Natürlich auch noch im Maskulinum

Ich weiß nicht, ob ihrs mitbekommen habt, aber vor ein paar Tagen haben in Washington ein paar Rabau… nee. Populis… nee. Demonst… nee. Warte mal, wie heißen die? Trump-Fans…? Nee, auch nicht. Ach ja, klar: Nazis! Nazis haben sich gewaltsam Zutritt zum Capitol verschafft und da randaliert. Das ist schlimm, gerade auch von der systemischen Seite her, wenn man sieht, wie die Polizei sie dabei unterstützt hat, und wie sie umgekehrt vorher im Vergleich mit den Demonstrierenden für Black Lives Matter umgegangen ist. Aber wie schlimm das ist, muss m.E. hier nicht weiter ausgeführt werden, denn das wisst ihr, und das steht auch … Jetzt hätte ich fast geschrieben überall, aber das stimmt natürlich nicht. Für viele Journalismusbetroffene ist ein Nazi ja nicht mal dann ein Nazi, wenn er sich selbst so nennt, während er mit dem einen Arm ein KZ eröffnet und mit dem anderen den Hitlergruß ausführt Aber auf den Social-Media-Profilen verschiedener guter Leute stehts.

Das ist traurig. Was mich auch traurig macht, ist andererseits die Kritik an diesen Leuten, die ich gerade ganz zufällig in diesem Tweet hier sehr treffend verkörpert gefunden habe:

Für mich ist das einer der ekelhafteren Tweets, die ich dieses Jahr gesehen habe, und er hat die Replys, die er verdient. Im Sinne von: zustimmende, teilweise noch ekelhaftere.

Ich denke, eigentlich könnte ich damit auch aufhören, aber weil ich ja nie weiß, wer hier so mitliest, führe ich es noch mal kurz aus: Das ist ein Nazi-Tweet.

Ja, genau. I went there. Ich hab die Nazikeule rausgeholt.

Einmal, weil ich finde, dass es gerade ein Gegengewicht braucht für die konsequente Verweigerung aller großen öffentlichen Äußerungen, einen Nazi einen Nazi zu nennen. Aber auch, weil er die Ideologie übernimmt, die er zu kritisieren vorgibt, nämlich die Idee, dass es Menschen gibt, die von ihrer natürlichen Entwicklung, ihrer Evolutionsstufe, ihrer Rasse, … wie ihr wollt, höher stehen als andere. Weiter sind. Dass es evolutionär besseres, wertvolleres, fortschrittlicheres Leben gibt, weniger wertvolles, immer mit der Implikation (die von manchen der erwähnten Replys expliziert (Potztausend, das Wort steht sogar im Duden!) wird), das weniger wertvolle Leben sei eigentlich ein Fehler, der nicht hätte passieren dürfen. Unwert halt.

Und sachlich falsch ist es natürlich außerdem. Evolution kennt kein „vorwärts“ oder „rückwärts“, „hoch“ oder „niedrig“. Sie ist keine Entwicklung auf ein Ziel zu. Wisst ihr ja.

Und so trägt der gute @stirz zu etwas bei, das er vorgeblich bekämpft, indem er … ableistische? Sozialdarwinistische? Dies ist der Beitrag, in dem ich permanent dieses Ding mit der Suche nach dem richtigen Begriff mache, merkt ihr? Ich plan das nicht, das passiert mir einfach so. Also jedenfalls faschistische Kritik an faschistischen Aktionen, Personen, Gruppen, Ideen übt.

Und das ist Mist.

Und müsste doch auch echt nicht sein. Weil wenn es EINE einzige Gruppe von Leute gibt, die es uns ganz leicht fallen sollte, klar und offen zu kritisieren, ohne irgendwie viel Kreativität oder Eloquenz zu brauchen, dann sind das doch wohl Nazis.

Oder was meint ihr?

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