Marco Bülows vollständiges Positionspapier

13. Januar 2021

Ich weiß nicht, ob ihrs mitbekommen habt, aber der Bundestagsabgeordnete und Mitglied der Partei „Die PARTEI“ Marco Bülow hat heute auf Twitter klar Stellung bezogen zur Causa (Was ist ein politischer Text wert, in dem dieser Begriff nicht vorkommt?) Sonneborn.

Dabei musste er sich entsprechend dem Wesen des Kurznachrichtendienstes (Hätten wir damit auch abgehakt.) etwas beschränken. Sein komplettes Manuskript, das der Redaktion von überschaubare Relevanz zugespielt wurde, veröffentlichen wir nun hier in voller Länge:

Liebes Gefolge,
ich habe immer eine klare Haltung gezeigt, wenn auch vielleicht nicht so nach außen. Mehr so … innerlich. Aber eine Haltung ist doch schließlich auch was Inneres, und worauf es doch ankommt, ist doch, dass meine Haltung völlig klar ist, und ich habe eine klare Haltung, das wissen alle, die mich kennen. Und gerade in dieser Sache, auf die dieser Tweet sich bezieht, ist meine Haltung wohl sowieso allen klar. Noch mehr als sonst. Wo sie doch sonst schon sehr klar ist. Niemand hat eine klarere Haltung als ich. ich denke, das müssen wir nicht diskutieren. Meine Haltung war schon klar, als andere noch gar keine hatten.

Ich weiß, die Klarheit meiner Haltung mag erst einmal überraschend sein für einen Berufspolitiker. Man ist das ja gar nicht gewohnt. Wo andere gerne um den heißen Brei herumreden, komme ich gerne direkt zur Sache und sage, was ich denke – zur Not auch unbequem. Ich ecke an. Ich provoziere. Das gehört für mich dazu. Wichtig ist mir dabei stets, ich selbst zu sein und offen für das zu stehen, wofür ich immer gestanden habe.


Mein Motto war immer: ich muss nicht überall beliebt sein. Klare Kante, für, aber auch gegen, wenn nötig. Sich selbst treu bleiben, darauf kommts doch an. Nicht immer dem Zeitgeist folgen.
Haltung zeigen. Oder zumindest haben. Irgendwo.

Zu einer klaren Haltung gehört für mich selbstverständlich auch, dass man nicht überall mitgeht. Nicht immer dabei ist. Wichtig ist, immer den Maßstab im Auge zu behalten. Nicht dem Druck nachzugeben. Andere mögen erwarten, dass ich schweige und mich anpasse. Aber so bin ich nicht. Ich gehöre zu denen, die aufstehen und ausscheren, wenn es nötig ist!

Kein Mitläufer sein, nicht mit den Wölfen heulen. So bin ich erzogen worden. So bin ich noch heute. Wer von mir erwartet, zu schweigen, stumm zuzusehen, einfach untätig dabei zustehen, der wird enttäuscht werden.

Das Dreschen hohler Phrasen ist einfach meine Sache nicht. Anderswo wird in der Politik vielleicht nur heiße Luft produziert, aber ich komme lieber direkt zur Sache. Ich packe an. Ich nehme kein Blatt vor den Mund, gerade bei wichtigen, zentralen Fragen wie dieser. Wenn es wirklich zählt, wenn es drauf ankommt, werden Sie immer – IMMER – darauf vertrauen können, dass ich mich klar positioniere und keine Zweifel daran lasse, wo ich stehe.

Andere halten lange, fein geschliffene Reden und vermeiden es doch, unmissverständlich Position zu beziehen.
Ich halte es mit Luther: Ja, ja! Nein, nein! Alles Weitere ist von übel. Klarheit in der Sache ist für mich untrennbar verknüpft mit meiner politischen Karriere. Nur so kann Veränderung gelingen. Nur so kann unsere Gesellschaft zu dem werden, was sie eigentlich schon lange sein sollte.

Wer politische Verantwortung übernimmt, trägt damit auch persönliche, und verpflichtet sich zu Integrität, Engagement und Beteiligung an der öffentlichen Meinungsbildung. Ich habe deshalb mit meiner Meinung nie hinter dem Berg gehalten und lasse keinen Zweifel daran, wo ich stehe. Zu meiner Haltung. Zu mir. Zur Sache. Immer ehrlich, manchmal schonungslos, ohne Rücksicht auf eigene Verluste, weil es mir nur um eins geht:

Klare Haltung.


Danke für die Aufmerksamkeit.


Aber sie können nicht tanzen

11. Januar 2021

Wo ich gerade dabei bin:

Dieser Tweet steht natürlich wie so oft nur als Beispiel für eine Tendenz. Mohamed Amjahid ist bestimmt eine tolle Person. Als Einzelfall find ichs nicht besonders schlimm. Hätte mir auch passieren können.

Aber wie schwer ist es eigentlich, Leute für ihr Fehlverhalten zu kritisieren, statt für ihre Schwächen?

Leute, die nicht tanzen können, sind keine so extrem benachteiligte Gruppe, kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Deshalb ist so ein Tweet natürlich nicht so schlimm wie die vielen ableistischen Spprüche über #Covidi**** zum Beispiel. Aber Menschen anzugreifen, wenn sie tanzen, obwohl sie es nicht können, ist schon irgendwie Teil genau der Arschlochhaltung, die viele unserer größeren gesellschaftlichen Probleme verursacht.

Es lenkt erstens ab von dem echten Problem und perpetuiert zweitens generell Bullying-Konzepte. Sicherlich fällt es euch immer mal wieder auf, wie gerne wir Menschen angreifen für ihre Schwächen, statt für ihr Fehlverhalten, weil wir schlimmer finden, dass sie nicht der gewünschten Norm entsprechen, als dass sie Schaden anrichten.

Es fällt uns anscheinend schwer, einfach nur zu sagen: „Diese Menschen sind Nazis und nehmen bewusst vorsätzlich in Kauf, andere Menschen mit einem potentiell tödlichen Virus anzustecken“, ohne auch noch nachzuschieben, dass sie aber außerdem nicht tanzen können (also lächerlich aussehen bei dem, was sie tun), oder hässlich sind, oder dumm, oder sonst irgendwas, was sie nach gesellschaftlichen Normen als „minderwertig“ markiert, obwohl wir eigentlich wissen, dass Ersteres eine berechtigte Kritik ist und wirklich verwerflich, Letzteres aber nicht. Und diese Vermischung ist auch ein Problem, denn das Verwischen der Grenze zwischen berechtigter Kritik und Bullying (Gibts dafür einen guten deutschen Begriff?) spielt auch denen in die Hände, die gerne Hufeisenargumentationen und Cancel-Culture-Genörgel bemühen, wenn jemand berechtigt kritisiert wird.

Weil wir so sehr diese faschistoiden Ideen von „Minderwertigkeit“ internalisiert haben, dass uns Kritik unvollständig vorkommt, wenn wir sie nicht noch irgendwo untergebracht haben; oder weil wir uns nicht vorstellen können, dass jemand so verwerfliches Verhalten zeigt, ohne außerdem noch auch nach diesen Maßstäben „minderwertig“ zu sein; weil wir uns nicht eingestehen wollen, dass wir selbst uns nicht grundsätzlich von den Leuten unterscheiden, die sich so verhalten?

Ich weiß natürlich nicht, was genau die Gründe sind. Aber in diese Richtung gehen meine Vermutungen, und dass das Phänomen als solches existiert, lässt sich nicht leugnen, denke ich.

Und das ist schon ein großes strukturelles Problem.

Oder was meint ihr?


Natürlich auch noch im Maskulinum

10. Januar 2021

Ich weiß nicht, ob ihrs mitbekommen habt, aber vor ein paar Tagen haben in Washington ein paar Rabau… nee. Populis… nee. Demonst… nee. Warte mal, wie heißen die? Trump-Fans…? Nee, auch nicht. Ach ja, klar: Nazis! Nazis haben sich gewaltsam Zutritt zum Capitol verschafft und da randaliert. Das ist schlimm, gerade auch von der systemischen Seite her, wenn man sieht, wie die Polizei sie dabei unterstützt hat, und wie sie umgekehrt vorher im Vergleich mit den Demonstrierenden für Black Lives Matter umgegangen ist. Aber wie schlimm das ist, muss m.E. hier nicht weiter ausgeführt werden, denn das wisst ihr, und das steht auch … Jetzt hätte ich fast geschrieben überall, aber das stimmt natürlich nicht. Für viele Journalismusbetroffene ist ein Nazi ja nicht mal dann ein Nazi, wenn er sich selbst so nennt, während er mit dem einen Arm ein KZ eröffnet und mit dem anderen den Hitlergruß ausführt Aber auf den Social-Media-Profilen verschiedener guter Leute stehts.

Das ist traurig. Was mich auch traurig macht, ist andererseits die Kritik an diesen Leuten, die ich gerade ganz zufällig in diesem Tweet hier sehr treffend verkörpert gefunden habe:

Für mich ist das einer der ekelhafteren Tweets, die ich dieses Jahr gesehen habe, und er hat die Replys, die er verdient. Im Sinne von: zustimmende, teilweise noch ekelhaftere.

Ich denke, eigentlich könnte ich damit auch aufhören, aber weil ich ja nie weiß, wer hier so mitliest, führe ich es noch mal kurz aus: Das ist ein Nazi-Tweet.

Ja, genau. I went there. Ich hab die Nazikeule rausgeholt.

Einmal, weil ich finde, dass es gerade ein Gegengewicht braucht für die konsequente Verweigerung aller großen öffentlichen Äußerungen, einen Nazi einen Nazi zu nennen. Aber auch, weil er die Ideologie übernimmt, die er zu kritisieren vorgibt, nämlich die Idee, dass es Menschen gibt, die von ihrer natürlichen Entwicklung, ihrer Evolutionsstufe, ihrer Rasse, … wie ihr wollt, höher stehen als andere. Weiter sind. Dass es evolutionär besseres, wertvolleres, fortschrittlicheres Leben gibt, weniger wertvolles, immer mit der Implikation (die von manchen der erwähnten Replys expliziert (Potztausend, das Wort steht sogar im Duden!) wird), das weniger wertvolle Leben sei eigentlich ein Fehler, der nicht hätte passieren dürfen. Unwert halt.

Und sachlich falsch ist es natürlich außerdem. Evolution kennt kein „vorwärts“ oder „rückwärts“, „hoch“ oder „niedrig“. Sie ist keine Entwicklung auf ein Ziel zu. Wisst ihr ja.

Und so trägt der gute @stirz zu etwas bei, das er vorgeblich bekämpft, indem er … ableistische? Sozialdarwinistische? Dies ist der Beitrag, in dem ich permanent dieses Ding mit der Suche nach dem richtigen Begriff mache, merkt ihr? Ich plan das nicht, das passiert mir einfach so. Also jedenfalls faschistische Kritik an faschistischen Aktionen, Personen, Gruppen, Ideen übt.

Und das ist Mist.

Und müsste doch auch echt nicht sein. Weil wenn es EINE einzige Gruppe von Leute gibt, die es uns ganz leicht fallen sollte, klar und offen zu kritisieren, ohne irgendwie viel Kreativität oder Eloquenz zu brauchen, dann sind das doch wohl Nazis.

Oder was meint ihr?


Eine Chance, die ich verpasst habe

7. Januar 2021

Langelangelangelange habe ich mit mir gerungen, weil ich diesen Post eigentlich nicht schreiben wollte, aber gestern Nacht so vor dem Einschlafen, ihr kennt das vielleicht, ist mir klar geworden, dass ich ihn doch schreiben will. Eigentlich.

Also, es geht um diesen Artikel:

Eine Chance, kein Arschloch zu sein

von Mareice Kaiser in der taz über diskriminierungsfreie Sprache, dem ich generell zustimme. Und ihr wisst ja, dass ich die am liebsten kritisiere. Auch wenn es wie hier eigentlich nur um Details geht.

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Lesetipp: Die Ersten Magi

5. November 2020

Ich weiß nicht, ob ihr schon von ihm gehört habt, aber es gibt da diesen jungen, talentierten und unverschämt gut aussehenden Autor, und er hat gerade eine neue Kurzgeschichte in seinem Blog veröffentlicht, und vielleicht wollt ihr sie ja lesen. Ihr findet sie hier:

Ach so, CN für die, die es interessiert: Es geht um Rassismus, Abschiebung, Polizei. Wenn ihr das nicht lesen mögt, dann vielleicht besser nicht klicken. Aber ich fürchte, die lesen hier eh schon lange nicht mehr mit …

Viel Spaß!

[Offenlegung: Ich kann nicht völlig ausschließen, dass mein eigenes positives Urteil der empfohlenen Kurzgeschichte vielleicht nicht VÖLLIG objektiv gefällt wurde. Ich sags nur vorsichtshalber.]


Der Spiegel trommelt weiter für Rassismus

3. November 2020

Kevin Hagen macht das ein bisschen subtiler als Sascha Lobo, und versteckt es unter einem Mäntelchen aus Berichterstattung und der Überschrift „Linke streiten über Umgang mit Islamismus„, aber im Prinzip bläst er ins selbe Horn.

Obendrüber muss natürlich ein Bild von einer Frau mit Kopftuch, aber ohne Gesicht, stehen, das geht bei Berichterstattung über Muslimminnen bekanntlich nicht anders.

Feindbild Muslim in der öffentlichen Wahrnehmung verankert“ steht (so in Anführungszeichen) darunter, und man weiß noch nicht recht, warum. Wahrscheinlich ist es ein Zitat. Schaumermal.

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Ich hätte Sascha Lobo gar nicht für 1 Fascho gehalten,

25. Oktober 2020

obwohl ich ihn bekanntermaßen schon verachtete, bevor es cool war.

Nee. Entschuldigung. Ich muss zwei Sachen klarstellen:

  1. Keine Sorge, ich mach jetzt nicht jede Überschrift mit Komma. Das ist kein Trend, nur eine zufällige Folge von zwei Einzelfällen. Hehe. Einzelfälle. Ist das eine brillant subtile Anspielung auf das eigentliche Thema, oder was? Ich bin einfach so gut.
  2. Keine Ahnung, mit wem ich hier rede, ich weiß ja eigentlich, dass eh niemand mehr mitliest, und bei anderen Schreibenden mag ich dieses selbstverliebte Posieren ja normalerweise nicht. Aber bei mir selbst ist das was anderes. Ich bin ja schließlich SO GUT.
  3. Ich weiß, ich hatte „zwei Sachen“ geschrieben, und jetzt sind es vier. Tut mir leid. Mir war zu dem Zeitpunkt nicht präsent, WIE UNFASSBAR GUT ich bin.
  4. Es war schon immer cool, Sascha Lobo zu verachten.

Zurück zum eigentlichen Thema: Also, ja, ich habe Sascha Lobo schon immer für 1 ziemlichen Honk gehalten, aber dass er sowas schreibt, hätte ich dann doch nicht erwartet:

Nach einem rechtsextremen Mord ist Verlass auf linke Empörung in den sozialen Medien. Auf einen islamistischen Mord hingegen folgt Stille, linke Zerknirschtheit – und manchmal sogar Schlimmeres.

Das Zitat hätte ich jetzt eher Tichy, Matussek oder Weidel oder so zugeordnet. Aber es ist der Teaser für die aktuelle (Naja, vom 21. Oktober halt. Verglichen mit dem letzten Blogpost über eine Pressemitteilung von Mitte 2019 bin ich damit geradezu Enthüllungsjournalist!) Ausgabe von Lobos Kolumne, in der er mal richtig den Wutbürger rauslässt. Denke ich jedenfalls. Mehr als den Teaser hab ich auch noch nicht gelesen, ich schreibe meine Posts nämlich live on tape, und sehr voreingenommen, wie ihr merkt. Manchmal zumindest.

Mal gucken, ob ich hinterher merke, dass ich Unrecht hatte, oder ob ich mir meine zu schnell gefasste Meinung noch irgendwie notdürftig schönreden und rechtferti Lobo doch genau so ist, wie meine geschärfte Menschenkenntnis mir jetzt sagt.

Kurz Spaß beiseite und ernsthafter Hinweis: Ich reproduziere hier Lobos rassistischen Müll. Das tut mir leid. Ich halte es für vertretbar, weil mein Blog wie angedeutet von ungefähr drei Leuten gelesen wird. Aber ich bin erstens bereit, drüber zu reden, falls ihr das anders seht, und biete euch zweitens dies gleichsam als content notice an, denn zumindest in diesem Post gehts so weiter.

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Yanis (1)

1. August 2020

Weil ich es hier noch gar nicht erwähnt habe, mache ich es halt jetzt: Drüben in meinem Autorenblog läuft übrigens ein neuer Fortsetzungsroman. Er ist toll und ihr solltet den alle lesen.

Fabian Elfeld, Schriftsteller

Auf ein Neues! Tatsächlich ist diese Geschichte sogar so neu, dass sie noch keinen richtigen Namen hat, deshalb habe ich erst mal den Namen einer wichtigen Figur genommen. Mal gucken.

Und um es gleich noch mal schwerer zu machen: Ich finde, dieses Kapitel ist nicht so gut geworden. Das hat mehrere Gründe. Darüber reden wir in den Lesegruppenfragen.

Allen, die das nicht abschreckt, viel Spaß!

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Puns are the lowest form of humor

15. März 2020

Vielleicht erinnert ihr euch an meinen Kalauer-Beitrag von vor ewigen Zeiten. Wahrscheinlich nicht. Aber dies ist jedenfalls noch einer, aber einer mit nur einer Kalauer-Geschichte.

Sie geht so:

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Für alle, die noch Zweifel hatten, ob Thomas Fischer ein sexistischer a…

22. Juni 2019

…ußerordentlch unerfreulicher Mann ist, hat er jetzt noch mal einen Beitrag geschrieben, der das einwandfrei klarstellt. Er heißt:

Anmerkung 2019-06-21 173815

Also, der Beitrag. Nicht Thomas Fischer. Thomas Fischer heißt nach wie vor Thomas Fischer. Es sei denn, ihr wollt ihn anders nennen. Aber würde das wollen?

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