvorbemerkung vom 7. März 2019: Mir ist gerade aufgefallen, dass dieser furchtbare Post in meinem Blog steht, und es ist mir sehr peinlich. Ich überlege noch, wir ich jetzt damit umgehe und habe hier schon ein bisschen was drüber geschrieben: https://ueberschaubarerelevanz.com/2019/03/07/was-man-halt-so-fuer-tatsachen-haelt/%5D […]

  2. onkelmaike sagt:

    1 mann aus internet entdeckt, dass er sich vor acht jahren einmal geirrt hat. er ist schon irgendwie überrascht darüber, wie konnte passieren? er schreibt so 1 halbgelungene selbstkritik, in der sehr oft das wort ich vorkommt. er kritisiert sich und seinen sexismus selber scharf (zum glück, denn wer sollte sonst dazu in der lage sein und irgendwie macht ihn das ja auch wieder zum größten antisexisten). er kann sich sogar vorstellen, dass er sich in acht jahren noch mal irrt. auch hartgesottenere lesende, die meinen, schon alles gesehen zu haben, weimen.

  3. Muriel sagt:

    Caesar hat seine Prätorianergarde, ich hab onkelmaike.

  4. madove sagt:

    Joa, ich weim halt schon, weil ich nix Besseres weiß als besser werden und das deshalb das Beste ist. Muss man nicht ausflippen vor Begeisterung, aber freut mich halt schon massiv….

  5. onkelmaike sagt:

    hallo madove,

    grüße an die kängurus!
    mrs. columbo hat gesagt, ich soll nicht mehr bei muriel kommentieren, der habe mir ja schließlich deutlich gezeigt, dass er nichts mit mir zu tun haben will und es wär deswegen creepy. ich fürchte da hat sie recht.
    vielleicht abschließend: „massive“ freude kann ich nicht nachvollziehen. natürlich ist es schön, wenn muriels meinung weniger trans*feinlich wird. aber da sind wir auf der ebene von etwas, was oft als „identitätspolitik“ bezeichnet wird. es ist zunehmend anerkannt, dass menschen sexuelle und andere identitäten jenseits hetero- und sonstwelcher normen ausleben können. (vor allem in unseren linken und liberalen bubblen) das bringt ihnen aber nur was, solange sie im ökonomischen wettbewerb bestehen, und sich ihr „anderssein“ auch leisten können.

    muriel zum beispiel respektiert trans*idente menschen, vertritt aber ansonsten eine politische meinung (sofern ich ihn richtig verstanden habe), in ihren auswirkungen eher trans*feindlich finde.
    ich glaube zum beispiel, dass die abschaffung von steuern oder auch einer für alle verpflichtenden krankenversicherung die situation von trans* menschen massiv verschlechtern würde. diese sagen ja zum beispiel jetzt schon, dass die leistungen der krankenkassen in bezug auf die geschlechtsanpassung überhaupt nicht ausreichend sind.

    deswegen kann ich mich über seine beschriebene meinungsänderung nicht so sehr freuen (wobei sich meine ursprungskritik ja vor allem auf den duktus des vortrags bezog).

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