Der ist für Sie, Herr Dregger.

16. Juni 2017

Sehr geehrter Herr Dregger,

es stört Sie also, dass die Botschaft von Katar sich entschieden hat, eine Statue mit nackten Brüsten durch eine Doppelflagge zu verhüllen. Es stört Sie so sehr, dass Sie dazu als Vertreter des Abgeordnetenhauses von Berlin gesagt haben

„Natürlich haben diese rückwärtsgewandten Betonmuslime Schwierigkeiten damit, die Schönheit der Schöpfung zu zeigen“

Und jetzt würde ich Ihnen gerne erklären, wie sehr ich Sie persönlich für diese Äußerung verachte. Kann ich aber nicht so ganz, weil Sie mir nicht den rechtlichen Ärger wert sind, den ich mir damit möglicherweise einhandeln würde. Deshalb halte ich mich ein bisschen zurück und weise nur kurz in dieser überschaubaren Öffentlichkeit darauf hin, dass jemand wie Sie, der als Vertreter eines Landes, in dem es nach wie vor ohne Aussicht auf Besserung strafbar ist, wenn Frauen ihre Brüste in der Öffentlichkeit nicht verhüllen, dessen Denkmalschutzbehörden den nicht exterritorialen Eigentümern von Häusern genau vorschreiben, welche Teile davon sie wie zu ver- und enthüllen haben, und der es nicht mal aushält, dass jemand eine Flagge vor seinen Giebel hängt, ohne komplett die Contenance zu verlieren…

Ähm. Wie fing der Satz noch mal an?

Ach ja, genau. Also: Dass so jemand wie Sie, so ein armer Gernegroß, der nicht mal die Ironie darin erkennt, dass er es sich in seiner zentralen Bemerkung dazu, wie rückwärtsgewandt andere in ihrer Religiosität sind, nicht verkneifen kann, seine eigene rückwärtsgewandte Religiosität kulturkämpferisch und xenophob zur Schau zu stellen, …

Warte mal. Wie hab ich…? Ach ja.

Also, so jemand wie Sie, Herr Dregger von der CDU, ist wirklich genau mein Humor.

Freundlich grüßt Sie

 

Muriel Silberstreif


Diesmal schreib ich sogar seinen Namen richtig

5. Juni 2017

James Kirchick hat wieder zugeschlagen. Und während er sich beim letzten Mal noch auf ein recht triviales Porträt des Opportunisten Donald Trump beschränkt hat, darf er diesmal für die FAZ ein ganz heißes Eisen anpacken:

Äh. Nee. Pardon. Tatsächlich lautet die Frage, die Kirchick stellen und beantworten darf:

Oder… Halt, entschuldigt bitte, schon wieder vertan. Richtig muss es natürlich heißen:

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Wir sind aber zum Glück auch nicht Thomas.

30. April 2017

Neinnein, keine Sorge, es geht nicht schon wieder um Epistemologie. Es geht um was ganz Anderes, nämlich um die Thesen des Bundesinnenministers zur Leitkultur. Und ja, ich bin das Thema auch leid (Pun not intended.), aber wie ich schon mal schrieb: Wir machen das, bis es alle verstanden haben.

Eine je nach Disposition gute oder schlechte Nachricht vorweg: Ich werde mich hier nicht auf den Originaltext beziehen. Den finde ich nämlich nicht kostenlos, und dass ich mir eine Bild am Sonntag kaufe, sehe ich noch nicht kommen, da brauchts schon ein bisschen mehr Motivation als einen schlechten Besinnungsaufsatz eines Bundesministers. Stattdessen beziehe ich mich auf den Bericht auf faz.net, der etwas ausführlicher ist als andere, aber oberflächlich deckungsgleich mit dem auf bild.de, weshalb ich vorsichtig hoffe, dass sie nichts grob verzerrt haben.

Leitkultur also. Na, das kann doch nur gut werden. Gaudeamus igitur.

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Lange keine Nazis mehr in Schutz genommen

30. März 2017

Also wirds mal wieder Zeit. Ans Werk:

„Die AfD bereitet uns wirklich Sorgen“

darf der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, der FAZ erzählen, und ich dachte schon, na fein, da habe ich doch mal einen Punkt, in dem ich mit dem Zentralrat mal komplett übereinstimmen darf.

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Das wird man doch wohl noch sagen dürfen

4. Januar 2017

Ich persönlich bin ja dafür, dass Leute, die den Begriff Nafri okay finden, es aber als unfassbar unsensibel und unangemessen bewerten, wenn eine Bundestagsabgeordnete mal schüchtern fragt, ob ein rassistischer Polizeieinsatz eigentlich okay ist, ihre dumme Fresse halten.


Fake-News

3. Januar 2017

Ethik könnte das erste Opfer der Republikaner sein

titelt die Zeit (und übernimmt damit sinngemäß ein Zitat von Nancy Pelosi, der „Anführerin der Demokraten im Repräsentantenhaus“; man hätte auch sagen können: Fraktionsvorsitzenden, oder Minority Leader), schreibt im Teaser drunter:

Die Republikaner wollen die Befugnisse einer unabhängigen Ethikkommission beschneiden.

und im eigentlichen Text dann:

Republikaner des US-Repräsentantenhauses haben sich in einer internen Sitzung dafür ausgesprochen, die Befugnisse der unabhängigen Ethikbehörde der Regierung stark zu beschneiden.

Ich muss natürlich zugeben, dass man vertreten kann, dass es kleinlich ist, wenn jemand findet, so eine schreiend tendenziöse Überschrift, gepaart mit einer beiläufigen Gleichsetzung von Ethik mit einer Ethikkommission mit einer Ethikbehörde, sei nicht nur per se schlechter Journalismus, sondern auch Zeichen einer sehr bedenklichen grundsätzlichen Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit und zu hoher Priorität für Effekthascherei und Klickbait-Überschriften, weil doch sicher jeder weiß, was gemeint ist. Aber dann soll man sich zumindest nicht wundern, dass Leute keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen Zeit-Artikeln, Russia Today und den Facebook-Posts ihres Onkels sehen.

Ach ja, falls es euch interessiert: Das Office of Congressional Ethics ist (laut Selbstbeschreibung zumindest) definitiv keine Behörde und gehört auch nicht zur Regierung, sondern ist eine unabhängige, überparteiliche Organisation, die man auf Deutsch meines Erachtens deshalb am ehesten als „Ethikkommission“ bezeichnen würde. Man könnte natürlich darauf hinweisen, dass der Vorstand dieser völlig unabhängigen und überparteilichen Entität offensichtlich fast komplett aus Politikerinnen (und einer an ihrer Uniform als solche erkennbaren Soldatin) besteht, und dass das ein Problem sein könnte. Dafür müsste man sich aber natürlich ein bisschen für Hintergründe und Komplexität und sowas interessieren und nicht einfach nur dumpfes Anti-Trump-Ressentiment bedienen wollen. Ich weiß, dass ich mich mit diesem letzten Satz ein bisschen unnötig angreifbar mache, aber ich finde die Hypothese in Anbetracht der Gesamtumstände gut haltbar und mache sie mir deshalb bis auf Weiteres ganz ernsthaft zu eigen.


Alle doof außer Tuvia Tenenbohm

21. November 2016

Ich habe hier ja schon mal über einen Beitrag von Tuvia Tenenbohm geschrieben, deshalb packte mich die Neugier, als mir sein Name auf zeit.de ins Auge fiel, zumal er offensichtlich

Hilfe!

brauchte, und ihr wisst ja, wie hilfsbereit ich bin, vor allem, wenn jemand wie Herr Tenenbohm überall kleine Diktatoren sieht, denn Freiheit ist mir wichtig.

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