Hypothese als Diskussionsangebot

19. Februar 2019

Ich frage mich des Öfteren, wie es wohl in den Köpfen von Leuten die Jasper von Altenbockum aussieht, oder anderen Leuten, die wütend gegen sowas kämpfen wie gerechtere Sprache, oder vegane Ernährung, oder Feminismus, oder Gleichstellung homosexueller Partnerschaften, oder sowas halt. Die nicht nur faul und uneinsichtig sind (wie ich zu oft) sondern die wirklich aktiv und leidenschaftlich gegen Bemühungen um 1 bessere Gesellschaft arbeiten (wie ich hoffentlich etwas seltener). Ohne Argumente, und mit viel Blödsinn.

Ich stelle es mir ungefähr so vor, dass die sowas hören, und dann erkennen sie wie Herr von Altenbockum, dass es tatsächlich gute Gründe gibt, auch Nichtmänner sichtbar zu machen und zu berücksichtigen. Und dann denken oder vielleicht eher: spüren sie, dass das heißt, dass vieles, was sie selbst machen, nicht so gut ist. Und dass vieles, was sie früher gemacht und gesagt haben, nicht so gut war. Und das gefällt ihnen dann nicht, weil das ja heißt, dass sie sich und ihr Weltbild infrage stellen müssten. Und dann merken sie, dass sie ihre Position aber nicht so richtig sachlich-rational begründen können. Und das ist sehr unbequem, denn wer will gerne irrational sein, und im Unrecht, und so geht das doch nicht.

Und daher die Wut.

Ich weiß, man soll nicht psychologisieren, gerade wenn man wie ich keine Ahnung von Psychologie hat.

Aber dieses Modell, diese Erklärung scheint mir geradezu entgegenzuspringen aus Texten wie dem von Herrn von Altenbockum, und ähem gewisser KommentatorInnen im Internet.

Nun ist das natürlich auch 1 bekannter psychologischer Mechanismus, dass 1 oft die Erklärung, die die eigene Position bestätigt, geradezu entgegenspringt. Vielleicht sollte es mir zu denken geben, dass es mir so vorkommt, als wüssten die anderen Eigentümer schon, dass sie Unrecht haben.

Echt jetzt?

Deshalb schreibe ich das aber auch hier. Damit ihr mir sagen könnt, ob ihr auch den Eindruck habt oder vielleicht mehr drüber wisst oder sogar Studien kennt oder so.

Was meint ihr?


Some is not enough

5. Februar 2019

Ihr habt wahrscheinlich von diesem Gilette-Werbespot gehört, oder?

Und vielleicht dann auch von den Leuten, die ihn doof finden? Etienne Gardé zum Beispiel, um mal jemanden zu nennen, von dem ich persönlich es besonders schade fand.

Not all men

Habt ihr?

Okay. Darum gehts hier nicht.

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Both moustaches looked somehow influential

27. Januar 2019

I did an interview! In English! (As a text chat.)

Don’t quite know why it happened. Long story short: There is a thing called Theology Today Podcast, and they have a youtube channel, a Discord, and, as it turned out, some rather unacceptable misogyny going on.

But you know me, I’m vain enough to still publish the interview, and it was really okay right until the end, so it might even be nice to read if you like that kind of thing. Nothing special, though, right until the end.

Here it is:

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Ausstieg Großbritanniens aus der EU ist natürlich ein scheußlicher Begriff

16. Januar 2019

aber Brexit find ich noch schlimmer. Ich mag diese Schmelzwörter nicht. Und einerseits schäme ich mich ein bisschen für den Wolfschneiderismus, der da durchschimmert, aber ich finde, solange die Yellow Press noch von Brangelina spricht, ist es okay.

Was? Das tut sie gar nicht mehr, weil die beiden schon lange nicht mehr zusammen sind?

Mist.

Dann lasst uns schnell über was anderes reden.

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Gastbeitrag von Robert Habeck

9. Januar 2019

Diese Woche ist nicht leicht für mich. Ich habe verschiedene Fehler eingestehen müssen, die wirklich dumm von mir waren, habe viel Spott über mich ergehen lassen müssen, und ich denke, es wird Zeit, selbstkritisch Bilanz zu ziehen, und mir einzugestehen, wie dumm das alles von mir war, und wie ungeschickt.

Dumm und ungeschickt war es tatsächlich, dass ich zugelassen habe, dass Twitter mich verändert. Das war, ich gebe es zu, mein größter Fehler: Mich beeinflussen zu lassen. Ich hätte wissen müssen, dass ich das nicht zulassen darf. Dass all diese Menschen auf Twitter, anders als ich, einfach kein Interesse daran haben, den digitalen Raum konstruktiv und diskursiv zu nutzen, und dass das auf mich abfärbt. Ich will niemals werden wir ihr. Und das wäre beinahe passiert. Wie dumm muss 1 sein?

Jetzt, nach meinem Abschied von Twitter ist mir klar geworden, dass ich mir eingestehen muss, dass Twitter ein Instrument der Spaltung geworden ist. Auf meinem Weg zu einer Korrektur aller Fehler, die Twitter mir in der Vergangenheit aufgezwungen hat wie die niederträchtige Krankheit, die es ist, ist für mich der erste Schritt klar. Wenn ich in mich hineinhorche und frage, wo ich noch dazu lernen kann, dann höre ich da ganz klar die Erkenntnis, dass die Leute auf Twitter an allem Schuld sind. Auf Twitter kann es niemals einen echten Dialog geben. Das muss ich einsehen. Ihr blödes Volk könnt meine Sehnsucht nach direktem Austausch mit Leuten nicht stillen. Weil ihr für mich keine Leute seid. Ich werde jetzt wieder in echten Gesprächen ich selbst sein können, und darauf freue ich mich, weil ich niemals Fehler gemacht hätte, wenn ich von vornherein ich selbst geblieben wäre. Ich selbst mache schließlich keine Fehler. Twitter macht Fehler!

Natürlich ist mir klar, dass das nicht alles sein kann. Meine Selbstkritik ist damit noch nicht abgeschlossen. Ich muss noch mehr tun. Gegen Twitter. Gegen dieses verfickte Scheißtwitter, das an allem Schuld ist, und nicht nur mein Leben, sondern unsere ganze Demokratie, beinahe komplett ruiniert hätte, und mich von dem wunderbaren, klugen, stets dialogbereiten Menschen, der ich in Wahrheit bin, in den wunderbaren, klugen, manchmal durch den SATAN Twitter an der Dialogbereitschaft gehinderten Menschen verwandelt hat, den ihr in den letzten Monaten erlebt habt.

Twitter. Ich kann euch sagen. Dieses widerliche Drecksding, das für mich die Summe der Wut und des ganzen Hasses der Menschheit verkörpert. Wäre mein Leib eine Kanone, ich schwöre, ich schösse mein Herz auf dieses gottverdammte Netzwerk aus der Hölle.

Eigene Fehler einzugestehen und an sich zu arbeiten erfordert viel innere Größe, und klingt auch ansonsten nach was, wozu ich wirklich nicht bereit bin. Ich bin nicht da angekommen, wo ich heute bin, weil ich bereit war, eigene Schwächen einzugestehen.

Und deshalb, und ich weiß, das wird manche Parteifreundinnen und -freunde überraschen, habe ich Präsident Putin heute einen Brief geschrieben und ihn gebeten, in einem dringend notwendigen präemptiven Schlag die Twitterzentrale in


Wer Popper zitiert, hat die Kontrolle über ihre Philosophie verloren

3. Januar 2019

Lange und oft habe ich es geschafft, diese dämliche Idee mit dem Paradoxon der Toleranz zu ignorieren, aber jetzt will ich es doch einfach mal kurz sagen: Das ist Quatsch. Und wenn ich das nächste Mal diesen dämlichen Comic hiere sehe, schreie ich:

Bildergebnis für popper tolerance paradox

Also, natürlich stimmts im Ergebnis: Nazis muss man nicht tolerieren [Ergänzung auf Vorschlag von onkelmaike und madove, mit Dank dafür: Ich weiß nicht genau, was der Comic damit meint, und er scheint es ja selber auch nicht so recht zu wissen. „Dulden“ oder „tolerieren“ kann ich Dinge ja, indem ich sie widerstandslos hinnehme, aber der Begriff könnte unter Umständen auch umfassen, dass ich zwar dagegen bin und das auch argumentativ anderen nahezulegen versuche, aber keine Zwangsmaßnahmen dagegen einzuleiten versuche. Um Zwangsmaßnahmen geht es ja zumindest hier im Comic auch, denn als Fazit kommt er ja nicht nur dazu, gewisse Dinge nicht zu tolerieren im Sinne von „einfach hinzunehmen“, sondern sogar dazu, dass sie gewaltsam unterdrückt werden sollten. Eventuelle weitere Verständnisfragen beantworte ich gerne in den Kommentaren.]. Aber so ist das bei Deepitys: Sie sind wahr, soweit sie trivial sind, aber sobald es interessant wird, führen sie in die Irre.

Wie meine ich das? So:

Schon die Frage zeugt ja von 1 grundsätzlichen Missverständnis. „Toleranz“ ist nicht einfach ein Wert an sich. Es ist nichts Gutes dran, schlechte Dinge einfach zu tolerieren. Im Gegenteil. Ich finde, wir haben alle 1 Verpflichtung (Keine Ahnung, wie die genau aussieht, das ist mir dann auch zu kompliziert, aber ihr wisst schon.) die Welt besser zu machen, denn sie ist ganz sicher noch nicht gut genug. Alles, was schlecht ist, und besser sein könnte, sollten wir nicht einfach tolerieren. Ob es nun der Umstand ist, dass Boris Palmer immer noch 1 Amt bekleidet, oder der, dass Bischöfe immer noch von Steuergeldern bezahlt werden, oder der, dass Sexismus und Misogynie immer noch völlig normal sind und komplett selbstverständlich in so ziemlich allem, was Mainstream-Kultur ist.

Toleranz ist insofern was Positives, als es

a) wünschenswert ist, dass ich Dinge hinnehme, die andere aus Geschmacksgründen halt anders machen, als ich sie gerne hätte, die aber per se auch nicht schlechter sind als meine Dinge. Wenn ich also beispielsweise Vivaldi Mist finde, dann sollte ich in der Lage sein, zu akzeptieren, dass andere Vivaldi mögen, weil Vivaldis Musik – vereinfacht gesagt, wir haben ja heute alle noch irgendwas anderes vor als mein Gemaule zu lesen – niemandem wehtut. Und

b) sinnvoll ist, Dinge hinzunehmen, die wir nicht (mit vertretbarem Aufwand) ändern können. So mag ich zum Beispiel der Meinung sein, dass es echt schlimm ist, wie meine Nachbarin mit ihren Kindern umgeht. Ich mag sogar sicher sein, dass ich es besser könnte. Aber weil ich weiß, dass es keinen realistischen Weg gibt, wie ich als völlig Fremder sie dazu beeinflussen kann, besser mit ihnen umzugehen, halte ich trotzdem die Fresse und toleriere das. Pick your battles und so.

Wahrscheinlich könnte man noch mehr Buchstaben aufzählen, und ihr dürft das in den Kommentaren auch gerne machen, aber im Prinzip gehts mir darin: „Toleranz“ als positiver Wert ist eine grobe Vereinfachung einer Kosten-Nutzen-Abwägung.

Wer da also ein Paradoxon sieht, der missversteht eine (nicht mal besonders gute) Faustregel als ein ehernes Gesetz.

Aha, sagt ihr da vielleicht, und wo ist jetzt das Problem? Genau das sagt der Comic da oben doch auch, also warum hältst du nicht dich an dein eigenes Prinzip und die Fresse?

Weil der Comic das Missverständnis eben gerade nicht aufklärt, sondern nur transponiert. Er macht ein „Paradoxon“ draus, das er mit einer neuen (nicht mal besonders guten) Faustregel auflöst, die er als eherne Regel hinstellt:

Any movement that preaches intolerance and persecution must be outside of the law.

Und das ist halt auch wieder Blödsinn, weil ja so ziemlich jede Bewegung in irgendeiner Weise Intoleranz predigt, weil nun mal jede Bewegung, wenn sie den Namen verdient, irgendwas ändern, also nicht tolerieren will. Persecution (grob vielleicht „(ungerechtfertigte) Verfolgung“? Nehme gerne bessere Vorschläge an.) ist natürlich schon eher ein bisschen seltener, aber letzten Endes wie die ganze Regel Steine statt Brot. Um das zu beurteilen, muss ich entscheiden, wann die Intoleranz und Verfolgung gerechtfertigt ist, und wann nicht, und dann bin ich wieder bei der Anfangsfrage, die der dumme Comic zu beantworten zu versuchen vorgibt.

Und nein, das ist nicht egal, und das ist keine nutzlose Wortklauberei von mir, weil das 1 grundsätzliches Problem mit dem ethischen Verständnis ist, das ich zum Beispiel auch im Ethikunterricht in der Schule gelernt habe und in ganz vielen Diskussionen und auch Büchern und Artikeln zum Thema sehe: Ein Verständnis von Ethik als festen Regeln, die man nur finden muss, und dann einhalten, und dann macht mans richtig, statt einer an Konsequenzen und der Realität orientierten Abwägung des Nutzens mit den Kosten meiner Handlungen. Und das find ich nicht okay.

Und ihr so?


Genderwahn

31. Dezember 2018

Ich weiß, das ist eigentlich gar nicht mein Stil, aber heute gibt’s mal einen kurzen Post mit Aufzurufen zum Teilen eigener Eindrücke und Erfahrungen zum Thema.

Man will ja auch mal was Neues ausprobieren, gerade wenn’s ansonsten nicht mehr so läuft:

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