…oder soll man es lassen?

1. April 2019

Der Journalist Raphael Thelen hat für das Magazin der Süddeutschen Zeitung ein Portrait von Markus Frohnmaier geschrieben, für das er eineinhalb Jahre mit dem Mann verbracht hat:

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Auf Twitter bekomt er nichts als Spott, Häme, Vorwürfe, und Beschimpfungen für diesen Versuch nicht nur eines Dialogs, sondern auch der Verständigung.

Denn was sonst ist so eine Story als der Versuch, zu verstehen. Aufzuzeigen, wie ein Mensch, der so viel Hass verbreitet, so radikal eine Gesellschaft verändern will, der sich so von allem entfernt hat, was als demokratischer Konsens gilt, oder zumindest bis vor Kurzem zu gelten schien.

Viele der Kritiker*innen haben den Text nicht gelesen, wissen also nicht einmal, was sie kritisieren.

Damit begehen sie denselben Fehler gleich zweimal: Sie wollen nicht wissen, wie Frohnmaier dargestellt wird, und sie wollen auch nicht, dass andere es wissen, und zeigen damit ihr Menschen- und Gesellschaftsbild. Sie nehmen das Abweichende als böse und schädlich wahr, und trauen weder sich selbst oder anderen zu, sich damit angemessen auseinander zu setzen, noch sehen sie eine Chance, dass jemand wie Frohnmeier im Dialog überzeugt werden könnte. Sie haben kein Vertrauen in die eigenen Argumente und bestehen darauf, den AfD-Politiker auszugrenzen, und verhalten sich damit letzten Endes nicht anders als die, die sie so sehr als Feind wahrnehmen, dass sie schon diejenigen Nazis nennen, die nur anders als sie bereit sind, sich mit ihnen zu befassen, und damit doch eigentlich mehr für Demokratie und gegen den Rechtsruck tun als diese im Wortsinne blindwütigen Antifaschisten.

Oder was meint ihr?


Einen neuen Fricke braucht der Spiegel

8. Februar 2019

Freie vs. regulierte Marktwirtschaft

Überschreibt Thomas Fricke seine Kolumne und zeigt damit schon grob, wohin die Reise geht.

Schlagloch

Dieser Weg wird kein leichter sein, nehme ich an.

Ihr könnt euch denken, dass neoliberale Vollpfosten wie ich da nicht die Klappe halten können?

Ihr denkt richtig! Wer das Desaster ganz miterleben will, folgt mir bitte hinter den Trennstrich, alle anderen malen sich das ganze Ausmaß meiner schon in jungen Jahren diagnostizierten frühkapitalistischen Arschlochhaftigkeit nur still schaudernd aus.

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Ausstieg Großbritanniens aus der EU ist natürlich ein scheußlicher Begriff

16. Januar 2019

aber Brexit find ich noch schlimmer. Ich mag diese Schmelzwörter nicht. Und einerseits schäme ich mich ein bisschen für den Wolfschneiderismus, der da durchschimmert, aber ich finde, solange die Yellow Press noch von Brangelina spricht, ist es okay.

Was? Das tut sie gar nicht mehr, weil die beiden schon lange nicht mehr zusammen sind?

Mist.

Dann lasst uns schnell über was anderes reden.

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Gastbeitrag von Robert Habeck

9. Januar 2019

Diese Woche ist nicht leicht für mich. Ich habe verschiedene Fehler eingestehen müssen, die wirklich dumm von mir waren, habe viel Spott über mich ergehen lassen müssen, und ich denke, es wird Zeit, selbstkritisch Bilanz zu ziehen, und mir einzugestehen, wie dumm das alles von mir war, und wie ungeschickt.

Dumm und ungeschickt war es tatsächlich, dass ich zugelassen habe, dass Twitter mich verändert. Das war, ich gebe es zu, mein größter Fehler: Mich beeinflussen zu lassen. Ich hätte wissen müssen, dass ich das nicht zulassen darf. Dass all diese Menschen auf Twitter, anders als ich, einfach kein Interesse daran haben, den digitalen Raum konstruktiv und diskursiv zu nutzen, und dass das auf mich abfärbt. Ich will niemals werden wir ihr. Und das wäre beinahe passiert. Wie dumm muss 1 sein?

Jetzt, nach meinem Abschied von Twitter ist mir klar geworden, dass ich mir eingestehen muss, dass Twitter ein Instrument der Spaltung geworden ist. Auf meinem Weg zu einer Korrektur aller Fehler, die Twitter mir in der Vergangenheit aufgezwungen hat wie die niederträchtige Krankheit, die es ist, ist für mich der erste Schritt klar. Wenn ich in mich hineinhorche und frage, wo ich noch dazu lernen kann, dann höre ich da ganz klar die Erkenntnis, dass die Leute auf Twitter an allem Schuld sind. Auf Twitter kann es niemals einen echten Dialog geben. Das muss ich einsehen. Ihr blödes Volk könnt meine Sehnsucht nach direktem Austausch mit Leuten nicht stillen. Weil ihr für mich keine Leute seid. Ich werde jetzt wieder in echten Gesprächen ich selbst sein können, und darauf freue ich mich, weil ich niemals Fehler gemacht hätte, wenn ich von vornherein ich selbst geblieben wäre. Ich selbst mache schließlich keine Fehler. Twitter macht Fehler!

Natürlich ist mir klar, dass das nicht alles sein kann. Meine Selbstkritik ist damit noch nicht abgeschlossen. Ich muss noch mehr tun. Gegen Twitter. Gegen dieses verfickte Scheißtwitter, das an allem Schuld ist, und nicht nur mein Leben, sondern unsere ganze Demokratie, beinahe komplett ruiniert hätte, und mich von dem wunderbaren, klugen, stets dialogbereiten Menschen, der ich in Wahrheit bin, in den wunderbaren, klugen, manchmal durch den SATAN Twitter an der Dialogbereitschaft gehinderten Menschen verwandelt hat, den ihr in den letzten Monaten erlebt habt.

Twitter. Ich kann euch sagen. Dieses widerliche Drecksding, das für mich die Summe der Wut und des ganzen Hasses der Menschheit verkörpert. Wäre mein Leib eine Kanone, ich schwöre, ich schösse mein Herz auf dieses gottverdammte Netzwerk aus der Hölle.

Eigene Fehler einzugestehen und an sich zu arbeiten erfordert viel innere Größe, und klingt auch ansonsten nach was, wozu ich wirklich nicht bereit bin. Ich bin nicht da angekommen, wo ich heute bin, weil ich bereit war, eigene Schwächen einzugestehen.

Und deshalb, und ich weiß, das wird manche Parteifreundinnen und -freunde überraschen, habe ich Präsident Putin heute einen Brief geschrieben und ihn gebeten, in einem dringend notwendigen präemptiven Schlag die Twitterzentrale in


Das Ziel der Evolution

25. Dezember 2018

Sicher habt ihr alle vom Fall dieses Spiegel-Journalisten gehört, dessen Name schon so ausgedacht klingt. Sicher habt ihr euch auch schon gedacht, dass ich den Fall gar nicht besonders beeindruckend finde, und eigentlich aus meiner Sicht eine andere Erkenntnis als die, dass seine Texte teilweise erfunden waren, viel wichtiger wäre, nämlich dass es völlig egal ist.

Aber gerade weil das Thema schon bei allen angekommen ist, rede ich heute mal wieder über ein anderes Symptom journalistischer Wurstigkeit, diesmal am Beispiel der Süddeutschen Zeitung und Kathrin Zinkants faszinierenden Beitrags

Der Mensch steht an der Schwelle eines neuen Zeitalters


So als Alternative zu all dem Weihnachtskram, der uns ansonsten gerade von allen Seiten bedrängt, doch vielleicht ganz nett.

Kommt jemand mit?

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Was die ZEIT gelernt hat

18. Juli 2018

„Tatsächlich vertritt niemand in der ZEIT – auch nicht die Autorin des Contra-Artikels – die Auffassung, dass man Menschen ertrinken lassen sollte, um andere abzuschrecken“

„Schließlich kam im Contra-Text von Mariam Lau nicht genug zum Ausdruck, dass wir – auch die Autorin – großen Respekt haben vor jenen, die ihre Freizeit und ihr Geld einsetzen, um auf dem Mittelmeer Menschen in Not zu retten, und sich dabei mitunter selbst in Gefahr bringen.“

 

„Das Ertrinken im Mittelmeer ist ein Problem aus der Hölle, ein politisches Problem, zu dessen Lösung die private Seenotrettung null und nichts beizutragen hat.“

Schlepper kennen die Namen und Kapazitäten der NGOs; sie brauchen gar keinen direkten Kontakt, um ihre Planung auf sie auszurichten. Je mehr gerettet wird, desto mehr Boote kommen – so einfach ist das, und so fatal.“

 

„Unabhängig davon, aus welcher Motivation und mit welchem Weltbild die Retter handeln, sind sie erst einmal zu bewundern.“

 

„In den zwei Wochen, in denen ich mal an Bord eines privaten Rettungsschiffes mitgefahren bin, hat keiner der Helfer auch nur einen Gedanken daran verschwendet, wie die sozialdemokratische Regierung von Massimo Renzi ihren Bürgern erklären soll, dass sie Tausende von Menschen einkleiden, beherbergen und ernähren sollen, die gekommen sind, um zu bleiben – legal, illegal – ganz egal.“

„Stellen wir uns für zwei Minuten vor, wo Europa jetzt stünde, wenn man dem Drängen der Menschenrechtsorganisationen nach Legalisation aller Wanderungsbewegungen, ob Flucht oder Armutsmigration, nachgegeben hätte. Nach einem Europa ohne Grenzen. Eine Million, zwei Millionen, drei Millionen. Wie lange würde es wohl dauern, bis die letzte demokratische Regierung fällt?“

 

„Was haben wir gelernt? Das Jahrhundertthema Flucht setzt Europa unter hohen moralischen und politischen Druck, es fordert auch unseren Journalismus ungemein. Wir haben uns vorgenommen, es in Zukunft wieder besser zu machen.“


Krebs ist eigentlich kein Problem, wenn man von den Tumoren absieht

26. Mai 2018

Ich frage mich des Öfteren, wo eigentlich das Gefühl für Verhältnismäßigkeit, Anstand, Ethik und so weiter bei so Veranstaltungen wie der Süddeutschen Zeitung geblieben ist. Eben all dieser Kram, von dem sie behaupten, dass er sie von anderen profitorientierten Unternehmen unterscheiden würde. Vierte Gewalt und so. Aber dann fällt mir ein, dass ich keinen Grund zu der Annahme sehe, dass sie sowas jemals gehabt hätten, und dann bin ich beruhigt.

Und dann fällt mir wieder ein, dass ich echt lange nichts mehr in mein Blog geschrieben habe und dass das aber eigentlich nicht tot sein soll.

Und dann schreibe ich so Posts wie diesen hier. Seid ihr dabei?

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