You keep using that word.

24. Mai 2017

Feigheit

Wie ist das eigentlich? Können wir uns eventuell darauf einigen, dass zu den vielen Dingen, die man an Leuten kritisieren kann, die sich im Dienste einer Sache, die sie für wichtig und gerecht halten, Sprengstoff umschnallen, um damit unter Opferung des eigenen Lebens einen Schlag gegen den von ihnen selbst so wahrgenommenen Feind auszuführen, nicht gehört, dass es ihnen an Mut fehlen würde?

Wäre das als Minimalkonsens eventuell möglich?

Wollen wir nicht vielleicht über andere Sachen reden, die da falsch laufen, und dazu beitragen, dass sowas passiert? Und wollen wir dabei vielleicht darauf verzichten, diesen widerlichen Krieger-Ethos zu perpetuieren, der solchen Leuten das Gefühl gibt, was Cooles zu machen?

Was meint ihr?


Integration nur auf dem Blut und Boden des Grundgesetzes

10. Mai 2017

Was ist eigentlich mit diesen Leuten los, die jetzt finden, dass Leitkultur so eine tolle Idee der rechtskonservation Vollhorste ist, dass man sie unbedingt übernehmen und mit Inhalt füllen muss, und die offensichtlich den Unterschied zwischen Rechtsnormen und Kultur entweder nicht verstehen oder in der öffentlichen Debatte nivellieren wollen? Also Leute wie Jörg Bong?

Mit unserer äußersten Kraft und Klarheit müssen wir eine deutsche Leitkultur formulieren, aus vielen Gründen; wir, die genuinen Demokraten, jetzt, unverrückbar – ansonsten formulieren sie ganz andere. Und zwar ganz anders.

Wehe, ihr macht jetzt Namenswitze. Ich merk das. Das ist unter unserem Niveau.

Oder Nils Minkmar?

Oder Henrik Müller?

Was wir brauchen, ist ein Bewusstsein für eine europäische Leitkultur, die längst in Umrissen erkennbar ist.

Es ist gar nicht so leicht zu erklären, was mich daran so nervt, und das ist aber nicht meine Schuld. Klar, was soll ich auch sonst sagen? denkt ihr jetzt, und einerseits habt ihr recht, aber andererseits habe ich einen ziemlich guten Grund für meine Selbstexkulpation:

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Niemand hat die Absicht, einen Vergleich zu errichten.

29. April 2017

Ich war seit Jahren nicht mehr bei MediaMarkt. Deshalb müsstet ihr mir sagen, ob auf den Geräten dort immer noch diese blödsinnigen Beschriftungen kleben, die ein bisschen so aussehen, als würden sie informieren wollen und uns ermöglichen, die vielen verschiedenen Produkte miteinander zu vergleichen, die aber in Wahrheit genau dies nicht tun. Auf dem einen Kühlschrank steht „Fassungsvermögen 230 Liter, Türöffnungsalarm, Stromverbrauch maximal 120 Watt“, auf dem anderen steht „Stromverbrauch pro Jahr 164kWh, 28 Liter Gefrierfach, Biofresh-Zone“, und auf dem dritten meinetwegen noch „Luftschallemission maximal 40dB, freistehend, 37kg Gewicht“.

Ich fand das immer doppelt ärgerlich, weil es erstens rein sachlich so doof ist, und zweitens weil ich auch den Verdacht habe, dass es nicht nur der Unfähigkeit der verantwortlichen Personen geschuldet ist, sondern dass ich in irgendeiner Weise auch verschaukelt werde. Mag sein, dass ich der MediaMarkt-Führung da zu viel zutraue, aber so wars jedenfalls immer.

Daran musste ich gerade denken, als ich James Kirchiks Text über Donald Trump auf faz.net las. „Der Gelegenheitsfaschist“ heißt das gute Stück, und es enthält neben viel anderem Schmarrn und einigen sicherlich zutreffenden Beobachtungen den folgenden eigenartigen Absatz:

Natürlich will ich Eisenhower und Trump nicht miteinander vergleichen.

Und ihr könnt euch sicher vorstellen, was Herr Kirchik unmittelbar danach, also wirklich direkt, ohne was dazwischen, schreibt:

Eisenhower half, die westliche Zivilisation vor der Barbarei zu retten, und war Präsident einer erstklassigen Bildungseinrichtung (der Columbia University), bevor er zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, während Trump nur ein ordinärer Egomane ist, der sich einst vor dem Militärdienst drückte.

Und ich verstehe natürlich, wie er das meint, deswegen will es auch natürlich nicht weiter kommentieren. Es ist halt extrem albern, erst ausdrücklich zu schreiben, dass man etwas nicht tun will, und dann direkt im Anschluss doch genau das zu tun. Aber es kann auch großen Geistern mal passieren, hab ich gehört.

Was mich eigentlich stört, ist der Inhalt des Vergleichs, denn er ist völlig unsachlich und unfair.

Eisenhower hält er zugute, dass er Präsident einer Universität war (Ein guter? Ein schlechter? Wer weiß. Egal. Wir wollen ja eh nichts vergleichen.), während der Umstand, dass Trump ein großes privates Unternehmen geführt hat, völlig unter den Tisch fallen darf. Warum? Trump ist „nur ein ordinärer Egomane“. Hätte Herr Kirchik mehr Respekt für einen extraordinären Egomanen? Ist er qualifiziert, krankhafte Persönlichkeitsstörungen fernzudiagnostizieren?

Eisenhower „half, die westliche Zivilisation vor der Barbarei zu retten“. Hätten wirs noch ein bisschen großspuriger gehabt? Er war halt Soldat, und zu Endes des zweiten Weltkrieges General of the Army. Das kann man durchaus ambivalent bewerten, und es ist ja nun nicht so, dass es uns in dieser Welt an schwachsinniger Heldenverehrung für Leute mangelt, die die Tötung anderer Leute in mehr oder weniger großem Stil durchführen und oder organisieren, deswegen muss ich zwar zugeben, dass der Vergleich zu Trump, der „sich vor dem Militärdienst drückte“, zwar inhaltlich immerhin ein bisschen mehr Sinn ergibt als der andere, darf aber erklären, warum ich ihn trotzdem ganz und gar nicht in Ordnung finde: Erstens scheint das mit dem „drücken“ nicht ganz klar zu sein. Er wurde, wie ich das verstehe, wegen eines Fersensporns ausgemustert, auch wenn die Geschichte Trump-typisch ein bisschen … schwer zu konkretisieren scheint. Aber zweitens, jetzt mal ehrlich, wollen wir wirklich in eine Gesellschaft, in der wir den charakterlichen Wert von Leuten davon abhängig machen, dass sie mal für Geld auf andere geschossen haben?

Es gäbe doch so vieles, was man an Trumps Charakter bemängeln kann. Vieles davon zählt Herr Kirchik doch sogar auf. Warum muss dann da dieser unfaire Quatsch stehen, der nicht nur keinen Sinn ergibt, sondern auch ganz klar ein Menschen- und Gesellschaftsbild verrät, das aus meiner Warte gar nicht so viel weniger bekloppt und „ordinär“ sein dürfte als das, worüber er sich erheben will. Und falls ihr euch jetzt fragt: Soweit ich das erkennen kann, hat Herr Kirchik auch nie eine Uniform getragen, oder überhaupt irgendwas anderes gemacht als für Geld zu schreiben. Aber dafür kämpft er ja jetzt in der FAZ für die westliche Zivilisation gegen die Barbarei. Macht ihn das nun besser als einen durchschnittlichen Universitätspräsidenten, oder schlechter, und welche Rolle spielt das alles überhaupt?

Weiß ich auch nicht. Müsstet ihr James Kirchik fragen. Und falls ihr eine Idee habt: Ihr wisst ja, wo die hingehört.


Er ist’s! (Schnappt Shorty 3)

4. April 2017

Ich dachte, vielleicht machen wir einfach eine Kategorie draus? Mal sehen, wie viele Beiträge es werden. Aber da das schon der dritte oder so ist, dachte ich, einen Versuch wäre es wert. Mein nächster Kurzblogbeitrag:

„Frühling, ja, du bists! Dich hab ich vernommen!“ rief die CIA-Agentin zufrieden, während sie sich von dem Behandlungsstuhl mit den blauen Fixiergurten abwandte. Vorsichtig zog sie die kontaminierten Handschuhe aus und verließ den dunklen Raum mit den schallisolierten Wänden. Das Wimmern und Schluchzen des Inhaftierten verstummte sofort, als die schwere Tür sich hinter ihr schloss, aber sie wusste, dass die Bilder und die ahnunsgvollen Düfte des Verhörraums sie noch lange begleiten würden.

Der Rest des Teams wartete bereits im Flur auf sie, mit fragend gehobenen Augenbrauen.

„Und?“ fragte der Teamleiter.

Sie nickte ihm zu. „Er ist’s!“


Noch eine Idee, zu der ich kein Video mache

16. März 2017

Wir sehen extreme close-up eine Tasse Tee. Kann auch Kaffee sein. Meinetwegen sogar Limonade, wenn ihr die gern aus Tassen trinkt. Aber Tee finde ich persönlich am besten. Diffuses Licht spiegelt sich auf der glatten Oberfläche.

Plötzlich erzeugt eine Erschütterung kleine Wellen auf dem Tee (oder Kaffee halt, wie ihr wollt), die kreisförmig nach außen laufen. Noch eine. Noch eine. Unverkennbar hört man die Schritte von etwas sehr, sehr Schwerem, die den Boden erbeben lassen.

Zoom out medium wide

Wir sehen einen Tyrannosaurus Rex, der extrem konzentriert und so vorsichtig er kann eine Teetasse in einem seiner kleinen Händchen hält und sie langsam und bedächtig auf einem Tisch abstellt. Erleichtert atmet er aus. Nichts verschüttet.

Fade to black


Schluss mit sanfter Therapie!

20. Februar 2017

Sie misstrauen der Schulmedizin, sind aber zu männlich, um schwuchteligen Zuckerpillen und omihaften Kräutertinkturen zu vertrauen?

Natürliche Wirkstoffe klingen Ihnen zu sehr nach hippiehaftem Bio-Blödsinn?

Sie wollen keine chemische Keule, weil Sie zeitgemäßere chemische Kampfstoffe bevorzugen?

Dann haben wir die Alternative für Sie:

BROmöopathie!

BROmöopathische Präparate auf Schwerölbasis kommen komplett ohne Verdünnung aus. Verdickung ist das Motto der BROmöopathie!

Gleiches mit Gleichem? Vergessen Sie’s! BROmöopathie heilt ALLE Krankheiten mit demselben bewährten Mittel:

Bildergebnis für handgranate

Sie sehen richtig! In der BROmöopathie schwafeln wir nicht von fader Ganzheitlichkeit! Echte Männer haben nichts zu schwafeln. Echte Männer handeln. Deshalb fragen wir Sie nicht nach Ihren Symptomen, wir geben Ihnen die Lösung, und für jedes Problem haben wir die richtige: Handgranaten in Schweröl.

Die brutal unnatürliche Alternative für echte Männer.

Sind Sie hart genug für BROmöopathie? Beweisen Sie es, und bestellen Sie JETZT!

[Nachtrag, der mir dummerweise erst Tage nach der Veröffentlich eingefallen sit, obwohl es so toll gewesen wäre:] BRObieren geht über studieren! [Nachtrag Ende.]

Risiken und Nebenwirkungen sind echten Männern egal, deshalb kommen Sie bloß nicht auf die Idee, irgendwen danach zu fragen, Sie Pisser, wenn Ihnen das hier nicht passt, gehen Sie doch woanders hin, Sie können auch gleich paar aufs Maul kriegen, müssen Sie nur sagen, Sie erbärmlicher Wichser, Sie!

Meine immigrierte Freundin

29. Januar 2017

[Falls euch die Anspielung nichts sagt, schaut ihr bitte erst mal hier. Findet ihr das eigentlich auch so unmöglich, dass wir in einer Zeit leben, in der man es sich am leichtesten macht, Leuten Musik vorzuspielen, indem man ein Videoportal benutzt und die fünfzigfache Menge der eigentlich nötigen Daten überträgt, weil es sich halt irgendwie durchgesetzt hat? Hm.]

Gestern Nacht ist meine Freundin immigriert.
Ich hatte nicht damit gerechnet, darum ist sie nicht integriert.
Hoffentlich wird sie nicht radikalisiert.
Gestern Nacht ist meine Freundin immigriert.

Täglich liest man in der Zeitung von viel mehr Immigrationen
Man blättert um und denkt im Stillen: Das Schicksal wird mich sicherlich verschonen.
Ich frage Sie (Nee, ich frag Sie!): Wie konnte so etwas passiern?
Mein Baby ist mein Ein und alles – Wird sie mich jetzt islamisiern?
Nicht, dass ich bei Nazis anecke –
wie der von der AfD – Wie hieß er noch? Björn Höcke.

Gestern Nacht ist meine Freundin immigriert –
Ohne linksgrün versiffte Medien wär das sicher nicht passiert.
Refugees Welcome wird an jede Wand geschmiert
Gestern Nacht ist meine Freundin immigriert.

Unverzüglich rief ich beim Bamf an
Und sagte kommse schnell vorbei, Mann
Meine Freundin ist halal,
So wie ein geschächteter Aal
Sie hat vorher kein Wort gesagt.
Kein Wunder, dass ich besorgt bin.
Die Polizei hat schon gefragt:
Ist sie Intensivtäterin?
Ich briet mir ein Schweineschitzel, da gab es einen Knall.
Gerade lags noch hier in der Pfanne – jetzt liegt es überall!
(Im Raum verteilt)

Gestern Nacht ist meine Freundin immigriert,
Das Saarland wählt jetzt Dörr und Hecker – hätt sie die bloß nicht provoziert!
Meine Wohnung ist schon ganz islamisiert,
Gestern Nacht ist meine Freundin immigriert.