Von überwunden geglaubtem Antisemitismus

2. Juni 2019

CN, ob ihrs glaubt oder nicht: #Antisemitismus, und natürlich #VirtueSignaling, wenn ihr sowas nicht leiden könnt, aber ganz ehrlich, ich erzähl die Geschichte nicht, um selbst gut dazustehen, sondern um andere schlecht zu reden. Ich schwör.

Ja, ich gehöre auch zu den Leuten, die zu Schulzeiten und noch eine ganze Weile danach dachten, dass es vorbei ist mit dem Antisemitismus, und dass dieses ewige Gewarne vor den Nazis albern ist, weil doch nun wirklich niemand im Ernst glauben kann, dass in Deutschland so bald noch mal Nazis an die Macht kommen.

Ja. So kann 1 sich irren. (Und ich meine hier nur meinen Irrtum. Ich weiß sehr wohl, dass es Leute gibt, die den Antisemitismus nie überwunden geglaubt haben und immer davor gewarnt haben. Die hatten Recht. ich nicht.)

Aber um so große gesamtgesellschaftliche Fragen solls heute nicht gehen, denn ihr wisst ja, dass ich ein Fauler Sack bin und deshalb nur die niedrig hängenden Früchte pflücke, und welche Früchte hängen schon niedriger als die vom Blasphemieblog?
Eben.

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Dabei können wir doch mitbestimmen.

27. April 2019

Hey, da hat wieder jemand „Muriel!“ gerufen. Diesmal war es Sibylle Berg, die einen meiner ungesund zahlreichen Pet Peeves getroffen hat mit ihrer Spiegel-Kolumne, die unter der putzigen Dachzeile-Titel-Zusammenstellung:

Anmerkung 2019-04-27 212548

heute erschienen ist. Ihr könnt euch vorsellen, dass ich sofort wusste, dass ich darüber was schreiben muss, aber der Einstieg ist dann so grotesk dummdreist klischeefeuilletonistisch, dass ich schon Schaum vor dem Mund hatte, bevor Frau Berg überhaupt mit dem eigentlichen Thema anfing.

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Dabei hat er gar nicht „Guten Heimflug“ geschrieben!

24. April 2019

Wie Maike schon ganz zurecht kürzlich schrieb, besteht mein Leben ja derzeit maßgeblich daraus, außerhalb von Twitter über Twitter zu reden, aber immerhin bin ich da mit der FAZ in denkbar gu… seriö… ehrwür… sagen wir: traditionell in manchen Kreisen durchaus noch angesehener Gesellschaft, denn die FAZ hat ihren Autor Sebastian Eder erschrocken feststellen lassen:

Auf Twitter sind jetzt ALLE Rassisten

Darüber steht die aufschlussreiche Dachzeile (Heißt das so? Nicht dass jemals jemand auf diese Fragen geantwortet hätte, die ich oft in meine Texte einflechte, aber ich bin halt ein bisschen naiv) „Inflation der Nazi-Vorwürfe“, was sehr schön illustriert, dass die FAZ das anscheinend im Ernst genau so sieht, wie Maike es hier darstellt:

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Nils Minkmar hat mich auf Twitter blockiert

10. März 2019

Und ich habe ihn einmal hier im Blog beiläufig gedisst. Trotzdem neige ich intuitiv immer noch dazu, ihn irgendwie für jemand Gutes zu halten, weil Stefan Niggemeier sich irgendwann mal sehr bewundernd über ihn geäußert hat. Das ist nicht rational gerechtfertigt, deshalb bin ich froh, dass er hart daran arbeitet, dieses Vorurteil zu beseitigen. So beeindruckend wie jetzt gerade auf spiegel punkt de eh habe ich ihn aber noch nie die Rolle des ahnungslosen Alten Weißen Mannes spielen sehen, und weil das so beeindruckend war, möchte ich euch daran teilhaben lassen.

Dieser Hase ist kein Skandal

ist die gewagte These, die er offenbar zu verteidigen gedenkt, und falls Leute sich nicht so für Hasen begeistern können, legt er gleich mit 1 paar ziemlich radikalisierenden Inhalten los. Er leitet das ein mit dem üblichen vagen Geschwafel, in diesem Fall darüber, dass Deutschland groß ist und einen Diskurs braucht, der aber harmlos sein muss, weil niemand was riskieren will (Ernsthaft?? Er hat den Eindruck, dass der öffentliche Diskurs derzeit komplett harmlos ist, weil niemand was riskiert?). Das kulminiert so:

Man regt sich kurz und heftig über ein Thema auf, dessen Irrelevanz nicht bezweifelt werden kann.

Und Themen, deren Irrelevanz nicht bezweifelt werden kann, was ist das wohl für Herrn Minkmar, unser heutiges Beispielexemplar des ahnungslosen Alten Weißen Mannes?

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Egal wie Shapir du bist

9. März 2019

 

Ich hatte auch überlegt, sowas wie „Ist Shahakvlleisch überempfindlich?“, aber das war dann sogar mir zu doof. Irgendeinen Namenwitz wollt eich aber schon, weil es genau darum ja geht.

Denn Shahak Shapira hat sich nun eingereiht in die Legionen derer, die finden, dass man ja inzwischen einfach nicht mehr sagen kann, was man denkt, in Deutschland.

Und dazu gehört 1 kurze Vorbemerkung: Jedes Mal, wenn es um den Typen geht, denke ich, dass ich doch schon mal was über den geschrieben habe, damals als er in der Sendung mit MaKss Damage war, und dann suche ich das, erst im Blog, und dann auf Facebook, und finds nicht, und wundere mich total, weil ich so 1 klare Erinnerung dran habe, damals schon was dazu geschrieben zu haben, wie unsympathisch ich natürlich beide fand, aber bei Shapira war das damals der weniger selbstverständliche Teil, denn von dem hatte ich zu der Zeit noch nie gehört. Ich fand ihn damals schon doof, und einerseits birgt das das Risiko von Voreingenommenheit, andererseits aber gibt es mir natürlich dieses angenehme Gefühl von Bestätigung jedes Mal, wenn er was Ekliges tut. Zum beispiel jetzt.

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Utopischer Hot Take, der aber gegen die Richtigen geht [Alternativtitel: Fuck you, Ray Bradbury!]

6. März 2019
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Symbolbild

Was ist der Alte Weiße Mann vor allem? Genau, ein Spießer. Ein kulturpessimistischer Normie-Besserwisser, der glaubt, dass die Welt vor die Hunde geht, weil niemand auf ihn hört.

Was will der Alte Weiße Mann auf keinen Fall sein? Genau, ein Spießer.

Der Alte Weiße Mann fühlt sich nämlich sehr nicht als Spießer. Er fühlt sich gar nicht alt und grantig und nölig. Der Alter Weiße Mann fühlt sich sehr jung und sexy und clever und sogar rebellisch, was ein bisschen lustig ist, weil er komplett den Mainstream dominiert.

Deshalb liebt der Alte Weiße Mann solche Bücher wie Fahrenheit 451. Denn wenn der Alte Weiße Mann Fahrenheit 451 liest, dann kann er alles haben. Dann kann er richtig schön nölig kulturpessimistisch sein, und drüber schimpfen, dass niemand mehr liest und alle nur noch auf ihren Handys rumdrücken und gar nicht mehr rausgehen und Fußball spielen oder noch besser: dem Alten Weißen Mann zuhören, wenn er ihnen erzählt, dass sie rausgehen und Fußball spielen sollen, oder halt Bücher lesen, vorzugsweise die, die Alte Weiße Mann selbst darüber geschrieben hat, wie wichtig es ist, Bücher zu lesen, die der Alte Weiße Mann darüber geschrieben ihr merkt schon, worauf ich hinaus will.

Und dann kann er sich trotzdem wie ein verruchter sexy cooler total krass unangepasster Rebell fühlen, denn er macht das ja: Er liest Bücher. Er hat eine Bibel, und er findet sie irgendwie wichtig. Er findet all diese alten Schinken wichtig und meint, dass man sie unbedingt gelesen haben sollte, all diese Bücher, die in der Schule alle zu lesen gezwungen werden, weshalb es nicht so leicht ist, sich krass unangepasst und rebellisch zu fühlen, wenn man findet, alle sollten diese Bücher lesen.

Fahrenheit 451 macht es aber möglich, denn Fahrenheit 451 gibt dem Alten Weißen Mann die Welt, von der er träumt, in der er ein Rebell ist, ein Held, der Protagonist, die Hauptperson, das einzige, was zählt, und der einzige, der es verstanden hat.

Oder was meint ihr?


Die Süddeutsche Zeitung macht Carolin Emcke zum Horst

17. Februar 2019

oder so. Weiß nicht, wie viel sie selbst dazu beigetragen hat. Ich traue ihr einiges zu. Egal. Zur Sache:

Facebook macht Moral zum netten Accessoire

titelt die Süddeutsche Zeitung, und ich muss euch gleich jetzt enttäuschen: Es geht nicht um 1 neuen Profilbildeffekt, sondern um was ganz anderes.

In beschleunigten Zeiten, in denen Ereignisse medial verbreitet und kommentiert werden, bevor sie wirklich erlebt sind, ist die Entdeckung der Langsamkeit opportun.

Ja, nee, aus dem ersten Satz des Artikels kann man das natürlich noch nicht entnehmen, denn alle Artikel über Themen, die irgendwas mit Internet zu tun haben, müssen in deutschen Tageszeitungen immer gleich schwammig-labernörgelig anfangen, so will es das Gesetz, da kann bestimmt auch Frau Emcke nichts dafür.

Nicht immer ist die erste Intuition verlässlich, und nicht immer ist die erste Erregung angemessen. Allzu häufig erweist sich das Skandalisierte beim zweiten Blick als weniger skandalös.

Für Zeitungen ist das leider schwierig, weil die halt irgendwann Redaktionsschluss haben. Aber für den Rest von uns ist das womöglich ein guter Rat. Wollen wir also gemeinsam mal gucken gehen, ob sich das Skandalisierte beim zweiten Blick als weniger skandalös erweist?

Natürlich wollen wir das!

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