Ich hätte Sascha Lobo gar nicht für 1 Fascho gehalten,

25. Oktober 2020

obwohl ich ihn bekanntermaßen schon verachtete, bevor es cool war.

Nee. Entschuldigung. Ich muss zwei Sachen klarstellen:

  1. Keine Sorge, ich mach jetzt nicht jede Überschrift mit Komma. Das ist kein Trend, nur eine zufällige Folge von zwei Einzelfällen. Hehe. Einzelfälle. Ist das eine brillant subtile Anspielung auf das eigentliche Thema, oder was? Ich bin einfach so gut.
  2. Keine Ahnung, mit wem ich hier rede, ich weiß ja eigentlich, dass eh niemand mehr mitliest, und bei anderen Schreibenden mag ich dieses selbstverliebte Posieren ja normalerweise nicht. Aber bei mir selbst ist das was anderes. Ich bin ja schließlich SO GUT.
  3. Ich weiß, ich hatte „zwei Sachen“ geschrieben, und jetzt sind es vier. Tut mir leid. Mir war zu dem Zeitpunkt nicht präsent, WIE UNFASSBAR GUT ich bin.
  4. Es war schon immer cool, Sascha Lobo zu verachten.

Zurück zum eigentlichen Thema: Also, ja, ich habe Sascha Lobo schon immer für 1 ziemlichen Honk gehalten, aber dass er sowas schreibt, hätte ich dann doch nicht erwartet:

Nach einem rechtsextremen Mord ist Verlass auf linke Empörung in den sozialen Medien. Auf einen islamistischen Mord hingegen folgt Stille, linke Zerknirschtheit – und manchmal sogar Schlimmeres.

Das Zitat hätte ich jetzt eher Tichy, Matussek oder Weidel oder so zugeordnet. Aber es ist der Teaser für die aktuelle (Naja, vom 21. Oktober halt. Verglichen mit dem letzten Blogpost über eine Pressemitteilung von Mitte 2019 bin ich damit geradezu Enthüllungsjournalist!) Ausgabe von Lobos Kolumne, in der er mal richtig den Wutbürger rauslässt. Denke ich jedenfalls. Mehr als den Teaser hab ich auch noch nicht gelesen, ich schreibe meine Posts nämlich live on tape, und sehr voreingenommen, wie ihr merkt. Manchmal zumindest.

Mal gucken, ob ich hinterher merke, dass ich Unrecht hatte, oder ob ich mir meine zu schnell gefasste Meinung noch irgendwie notdürftig schönreden und rechtferti Lobo doch genau so ist, wie meine geschärfte Menschenkenntnis mir jetzt sagt.

Kurz Spaß beiseite und ernsthafter Hinweis: Ich reproduziere hier Lobos rassistischen Müll. Das tut mir leid. Ich halte es für vertretbar, weil mein Blog wie angedeutet von ungefähr drei Leuten gelesen wird. Aber ich bin erstens bereit, drüber zu reden, falls ihr das anders seht, und biete euch zweitens dies gleichsam als content notice an, denn zumindest in diesem Post gehts so weiter.

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Ich finde, das zählt nicht als Mansplaining,

23. Oktober 2020

obwohl es gefährlich nah dran ist, das geb ich zu.

Wer von euch liebt noch die Gefahr und will trotzdem dabei sein, wie ich meine Meinung zu einer Pressemitteilung des Vereins „Deutscher Juristinnenbund“ von 2019 aufschreibe, die aktuell mit keinem bescheideneren Anspruch antritt als dem, das einzige zu sein, das ihr heute lesen müsst?

(Ich habe keine Ahnung, ob Jana Hensel an diesem Text irgendwie beteiligt war, lasse mich davon aber nicht an meiner launigen Formulierung oben hindern.)

Ich sags deshalb besser jetzt gleich: Es ist okay, wenn ihr meinen Post dazu erst morgen lest.

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Mysterious Mermaids und beiläufiger Rassismus

11. Oktober 2020

Ich habe heute mal die ersten zwei Folgen der Serie „Mysterious Mermaids“ auf Netflix angeschaut, weil ich den Trailer interessant fand. Und die Serie fand ich sogar auch gar nicht ganz schlecht, wenn auch sicherlich nichts Besonders. Aber eine Sache ist mir aufgefallen, und ich empfinde sie als ein so gutes Beispiel für selbstverständlichen, beiläufigen Rassismus, den die Produzierenden sicherlich (aus ihrer Perspektive vielleicht sogar aufrichtig, denn ich könnte mir gut vorstellen, dass er ihnen mehr versehentlich passiert ist, wobei … Aber dazu später mehr) emphatisch leugnen würden, der aber doch … ein bisschen zu viel Glauben an ulkige Zufälle erfordert, um noch durch solche plausibel erklärbar zu sein. Und zwar so:

Ja, das ist ein furchtbares Bild, aber Netflix untersagt Screenshots, deshalb hab ichs mit dem Handy abfotografiert.

In Mysterious Mermaids gibt es (bisher) zwei Meerjungfrauen, eine Schwarze und eine Weiße. Letztere ist die, die ihr auf dem Bild da oben auf der rechten Seite seht. Die Schwarze wurde gefangengenommen wurde, und die Weiße ist an Land gekommen und sucht jetzt ihre Schwester, mit Unterstützung von einem Weißen Typen und einer Schwarzen Frau (die ihr wiederum auf dem Bild oben links sehen könnt).

Klingt soweit doch erfreulich divers und so, oder? Ja. Einerseits. Aber die beschriebene Situation führt durch die Eigenschaften der jeweiligen Figuren und ihrer Lage zu dem Ergebnis, dass die Schwarze Meerjungfrau jetzt in einem Tank eingesperrt von irgendwelchen Militärforscher*innen fasziniert betrachtet und befummelt werden kann, während die Weiße Meerjungfrau fasziniert die Schwarze menschliche Protagonistin betrachten und befummeln kann, während der Typ irgendwo rumläuft und was tut. Wie in der Szene oben. Da ist er gerade in einer Bar und streitet mit anderen Typen.

Zweimal also gleich Schwarze Frauen, die wie Objekte gegen ihren Willen neugierig von nicht Schwarzen Personen untersucht und begafft und angefasst werden.

[Nachtrag, 21:57 Uhr] Gerade fällt mir noch was ein, was ich noch gar nicht erwähnt habe: Wegen der beschriebenen Situation ist auch die Weiße Meerjungfrau diejenige, die meistens vollständig menschlich auftritt und allmählich zu sprechen lernt, während die Schwarze Meerjungfrau in ihrem Tank eingesperrt in Fischgestalt und deshalb (Stand: Episode 2, wie gesagt) auch stumm bleibt. [Nachtrag Ende]

Und ja, wie gesagt: Ich kann mir noch vorstellen, dass das den Autor*innen irgendwie passiert ist, durch Zusammenspiel verschiedener Elemente, zu denen natürlich auch der Rassismus gehört, den wir alle halt aufnehmen im Laufe unserer Sozialisation in Ländern wie Deutschland oder den USA (wo die Serie produziert wird, wenn ich das richtig sehe). In meinen eigenen Geschichten finden sich auch Beispiele für verschiedene *ismen auf diesem Niveau, keine Frage. Aber meine Geschichten sind halt auch nur mal so nebenbei von einer einzelnen nicht professionell schreibenden Person im Entwurfsstadium für Feedback ins Internet gestellte Geschichten. Sie sind keine für Millionen Dollar von großen professionellen Teams produzierten kommerziellen Produkte, die weltweit erfolgreich vermarktet und auf Pro7 und Netflix übertragen werden.

Und da endet dann meine Fähigkeit zum Glauben an das Gute im Menschen, denn dass das niemandem aufgefallen sein soll, das ist einfach nicht denkbar. Womit es eine bewusste Entscheidung wäre, rassistische Konzepte (him im Prinzip: Schwarze Menschen, die wie Zootiere behandelt werden, oder eigentlich schlechter als Zootiere) zu reproduzieren. Und damit sehr, sehr verwerflich.

Oder was denkt ihr?