Lyrimo 30: Briefgeheimnis

30. November 2019

Sonderbarer Abschluss, denkt ihr vielleicht, aber naja, jeder Abschluss ist irgendwie sonderbar, egal also, ans Werk. Briefgeheimnis. Und weils die letzte Chance ist, bekommt ihr von mir heute mein erstes und womöglich auch einziges Gedicht, das sich nicht reimt.

Haiku zählen nicht, Fresse halten.

 

Wer schreibt eigentlich noch Briefe?

Es ist ein Geheimnis.

Wozu eigentlich noch Briefe?

Niemand weiß es.

Brauchen wir eigentlich noch Briefe?

Es ist ein Mysterium.

Warum bekommen wir eigentlich noch Briefe?

Ein Rätsel.

Werden es nicht sogar immer mehr Briefe?

Jemand sollte es herausfinden.

Wann habt ihr zuletzt in den Briefkasten geschaut?

Ich trau mich schon lange nicht mehr.

Da warten

Briefe

auf

mich

und

niemand

weiß

warum.


Lyrimo 29: Zielgerade / die überwiegende Schönheit aller Dinge / 30 Tage

29. November 2019

Der 29. Impuls besteht aus den beiden Impulsen.

„die überwiegende Schönheit aller Dinge…“
oder
„30 Tage“

30 Tage, bald vorbei

Morgen ist Schuss mit Dichterei.

So nett es ja manchmal auch war,

war’s doch Arbeit, völlig klar.

Drum find ich überwiegend schön,

wenn Dinge bald zu Ende gehn.

Morgen bin ich endlich frei!

Oh wie ich mich darauf freu.


Lyrimo 28, Hermann Hesse „Stufen“

28. November 2019

„…und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne „

Nehmt diesen Wortlaut aus Hermann Hesses Gedicht „Stufen“ als Impuls…

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

drum fang schon an, nu mach doch hinne,

Wie lang soll ich auf Zauber warten?

Leg’n Zahn zu, will ich dir raten.

Wenn jetzt nicht gleich mein Zauber kommt,

Wird dir die Fresse weggebombt,

Wo Bartel Most holt zeig ich dir,

kommt jetzt nicht gleich mein Zauber hier.

Wirds bald? Hör mal, glaub ich spinne!

Willst du, dass ich selbst beginne?

Wenn du nicht gleich den Zauber bringst,

Vermute ich, dass du mich linkst.

Ich lass mich hier doch nicht verarschen!

Mach schon, sonst werd ich mit barschen

Worten dir mal was erzählen,

wenn dir sonst die Zauber fehlen.

Ich hab den Zauber reserviert,

der in dem Anfang residiert.

Drum los jetzt, leg Zauber hin,

bevor ich richtig sauer bin.

 


Lyrimo 27: Einladung zum Kaffee

27. November 2019

Kaffee

Köstlich schwarzer Trunk

den Abends bis zum Morgen

Zur Bewusstseinsweiterunk

Man sich kann besorgen.

 

Kaffee

Oh du Zaubertrank

den ich aus tiefster Seele

Ob gesund oder auch krank

Mir zum liebsten wähle

 

Kaffee

Meine Zuversicht!

Du bewegst mich immer,

sogar wenn ich armer Wicht

vor Müdigkeit noch wimmer.

 

Kaffee

Herrliches Phantom,

das du mich begleitest,

von Helsinki bis nach Rom,

Oh! Wie du mich reitest.

 

Kaffee

Dir gehört mein Leben,

und mein ganzes Sein.

Ohne dich wär eben

nichts nur halb so fein!

 

Kaffee

Du bringst bis zuletzt

Mir Segen und Sonne,

Wirst du ins Gedärm gehetzt

Verbreitest du dort Wonne.

 

Kaffee

Einzig du allein

Dienest mir zur Labung

Dich bedingt mein Sein,

Und all meine Habung.

 

Kaffee

Wie du jeden Tag

Mir zur Stärkung dienst,

Du weißt, wie ichs mag!

Und wie du mich verwöhnst!

 

Kaffee

Ohne dich wär ich

Einer der letzten Lurche.

Ich wär sicherlich

Noch durcher als durche.

 

Kaffee

Du gibst mir mein Selbst,

Herrscher meiner Seele!

Wenn du auch Zähne gelbst,

Ich brauch deine Befehle!

 

Kaffee

Heiße Hydration,

Ist es denn zu glauben?

Darf ich dich jetzt wieder schon

Mir in die Fresse schrauben?

 

Kaffee

Dir zu Ehren sing ich

Frisch koffeiniert!

Nur dank deiner kling ich

Wie es dir gebührt!

 

Kaffee

Denn du bist

Alles, was ich brauche,

Und wenn du mich küsst

drinnen in meim Bauche,

 

Kaffee

Singt die Welt mit mir

Denn dein Verwöhnaroma

Belebt die Pflanze wie das Tier,

Pneuma, Sarx und Soma.

 

Kaffee

Nun ist aber Schluss,

ich geh dich jetzt trinken.

Genug von diesem Stuss!

Lass uns zum Abschied winken.

 

Kaffee.


Lyrimo 26: Nachtgedanken

26. November 2019

Nachtgedanken

Nachts ists dunkel, nachts ist kalt,

also, kälter als am Tage halt,

und das sogar die ganze Nacht,

außer, hab ich gerad gedacht,

Wenns tagsüber kälter war,

Vielleicht wegen so Dings-Klima,

Kenn mich mit Wetter halt nicht aus,

Na und? Was solls denn? Eiderdaus!

Was müsst ihr euch da gleich so haben!

Darf man denn heute nichts mehr sagen?

Kommt immer gleich Sprachpolizei,

Denkt ihr nicht, dass ihr dabei

Leute wie mich in rechte Arme

treibt, nur weil es nächtens warme

war? Verdammtes PC-Diktat!

Mir reichts, ich werde jetzt Pirat.

Los, alles klarmachen zum Ändern!

Setzt Segel zu den rechten Rändern!


Lyrimo 25: Die Steinlaus im November

25. November 2019

Loriot

Von Zeit zu Zeit seh‘ ich den Alten gern,

und hüte mich, mit ihm zu brechen,

Doch geb ich zu, bei alten weißen Herrn

ist nicht nur vom Humor zu sprechen.

 

In seiner Selbstzufriedenheit

steht er fürs Patriarchat,

staubig-zahme Biederkeit

und säte also mit die Saat

 

des Deutschlands, das verrecken muss,

Steinlaus über Mops bis Ente,

Gab abendlich Gute-Nacht-Kuss,

den alten Nazis in der Rente.

 

Lacht über euren Loriot,

nur zu, denn Lachen ist gesund,

doch denkt manchmal daran, wieso

Lachen zu Asche wird im Mund.


Lyrimo 24: Geruch

24. November 2019

Riecht ihr das auch? Ich leider nicht.

 

Ruchlose Gesellen

fielen über uns her.

Sie hinterher zu stellen

Gestaltete sich schwer.

Sie wiederzuerkennen

Erwies sich als unmöglich,

Wir wollten sie gern nennen,

doch scheiterten sehr kläglich.

Wie gern würd ich erzählen

Von einem Happy End,

In dem Ruchlose Gesellen

Am Ende wer erkennt.

Doch lies unser Geruchssinn

Traurig uns im Stich,

So sehr ich sie auch such, fin

de ich sie einfach nich.

Die Ruchlosen Gesellen,

Ich kann sie nicht erhaschen,

Könnt ihr es euch vorstellen?

Die haben sich gewaschen!