Hallo Schwulenfeindlichkeit, was machst du denn hier?

4. April 2021

Ja gut, ich hab natürlich leicht reden, weil sicherlich keine Gefahr besteht, dass ich einen Skoutz-Award gewinne, aber dafür sehe ich andererseits auch kein großes Risiko, dass ich durch einen Beitrag zur Sache diesem komischen Laden mehr Aufmerksamkeit verschaffe, als er ohnehin schon hat, und ihn damit wichtiger mache, als er ohnehin schon ist, also praktisch keine und praktisch überhaupt nicht, weil ich nämlich eines der wenigen Blogs habe, die noch weniger Aufmerksamkeit haben und noch weniger wichtig sind. Deshalb dachte ich, ich erzähle euch kurz von der Skoutz-Geschichte, die ich gerade mitbekommen habe, nicht nur, falls ihr sie verpasst habt, sondern auch als Beispiel dafür, wie sowas leider immer noch fast immer läuft, und als Anregung, es besser zu machen, falls es uns mal passiert. Denn wir alle haben *ismen verinnerlicht, und niemand von uns ist perfekt, das wissen wir.

Photo by Sharon McCutcheon on Pexels.com

Vielleicht liegt die Ursache für meine geringe Aufmerksamkeit unter anderem daran, dass ich meine Posts mit Gelaber wie diesem anfange und dann nicht mal verrate, worum es geht. Worum gehts denn? Es geht um den Skoutz – Vorbeischauen. Vergleichen. Verlieben. Die bunte Welt der Bücher-Award 2021 und konkret um diesen Abschnitt

in diesem Post: Skoutz-Award – Statistik zur Longlist 2021 – Skoutz.

(Danke an https://twitter.com/TinoFalke/status/1377876496438734850?s=20 für Hinweis und Screenshot!)

Ich muss nichts weiter dazu sagen, wie erstaunlich ekelhaft und schwulenfeindlich das ist, oder? (Inzwischen wurde der Text in Reaktion auf die Kritik verändert, deshalb der Screenshot.)

Und wie immer bei solchen Sachen gehts natürlich auch um den Umgang mit der Kritik daran, die nichts besser und alles noch mal viel schlimmer macht. Warum? Ich verstehs nicht. Ist es so schwer, zum Beispiel so zu reagieren, wie Resa hier dankenswerterweise formuliert?

Den Rest des Beitrags lesen »

Mysterious Mermaids und beiläufiger Rassismus

11. Oktober 2020

Ich habe heute mal die ersten zwei Folgen der Serie „Mysterious Mermaids“ auf Netflix angeschaut, weil ich den Trailer interessant fand. Und die Serie fand ich sogar auch gar nicht ganz schlecht, wenn auch sicherlich nichts Besonders. Aber eine Sache ist mir aufgefallen, und ich empfinde sie als ein so gutes Beispiel für selbstverständlichen, beiläufigen Rassismus, den die Produzierenden sicherlich (aus ihrer Perspektive vielleicht sogar aufrichtig, denn ich könnte mir gut vorstellen, dass er ihnen mehr versehentlich passiert ist, wobei … Aber dazu später mehr) emphatisch leugnen würden, der aber doch … ein bisschen zu viel Glauben an ulkige Zufälle erfordert, um noch durch solche plausibel erklärbar zu sein. Und zwar so:

Ja, das ist ein furchtbares Bild, aber Netflix untersagt Screenshots, deshalb hab ichs mit dem Handy abfotografiert.

In Mysterious Mermaids gibt es (bisher) zwei Meerjungfrauen, eine Schwarze und eine Weiße. Letztere ist die, die ihr auf dem Bild da oben auf der rechten Seite seht. Die Schwarze wurde gefangengenommen wurde, und die Weiße ist an Land gekommen und sucht jetzt ihre Schwester, mit Unterstützung von einem Weißen Typen und einer Schwarzen Frau (die ihr wiederum auf dem Bild oben links sehen könnt).

Klingt soweit doch erfreulich divers und so, oder? Ja. Einerseits. Aber die beschriebene Situation führt durch die Eigenschaften der jeweiligen Figuren und ihrer Lage zu dem Ergebnis, dass die Schwarze Meerjungfrau jetzt in einem Tank eingesperrt von irgendwelchen Militärforscher*innen fasziniert betrachtet und befummelt werden kann, während die Weiße Meerjungfrau fasziniert die Schwarze menschliche Protagonistin betrachten und befummeln kann, während der Typ irgendwo rumläuft und was tut. Wie in der Szene oben. Da ist er gerade in einer Bar und streitet mit anderen Typen.

Zweimal also gleich Schwarze Frauen, die wie Objekte gegen ihren Willen neugierig von nicht Schwarzen Personen untersucht und begafft und angefasst werden.

[Nachtrag, 21:57 Uhr] Gerade fällt mir noch was ein, was ich noch gar nicht erwähnt habe: Wegen der beschriebenen Situation ist auch die Weiße Meerjungfrau diejenige, die meistens vollständig menschlich auftritt und allmählich zu sprechen lernt, während die Schwarze Meerjungfrau in ihrem Tank eingesperrt in Fischgestalt und deshalb (Stand: Episode 2, wie gesagt) auch stumm bleibt. [Nachtrag Ende]

Und ja, wie gesagt: Ich kann mir noch vorstellen, dass das den Autor*innen irgendwie passiert ist, durch Zusammenspiel verschiedener Elemente, zu denen natürlich auch der Rassismus gehört, den wir alle halt aufnehmen im Laufe unserer Sozialisation in Ländern wie Deutschland oder den USA (wo die Serie produziert wird, wenn ich das richtig sehe). In meinen eigenen Geschichten finden sich auch Beispiele für verschiedene *ismen auf diesem Niveau, keine Frage. Aber meine Geschichten sind halt auch nur mal so nebenbei von einer einzelnen nicht professionell schreibenden Person im Entwurfsstadium für Feedback ins Internet gestellte Geschichten. Sie sind keine für Millionen Dollar von großen professionellen Teams produzierten kommerziellen Produkte, die weltweit erfolgreich vermarktet und auf Pro7 und Netflix übertragen werden.

Und da endet dann meine Fähigkeit zum Glauben an das Gute im Menschen, denn dass das niemandem aufgefallen sein soll, das ist einfach nicht denkbar. Womit es eine bewusste Entscheidung wäre, rassistische Konzepte (him im Prinzip: Schwarze Menschen, die wie Zootiere behandelt werden, oder eigentlich schlechter als Zootiere) zu reproduzieren. Und damit sehr, sehr verwerflich.

Oder was denkt ihr?


You go high, we go low

21. April 2020

Der meistens sehr ausgezeichnete Vetaro hat mich vor Kurzem freundlicherweise auf die meistens sehr ausgezeichnete Videoserie „The Alt Right Playbook“ vom meistens sehr ausgezeichneten Account Innuendo Studios hingewiesen. Und ich kann die enthaltenen Videos nur allen sehr ans Herz legen, die öfter darüber nachdenken, warum sowas wie Trump und Peterson und PewdiePie und Shapiro funktioniert.

Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht auch was zum Widersprechen hätte, aber weil der meistens sehr ausgezeichnete Vetaro mich da nicht SO ermutigt hat, fange ich mit was ganz Speziellem an, wovon ich nicht mal sicher bin, ob es ein Hot-Take-hafter Widerspruch zu Innuendo ist, oder einfach nur eine Selbstverständlichkeit, die ich so formuliert habe, dass sie ein bisschen anders klingt, als er es in dem Video sagt.

Den Rest des Beitrags lesen »


Ain’t no time for no heroes

24. März 2020

Ich hab mich noch nicht so ganz entschieden. Und ich weiß auch, dass das schwierig ist, wenn ich das sage, weil ich zwar im allerweitesten Sinne auch im medizinischen Bereich arbeite, aber wirklich nur im allerallerweitesten, und deshalb vor allem Nutzer des Systems bin. Aber ich find trotzdem die Held*innenverehrung, die insbesondere Ärzt*innen und Pflegekräften derzeit entgegen schlägt, nicht gut.

Wirbleibenfüreuchda

Warum denn nicht? Die sind doch schließlich toll und machen nicht nur eine ganz wörtlich lebenswichtige Arbeit, sondern sie sind außerdem unterbezahlt, überfordert und unterversorgt und machen Überstunden und reißen sich für uns sämtliche Körperteile auf ihr kennt das. Was hab ich denn gegen die?

Den Rest des Beitrags lesen »


Wie würde eigentlich ein anarchistischer „Leviathan“ heißen? „Katzenherde“?

26. Dezember 2019

Egal. Ich schreib eh keinen.Aber auf vielfachen Wunsch nicht nur einer einzelnen Leserin habe ich mich entschieden, endlich mal im Ernst genauer zu erklären, wie ich eigentlich auf die Idee komme, dass Demokratie schlecht ist und Anarchie toll.

Den Rest des Beitrags lesen »


Über die Diversität auf Raumstationen im 22. Jahrhundert

3. Oktober 2019

Nachdem ich beim letzten Mal ein echt schlimmes Beispiel dafür besprochen habe, wie schlimm es um Diversität in der Literatur steht, habe ich heute ein etwas weniger schlimmes aufgesammelt. Vielfalt, ihr wisst ja. Ja, ist schon etwas älter, aber ich habs halt jetzt erst gesehen.

Offenlegung vorab: Ich habe mit der Autorin schon einmal gestritten, bin also nicht unvoreingenommen. Aber das bin ich andererseits ja nie.

Den Rest des Beitrags lesen »


Thank you for travelling!

22. September 2019

BahnCardphoto_2019-09-22_22-04-51BahnCard2


#bloggenwieDunjaHayali

12. September 2019

Und wie bitte kommen Sie jetzt darauf, dass Herr Meuthen ein Nazi sei? Ich hab immerhin vor Kurzem erst mit ihm gesprochen, und … Ja gut, er sagt das auch. Aber das ist ja kein Beweis. Ich bin schließlich Journalistin, und das heißt erstens, dass ich verpflichtet bin, jeden Tag mindestens ein Dutzend Na- ich mein, besorgte Bürger*innen zu interviewen, ich hab da gar keine Wahl, und zweitens brauche ich Belege, sonst glaub ich Ihnen gar nichts, das wär ja noch schöner!

Sie glauben doch auch nicht jedem, der Ihnen schreibt, er wäre ein Prinz aus Nigeria, oder? Sehnse! Aber bei Nazis soll das anders sein? Weil Sie Nazis mehr trauen als Nigerianern? Tja, denken Sie da mal drüber nach, wer hier jetzt der Rassist ist.

Ich meine, wie viele Autobahnen hat der Meuthen noch mal gebaut? Ganz genau? Wie bitte, ich kann Sie nicht hören! Wie viele Autobahnen? Aha. Soso. Und Weltkriege? Wie viele Weltkriege hat Herr Meuthen schon verloren? Ja, dachte ich mir.

Zack, Ruhe.


Uprooted

5. September 2019

„No, I didn’t! U did!“

Sorry. I had to do that.

Why, you ask? Well, because I just finished

and I also thought it might be nice to have a short blogpost for a change. So here is it:

Den Rest des Beitrags lesen »


Der Schild der Herrschaft

23. Juni 2019

Ich sag ja oft einfach so krawallig, dass ich Demokratie nicht mag, weil ich halt manchmal ein kleiner Edgelord bin, und ich glaube, oft ist das gar nicht so gut von mir, aber ich bin halt auch faul, und das bleibt auch so, aber ich wills zumindest jetzt kurz mal erklären, weil es sich gerade anbietet:

Es ist ja nicht so, dass ich unbedingt was gegen das Konzept habe, Entscheidungen durch Abstimmungen zu treffen. Aber Demokratie hat immer noch das Herrschaftselement, die Obrigkeit, und die ist ein Problem. All das, was (nicht nur) jetzt gerade so zu Recht in harscher Kritik steht, die Konzentrationslager, die Polizist*innen, die zu Unrecht Leute verprügeln, die Entrechtung von Trans-Leuten, die Unterdrückung von Frauen zum Beispiel durch Verbote von Schwangerschaftsabbrüchen und/oder Informationen darüber, all das ist auch deshalb möglich und relativ risikofrei für die Verantwortlichen, weil ihre Rolle als Obrigkeit sie vor Konsequenzen abschirmt.

Freiheit

Wenn ich selbst losgehe und Leuten ihre Kinder wegnehme und die in Käfige sperre, wenn ich jemanden auf der Straße umschubse und dann weiter auf ihn einschlage, während er da liegt, dann werde ich damit nicht lange durchkommen, irgendwer wird mich davon abhalten, und wahrscheinlich werde ich sogar bestraft. Wobei ich vermute, dass mir aufgrund meiner körperlichen Konstitution und meines privilegiert gewaltfernen Lebenswandels die Leute, bei denen ich es versuchen würde, einfach zuvorkommen und mich derbe verkloppen würden, aber darum gehts hier gerade nicht. Es geht ums Prinzip, und dafür spielts keine Rolle, dass ich 1 Lauch bin, ders eh nicht packen würde.

Ihr wisst, dass ich andererseits diesem Konzept der Strafe durchaus skeptisch gegenüberstehe. Aber wenn das halt noch Konsens ist, und auch überall durchgesetzt wird, warum machen wir dann Ausnahmen für die Obrigkeit? Ob diese Ausnahmen nun explizit in Gesetze gegossen sind (wie im Falle z.B. von Bundestagsabgeordneten, die Gesetze beschließen, die andere zu Unrecht einschränken), oder nur teilweise ausdrücklich als Regeln gelten und mehr oder weniger nur de facto so sind (wie zum Beispiel dass US-Polizist*innen nichts zu befürchten haben, wenn sie Schwarze erschießen), ist dabei in meinen Augen nachrangig. Beides kommt aus dem Konzept der Obrigkeit und der Sonderbehandlung, die sie und ihre Schergen genießen.

Und wenn wir das los wären, dann wäre in meinen Augen schon viel gewonnen, sogar wenn der Mist dann hinterher immer noch Demokratie heißt; es geht mir ja nicht vorrangig um Begriffe. Aber ihr wisst ja, wie das ist. Begriffe sind andererseits oft wichtiger als man denkt, weil sie nicht nur reflektieren, wie etwas gesehen wird, sondern es dabei und darüber hinaus auch beeinflussen und mitbestimmen.

Oder was meint ihr?