Das war knapp

26. Oktober 2018

Ich hab euch hier lange keine Geschichten aus meinem Leben mehr erzählt, und ich kann mir schwer vorstellen, dass ihr sie vermisst habt, aber erstens hab ich seit meinem Twitter-Rauswurf nun wirklich nichts Besseres mehr zu tun, und zweitens find ich diese Geschichte wirklich ganz ulkig. Ihr könnt mir ja sagen, falls ihr es anders seht.

Erläuterung vorweg: Es gibt hier in Hannover am Aegidientorplatz so eine Strecke, auf der ein Radweg neben so einem überdachten Gebäudeüberhang entlang führt, der durch eine regelmäßig unterbrochene Wand von ihm getrennt ist. Man hat also so ca. alle 10 Meter einen Durchgang, durch den zu Fuß Gehende auf den Radweg taumeln können, die zum Beispiel zu ihrem auf der anderen Seite geparkten Auto oder sonstwohin wollen. Weil zu Fuß Gehende Radwege gemeinhin nicht wahrnehmen und einfach selbstverständlich davon ausgehen, sich überall völlig ungefährdet und rücksichtslos bewegen zu können (Ich HASSE zu Fuß Gehende sogar noch mehr als Auto Fahrende, wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin.), habe ich mir angewöhnt, zur Unfallvermeidung vor diesen Einmündungen kurz zu klingeln, um uns zumindest eine Chance zu geben, eine Kollision zu vermeiden. (Ich bin schon mal wirklich mit einer zu Fuß gehenden Person zusammengestoßen, das passiert, und war sehr unangenehm.)

Klar soweit? Gut. Dann kommt jetzt die Geschichte. Nach der langen Vorrede kann sie natürlich nur antiklimaktisch sein, aber wenn ihr eure Erwartungen entsprechend anpasst, geht sie glaubich. Also los:

Vor ein paar Tagen begab es sich auf der beschriebenen Strecke, dass gerade als ich mein Vorsichtswarnungsklingeln einsetzte, ein anderer Radfahrer vor mir auf den Radweg auffuhr. Er wandte sich kurz zu mir um und winkte, deshalb sprach ich ihn an der wenig später folgenden Ampel an, als wir zusammen warten mussten. Ich wollte ihm eigentlich nur sagen, dass ich ihn gar nicht gemeint hatte, mit der Klingel, aber er ließ mich gar nicht so weit kommen, das zu erläutern, und unterbrach mich schon nach wenigen Worten mit verständnisvollem, entschlossenem Nicken.

„Ich versteh das total“, sagte er, „Wirklich, mich kotzt das auch immer an, wenn Leute sich einfach vor mir rein drängeln.“

Ich versuchte, ihm zu widersprechen, aber es gelang mir nicht recht, denn er sprach weiter, mit zunehmend eng zusammengezogenen Brauen und leidenschaftlicheren Gesten.

„Ehrlich, ich versteh das“, sagte er, „Mich regt das auch immer total auf. Solche Arschlöcher!“

Er meinte das ernst. Also, nicht dass ihr jetzt denkt, der hätte das irgendwie ironisch oder sarkastisch gesagt. Der war auf Layer 0.

„Ich kenn das, wenn mans eilig hat, wenn man zur Arbeit will, und dann schneidet einen jemand. Das ist Scheiße!“, sagt er .

Ich gestikulierte und machte den Mund auf und zu wie Nathan Fillion in diesem Gif, das ihr vielleicht kennt.

Fillion.gif

„Letzte Woche“, erzählte er, „Da hat mir so ein SCHEIß-Porsche-Fahrer die Vorfahrt genommen. Ich hatte son Hals, weißt du??“ Er deutete mit einer ausladenden Geste den Umfang seines Halses zu dem beschriebenen Ereignis an. „Ich hab den angebrüllt, ich bin vor dem auf der Straße stehen geblieben, und hab gebrüllt. Der hat gar nicht reagiert. Da hab ich den aus dem Auto gezogen! Den hab ich aus dem Auto gezogen!“ Auch diesen Vorgang führte er mit leidenschaftlichen Gesten und leuchtenden Augen vor. „So ein Arsch, dem hab ichs gegeben. Hat dann gekniffen, die feige Sau. aber dem hätt ich …“

Die Ampel wurde grün.

„Naja“, sagte er, „Dann mal weiter, ne?“

Ich lächelte und nickte, und wir fuhren unserer Wege. Und ich war sehr froh, dass er meinte, den Grund für mein Klingeln verstehen zu können, auch wenn es eigentlich der falsche Grund war.


Gastbeitrag: Die Sache mit der Religion

18. August 2017

Hallo,

mein Name ist Frau Quadratmeter und ich darf mich hier in Ermangelung eines eigenen Blogs freundlicherweise ein wenig zu einem Thema auslassen, das in mir seit geraumer Zeit schwelt und zu dem ich meine Gedanken schon aus Selbstschutz einfach mal niederschreiben muss, damit ich nicht platze. Es geht um die Sache mit der Religion.

(Setzen Sie sich, vielleicht holen Sie sich vorher noch etwas zu trinken, das könnte hier eventuell etwas länger dauern.)

Den Rest des Beitrags lesen »


Nippon ist Backen.

6. November 2016

SAMSUNG CSC

Die Stadt Nikko hat nicht nur ein robustes Selbstbewusstsein, sondern auch tatsächlich die Assets, um das upzubacken. Nein, keine Sorge, ich schreib jetzt nicht diesen ganzen Beitrag im Stil des Businesshoroskops, ich hab das jetzt out of my system und bin bereit, quick and dirty meine operativen Tools erlebbar zu machen.

Kommt ihr mit?

SAMSUNG CSC

 

Den Rest des Beitrags lesen »


Loast Beef

31. Mai 2016

Die ersten Tage unserer Japanreise haben wir innerhalb Tokyos verbracht und dabei hin und wieder mal ungefähr das japanische Äquivalent einer S-Bahn benutzt, aber heute stand unsere erste etwas längere Reise in … wohl sowas wie einem Interregio an, und damit auch die erste, bei der wir die 1.-Klasse-Sonderfähigkeit unseres machtvollen Railpass+4 nutzen konnten. Wir waren angemessen aufgeregt und wurden sogar im Großen und Ganzen nicht enttäuscht. Leider haben wir trotzdem vergessen, ein Foto vom Innenraum des Zugs zu machen. Der war nun auch nicht ganz grundlegend anders als der von deutschen Zügen, aber ihr kennt das, es sind die kleinen Unterschiede, die eine Reise spannend machen. Wir fanden es zum Beispiel toll, dass die Mitarbeiterinnen von Japanese Railway sich vor dem Verlassen eines Wagens immer noch mal umgedreht und zu den Reisenden verneigt haben.

Zum Ausgleich haben wir sehr viele Fotos vom Außenraum des Zuges gemacht. Auch wieder nicht, weil da unfassbare Schönheiten zu sehen waren, sondern um einfach mal festzuhalten, wie Japan so aussieht, wenn man durchfährt. Nämlich zum Beispiel so:

Den Rest des Beitrags lesen »


Zum Schrein

18. März 2016

Wir bei überschaubare Relevanz sind manchmal ein bisschen langsam, aber wir geben nicht auf. Niemals. Wir geben nicht auf. Egal was passiert. Wir geben nicht auf. Also, was ich eigentlich sagen wollte: Die Reiseberichte kommen, auch wenns dauert. Und dies ist der zweite.

Den Rest des Beitrags lesen »


Entgegen weit verbreiteten Vorurteilen spinnen Japaner und Japanerinnen gar nicht selbst. Dafür haben sie Spezialisten. Und Spezialistinnen, nehme ich an. Man sieht das nicht so von Weitem.

24. Januar 2016

Wir waren im Urlaub. Das ist schon eine Weile her, aber ich will euch trotzdem noch davon erzählen. Es war toll. Wir waren in Japan.

Oh. Ihr wollt noch mehr Einzelheiten? Dann müsstet ihr bitte einmal da drauf klicken:

Den Rest des Beitrags lesen »


It’s still the same old story

21. Juni 2015

… und dann waren wir ja wie gesagt in Marrakesch, und man kann das natürlich nicht pauschal und ausnahmslos so sagen, aber weil ja simple Narrative schon ein deutlicher Vorteil im Marketing sind, sag ichs einfach mal trotzdem, von da an entsprach Marokko ziemlich genau der Erwartung, die uns dazu gebracht hatte, eigentlich nicht unbedingt nach Marokko reisen zu wollen.

Unser Hotel hat das von Anfang an sehr schön veranschaulicht. Es war offenbar bei Touristen sehr beliebt, nicht ganz billig, augenscheinlich auch durchaus glamourös, aber … im Grunde wirklich wirklich nicht gut. Und damit quasi eine Verbildlichung der ganzen Stadt im etwas kleineren Format.

DSC04374

Den Rest des Beitrags lesen »