You go high, we go low

Der meistens sehr ausgezeichnete Vetaro hat mich vor Kurzem freundlicherweise auf die meistens sehr ausgezeichnete Videoserie „The Alt Right Playbook“ vom meistens sehr ausgezeichneten Account Innuendo Studios hingewiesen. Und ich kann die enthaltenen Videos nur allen sehr ans Herz legen, die öfter darüber nachdenken, warum sowas wie Trump und Peterson und PewdiePie und Shapiro funktioniert.

Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht auch was zum Widersprechen hätte, aber weil der meistens sehr ausgezeichnete Vetaro mich da nicht SO ermutigt hat, fange ich mit was ganz Speziellem an, wovon ich nicht mal sicher bin, ob es ein Hot-Take-hafter Widerspruch zu Innuendo ist, oder einfach nur eine Selbstverständlichkeit, die ich so formuliert habe, dass sie ein bisschen anders klingt, als er es in dem Video sagt.

Und zwar gehts darum, falls ihr das Video gerade nicht angucken mögt: Im Kern sagt er, dass sowas wie die Weigerung der Republikaner, über Obamas Supreme-Court-Kandidat*in abzustimmen, ohne dass er dann halt einseitig einen einsetzt, passiert, weil die Demokraten halt immer noch dran glauben, dass alle sich an die Regeln des Systems halten müssen, und dann regelt das System schon, während die Republikaner/Alt-Right einfach um jeden Preis gewinnen wollen. Prozess gegen Ergebnisse sozusagen.

Und ich halte zwar für möglich, dass … und da gehts jetzt mit der Terminologie schon los, deshalb kurzer

[Exkurs:] Innuendo spricht meistens einfach von „The left“ als Gegenstück zu den … Rechten. Und wahrscheinlich hat er da irgendwie auch Recht. Ich glaube, von mir gibts nicht so viele. Ich habe seit Jahren mit keiner Person mehr gesprochen, die sich liberal nannte, ohne ein Fascho zu sein. Und über Konservative als Leute, die sich gegen Faschismus einsetzen, brauchen wir auch nicht zu reden. Aber zumindest eine kopfnickende Geste in die Richtung, dass nicht alle Antifaschist*innen links sind, will ich schon machen, deshalb spreche ich da jetzt von Nichtfaschist*innen, also kurz NF. Ich hätte auch von Antifaschist*innen sprechen können, aber das würde zu Missverständnissen einladen, weil die Antifa, obzwar keine monolithische Struktur, so ja aber doch irgendwie schon eine Ansammlung von Gruppen und … irgendwelchen Strukturen ist, zu denen zu gehören ich zum Beispiel nicht aufrichtig behaupten kann. Und Obama, Harris und Merkel würde ich auch nicht unbedingt dazu rechnen. [Exkurs Ende]

Noch mal also, jetzt mit gut sitzender Terminologie bei jedem Wetter: Ich halte zwar für möglich, dass die NF tendenziell tatsächlich, wie Innuendo meines Erachtens … insinuiert, ein bisschen naiver an das System glauben und hoffen, dass schon alles gut wird, wenn alle sich an die Regeln halten, und deshalb dazu neigen, sich an die Regeln zu halten, während die anderen das nicht tun, und so weiter, aber vor allem habe ich den Eindruck, dass den NF das Ergebnis auch wirklich weniger wichtig ist als der rechten Seite, den Faschos, der Alt-Right, ja ich weiß, dass ich behauptet habe, die Terminologie wär jetzt durch, aber ihr wusstet, dass das nicht stimmt, und habt nix gesagt, also steckt ihr da jetzt mit drin, also haltet schön die Klappe, sonst reiß ich euch mit mir in den Abgrund.

Aber damit sind wir jedenfalls an dem wie versprochen ziemlich trivialen Punkt, auf den ich mit all diesen zu vielen Worten hingeleitet habe: Die rechte Seite meint es ernst. Sie kämpft aus ihrer Perspektive ums Überleben. Das ist Unfug, aber die glauben das, oder … naja, sagen wir: Sie haben das Gefühl. Sie fühlen sich bedroht, von diesen gefährlichen Linken, die alles anders machen und ihnen die Freiheit wegnehmen wollen, als die sie ihre Privilegien empfinden, und sie haben Angst vor all den Kanadiern, die in Kürze plündernd und brandschatzend durch die USA ziehen werden, wenn die Grenzen nicht besser gesichert werden. (Und bevor jemand mir das nicht völlig abwegig vorwirft: NEIN, das ist keine Aufforderung, irgendwelche Ängste ernst zu nehmen. Die Ängste sind Mist, sie sind rassistisch und faschistisch und unberechtigt, niemand sollte sie ernst nehmen, und die Ängste sind auch nur ein Teil. Andere Teile sind Hass und Gier und Dünkel und laute ekliger Kram, dem die NF definitiv NICHT näher treten sollten. Ich will damit nur sagen: Die meinen es ernst. Die kämpfen aus ihrer Perspektive wirklich für was, das ihnen wichtig ist.)

Und das ist bei den NF nicht so. Zumindest nicht bei denen, auf die es ankommt: Die in den Redaktionen und Parlamenten. Angela Merkel, Martin Schulz, Barack Obama, Joe Biden, all die Journalismusbetroffenen, die mit Nazis Whisky trinken gehen oder zum achtzehnten Mal einen Artikel über „besorgte Bürger“ schreiben und den Begriff der „Grenzöffnung“ weiter verwenden, weil der sich ja nun mal durchgesetzt hat, und so weiter und so fort. Denen ist es eigentlich nicht besonders ernst. Die sind sich selbst gar nicht so sicher. Weil … IRGENDWAS ist ja schon dran. Ich meine, hallo, Silvester, Köln? Sicherlich, das war übertrieben. Aber … Wenn die Flüchtlinge echt nix gemacht hätten, dann wär doch auch nix zum Übertreiben da gewesen. Und Geld kostet das alles ja auch, mit den Unterkünften und so. Wer soll das bezahlen? Und anstrengend ist das doch, immer drüber nachzudenken, was man jetzt eigentlich noch sagen darf. Sicher, #NoAfD, sicher, #fckNzs, aber die Dealer müssen doch wirklich raus aus dem Park, und was soll das jetzt alles mit dem Ableismus, meine Güte, echt, da dürfen die PoMos sich nicht wundern, wenn die Leute doch AfD wählen, so sehr wir uns auch Mühe geben, ihnen zu erklären, wie dumm das Nazipack ist.

[Weiterer Exkurs:] in dem ich noch einmal betone, dass ich weiß, dass es auch einige NF gibt, für die das nicht gilt. Es gibt natürlich Leute, die sich sehr ehrenwert, vorbildlich und konsequent gegen all das einsetzen und sehr entschlossen für ein bestimmtes Ergebnis kämpfen. Viele davon, weil sie selbst betroffen sind und es deshalb um ihre Rechte und ihr Überleben geht. Einige, obwohl sie selbst eigentlich privilegiert genug wären, um zu der gerade kritisierten, bräsigeren NF-Gruppe zu gehören, sich aber trotzdem anders entschieden haben. Und natürlich gibt es da auch Schattierungen. Aber ich rede hier von den Mainstream-NF, von den großen Accounts, den großen Zeitungen, den ÖR-Journalist*innen, dem Bundestag, der SPD, den Grünen, der Demokratischen Partei in den USA, und so weiter. [Exkurs Ende]

Also, klar, ich hab das jetzt humoristisch übertrieben und ein bisschen lustig verpackt, aber grundsätzlich meine ich es ernst. Die NF sind nicht originär … ehrlicher? Anständiger? Regeltreuer als die Faschos. Die Regeln sind ihnen nur deshalb im Vergleich wichtiger, weil das Ergebnis ihnen im Vergleich weniger wichtig ist. Und ja, das finde ich überschaubar relevant, auch wenn es nur eine Nuance ist, weil es nicht nur in diesem Fall schon einen gewissen Unterschied macht, sondern auch, weil Innuendo nach meinem Gefühl die NF-Seite insgesamt immer ein bisschen zu positiv, freundlich und unkritisch darstellt.

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